Uropsilus ningshanensis ist eine Säugetierart aus der Gattung der Spitzmausmaulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Sie kommt in Ostasien vor und bewohnt dort die mittleren Gebirgslagen im Qin Ling in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi. Als Lebensraum dienen immergrüne Wälder, jedoch liegen zur Lebensweise keine Informationen vor. Neben ihrem spitzmausartigen äußeren Erscheinungsbild mit langem Körper, langem Schwanz, spitzer Schnauze und sichtbaren Ohren zeichnen sich die Tiere durch ein dunkelbraunes, leicht rötliches Rückenfell und gegenüber den meisten anderen Gattungsangehörigen einer reduzierten Zahnanzahl aus. Sie gelten als nahe verwandt mit dem Sichuan-Spitzmausmaulwurf, wurden aber bereits im Jahr 2013 als eigenständige genetische Linie erkannt. Den Artstatus erhielten sie im Jahr 2026. Informationen zur Bestandsgefährdung sind nicht verfügbar.

Merkmale Habitus Uropsilus ningshanensis ist ein mittelgroßer Vertreter der Spitzmausmaulwürfe. Seine Kopf-Rumpf-Länge variiert von 5,9 bis 7,8 cm, der Schwanz wird 5,2 bis 6,6 cm lang. Im Durchschnitt erreicht der Schwanz damit rund 86 % der Länge des restlichen Körpers. Das Körpergewicht beträgt 8 bis 13 g. Wie Andere Vertreter der Gattung ähneln die Tiere äußerlich Spitzmäusen, was die allgemeine Körperform, die spitze, langgestreckte Schnauze und den langen Schwanz betrifft. Das Rückenfell weist eine dunkel- bis rötlichbraune Farbe auf, der Anteil des Rottons ist etwas höher als beim Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes). Die Unterseite hingegen zeigt sich dunkelgrau. Dort treten verstreut Haare mit bräunlich-gelben Spitzen auf. Der Kontrast zwischen Unter- und Oberseite hebt sich deutlich hervor, jedoch sind die Übergänge an den Seiten verwaschen. Der Schwanz ist ebenfalls zweifarbig mit einer dunkelbraunen Ober- und einer hellbraunen Unterseite. An seiner Spitze wächst ein Haarbüschel aus maximal 1,0 cm langen braunen Haaren. Die Vorder- und Hinterfüße sind jeweils hellbraun getönt. Entsprechend den anderen Angehörigen der Gattung treten die Ohren sichtbar hervor, ragen bei Uropsilus ningshanensis aber nur wenig aus dem Kopffell heraus. Ihre Länge reicht von 0,6 bis 0,9 cm. Die Hinterfüße werden 1,2 bis 1,4 cm lang.

Schädel- und Gebissmerkmale Die größte Schädellänge liegt bei 20,0 bis 21,5 mm, die Breite am Hirnschädel bei 10,8 bis 11,7 mm. Am Ansatz des Rostrums bemisst sich die Breite auf 7,4 bis 8,2 mm. In Seitenansicht wirkt der Hirnschädel gerundet und hebt sich leicht hervor. Auf dem Schädeldach verlaufen prominente Temporallinien, die sich etwa in der Mitte vereinen. Der Unterkiefer wird 13,1 bis 14,0 mm lang. Auffallend ist der steile Anstieg des Kronenfortsatzes, der bei Uropsilus ningshanensis in einem Winkel von weniger als 90° im Bezug zum horizontalen Knochenkörper aufragt, beim Sichuan-Spitzmausmaulwurf sind es mehr als 90°.

