mini|Amalia Avia in Madrid, 1970er Jahre Amalia Avia Peña (* 23. April 1930 in Santa Cruz de la Zarza, Toledo; † 30. März 2011 in Madrid) war eine Malerin und Grafikerin des spanischen Realismus.

Leben

Kindheit, Jugend, und frühe Ausbildung Amalia Avia war die Jüngste von sechs Kindern des Ehepaars Félix Avia García, 1933 und 1936 Abgeordneter im Congreso de los deputados, und Donatila Peña Albares. Ihre frühe Kindheit verbrachte Amalia in Madrid. Im Juli 1936, zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges, wurde ihr Vater von Faschisten ermordet. Ihre Kindheit war geprägt vom Krieg und den schwierigen Umständen in der Familie nach dem Tod des Vaters. Sie ging im Colegio Santa Isabel zur Schule, das von Ordensschwestern geleitet wurde. Die letzte Phase ihrer Schulausbildung absolvierte sie in Santa Cruz de la Zarza, dem Ort ihrer Geburt.

Mit ihrer Schwester Josefa, die in Madrid lebte, und mit Joaquín Silva, einem örtlichen Grundbesitzer, unternahm sie gelegentliche Ausflüge und Spaziergänge. Joaquín Silva, ein weltoffener Mann, brachte ihr Picasso näher. Ende 1951 starb Josefa. Im April 1952 leistete sie Sozialdienst in Medina del Campo. Sie nahm Zeichenkurse bei dem älteren Maler José Ordoñez, der jedoch zwei Monate später starb. In der freien Akademie von Eduarda Peña setzte sie ihre künstlerische Ausbildung fort.

Studien und erste Arbeiten 1954, gegen Ende des zweiten Studienjahres in der Akademie, unternahm sie gemeinsam mit Studierenden der Real Academía de Bellas Artes de San Fernando eine Studienreise nach Paris. Dabei lernte sie unter anderem Luis Feito, Carmen Laffón, Antonio López García, Julio und Francisco López Hernández, Isabel Quintanil und ihren späteren Ehemann Lucio Muñoz kennen. Nach Madrid zurückgekehrt blieb sie in Kontakt mit ihren neuen Bekanntschaften und schloss sich der „madrilenischen Bohème“ an. 1956, gegen Ende ihrer Studien, nahm sie an freien Kursen im Círculo de Bellas Artes teil und lernte dort weitere Künstler kennen, die sich später einen Namen machten. Gemeinsam ihren Freundinnen Esperanza Parada, Gloria Alcahud und Coro Salis eröffnete sie im selben Jahr ein Studio für Malerei

Bis 1960 besuchte sie weiterhin freie Kursen im Circulo de Bellas Arte. 1958 beteiligte sie sich am nationalen Wettbewerb für Malerei der Stiftung Rodríguez Acosta. Im April 1959 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der Galería Fernando Fe in Madrid. 1960 heirateten sie und Luis Muñoz. Im selben Jahr gebar sie ihr erstes Kind.

Weitere Karriere 1961 folgte ihre zweite Einzelausstellung in der Galería Biosca. Sie verkaufte 40 Bilder, davon eines an das Museo de Arte Contemporáneo. Ende der 1950er- und in den 1960er-Jahren bildeten Künstler der madrilener Schule sowie die Künstler, die Spanien auf internationalen Wettbewerben vertraten, den Kern der zeitgenössischen Kunst in Madrid. Amalia Avia war in diesen Kern eingebunden und hatte teil an der Entwicklung der künstlerischen Avantgarde in Spanien. 1962 wurde ihr zweites Kind geboren. Die Familie nahm Quartier in der Pilgerstätte Arantzazuko Santutegia bei Oñati im Baskenland, wo Lucio Muñoz den Auftrag hatte, die Apsis der Basilika auszugestalten. Im November 1963 wurde ihr drittes Kind geboren.

Das Haus der Familie wurde zum Zentrum für Treffen und Gesprächsrunden über Kunst. Zu den Stammgästen zählten unter anderem Eduardo Chicharro Briones, Eusebio Sempere, Antonio López García, Julio López Hernández, Esperanza Parada, Esperanza Nuere, Juana Mordó, Ernesto Wuthenow und José Ayllón. Im März 1964 eröffnete Juana Mordó ihre Galerie mit einer Gemeinschaftsausstellung, an der Amalia Avia teilnahm. Sie band sich fest an die Galería Juana Mordó und präsentierte dort im November desselben Jahres eine Einzelausstellung, die anschließend in Córdoba und Sevilla zu sehen war. Den sozialen und politischen Auseinandersetzungen in der Zeit des Spät-Franquismus der 1960er Jahre trug sie Rechnung, indem sie sich vorwiegend mit sozialen Themen auseinandersetzte. 1967 wurde ihr viertes und jüngstes Kind geboren. Sie lernte den Dichter und Kunstkritiker Adolfo Castaño kennen und begründete eine enge Freundschaft mit ihm.

