Mushroom Mantras ist das neunte Studioalbum der Düsseldorfer Neo Psychedelic und Neo Kraut Rock Band Vibravoid. Es erschien im Jahr 2017 über das Independent Label Stoned Karma Records. Die Veröffentlichung erfolgte in unterschiedlichen Editionen.
Entstehung Die Stücke für das Album wurden im Jahr 2017 in Düsseldorf geschrieben, aufgenommen und produziert. Die Band spielte alle Instrumente selbst ein, darunter Vox Super Continental Orgel, Theremin, Stylophone, Boss DM1, Colorsound Fuzz Wha Swell, Roland Space Echo, Mellotron, Sitar und Electric Sitar. Auch die Aufnahmen, die Abmischung und die Produktion übernahm die Gruppe in Eigenregie.Beilage der CD-Edition: Mushroom Mantras. Stoned Karma Records, 2017. Das Lied Echoes Of Time wurde vorab auf der in Griechenland erschienenen 7″-Single Timemazine Woman veröffentlicht. Bei dem Stück The Orange Coat handelt es sich um eine Komposition aus dem Jahr 1995, deren originales Demo im Jahr 2021 auf der Archive Edition des Albums 2001 (The 30th Anniversary Archive Collection) erschien. Die Bonus-Tracks der CD-Version wurden bereits im August 1992 eingespielt sowie im Juli 2017 von Vibravoid restauriert und gemastert. Diese Stücke gelten als frühe Beispiele des Neo-Kraut Rocks und Kosmischen Musik.
Stil und Hintergrund Der Albumtitel bezieht sich auf die buddhistische Tradition, kleine Pilze mit Segens- und Glücksgebeten zu bemalen. Alle Lieder des Albums sind konzeptionell als Mantren aufgebaut, um ein musikalisches Gesamtkunstwerk zu formen. Mit dem universellen Friedens-Mantra Sarveshaam Svastir Bhavatu und Om Gang Ganpataye Namah greift die Gruppe zwei der ältesten Mantren der hinduistischen Kultur auf. Klanglich dominieren elektrische Sitars, Tablas, Mellotron und Theremin das Gesamtbild. Neben Raga-Rock-geprägten Strukturen, die mit analogen Tonerzeugern und Klangexperimenten kombiniert werden, weisen die Kompositionen melodische Pop-Elemente auf.Mushroom Mantras. CD Booklet, Labelname, Katalognummer, Jahr, S. X.
Editionen Das Album erschien in verschiedenen Ausführungen über das Label Stoned Karma Records. Neben der regulären CD-Version wurde das Album in einer auf 1000 Stück limitierten Vinyl-Erstauflage auf klarem, orange und blau gesprenkeltem Vinyl (Clear, Orange and Blue splattered) veröffentlicht. Der Pre-Order Edition dieser LP-Edition lag eine einseitig bespielte, nummerierte Flexi-Disc (33 ⅓ RPM, Shape, Single Sided, Card Backed) mit dem Track Mushroom Mantras bei. Im Jahr 2020 folgte eine remasterte, auf 500 Exemplare limitierte Doppel-LP-Edition auf zufällig farbigem Vinyl (Random Coloured), welche auf der zweiten LP das Bonus-Album Live At The Northwind, Bari, Italy 2010 mit den Live-Titeln Christmas On Earth, Ballspeaker, Vivid Vision, Adjustment und Your Mind Is At Ease enthält. Von dieser remasterten Edition wurde vorab eine auf 125 Stück begrenzte, handnummerierte und vom Künstler signierte Pre-Order-Edition mit einem zusätzlichen Poster-Cover vertrieben. Zudem wurde das Album als digitaler Download im FLAC-Format veröffentlicht.
Rezeption Uwe Schleifenbaum hob das Album in einer Rezension hervor und bezeichnete das Werk als „Blaupause für bedrohtes Spinnertum“, bei dem die Band ihre soundflächigen Ideen mit Raffinesse verteidige. Die Stücke würden stilistisch zwischen Krautrock, Kosmischer Musik und Einflüssen von Pink Floyd, den 13th Floor Elevators sowie den Black Angels changieren. Schleifenbaum charakterisierte Titel wie Echoes Of Time als „reinstes Psychedelic-Glück“ und ordnete die drei Bonustracks Krautfaktor I–III als sphärische Spurensuche ein, die musikalisch an Gruppen wie Can, Ash Ra Tempel und Amon Düül II erinnere. Er resümierte, dass dem Kollektiv ein phantasievoller Trip gelinge.
