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Die Sturzflut in Nepal und Tibet 2026 war eine Sturzflut mit Sedimenten und Gestein am Morgen des 26. August 2026Ereigniszeitpunkt 2026-08-26 02:52:10 (UTC) gemäß United States Geological Survey. entlang der ineinander übergehenden Flüsse Bhotekoshi und Trishuli,Der obere Abschnitt des Flusses Trishuli in Nepal ist der Quellfluss Bhotekoshi. Ein größerer Fluss, der 65 km östlich gelegen ist und ebenfalls Bhotekoshi genannt wird, war nicht betroffen. die Dutzende Siedlungen vor allem in den nepalesischen Distrikten Rasuwa und Nuwakot traf. Der durch einen Gletscherabbruch und Bergsturz im Himalaya nördlich des Langtang Lirung ausgelöste Murgang, der sich entlang des Flusslaufs zu einer Sturzflut entwickelte, verursachte massive Schäden in bewohnten Gebieten.
Mindestens 1451 Todesopfer wurden in Nepal und 43 im Autonomen Gebiet Tibet in der Volksrepublik China bestätigt, wobei China die Berichterstattung beschränkt. Mehr als 6650 Menschen gelten als vermisst.
Die Behörden gaben Hochwasserwarnungen für die Gemeinden entlang der Flüsse in den Distrikten Rasuwa, Nuwakot, Dhading, Gorkha und Chitwan heraus. Die enorme Wucht des Gletscherabbruchs wurde von Seismographen und Messstationen auch in den Vereinigten Staaten und Deutschland erfasst. Die Sturzflut bewegte sich teilweise mit Geschwindigkeiten von 188 km/h fort und erreichte Siedlungen, die 80 Meter über dem Flusspegel lagen.
Eine am 17. September 2026 veröffentlichte Untersuchung von World Weather Attribution (WWA) ergibt, dass die menschengemachte globale Erwärmung mehrere Faktoren verstärkt hat, die zur Destabilisierung des Berghangs beigetragen haben, ohne dass sich ihr konkreter Beitrag zum Eintritt des einzelnen Bergsturzes abschließend bestimmen lässt.World Weather Attribution. (2026, September 17). Rapid warming in the Himalaya exacerbates geohazard cascades beyond adaptation limits [Research report]. https://www.worldweatherattribution.org/rapid-warming-in-the-himalaya-exacerbates-geohazard-cascades-beyond-adaptation-limits/Nach der Sturzflut in Tibet und Nepal: Detailanalyse der Ursachen, von Frank Bäumer, SWR Radio, 17. September 2026.
Ursache
Berg- und Gletschersturz
Das Ereignis wurde zunächst als Erdbeben der Magnitude 4,4 gemeldet. Eine spätere Analyse langperiodischer seismischer Wellen ergab jedoch, dass die seismische Energie von einem Gletscherabbruch und dem anschließenden Murgang erzeugt worden war; das United States Geological Survey (USGS) führte das Gletscherbeben danach mit einer Magnitude von 5,2. Es ereignete sich am 26. August 2026 um 02:52 Uhr UTC (08:37 Uhr NPT; 10:52 Uhr CST) nördlich des Langtang Lirung im Langtang-Nationalpark.
Satellitenbilder und erste fachliche Auswertungen deuteten darauf hin, dass an der Nordflanke des hohen Langtang Lirung ein großer Teil des Gesteinsuntergrunds unter dem Tabo-Gletscher abrutschte (Bergsturz) und gleichzeitig einen Teil der Gletschermasse mitriss (Gletschersturz). Der untere Teil des Gletschers glitt in nordwestlicher Richtung ab, bevor sich die Masse flussabwärts nach Westen bewegte. Im Anrissgebiet verblieb eine deutlich erkennbare Bruchkante.
Die spätere Untersuchung von WWA bestätigte den Kollaps einer Felswand in rund 5150 Metern Höhe, der einen Teil des darüberliegenden Gletschers mitriss; die Gesteins- und Eismassen stürzten etwa 1400 Höhenmeter bis auf den rund 3750 Meter hoch gelegenen Talboden.
Millionen Tonnen Fels und Eis stürzten talwärts und zerfielen dabei zu einem Gemisch aus Schlamm, Wasser, Eis und Geröll. Eine erste Modellierung schätzte das Volumen der abgebrochenen Gesteins- und Eismasse auf 197 bis 492 Millionen Kubikmeter.