Das Gebiss setzt sich aus 34 Zähnen mit folgender Zahnformel zusammen: . Es stimmt mit dem des Sichuan-Spitzmausmaulwurf überein, weicht aber von jenem der meisten anderen Gattungsvertreter mit 36 bis 38 Zähnen ab. Im Vergleich zu diesen fehlen Uropsilus ningshanensis und dem Sichuan-Spitzmausmaulwurf der jeweils dritte Prämolar im Ober- und Unterkiefer. Der obere erste Schneidezahn ist länger und breiter als der zweite. Der einzige Schneidezahn der unteren Zahnreihe entspricht dem zweiten und ist vergrößert sowie meißelförmig. In der oberen Zahnreihe sind der Eckzahn und der vordere Prämolar etwa gleichgroß und kleiner als der zweite Vormahlzahn. Abweichend davon erreicht der untere erste Prämolar nicht die Größe des Eckzahns, während die beiden hinteren Vormahlzähne deutlich an Größe zunehmen. Die obere Zahnreihe erstreckt sich über 8,9 bis 9,5 mm Länge, die untere über 7,5 bis 8,4 mm.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet von Uropsilus ningshanensis Uropsilus ningshanensis kommt in Ostasien vor. Das bekannte Verbreitungsgebiet liegt im Kreis Ningshan im Süden der zentralchinesischen Provinz Shaanxi. Dort bewohnen die Tiere den östlichen Teil des Qin Ling. Als Lebensraum dienen immergrüne Laubwälder und Bambuswälder in den mittleren Gebirgslagen. Die Höhenverbreitung reicht von 1300 bis 2500 m über dem Meeresspiegel. Direkt östlich grenzt der Funiu Shan an, wo die nahe verwandte Form Uropsilus funiushanensis ihren Verbreitungsschwerpunkt besitzt. Weiter im Osten folgt der Dabie Shan mit dem Dabieshan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus dabieshanensis).

Lebensweise Zur Lebensweise von Uropsilus ningshanensis liegen keine Informationen vor.

Systematik

Uropsilus ningshanensis ist eine eigenständige Art innerhalb der Gattung der Spitzmausmaulwürfe (Uropsilus), die zusätzlich 16 weitere Vertreter einschließen. Ein größerer Teil davon war ab den 2010er Jahren zunächst durch genetische Untersuchungen als kryptisch identifiziert. Die Spitzmausmaulwürfe werden der Familie der Maulwürfe (Talpidae) zugerechnet. Innerhalb dieser bilden sie eine eigene Unterfamilie, die Uropsilinae, deren momentan einziges Mitglied sie repräsentieren. Die Uropsilinae gelten als relativ urtümliche Angehörige der Maulwürfe. Charakteristisch sind das spitzmausartige Äußere mit langem Schwanz und sichtbaren Ohren sowie seitlich gepresste Krallen. Letztere eignen sich nicht zum Graben, so dass die Tiere weitgehend oberirdisch leben. Ursprünglich reichte das Verbreitungsgebiet der Gruppe weit über Eurasien, heute ist es auf kleine und zumeist gebirgige Refugien im östlichen und südöstlichen Asien beschränkt. Gattung und Unterfamilie sind nur wenig erforscht, was sowohl die Lebensweise als auch die Artenvielfalt sowie die systematische Untergliederung betrifft. Für letzteres wurden in der forschungsgeschichtlichen Vergangenheit wenigstens drei unterschiedliche Gattungen postuliert, deren gegenseitige Abtrennung auf der Zahnanzahl (Uropsilus mit 34 sowie Nasillus und Rhynchonax mit je 38 Zähnen in unterschiedlicher Anordnung) basierte. Molekulargenetische Analysen weisen auf eine Abspaltung der Spitzmausmaulwürfe von den anderen Linien der Maulwürfe im Mittleren Eozän vor rund 47 Millionen Jahren hin. Eine stärkere Diversifizierung der Gruppe setzte aber erst im Oberen Miozän vor etwa 7,7 Millionen Jahren ein. Der nächste Verwandte von Uropsilus ningshanensis ist der Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes). In das nähere Beziehungsumfeld gehört zudem Uropsilus funiushanensis.

Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde Uropsilus ningshanensis im Jahr 2026 durch Li Yi-Xian und Jiang Xue-Long. Als Holotyp wählten beide Forscher ein ausgewachsenes Individuum, das aus der Umgebung der Ortschaft Guanghuojie im Kreis Ningshan in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi stammt und dort im Qin Ling in einer Höhenlage von rund 1190 m über dem Meeresspiegel gefangen worden war. Dementsprechend wird die Fundregion als Typusgebiet der Art angesehen. Das Artepitheton bezieht sich auf die Herkunft des Exemplares.