In einer Besprechung des griechischen Magazins Diskoryxeion wurde Mushroom Mantras als das bis dahin neueste Werk von Vibravoid beschrieben und der Veröffentlichungsumfang der Gruppe im Jahr 2017 hervorgehoben. Das Album biete zeitgenössischen Psychedelic Rock mit mal mehr, mal weniger deutlichen indischen Einflüssen sowie halluzinogenen Strukturen. Die ersten sieben Stücke, darunter das 20-minütige The Orange Coat, wurden als Essenz eines Mantras beschrieben, dessen atmosphere an Aufnahmen von Brainticket erinnere, sich jedoch in einer gänzlich US-amerikanisch geprägten 1960er-Jahre-Stimmung bewege. Die drei Bonusstücke Krautfaktor I–III aus dem Jahr 1992 wurden als reine Krautrock-Kompositionen charakterisiert, die stilistisch im Geiste des frühen Schaffens von Kraftwerk stünden.
Sam Lucifer bewertete das Album im italienischen Print-Magazin Fire mit 8,5 von 10 Punkten und beschrieb es als ein intensives psychedelisches Gesamtwerk, das Sitar- und Fuzz-Klänge miteinander verbinde. Das Stück The Legend of Dr. Robert weise dabei deutliche Einflüsse der Beatles sowie markante Mellotron-Klänge auf. Der Rezensent hob hervor, dass die Kombination aus dem Sound der 1960er-Jahre und dem typischen Fuzz-Stil der Band alle Titel präge, während das Stück Sarveshaam Svastir Bhavatu eine repetitive und hypnotische Raga-Litanei darstelle. Er resümierte, die Veröffentlichung sei ein essenzielles Werk für Liebhaber des Psychedelic Rock.
In einer Besprechung des Magazins grow! wurde hervorgehoben, dass die Band bereits am Anfang der aktuellen Trends im Bereich des Psych, Psychedelic, Kraut und der Kosmischen Musik gestanden habe. Das Album bestimme durch Instrumente wie elektrische Sitars, Tablas, Mellotron und Theremin ein halluzinogenes Klangbild. Der Rezensent urteilte, das Werk klinge so, „als wäre Pink Floyds The Piper at the Gates of Dawn damals als Pop-Art-Version in Bollywood produziert worden.“ Neben tanzbaren Mantra-Interpretationen enthalte die Veröffentlichung Psychedelic, Space und Acid Rock mit Pop-Appeal und hymnischen Melodien.
Franco Dimauro bezeichnete das Album auf dem italienischen Portal Musicletter.it als eine Art „außerirdisches Indien“ und zog stilistische Vergleiche zu den Werken von Kula Shaker. Bereits die Eröffnungsversion von Om Gang Ganpataye Namah klinge metaphorisch so, als ob die Protagonistin aus Pink Floyds Stück See Emily Play im Garten des Taj Mahal spiele. Dimauro hob den Einsatz von Mellotron, Fuzz-Effekten, Bandechos, Synthesizern und Sitar hervor, welche die psychedelische Pop-Struktur von The Legend of Doctor Robert sowie den Charakter der weiteren Stücke prägen würden. Er zählte das Werk zu den zehn besten Alben des Jahres und beschrieb die abschließenden Bonustracks als historische Rückschau auf die Krautrock-Wurzeln der Band.
Marc Halupczok beschrieb das Album im Musikmagazin Orkus als eine Reise in den Psychedelic Rock der späten 1960er-Jahre und zog stilistische Vergleiche zu den frühen Werken von Pink Floyd sowie Hawkwind. Wer das Album auflege, betrachte das Klangbild wie durch ein „knallbuntes Kaleidoskop“. Halupczok hob hervor, dass die Lieder Om Gang Ganpataye Namah, The Legend of Doctor Robert und Purple Pepper anstelle von ausgedehnten Instrumentalpassagen auf einprägsame Melodien mit Hitpotenzial setzen würden.
Stefano Cerati beschrieb das Werk in der italienischen Ausgabe des Magazins Rock Hard als ein Album, das sich ganz der Tradition indischer Mantren widme und die von den Beatles und Ravi Shankar beeinflusste Verschmelzung indischer Kultur mit dem Rock aufgreife. Die Stücke Om Gang Ganpataye Namah und Sarveshaam Svastir Bhavatu seien als fließende, psychedelische Lieder arrangiert, bei denen der Einsatz von elektrischer Sitar, Mellotron und Theremin eine dichte Effektatmosphäre erzeuge. Musikalisch ordnete Cerati das Album als Synthese aus den frühen Werken von Sun Dial, den Kula Shaker und den Ozric Tentacles ein, wobei er die Bonustracks von Krautfaktor als hypnotische Abschnitte mit verzerrten Gitarren charakterisierte.
