La hija de Rappaccini (deutsch: ‚Rappaccinis Tochter’) ist eine Oper in zwei Akten von Daniel Catán (Musik) mit einem Libretto von Juan Tovar nach der Kurzgeschichte Rappaccinis Tochter von Nathaniel Hawthorne und dem gleichnamigen Schauspiel von Octavio Paz. Die Uraufführung fand am 25. April 1991 im Theater des Palacio de Bellas Artes in Mexiko-Stadt statt.
Handlung
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf der Videoübertragung aus Monterrey, Mexiko, vom Februar 2024.
Erster Akt
Auf einer Straße in Padua wirft Dr. Baglioni seinem Kollegen Dr. Rappaccini vor, bei seinen Forschungen mit gefährlichen und unmoralischen Methoden zu betreiben. Er fordert ihn auf, diese zu beenden. Rappaccini weist die Vorwürfe zurück.
Der aus Neapel eingetroffene Medizinstudent Giovanni trifft auf Isabela, die ihm ein Zimmer vermietet. Vom Balkon aus kann er den mysteriösen Garten Rappaccinis einsehen. Isabela erzählt ihm, dass Rappaccini niemanden in die Nähe seiner schönen Tochter Beatriz lasse.
Baglioni, ein alter Studienfreund von Giovannis Vater, begrüßt den jungen Studenten und warnt ihn vor Rappaccini, der bei seinen Forschungen über Pflanzengifte alle Skrupel über Bord geworfen habe.
Im Garten preist Rappaccini die Macht seiner giftigen Gewächse. Beatriz erscheint und teilt seine Begeisterung. Nachdem ihr Vater gegangen ist, beklagt sie ihre Einsamkeit. Giovanni beobachtet sie. Er ist erstaunt, dass eine Rose, die sie in die Hand nimmt, sofort verwelkt. Sie scheint auch keine Berührungsängste vor den offensichtlich hochgiftigen Pflanzen zu haben. Giovanni fühlt sich stark zu ihr hingezogen.
Später träumt Giovanni von Beatriz und dem Garten. In seinem Traum hört er die Stimmen der Pflanzen. Auch Rappaccini taucht darin auf und erklärt ihm, dass der Gärtner niemals schlafe, sondern nachts ein Irrlicht und tagsüber eine Pflanze sei. Giovanni träumt von einer Liebesbeziehung mit Beatriz.
Zweiter Akt
Bei einer weiteren Begegnung stellt Dr. Baglioni fest, dass Giovanni wortkarg und kränklich wirkt. Er vermutet, Rappaccini habe ihn in eines seiner Experimente verwickelt. Giovanni bestreitet das.
Isabela zeigt Giovanni einen geheimen Zugang zum Garten. Dort trifft er auf Beatriz. Sie wirkt erst überrascht, doch gesteht dann, dass sie bereits auf ihn gewartet habe. Die beiden kommen sich näher. Giovanni möchte mit ihr in seine Heimat reisen und sie seinen Eltern als Braut vorstellen. Für Beatriz ist das alles neu. Sie hat noch nie jemanden kennengelernt und nur mit den Bäumen reden können. Als Giovanni sich den Pflanzen nähert, warnt Beatriz ihn: Eine Berührung wäre tödlich. Dabei berührt sie seine Hand. In diesem Moment erscheint Rappaccini. Beatriz zieht sich zurück. Ihr Vater bietet Giovanni seine Freundschaft an und erlaubt ihm, jederzeit in den Garten zu kommen. Giovanni entdeckt einen Ausschlag an seiner Hand. Rappaccini triumphiert: Für ihn läuft alles nach Wunsch.
In seinem Zimmer versucht Giovanni, seine Hand behandeln. Er wundert sich über das Verhalten von Beatriz’ Vater. Auch Isabela, die ihm ein paar Blumen ins Zimmer bringt, ist erstaunt darüber. Kurz darauf erscheint Baglioni. Er erzählt Giovanni eine Geschichte über Alexander den Großen, dem ein indischer Prinz eine schöne Frau schenkte. Alexander verliebte sich in sie. Ein zufällig anwesender weiser Arzt stellte jedoch fest, dass sie eine Todesfalle war: Man hat ihr seit ihrer Kindheit Gifte verabreicht, um sie dagegen immun zu machen. Dadurch wurde sie selbst toxisch. Eine einzige Umarmung hätte Alexander den Tod bringen können. Baglioni bemerkt, dass Giovanni einen merkwürdigen Geruch ausströmt. Er hat gehört, dass Rappaccini Medikamente mit einem solch süßen Duft herstelle, und dass Beatriz sie anderen zu deren Schaden verabreiche. Giovannis Krankheit könnte auf Rappaccinis Experimente zurückzuführen sein. Es sei aber noch Zeit, sie vom Einfluss ihres Vaters zu befreien. Er gibt Giovanni ein Fläschchen mit einem starken Gegengift, dass Beatriz retten soll.