Die beim Absturz freigesetzte mechanische Energie und die Reibung dürften einen Teil des Gletschereises geschmolzen haben; beim Aufprall auf den Talboden könnte zusätzlich dort vorhandenes, von Sedimenten bedecktes Eis geschmolzen sein. Neben dem so entstandenen Schmelzwasser trugen vermutlich im Gletscher und im Permafrost gespeichertes Wasser sowie das vom Murgang erfasste Flusswasser zur Flut bei.
Schadensbildern nach zu urteilen akkumulierte sich die Masse der Sturzflut auch durch das Abtragen der mit Wasser vollgesogenen Flussbett-Sedimente. Die außergewöhnlich steilen Täler beiderseits des Langtang Lirung könnten die Flut kanalisiert und beschleunigt haben. Für einen Gletscherseeausbruch als ursprünglichen Auslöser ergaben die ersten Satellitenanalysen dagegen keine Hinweise.
Bereits erste geomorphologische Bewertungen hatten einen Gletschersturz als wahrscheinlichste unmittelbare Ursache angenommen. Weitere Satellitendaten bestätigten, dass sowohl eine Gletschermasse als auch darunterliegendes Gestein abgebrochen waren.
Neben klimatischen und meteorologischen Einflüssen kommt die langfristige tektonische Hebung des Himalaya als Faktor in Betracht, weil sie die Hänge und den aufliegenden Gletscher allmählich versteilt.
Auch das Erdbeben in Nepal 2015 der Magnitude 7,8 könnte zur langfristigen Destabilisierung des Hanges beigetragen haben: Es löste bereits damals am Langtang Lirung eine große Fels-Eis-Lawine aus, und die seitherige Beobachtung der Region zeigt eine anhaltend erhöhte Hangrutschungsaktivität; ein konkreter Beitrag des Erdbebens zum Bergsturz von 2026 ließ sich allerdings nicht nachweisen.
Einfluss des Klimawandels
In welchem Umfang die menschengemachte globale Erwärmung zu diesem einzelnen Ereignis beitrug, ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine belastbare Zuordnung erfordert eine Ereignis-Zuordnungsstudie und die Auswertung weiterer Satelliten- und Geländedaten.Rede von Balendra Shah, Premierminister von Nepal, vor der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) am 24. September 2026 in New York. Video auf YouTube.
Die am 17. September 2026 veröffentlichte World-Weather-Attribution-Untersuchung führte Beobachtungsdaten, Klimamodelle und Erkenntnisse aus der Gletscherforschung zusammen, um die klimatischen und geologischen Einflussfaktoren des Bergsturzes zu untersuchen. Anders als bei einer herkömmlichen Attributionsstudie wurde dabei nicht die Wahrscheinlichkeit des konkreten Bergsturzes in einer Welt ohne menschengemachte Erwärmung berechnet, sondern der Einfluss des Klimawandels auf mehrere mögliche Ursachen und begünstigende Bedingungen analysiert.
Vor der Katastrophe kam es in der Region zu einer Hitzewelle, wobei mit Stand Anfang September 2026 ein kausaler Zusammenhang zwischen der Hitzewelle und dem Gletscherabbruch noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen war. Zwei Tage vor dem Abbruch war an einer etwa zehn Kilometer entfernten Messstation die höchste Bodentemperatur seit zwei Jahren registriert worden. Die Durchschnittstemperatur auf dem Gletscher auf 5200 Meter Höhe lag vor der Katastrophe bei etwa fünf Grad Celsius, dem höchsten jemals dort gemessenen Wert. Zuvor hatte die Temperatur dort nie über 4 °C gelegen.
Die außergewöhnliche Wärme war Teil einer längerfristigen Entwicklung: Die zwölf Monate vor dem Bergsturz waren ungewöhnlich warm, und der Juli und August 2026 waren in der betroffenen Region die wärmsten entsprechenden Monate seit Beginn der Aufzeichnungen, wobei die Temperaturen in den Tagen vor dem Abbruch zeitweise rund fünf Grad über dem langjährigen Mittel lagen.
Die WWA-Analyse ergab für die Region seit vorindustrieller Zeit eine durch den menschengemachten Klimawandel verursachte Erwärmung von etwa zwei Grad Celsius im Jahresmittel und etwa 1,5 Grad Celsius in den Monaten Juli und August; in einzelnen Wintermonaten erreichte die Erwärmung bis zu drei Grad Celsius. Klimamodelle und Beobachtungsdaten zeigten übereinstimmend, dass die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Juli und August durch den menschengemachten Klimawandel sowohl wahrscheinlicher als auch intensiver geworden waren.
Die ungewöhnliche Wärme könnte die Schneedecke geschwächt, Gletscherspalten mit Schmelzwasser gefüllt und die Eisbindungen zwischen Gletscher und Gestein aufgetaut haben; zugleich hatte der Monsun die Böden gesättigt und die Flüsse anschwellen lassen.
