Arthur Heinrich Brock (* 17. Juni oder Juli 1867 in Dorpat; † wahrscheinlich um 1935 in Alma Ata) war ein deutschbaltischer Klassischer Philologe und Pädagoge.

Brock entstammte einer deutschbaltischen Familie; sein Vater war Unternehmer und Direktor der Pleskauer Handelsbank. Nach dem Besuch des Gouvernementsgymnasiums in Pleskau studierte er von 1884 bis 1889 an der Universität Dorpat klassische Philologie und erwarb dort 1890 den Grad eines Kandidaten. 1889 bis 1891 setzte er seine Studien in Bonn und Berlin fort. In Bonn zählten Franz Bücheler, Hermann Usener, Heinrich Nissen und Wendelin Förster zu seinen Lehrern; unter dem Einfluss Georg Loeschckes widmete sich Brock zudem verstärkt der Kunstgeschichte. In Berlin hörte er unter anderem Heinrich von Treitschke und Herman Friedrich Grimm.

Nach seiner Rückkehr nach Dorpat legte Brock 1891 die Oberlehrerprüfung für klassische Sprachen ab und unterrichtete zunächst am Treffnerschen Gymnasium, ab 1892 zusätzlich am Privatgymnasium R. von Zeddelmanns. 1897 habilitierte er sich in Kiew mit der Arbeit Quaestionum grammaticarum capita duo, die zuvor in Dorpat abgelehnt worden war, und wurde im selben Jahr Privatdozent für lateinische Literatur an der Universität Dorpat. Im ersten Kapitel der Arbeit untersuchte Brock den Wechsel von -u- und -i- in den Suffixen des Superlativs, im zweiten die Kontraktion der Perfektformen in der Sprache des Plautus und des Terenz. Die Beurteilungen der Arbeit schwankten zwischen „langweilig, aber nützlich“ und „fehlerhaft“. 1898 wechselte er als außerordentlicher Professor für römische Literatur an das Historisch-Philologische Institut des Fürsten Besborodko in Neschin, wo er bis 1901 tätig war.

Am 16. Juni 1894 heiratete Brock Valerie Blumberg; über seine Schwester war er zudem seit 1897 mit dem Ägyptologen Oscar von Lemm, Vater der russischen Koptologie, verschwägert. 1901 übernahm er in Sankt Petersburg die Leitung der von den reformierten Gemeinden gemeinsam getragenen Schulen, deren Gymnasium unter seiner Führung als die bestgeleitete höhere Schule der Stadt galt. Nach der Enteignung der Kirchenschulen war er seit 1918 als Professor für Klassische Philologie an der Universität Sankt Petersburg und am Pädagogischen Alexander-Gerzen-Institut tätig. Seine eigentliche Lebensaufgabe sah Brock nicht im akademischen Bereich, sondern in der Arbeit mit der Jugend. 1912 wurde Brock Mitglied des Wissenschaftlichen Komitees und war in mehreren pädagogischen Kommissionen tätig, darunter als Vorsitzender der Kommission für Fragen der ästhetischen Erziehung. Nach 1917 lehrte er zudem am Russischen Institut für Kunstgeschichte und seit 1918 deutsche Philologie am Pädagogischen Alexander-Gerzen-Institut, dessen neuphilologische Fakultät er zeitweise als Dekan leitete; von 1922 bis 1931 stand er dort der Abteilung für Fremdsprachen vor. Darüber hinaus gehörte er der Kommission zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Wissenschaftler an.

Im Zuge der stalinistischen Akademikerprozesse denunzierte Brock, um sich selbst zu entlasten, sämtliche ihm bekannten Personen mit deutschen Namen. Den Ermittlern erschien diese Aufzählung jedoch nicht ausreichend, sodass sie ihm weitere – ihm gänzlich unbekannte – Namen vorgaben, die er gehorsam in die Liste übernahm. Dabei wirkten wohl auch die Repressionen gegen seine Familie nach: Sein Bruder Eduard war wegen angeblicher „weißgardistischer Aktionen“ erschossen worden. Brock selbst wurde wahrscheinlich 1932 nach Alma-Ata verbannt; über sein weiteres Schicksal ist nichts Gesichertes bekannt.

Werke in Auswahl

De verborum in iambica Romanorum poesi formis, Univ. Dorpat 1890. Quaestionum grammaticarum capita duo, Dorpat 1897 (Digitalisat). O šestoj pesne Èneidy Vergilija. In: Izvestija Istoriko-filologičeskogo instituta knjazja Bezborodko v Nežine 17 (1899), S. 3–18. Religija Lukrecija. In: Izvestija Istoriko-filologičeskogo instituta knjazja Bezborodko v Nežine 19 (1901), S. 3–30.

Literatur

Wilhelm Lenz u. a. (Hrsg.): Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960, Köln/Wien 1970, S. 105 (Digitalisat). Epp Tamm/Hain Tankler: Klassische Philologen an der Universität Tartu (Dorpat, Jurjew) und ihre Kontakte zu St. Petersburg. In: Hyperboreus 10 (2004), S. 22–59, hier: S. 48 (borndigital). Vera Pavlovna Smyshlyaeva: Russkie filologi-klassiki XIX veka: “germanovskoe” napravlenie, 2. Aufl., Sankt-Peterburg 2021, S. 59–61.

Kategorie:Philologe Kategorie:Pädagoge (20. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 1867 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann