Kurt Albert Gröbe (* 25. Dezember 1893 in Crossen an der Elster; † 21. August 1967 in Hamburg) war ein deutscher Arzt, Schriftsteller und Politiker (SPD, SED, DFU). Als niedergelassener Arzt in Gera engagierte er sich sozialpolitisch und literarisch. In der Sowjetischen Besatzungszone gehörte er von 1946 bis 1948 dem Thüringer Landtag an. 1948 siedelte er nach Hamburg über, wo er seine ärztliche Tätigkeit und sein politisches Engagement fortsetzte.

Leben Gröbe war Sohn eines Gärtners und Gärtnereibesitzers. Er besuchte das Gymnasium in Zeitz und studierte Medizin in München, Halle (Saale) und Leipzig. Seit seinem Studienbeginn 1913 war er Mitglied der SPD. Im Ersten Weltkrieg diente er als Sanitäter, ab 1917 als Feldarzt. 1921 wurde er in Berlin mit der Arbeit Agglutationskurve und Prognose des Typhus abdominalis promoviert.

mini|Haus von Kurt Gröbe in Gera-Roschütz, erbaut 1929/30 von Thilo Schoder Gröbe ließ sich als praktischer Arzt in der damals noch eigenständigen Gemeinde Roschütz bei Gera nieder. Er engagierte sich als Kolonnenarzt im Arbeiter-Samariter-Bund und war bis zu deren Auflösung 1933 Hausarzt der Heimvolkshochschule Tinz.Lengemann (2014), S. 294. In Gera gehörte er während der Weimarer Republik zum Freundeskreis um den Architekten Thilo Schoder, der in der Geraer Kunstszene eine wichtige Rolle spielte. 1929/30 ließ er sich von Schoder ein heute denkmalgeschütztes Wohnhaus mit Arztpraxis in der Roschützer Straße 10 errichten. Neben seinem Arztberuf war Gröbe literarisch und publizistisch tätig und veröffentlichte die Gedichtbände Kosmos I (1914) und Wir müssen noch viel leiser werden (1929) sowie den zweiteiligen autobiografischen Roman Konrad Weges Jugend (1938) und Kassenarzt Dr. Konrad Wege (1940).

In der Zeit des Nationalsozialismus unterstützte er politisch Verfolgte; unter anderem behandelte er die kommunistische Widerstandskämpferin Helene Fleischer.Burfeind et al. (2023), S. 253. Nach außen hin blieb er politisch unauffällig, auch wenn er als ehemaliger Sozialdemokrat und Freund der jüdischen Familie Biermann zumindest einigen Funktionären verdächtig war.Burfeind et al. (2023), S. 253f.

Unmittelbar nach Einmarsch der Amerikaner im April 1945 wurde Gröbe als SPD-Vertreter in den von den Besatzern ernannten Geraer Stadtrat berufen. Er war Mitglied des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands und dort Gründungsvorsitzender der Wirkungsgruppe Gera. Am 19. März 1946 wurde er durch die Thüringer Landesregierung zum Professor ernannt und im April 1947 zum Chefarzt des Städtischen Krankenhauses berufen.Burfeind et al. (2023), S. 254.

Durch die Zwangsvereinigung im April 1946 wurde Gröbe Mitglied der SED. Seit der Landtagswahl 1946 war er Mitglied des Thüringer Landtags. Im Oktober 1948 verließ Gröbe die Sowjetische Besatzungszone und siedelte nach Hamburg über; zum 3. November schied er aus dem Landtag aus. In einem Schreiben an die Hamburger Gesundheitsbehörde vom 6. Dezember 1948 begründete er seine Flucht aus der SBZ dergestalt, dass ihm „Propaganda und Wirklichkeit, […] Lüge und Verrat des eigenen Volkes und der eigenen Klasse, Gewissenszwang bis zur versuchten Anstiftung zum Meineid […] das Leben in der Ostzone zur Hölle gemacht“ hätten.zitiert nach Burfeind et al. (2023), S. 254f.

In Hamburg wirkte Gröbe am Universitätskrankenhaus Eppendorf, später in einer eigenen Praxis in Hamburg-Horn. Er trat wieder in die SPD ein und wurde 1952 zum Ehrenpräsidenten der Landesorganisation Hamburg des Arbeiter-Samariter-Bundes ernannt. Nach umstrittenen Äußerungen über die politischen Verhältnisse der Bundesrepublik – unter anderem war er auf einem „Nationalen Kongreß für Frieden und Abrüstung“ in Weimar aufgetreten – wurde er Ende Januar 1961 aus der SPD ausgeschlossen. Auch seinen Ehrenvorsitz beim ASB legte er nieder.Burfeind et al. (2023), S. 255. Er trat daraufhin in die kurz zuvor gegründete Deutsche Friedens-Union (DFU) ein, die ein Sammelbecken von Pazifisten, Gegnern der Westintegration und Kommunisten war und der DDR nahestand, und wurde bei Gründung des Landesverbandes Hamburg am 11. Februar 1961 in den Landesvorstand gewählt. Zur Bundestagswahl 1961 und zur Bürgerschaftswahl in Hamburg 1961 trat er in der Hansestadt jeweils als Spitzenkandidat der DFU an, die jedoch in beiden Fällen den Einzug ins Parlament verfehlte.Burfeind et al. (2023), S. 254.

Literatur Marthe Burfeind, Nils Köhler, Stefanie Hüttl: Neubeginn und Wiedergründung des Arbeiter-Samariter-Bundes von 1945 bis 1952. Logos, Berlin 2023, S. 252–257. Jochen Lengemann: Thüringische Landesparlamente 1919–1952. Biographisches Handbuch. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2014, S. 294f. Ulrike Lorenz: Thilo Schoder. Ein Architekt im Spannungsfeld der Moderne. Leben und Werk in Deutschland (1886–1936). Glaux, Jena 2001, S. 432–435.

Einzelnachweise

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