Ab 1972 wandte sie sich zugunsten figurativer Motive von den sozialen Themen ab. Auf den Bildern erschienen keine Menschen mehr, stattdessen urbane Motive, Häuser mit Fassaden, von denen der Putz abblättert. 1973 wechselte sie von der Galería Juana Mordó zur Galería Biosca. Deren Inhaber Aurelio Biosca verkaufte einen beachtlichen Teil ihrer Werke und stellte sie systematisch auch außerhalb von Madrid aus. Als Teil einer Mappe, die die Künstlergruppe Grupo 15 dem Dichter Eduardo Chicharro widmete, fertigte sie erste Radierungen an. Sie begann, Straßen und alte Gärten zu malen. 1976 erschien anlässlich einer Einzelausstellung in der Galería Biosca ihr Buch Maestros del Arte Español Contemporáneo.

Amalia Avia pflegte ihre Motive mit der Fotokamera aufzunehmen und anhand dieser Vorlagen ihre Bilder zu malen. Trotz ihrer Verbundenheit mit den Realisten in Madrid pflegte sie einen eigenen Stil, der sie von ihren Zeitgenossen abhob. Die Kritikerin Bea Espejo hob in El País hervor, dass Amalia Avias Bilder eine raffinierte Verspieltheit ausstrahlen, die sie über den rein statischen Realismus hinausheben. Es gelinge ihr, auf humorvolle Weise, die Stimmung der Stadt einzufangen. Das zeige sich in ihren Bildern von Fassaden, Hauseingängen, Schildern von Lokalen, die fast wie Persönlichkeiten wirken, sowie in unerwarteten Elementen, die in einer Ecke des Bildes auftauchen. Ein Beispiel dafür ist das Gemälde einer Markthalle, voll mit Kisten, auf denen Frutas Amalia und Verduras Avia zu lesen ist.

Spätwerk Auch ab den 1990er Jahren blieben die Straßen Madrids ihr Hauptthema. Es kamen jedoch kosmopolitische Motive hinzu, unter anderem aus Paris, Lissabon und New York. Am 24. Mai 1998 starb ihr Ehemann Lucio Muñoz in Madrid. 2002 wurde in ihrem Geburtsort Santa Cruz de la Zarza das Kulturhaus Amalia Avia eröffnet, und die Gemeinde erwarb ihre Grafiksammlung.

Amalia Avia starb in Madrid am 30. März 2011 nach längerer Krankheit. Sie wurde neben ihrem Mann Lucio Muñoz auf dem Cementerio civil de Madrid beigesetzt.

Posthumes Wirken mini|Hommage an Amalia Avia und andere Malerinnen am Mural de las pintoras in Ávila.

Auch nach ihrem Tod wurde Amalia Avias Werk in einer Reihe von Ausstellungen gewürdigt, darunter:

Das Museum der Real Academía de Bellas Artes de San Fernando stellte 2013 zur Saison-Eröffnung im Teatro de la Zarzuela eine Sammlung von Ölgemälden von Amalia Avia aus. Die Bühnenbilder der Premierenstücke Los amores de la Inés von Manuel de Falla und La verbena de la Paloma von Tomás Bretón waren inspiriert von ihren Gemälden. Seit 2014 vergibt das Instituto de la Mujer de Castilla–La Mancha jährlich die nach ihr benannten Preise Mujeres en el Arte, Amalia Avia für weibliche Kunstschaffende. 2022 veranstaltete die Stadt Madrid eine große anthologische Ausstellung von ihren Werken.

Auszeichnungen 1966: Wettbewerb Concurso Repesa, 3. Preis 1971: Biennale von León, 3. Preis 1977: Verdienstmedaille für Kunst der Stadtverwaltung Madrid 1978: Premio Goyanicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Filmpreis! der Stadt Madrid

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen Quellen:

Sammelausstellungen Quelle:

Publikationen

Weblinks

Einzelnachweise

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