mini|400px|Die Burgvögtin. Hier sind die Asse am Anfang ausgelegt Die Burgvögtin, auch La Châtelaine und Lady of the Manor genannt, ist eine alte vermutliche französische Patience, die noch heute gespielt wird. Laut Poli et al. (1984) ist die Gewinnchance 1 zu 4 oder 1/5.François Poli, Françoise Prévost, Michel Brassine, Michel Jessaume, Pascale Jallet, Jean-Michel Berger, Maurice Pons and Pierre Berloquin: „La Châtelaine“ in: Le Grand Livre des Jeux de Cartes et des Réussites. France Loisirs. Paris, 1984. S. 136. Diese Patience, die ein schönes Bild darstellt, wird als ein „half-open builder“ von Parlett (1979) eingestuft.David Parlett: „Lady of the Manor“ in: The Penguin Book of Patience. Penguin. London, 1979. S. 198.
Geschichte Die Patience tauchte erst 1852 im ersten englischen Patience-Buch Games of Patience von Madame de Chatelain als „The Lady of the Manor“ auf.Marquise de Fortia: „The Lady of the Manor“ in: Games of Patience übersetzt von Clara de Chatelain. 1852. S. 89–92. Dieses Werk wurde meistens eine Übersetzung des ersten französischen Patience-Buchs, dass 1842 von der Marquise de Fortia veröffentlicht wurde.Madame de Fortia war die Ehefrau von Agricol-Joseph Fortia d’Urban. Letzterer starb jedoch im selben Jahr und weil die Burgvögtin-Patience nur in späteren Auflagen dieses Werks erschien, könnte de Chatelain die Erfinderin sein.De Fortia starb 1842, also könnte die Erfinderin nicht sein, weil das Spiel in der erste drei Ausgaben nicht fand. 1857 folgte die erste Beschreibung auf Deutsch und zwar von dem Schweizer Carl Jakob Durheim, der das Werk im selben Jahr auch auf Französisch veröffentlichte.Karl Jakob Durheim: „Die Burgvögtin“ in: Die Patiencen oder Geduldspiele mit Karten gesammelt, verbessert und vermehrt durch K.J.D. Haller. Berne, 1857. S. 126–129. 1863 nannte Graf zu Bentheim-Tecklenburg das Spiel „Die Burg- oder Edelfrau“.Moritz, Graf zu Bentheim-Tecklenburg: Das Patiencen-Buch. Julius Kellner. Würzburg, 1863. S. 41–42.
Das Spiel erscheint noch in englischen und französischen, jedoch nicht mehr in deutschen, Patience-Bücher des 20. und 21. Jahrhunderts.
Archway, eine Patience, die von Kartenexperte David Parlett erfunden wurde, ist auf die Burgvögtin basiert.David Parlett: „Archway“ in: The Penguin Book of Patience. Penguin. London, 1979. S. 294.
Spielweise Durheim (1857) Die folgende Spielregeln sind nach Durheim (1857).
Die Burgvögtin wird mit zwei vollen Kartensätze gespielt. Man legt vier Päckchen aus, jedes von zwölf Blättern, die man aufgedeckt vor sich so hinlegt, dass man auch die darunter liegenden sehen kann.
Gibt es oben auf diesen Päckchen ein oder mehrere Asse, so werden sie weggenommen und unter jene Päckchen in eine horizontale Reihe nebeneinander gelegt; ebenso die übrigen herauskommenden Asse. Sind nun die vier Päckchen fertig und die Assreihe, wenn möglich, angefangen, so werden die Talonkarten einzeln abgezogen und ob den Päckchen ein Halbzirkel gebildet, wovon die Könige die äußerste Rechte und die Zwei die äußerste Linke einnehmen; jede vom Spiel abgenommene Karte wird demnach auf ihre Nummer gelegt, z. B. ist es eine Sieben, so wird sie die Sechste in dem zu bildenden Halbkreis; ist es ein Bube, so nimmt derselbe die zehnte Stelle ein, die Dame die elfte, der König die zwölfte, u. s. w., auf welche zugleich alle übrigen Blätter von gleichem Werthe, ohne Rücksicht auf die Farbe, gelegt werden, wie z. B. eine Zwei auf die Zwei, ein Bube auf den Buben, u. s. w. bis der Halbkreis vollendet ist und alle Karten aufgebraucht sind. Die dabei herauskommenden Asse gehören wie bereits gesagt, auf ihre Reihe unterhalb den vier Päckchen.
Diese Asse zu placieren ist eine notwendige Ausnahme um das Spiel vorzubereiten, denn sonst kann keine Karte den Assen zugeteilt werden, bevor die Verteilung auf die zwölf Blätter des Halbzirkels vervollständigt ist.
Die freiliegenden Karten sind alle, die nicht von einer anderen bedeckt sind, also die oberste Karten jedes Paket. Als eine davon zu einer der Grundkarten aufgebaut wird, wird die darunterliegende Karte befreit.
Ist nun diese Verteilung beendigt, so ist das Ziel, alle Asse in aufsteigender Reihenfolge vom zwei bis zum König inklusive, ohne Rücksicht auf die Farbe, zu belegen.
Parlett (1979) Es gibt die folgende Veränderungen: Die acht Asse werden zuerst ausgelegt Nur die oberste Karte der Zwölferpäckchen ist sehbar
Taktik Um dahin zu gelangen, muss man vorzugsweise in den vier Päckchen schöpfen, und nur haushälterisch sich der Hülfsquelle bedienen, die der Halbzirkel darbietet. Der Spieler wird wohl begreifen, dass die Schwierigkeit nicht in der Ordnung der Blätter des Halbzirkels liegt, sondern in den Karten der ursprünglich formierten vier Pakete; mithin muss er sein Augenmerk und seinen Spielgeist auf diese lenken; er muss sich nicht begnügen die verfügbaren Karten auf der Oberfläche wegzunehmen, sondern in den Päckchen nachsehen, welche von den obern Blättern genommen werden können, die die Erhebung einer noch größeren Zahl erleichtern möchten. Man muss sich nicht beeilen, die Asspäckchen zu beendigen, indem man die Damen und die Könige, die sich auf dem Halbzirkel befinden möchten, auf jene legt; vielmehr muss man darauf bedacht sein, diejenigen Karten die sich in den Paketen befinden und ein Hinderniß verursachen, vorzugsweise zu befreien.
Können somit die Asspäckchen vollständig belegt werden, so dass die Könige dieselben schließen, so ist das Spiel gewonnen, welches durch einige Übung und mit Umsicht meistenteils erzweckt wird.
Laut Durheim fügte „die Verfasserin dieser Patience ... noch bei, die Chatelaine sei zwar für Anfänger schwierig, allein es sei besser, dieselbe oft zu wiederholen, als sich zur Aushülfe, Willkührlichkeiten zu erlauben.“
Literatur Marquise de Fortia: Games of Patience, übersetzt von Clara de Chatelain. 1852. Carl Jakob Durheim: Recueil de Quatre-Vingts Patiences. Haller. Bern, 1857. Das Werk enthält 80 Patiencen. Karl Jakob Durheim: Die Patiencen oder Geduldspiele mit Karten gesammelt, verbessert und vermehrt durch K.J.D. Haller. Bern, 1857. 80 Patiencen.
Einzelnachweise
Kategorie:Patience Kategorie:Spiel mit Strategie und Zufall Kategorie:Kartenspiel mit traditionellem Blatt