Uropsilus wulingshanensis ist eine Säugetierart aus der Gattung der Spitzmausmaulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Die Tiere sind in Ostasien verbreitet und kommen dort in zwei Gebirgsregionen in den chinesischen Provinzen Hubei und Guizhou vor. Der Lebensraum umfasst dort die mittleren Gebirgslagen, zur Lebensweise ist jedoch nichts bekannt. Neben dem typisch spitzmausartigen äußeren Erscheinungsbild aller Angehörigen der Gattung mit langem Körper, langem Schwanz, spitzer Schnauze und sichtbaren Ohren zeichnet sich der mittelgroße Vertreter durch ein dunkles Rückenfell und einzelne weitere Schädelmerkmale aus. Die Art wurde im Jahr 2026 wissenschaftlich benannt. Als eigenständige Entwicklungslinie innerhalb der Spitzmausmaulwürfe wurde sie genetisch aber bereits acht Jahre zuvor identifiziert. Informationen zum Bestand liegen nicht vor.

Merkmale Habitus Uropsilus wulingshanensis ist ein mittelgroßer Angehöriger Spitzmausmaulwürfe. Die Kopf-Rumpf-Länge variiert von 7,2 bis 7,5 cm. Hinzu kommt ein 6,0 bis 6,6 cm langer Schwanz, der somit etwa 86 % der Länge des restlichen Körpers besitzt. Das Körpergewicht schwankt zwischen 8,1 und 9,0 g. Im äußeren Erscheinungsbild gleichen die Tiere wie andere Vertreter der Gattung den Spitzmäusen. Kennzeichnend hierfür sind die langgestreckte Schnauze und der lange Schwanz. Auf dem Rücken zeigt sich das Fell einheitlich dunkelbraun mit nur einem geringen rötlichen Einschlag. Es wirkt dunkler als beim Schwarzrücken-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus atronates). Die Unterseite wiederum ist schiefergrau und weist einen leichten Schimmer auf. Ebenso ist der Schwanz zweifarbig. Seine schwarze Oberseite und braune Unterseite sorgen aber für einen weniger auffälligen Kontrast. Am Schwanzende wächst ein bis zu 1,0 cm langes Haarbüschel. Die Vorderfüße heben sich durch ihre dunkle Färbung hervor, während die Unterseite der Hinterfüße schwärzlich ist. Die Ohrlänge beträgt 0,8 bis 1,0 cm, der Hinterfuß misst 0,9 bis 1,6 cm in der Länge.

Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel wird etwa 21 mm lang und am Hirnschädel etwa 11 mm breit. Er besitzt eine schmale Gestalt, was auch das Rostrum betrifft. Dessen Breite am Ansatz liegt bei 7,1 bis 7,9 mm. Der Unterkiefer erreicht 23,6 bis 14,0 mm an Länge. Im Vergleich zum Chinesischen Spitzmausmaulwurf (Uropsilus gracilis) ist der Kronenfortsatz länger. Sein vorderer Rand steigt in einem Winkel von über 90° zur Zahnebene auf.

Insgesamt sind 38 Zähne ausgebildet. Die Zahnformel lautet dementsprechend: . Der obere innere Schneidezahn überragt den äußeren, ist aber ähnlich breit wie dieser. Ebenso ist der obere Eckzahn höher als der erste Prämolar. Beide sind wiederum kleiner als der zweite, jedoch größer als der dritte Vormahlzahn. Letzterer fällt ausgesprochen klein aus, anders als etwa bei Uropsilus huanggangensis, und ist nach innen gelehnt. Die obere Zahnreihe misst 9,1 bis 9,5 mm in der Länge, die untere beansprucht dem gegenüber 7,8 bis 8,5 mm.

Genetische Merkmale Für ein bezüglich der Art unidentifiziertes Individuum der Spitzmausmaulwürfe aus dem Verbreitungsgebiet von Uropsilus wulingshanensis wurde das vollständige Mitogenom mit 16.542 Basenpaaren bestimmt. Es besteht unter anderem aus 22 Transfer-RNA- und 13 proteincodierenden Genen sowie zwei Genen der ribosomalen RNA.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet von Uropsilus wulingshanensis Uropsilus wulingshanensis lebt in Ostasien. Das Verbreitungsgebiet beschränkt auf den Wuling Shan östlich des Flusses Wu Jiang im Kreis Changyang der ostchinesischen Provinz Hubei sowie auf den Fanjingshan im Kreis Jiangkou der südchinesischen Provinz Guizhou. In beiden Regionen reicht die Höhenverbreitung von 1500 bis 2100 m über den Meeresspiegel. Nach Westen hin bildet der Wu Jiang eine Barriere zum Vorkommen des Chinesischen Spitzmausmaulwurf (Uropsilus gracilis), im Norden wiederum erfüllt der Jangtsekiang die gleiche Funktion zum Lebensraum von Uropsilus funiushanensis.