Die Vorstellung der neuen Art erfolgte im Rahmen einer umfangreichen Aufarbeitung genetischer Daten zu den Spitzmausmaulwürfen, bei der insgesamt sechs neue Vertreter der Gattung benannt werden konnten. Dem Vorhaben gingen zahlreiche Untersuchungen zur Artenvielfalt der Maulwürfe in Ostasien voraus. Bereits im Jahr 2013 initiierte Wan Tao genetische Studien, die mehrere eigenständige kryptische Linien innerhalb der Spitzmausmaulwürfe aufdeckten. Eine davon betraf mehr als ein Dutzend Individuen aus dem Qin Ling, welche dem Sichuan-Spitzmausmaulwurf näher standen und damals die vorläufige Kennung als „Uropsilus sp. 3“ erhielten. Darauf aufbauend ließen sich fünf Jahre später bei umfangreicheren genetischen Analysen durch Wan Tao für die Spitzmausmaulwürfe Chinas wenigstens 15 unabhängige Linien verteilt auf fast drei Dutzend isolierte Population identifizieren. Jene aus den Qin Ling wurde dem Sichuan-Spitzmausmaulwurf mit der Linie „O“ und der Populationskennung „22“ zugeordnet. Eine Studie aus dem Jahr 2021 schlug dann für sechs der neuen Linien provisorische Namen vor, wobei diese für die Gruppe aus dem Qin Ling in Anlehnung an deren lokalem Vorkommen die Bezeichnung „Uropsilus qinlingensis“ vorsah. Die Namen entstammten ursprünglich der Graduiertenarbeit Wan Taos. Da diese aber keine offizielle Publikation erfuhr, sind sie nicht anerkannt. Allerdings bestätigte die Studie von 2021 die zuvor unbekannte Vielfalt der Spitzmausmaulwürfe, was nachfolgend weitere genetische Analysen untermauerten. Der Anstieg an kryptischen Linien bedingte eine Neusortierung der provisorischen Kennzeichnungen. In diesem Zuge wurde die Qin-Ling-Population nun als „Uropsilus sp. 5“ ausgewiesen. Erst die Aufarbeitung des Materials durch Li Yi-Xian und Kollegen im Jahr 2026 führte dann zur gültigen Beschreibung der Tiere vom Qin Ling unter dem Artnamen Uropsilus ningshanensis.

Bedrohung und Schutz Von der IUCN wird Uropsilus ningshanensis gegenwärtig nicht erfasst. Zur Gefährdungslage des Bestandes gibt es keine Informationen.

Literatur Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652

Einzelnachweise Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652 Jiang Haijun, Yang Yaohua, Chen Shunde und Lu Jiqi: Genetic Diversity and Population History of Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae) in Mts. Qinling–Dabashan Area. Zoologica Scripta, 2026, doi:10.1111/zsc.70065 Jiang Haijun, Yang Yaohua, Zhou Yanyan, Tian Jundong und Lu Jiqi: Molecular Phylogeny of Uropsilus (Talpidae, Eulipotyphla, Mammalia) With a New Species Described From Henan Province, China. Ecology and Evolution 15, 2025, S. e70928, doi:10.1002/ece3.70928 Hu Ting-Li, Xu Zhen, Zhang Heng, Liu Ying-Xun, Liao Rui, Yang Guang-Dao, Sun Ruo-Lei, Shi Jie, Ban Qian, Li Chun-Lin, Liu Shao-Ying und Zhang Bao-Wei: Description of a new species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae: Uropsilinae) from the Dabie Mountains, Anhui, Eastern China. Zoological Research 42 (3), 2021, S. 294–299, doi:10.24272/j.issn.2095-8137.2020.266 Boris Kryštufek und Masaharu Motokawa: Talpidae (Moles, Desmans, Star-nosed Moles and Shrew Moles). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths, Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 597–598, ISBN 978-84-16728-08-4 He Kai, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Jiang Xue-Long und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87 Wan Tao, He Kai und Jiang Xue-Long: Multilocus phylogeny and cryptic diversity in Asian shrew-like moles (Uropsilus, Talpidae): implications for taxonomy and conservation. BMC Evolutionary Biology 13, 2013, S. 232 () Wan Tao, He Kai, Jin Wei, Liu Shao‐Ying, Chen Zhong‐Zheng, Zhang Bin, Robert W. Murphy und Jiang Xue‐Long: Climate Niche Conservatism and Complex Topography Illuminate the Cryptic Diversification of Asian Shrew-like Moles. Journal of Biogeography 45 (10), 2018, S. 2400–2414, doi:10.1111/jbi.13401 Bui Hai Thuan, Shinya Okabe, Linh Tu Hoang Le, Ngan Thi Nguyen und Masahara Motokawa: A new shrew mole species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae) from northwestern Vietnam. Zootaxa 5339 (1), 2023, S. 59–78, doi:10.11646/zootaxa.5339.1.3