Allgemein führt der Klimawandel über den Rückgang der Gletscher und das Auftauen des Permafrosts zur zunehmenden Destabilisierung von Gebirgshängen, weil dadurch die zuvor gefrorenen Verbindungen zwischen Gestein und Eis an Festigkeit verlieren.
Die Nullgradgrenze verschob sich im Himalaya seit den 1980er-Jahren während der Monsun- und Nachmonsunzeit um ungefähr 100 Höhenmeter pro Jahrzehnt nach oben, wodurch hoch gelegener Permafrost häufiger und länger auftauen kann. Das Auftauen von Eis in Gesteinsklüften vermindert deren Zusammenhalt, während zusätzliches Schmelzwasser den Wasserdruck in den Klüften erhöhen und vorhandene geologische Schwachstellen destabilisieren kann.
Im Einzugsgebiet des südlich benachbarten Langtang Khola hat sich die Geschwindigkeit des Gletscherverlusts seit 1964 mehr als vervierfacht. Die Gletscher der Region verloren über Jahrzehnte hinweg im Mittel jährlich eine Eisdicke von mehr als einem halben Meter; seit 2010 beschleunigte sich der Flächenrückgang des Langtang-Lirung-Gletschers gegenüber der zuvor langfristig beobachteten Entwicklung deutlich. Durch den Rückzug und die Ausdünnung der Gletscher können seitliche Eisstützen an Felswänden verloren gehen, wodurch sich die Spannungsverhältnisse im Gestein verändern und bestehende Klüfte weiter öffnen können.
Auch veränderte Niederschlagsverhältnisse könnten die Stabilität des Hanges beeinflusst haben: Mit steigenden Temperaturen fällt in höheren Lagen ein größerer Anteil des Niederschlags als Regen statt als Schnee, sodass Wasser schneller in Gesteinsklüfte eindringen und dort den Druck erhöhen kann. Im Oktober 2025 war in der Region ungewöhnlich viel Niederschlag gefallen, der zusammen mit der anschließenden Erwärmung zu zusätzlichem Schmelzwasser im Frühjahr und während des Monsuns 2026 beigetragen haben könnte.
Die längerfristige Erhitzung dürfte somit mehrere miteinander verbundene Prozesse begünstigt haben, die auf einen bereits geologisch instabilen Berghang einwirkten; ob der konkrete Bergsturz ohne den menschengemachten Klimawandel ausgeblieben wäre, konnte die Untersuchung jedoch nicht abschließend feststellen.
Ort
mini|Der Fluss Bhotekoshi (links) und der Fluss Lhende Khola (rechts) am Grenzübergang Gyirong Port (2013), der 2025 schwer getroffen und durch die Sturzflut 2026 vollständig zerstört wurde
Das Abbruchgebiet () lag an der Nordflanke des Langtang Lirung auf einer Höhe von ungefähr 5200 Metern.
Der betroffene Tabo-Gletscher speist den Lhende Khola (tibetisch Donglin Tsangpo), einen linken Nebenfluss des Bhotekoshi. An dessen Flussmündung lag auch der chinesisch-nepalesische Grenzübergang Gyirong Port zwischen Resuo (Kreis Gyirong) und Rasuwagadhi (Distrikt Rasuwa), ein wichtiger Knotenpunkt für Handel und Tourismus. An diesem Grenzübergang herrschte täglich reger Verkehr aufgrund der Wallfahrt zum Berg Kailash, einem heiligen Ort des Buddhismus, des Hinduismus und des Jainismus auf der tibetischen Seite.
Videos in den Medien zeigten den Grenzpunkt auf chinesischer Seite unmittelbar oberhalb der Mündung des Lhende Khola und die zerstörerische Kraft der dortigen Flutwelle. Diese Kraft wurde insbesondere durch mitgeführte Sedimente und Gestein verstärkt. Die Straße zum Grenzpunkt wurde auch flussaufwärts auf einer Strecke von drei Kilometern zerstört. Die Sturzflut erreichte Siedlungen, die bis zu 80 Meter über dem Flusspegel lagen.
Die Flutwelle legte die etwa 22 Kilometer vom Anrissgebiet bis zum Grenzübergang Rasuwagadhi in rund sieben Minuten zurück, was einer mittleren Geschwindigkeit von etwa 188 km/h auf diesem Abschnitt entspricht. Innerhalb der folgenden 15 Minuten erreichte sie die weiter flussabwärts gelegenen Siedlungen Timure und Syapru Besi; nach einer weiteren halben Stunde traf sie auf Betrawati im Trishuli-Tal.