Lebensweise Die Lebensweise von Uropsilus wulingshanensis ist weitgehend unerforscht.

Systematik

Uropsilus wulingshanensis ist eine eigenständige Art innerhalb der Gattung der Spitzmausmaulwürfe (Uropsilus). In die Gattung sind zusätzlich 16 weitere Vertreter eingeschlossen, von denen ein größerer Teil ab den 2010er Jahren zunächst durch genetische Untersuchungen als kryptisch identifiziert war. Die Spitzmausmaulwürfe gehören zur Familie der Maulwürfe (Talpidae). Hierin formen sie eine eigene Unterfamilie, Uropsilinae genannt, deren momentan einziges Mitglied sie repräsentieren. Die Uropsilinae wiederum werden als relativ urtümliche Vertreter der Maulwürfe eingestuft. Sie sind durch ihr spitzmausartiges Äußeres mit langem Schwanz und sichtbaren Ohren charakterisiert. Ihre seitlich gepressten Krallen eignen sich nicht zum Graben, sodass die Tiere weitgehend oberirdisch leben. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Gruppe reichte weit über Eurasien. Heute sind die Spitzmausmaulwürfe hingegen auf kleine und zumeist gebirgige Refugien im östlichen und südöstlichen Asien beschränkt. Gattung und Unterfamilie sind nur wenig erforscht. Dies betrifft sowohl die Lebensweise als auch die Artenvielfalt sowie die systematische Untergliederung. Für letzteres wurden in der forschungsgeschichtlichen Vergangenheit wenigstens drei eigenständige Gattungen angenommen, deren Unterscheidung auf der Zahnanzahl (Uropsilus mit 34 sowie Nasillus und Rhynchonax mit je 38 Zähnen in unterschiedlicher Anordnung) beruhte. Molekulargenetische Analysen sprechen für eine Abtrennung der Spitzmausmaulwürfe von den anderen Linien der Maulwürfe im Mittleren Eozän vor rund 47 Millionen Jahren. Eine stärkere Aufteilung setzte aber erst im Oberen Miozän vor etwa 7,7 Millionen Jahren ein. Als nächste Verwandte von Uropsilus wulingshanensis tritt eine Klade auf, die sich aus der Gemeinschaft um den Chinesischen Spitzmausmaulwurf (Uropsilus gracilis) sowie den Schwarzrücken-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus atronates) zusammensetzt und der ebenfalls Uropsilus fansipanensis und Uropsilus leptocranium angehören. Andere Formen wie Uropsilus dabieshanensis und Uropsilus huanggangensis stehen hingegen weiter außerhalb.

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung für Uropsilus wulingshanensis führte ein Forscherteam um Li Yi-Xian aus und wurde im Jahr 2026 veröffentlicht. Als Holotyp wählten die Wissenschaftler ein ausgewachsenes weibliches Individuum. Dessen Herkunft wird mit dem Fanjingshan im Kreis Jiangkou der südchinesischen Provinz Guizhou angegeben, wo das Tier in einer Höhe von 2093 m über dem Meeresspiegel gefangen worden war. Die Fundlokalität bildet die Typusregion der Art. Das Artepitheton verweise auf den Wuling Shan als Verbreitungsgebiet, der Gebirgszug schließt den Fanjingshan mit ein.

