Geschichten der Unrast (Originaltitel: Tales of unrest) ist ein Erzählband von Joseph Conrad. Die originalsprachliche Veröffentlichung erfolgte im März 1898 durch den US-Verlag Charles Scribner’s Sons und im April 1898 durch den britischen Verlag Thomas Fisher Unwin.Tim Middleton: Tales of Unrest (1898). In: Tim Middleton: Joseph Conrad. Routledge, London 2006. ISBN 978-0-415-26852-3. S. 36–42. Hier S. 36.
Kurzbeschreibung Das Buch vereint fünf großteils bereits zuvor veröffentlichte Geschichten mit unterschiedlicher Erzählperspektive und thematisch überwiegend unterschiedlichen Handlungen.
Inhalte der einzelnen Episoden Karain. Eine Erinnerung Der Erzähler berichtet von seiner Begegnung mit dem malaiischen Häuptling Karain an Bord eines Schoners, und Karain trägt dem Erzähler eine Geschichte aus seiner Vergangenheit vor: Pata Mataras Schwester ist mit einem niederländischen Händler davongelaufen, und Matara sinnt darauf, die Familienehre wiederherzustellen. Karain begleitet ihn bei der Suche. Nach Jahren finden Karain und Matara die Frau und den Holländer; die Konfrontation kulminiert in einem Akt von Gewalt. Die Idioten Der Erzähler stößt in der Bretagne auf die Familie Bacadou. In Rückblenden entfaltet sich die Geschichte vor allem der Susan Bacadou, die vier Kinder zur Welt bringt, welche alle dieselbe geistige Behinderung aufweisen, was im Dorf Misstrauen und soziale Isolation erzeugt. Aufgrund von Überforderung und des psychischen Drucks tötet Susan eines der Kinder und begeht Selbstmord. Ein Vorposten des Fortschritts
Mr. Kayerts und Mr. Carlier verwalten einen abgelegenen Handelsposten in Afrika und verlieren dort allmählich ihre moralische Selbstkontrolle. Kleine Zwischenfälle und Fehlentscheidungen häufen sich, so dass die Männer zunehmend in Panik, Lüge und Selbsttäuschung verfallen. Die Erzählung endet mit der Darstellung des Untergangs des Postens. Die Rückkehr
Alvan Hervey und seine Frau leben in einer distanzierten, routinierten Ehe in einem prächtigen Haus. Eines Abends findet Alvan einen Brief seiner Frau an ihn, die darin erklärt, ihn für einen anderen Mann zu verlassen. Er fühlt sich gedemütigt und zornig. Die Frau kehrt zurück, bezeichnet den Vorfall als Versehen. Alvan hält einen moralisierenden Vortrag unter anderem über Pflicht und Treue. Sie gibt sich gefügig und meist äußerlich gefasst. Er stellt fest, dass er aufgrund mangelnden Vertrauens das eheliche Zusammenleben nicht fortsetzen will, weil er nur noch Täuschung wittert, und verlässt schließlich das Haus, ohne zurückzukehren. Die Lagune Ein weißer Passagier und ein malaiischer Steuermann paddeln bei Sonnenuntergang einen Fluss hinab und beschließen, die Nacht in der Lichtung eines Mannes namens Arsat zu verbringen. In der Nacht offenbart Arsat dem Erzähler in einer langen Rückblende die Geschichte seines Lebens, die von seiner leidenschaftlichen Liebe zu einer Frau namens Diamelen und von der Rolle seines Bruders in dieser Beziehung geprägt ist.
Textanalyse Entsprechend seinem Charakter als Textsammlung lässt Geschichten der Unrast keine episodenübergreifende Erzählsituation erkennen, keine gemeinsame Figurenkonstellation und keine Gemeinsamkeiten der erzählten Zeit. „Obwohl die Geschichten an verschiedenen Orten spielen und in unterschiedlichen Stilen verfasst sind, weisen sie, wie der Titel der Sammlung bereits andeutet, dennoch gewisse thematische Gemeinsamkeiten auf“.„Set in various locales and written in a range of styles, these stories nonetheless, as the collection‘s titel suggests, share certain thematic concerns“ – Stan Walker: Tales of unrest, Joseph Conrad (1898). In: Andrew Maunder (Hrsg.): The Facts On File companion to the British short story. Facts On File, New York NY 2007. ISBN 0-8160-5990-X. S. 418–419. Hier S. 418. Gemeinsame Themen sind geografische oder soziale Isolation, die als Katalysator für psychische Destabilisierung wirken und rationale Kontrolle untergraben können. Insbesondere Karain und Die Lagune teilen darüber hinaus nicht nur den malaiischen Schauplatz, sondern auch bestimmte Themen: „Verrat, Flucht, Vernachlässigung wichtiger Pflichten“.„betrayal, escape, neglect of important duty“ – Walker, Tales of unrest, Joseph Conrad (1898), S. 418.
Rezeption und Auszeichnung
Die 1915 eingestellte Kulturzeitschrift The Academy verlieh Conrad für die Geschichten der Unrast im Jahr nach dem Erscheinen des Buches einen Preis in Höhe von 50 Guineen „als eines der besten Bücher des Vorjahres“.„The Academy went on to award Conrad a 50-Guinea-prize in 1899 for ‚Tales of Unrest‘ as one of the best books of the previous year“ – Middleton, Tales of Unrest (1898), S. 40.
Literatur (Auswahl) Tim Middleton: Tales of Unrest (1898). In: Tim Middleton: Joseph Conrad. Routledge, London 2006. ISBN 978-0-415-26852-3. S. 36–42. Stan Walker: Tales of unrest, Joseph Conrad (1898). In: Andrew Maunder (Hrsg.): The Facts On File companion to the British short story. Facts On File, New York NY 2007. ISBN 0-8160-5990-X. S. 418–419.
Deutschsprachige Textausgaben (Auswahl) Geschichten der Unrast. (=Fischer, Band 5724.) Deutsch von Fritz Lorch. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1982. ISBN 3-596-25724-7. Geschichten der Unrast. In: Geschichten der Unrast und sechs Erzählungen. S. Fischer, Frankfurt am Main 1984. ISBN 3-10-011310-1. S. 13–230.
Weblinks Volltext beim Projekt Gutenberg (originalsprachig)
Einzelnachweise
Kategorie:Werk von Joseph Conrad Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Sammlung (Literatur)