Aldo Chimenti beschrieb das Album im italienischen Musikmagazin Rockerilla als eine Verbindung aus reinem Psychedelic Rock, mentalen Projektionen und veränderten Bewusstseinszuständen, wobei er wie die Band auf den Bezug zur Heimatstadt von Kraftwerk verwies. Die Veröffentlichung demonstriere die Beherrschung von Klangwellen sowie deren kathartische und befreiende Funktion. Chimenti hob hervor, dass die dem Bonus-Abschnitt Vibrations from the Cosmic Void hinzugefügten Stücke aus dem Jahr 1992 schamanische Züge aufweisen würden, die durch hypnotische Phänomene, kreisförmige Drones sowie geschichtete Loop-Zyklen in den Bereich der Meditationsmusik führen. Die verbleibenden sieben Lieder charakterisierte er als ein Kaleidoskop rotierender Harmonien aus Orgeln, analogen Synthesizern, Fuzz-Gitarren und Effekten, die das Werk zu einer außergewöhnlichen Komposition machen würden.
Alfred Crespo beschrieb das Album in der spanischen Musikzeitschrift Ruta 66 als eine Veröffentlichung voller Psychedelik mit einer Neigung zu orientalischen Klängen, wie sie in Om Gang Ganpataye Namah und Sarveshaam Svastir Bhavatu deutlich werde. Er zog stilistische Parallelen zu den Einflüssen der indischen Kultur auf die Beatles und merkte an, dass sich die Stücke zwischen Mellotron-Arrangements, elektrischen Sitars und einer Orientierung am Debütalbum von Pink Floyd bewegen würden. Zudem hob er Stücke wie The Legend of Doctor Robert oder Purple Pepper als hypnotische Höhepunkte hervor.
Thomas Behlert zog im Musikmagazin Schall Parallelen zum früheren Album 2001, auf dem Vibravoid bereits buddhistische Traditionen besungen habe, was mit Mushroom Mantras nun auf einem kompletten Album konsequent verarbeitet werde. Er beschrieb das Werk als eine Kombination aus hymnischen Melodien, langen Songs, einer kreischenden Fuzz-Gitarre und Rückwärtskopplungen. Zudem wies Behlert auf meditative Momente hin, die durch den Einsatz von elektrischen Sitars, Tablas, Mellotron und Theremin entstehen würden. Er resümierte, dass der Krautrock durch die Band weiterhin lebendig bleibe.
Georg Lommen bewertete das Album im Magazin Westzeit mit vier von fünf Sternen und konstatierte eine umsichtige wie beziehungsreiche musikalische Rückbesinnung im Bereich des psychedelischen Space Rock und der Drone-Strukturen. Er merkte an, dass die Band unter Zuhilfenahme von elektrischen Sitars, Tablas, Mellotron und Theremin halluzinogene, aber prägnante Stücke kreiere, ohne dabei die Dynamik zu verlieren. Zudem hob er hervor, dass das Album tanzbare Mantra-Interpretationen im psychedelischen Stil biete.
Das US-Magazin Exposé Online merkte an, dass sich die drei Bonusstücke Krautfaktor I–III deutlich vom restlichen Album abheben würden. Laut dem Magazin weisen die bereits 1992 eingespielten Aufnahmen einen mechanischen, monoton-repetitiven Klang auf, der an das Frühwerk von Kraftwerk erinnere. Henry Schneider ergänzte in seiner Rezension für das Magazin zudem, dass das Album eine neue Richtung für die Band einschlage, die die Anhängerschaft der Gruppe überzeugen dürfte. Aus seiner Sicht biete das instrumentale Stück Apollo69 verzerrte Sitars, elektronische Effekte sowie klangliche Farbnuancen, während Purple Pepper eine schwebende, verträumte Atmosphäre mit Tremolo-Gitarren transportiere. Das fast zwanzigminütige Lied The Orange Coat bezeichnete er als ein aus Krautrock und Raga Rock geflochtenes „Meisterwerk“. In diesem Kontext zog der Kritiker stilistische Vergleiche zu Werken von Popol Vuh sowie Jerry Garcias Dark Star und charakterisierte das Stück als eine meditative Komposition, welche durch Naturgeräusche, Borduntöne sowie elektronische Tabla-Rhythmen geprägt sei.
Claus Wittwer bezeichnete das Werk im Fanzine Ox-Fanzine als eines der bislang psychedelischsten Alben von Vibravoid. Er hob hervor, dass die Sitar einen Großteil der Stücke beherrsche und die Kompositionen das zugrundeliegende Mantra-Thema konsequent aufgreifen würden. In der Gesamtbewertung erhielt das Album eine Wertung von 4,5 von 5 Punkten.