Die Einführung der neuen Art fand im Rahmen einer umfangreichen Aufarbeitung genetischer Daten zu den Spitzmausmaulwürfen statt, in deren Resultat insgesamt sechs neue Vertreter der Gattung benannt werden konnten. Dem Vorhaben ging eine mehrjährige Untersuchung zur Artenvielfalt der Maulwürfe in Ostasien voraus. Bereits im Jahr 2013 waren von Wan Tao genetische Studien initiiert worden, die mehrere eigenständige kryptische Linien innerhalb der Spitzmausmaulwürfe erkannten. In deren Fortsetzung fünf Jahre später konnten Wan Tao und Kollegen bei umfangreicheren genetischen Analysen wenigstens 15 unabhängige Linien verteilt auf fast drei Dutzend isolierte Population der Spitzmausmaulwürfe Chinas nachweisen. Eine davon betraf ein Individuum vom Fanjingshan in Guizhou, das fortan als Linie „H“ mit der Populationskennung „24“ ausgewiesen wurde. Mit diesem nahe verwandt erwies sich eine abgetrennte Gruppe bestehend aus zwei Exemplaren vom Berg Wushan im Kreis Changyang der ostchinesischen Provinz Hubei. Sie wurde der gleichen Linie zugeordnet, erhielt aber die Populationskennung „25“. Beide Gruppen erwiesen sich als dem Chinesischen Spitzmausmaulwurf nahestehend. Letzteres gilt auch für ein bereits im Jahr 2017 untersuchtes Tier ebenfalls aus dem Kreis Changyang, das damals unter der provisorischen Kennung „Uropsilus sp. 4“ geführt wurde. Nachfolgende Analysen berücksichtigten aber weitgehend nur den von Wan Tao identifizierten Bestand aus Changyang. In einer Studie aus dem Jahr 2021 schlugen die beteiligten Forscher für sechs der neuen Linien provisorische Namen vor, wobei für jene aus Changyang die Bezeichnung „Uropsilus wulingensis“ gewählt wurde. Die Namen entstammten ursprünglich der Graduiertenarbeit Wan Taos. Da diese aber keine offizielle Publikation erfuhr, sind sie nicht anerkannt. Jedoch bestätigte die Studie von 2021 die zuvor unbekannte Vielfalt der Spitzmausmaulwürfe. Untermauerung fand dies durch mehrere weitere genetische Analysen. Der Anstieg an kryptischen Linien erforderte eine Neusortierung der provisorischen Kennzeichnungen, wodurch dem Bestand aus Changyang fortan die Bezeichnung „Uropsilus sp. 3“ zugewiesen wurde. Erst die Aufarbeitung des gesamten Materials durch Li Yi-Xian und Kollegen im Jahr 2026 mündete dann in der gültigen Beschreibung der Art Uropsilus wulingshanensis. Hierbei wurden die Bestände aus Changyang und vom Fanjingshan aufgrund genetischer Übereinstimmungen zusammengeführt. Bedrohung und Schutz Gegenwärtig wird Uropsilus wulingshanensis von der IUCN nicht erfasst. Daten zum Bestand und dessen potenzielle Gefährdung sind nicht verfügbar.

Literatur Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652

Einzelnachweise Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652 Jiang Haijun, Yang Yaohua, Zhou Yanyan, Tian Jundong und Lu Jiqi: Molecular Phylogeny of Uropsilus (Talpidae, Eulipotyphla, Mammalia) With a New Species Described From Henan Province, China. Ecology and Evolution 15, 2025, S. e70928, doi:10.1002/ece3.70928 Hu Ting-Li, Xu Zhen, Zhang Heng, Liu Ying-Xun, Liao Rui, Yang Guang-Dao, Sun Ruo-Lei, Shi Jie, Ban Qian, Li Chun-Lin, Liu Shao-Ying und Zhang Bao-Wei: Description of a new species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae: Uropsilinae) from the Dabie Mountains, Anhui, Eastern China. Zoological Research 42 (3), 2021, S. 294–299, doi:10.24272/j.issn.2095-8137.2020.266 Boris Kryštufek und Masaharu Motokawa: Talpidae (Moles, Desmans, Star-nosed Moles and Shrew Moles). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths, Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 597–598, ISBN 978-84-16728-08-4 He Kai, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Jiang Xue-Long und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87 Wan Tao, He Kai und Jiang Xue-Long: Multilocus phylogeny and cryptic diversity in Asian shrew-like moles (Uropsilus, Talpidae): implications for taxonomy and conservation. BMC Evolutionary Biology 13, 2013, S. 232 () Xu Yu, Hu Yunting und Tu Feiyun: Mitogenome of a cryptic species within Uropsilus and divergence time estimation. Mitochondrial DNA Part B: Resources 2 (2), 2017, S. 685–686