Giovanni fühlt sich immer schlechter und glaubt nun selbst, vergiftet worden zu sein. Er überredet Beatriz, das Gegengift zu nehmen. Ihr Vater eilt hinzu, um das zu verhindern. Er erklärt, dass sie ihrem Geliebten nur eine Blume überreichen müsse, um ihre Einsamkeit zu beenden. Sie könnten dann beide den Garten verlassen – gefürchtet und verehrt von der Welt. Beatriz lehnt dieses Schicksal ab. Als Rappaccini enthüllt, dass jedes Gegengift für sie tödlich wäre, versucht auch Giovanni, sie aufzuhalten. Doch Beatriz entscheidet sich, den Trank zu nehmen. Sie verabschiedet sich von Giovanni und den Pflanzen und stirbt.
Gestaltung
Orchester
Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:
Holzbläser: drei Flöten (auch Piccolo), zwei Plockflöten, drei Oboen (auch Englischhorn), drei Klarinetten (auch Bassklarinette), drei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, Tuba Pauken, Schlagwerk (zwei Spieler) Klavier, Celesta Harfe Streicher
Außerdem gibt es eine Kammerfassung für zwei Schlagwerker, Harfe und zwei Klaviere.
Musik
Die Musik ist tonal, lyrisch und deutlich von Claude Debussys Oper Pelléas et Mélisande inspiriert. Die Stimmführung wurde mit der von Richard Strauss oder Giacomo Puccini verglichen.
Werkgeschichte
Das Libretto zu dieser Oper stammt von Juan Tovar. Es basiert auf der Kurzgeschichte Rappaccinis Tochter von Nathaniel Hawthorne und dem gleichnamigen Schauspiel von Octavio Paz.
Das Sujet wurde außer von Catán auch von mehreren anderen Komponisten vertont:
Charles Wakefield Cadman: The Garden of Mystery, 1915 Ralph Vaughan Williams: The Poisened Kiss, 1936 Margaret Garwood: Rappaccini’s Daughter, 1980 (englisch) Dennis Riley: Rappaccini’s Daughter, 1984 (englisch) Sam Dennison: Rappaccini’s Daughter, 1985 (Kammeroper, englisch) Ellen Bender: Rappaccini’s Daughter, 1992 (englisch)
Bei der Uraufführung von Catáns Oper am 25. April 1991 im Theater des Palacio de Bellas Artes in Mexiko-Stadt sangen Encarnación Vázquez (Beatriz), Inmaculada Egido (Isabela), Alfonso Orozco (Giovanni), Ignacio Clapés (Dr. Baglioni) und Jesús Suaste (Dr. Rappaccini). Die musikalische Leitung hatte Eduardo Diazmuñoz.
Drei Jahre später gab es eine sehr erfolgreiche Produktion in San Diego, die als die „erste vollprofessionelle Bühnenproduktion einer Oper eines mexikanischen Komponisten in den Vereinigten Staaten“ angekündigt wurde. In deren Folge erteilte die Houston Grand Opera Catán den Kompositionsauftrag für seine nächste Oper, Florencia en el Amazonas.
Die Oper wurde seitdem häufig gespielt – meist in den USA oder in Mexiko, häufig in Form von Universitäts-Produktionen. Nachweisbar sind die folgenden Aufführungen:
5. März 1994: San Diego – Dirigent: Eduardo Diazmuñoz, Regie: Johnathon Pape, Bühne: John Conklin, Kostüme: Barbara Bush, Lichtdesign: Mimi Jordan Sherin; mit Encarnación Vázquez (Beatriz), Ellen Rabiner (Isabela), Fernando de la Mora (Giovanni), Ignacio Clapés (Dr. Baglioni) und Oscar Samano (Dr. Rappaccini). 23. April 1997: Operntheater der Manhattan School of Music. Februar 2009: University of Illinois Urbana-Champaign, School of Music. 25. Februar bis 6. März 2011: University of Texas at Austin – Uraufführung der Kammerversion; Dirigent: Robert Desimone. 14.–17. Juni 2012: Opera Hispanica, New York – Dirigent: Juan Pablo Horcasitas. 17. Juni bis 20. Juli 2013: Gotham Chamber Opera, New York – Freiluft-Aufführungen in den botanischen Gärten von Brooklyn (New York) und Santa Monica; Dirigent: Neal Goren, Regie: Rebecca Taichman, Bühne: Riccardo Hernandez, Kostüme: Anita Yavich, Licht: Justin Townsend, Choreografie: Mark Dendy. 23. und 24. Mai 2014: Florida State University, Tallahassee – Dirigent: Douglas Fisher. 10.–13. April 2015: University of Houston – Dirigent: Arne Almroth. 9.–13. Juli 2015: Des Moines Metro Opera. 1. August 2015: Vulcan Lyric, Philadelphia. 10.–12. März 2017: Opera Naples, Florida. 20. und 21. Mai 2017: Alamo City Opera, Palo Alto Performing Arts Center, San Antonio, Texas – Dirigentin: Kristin Roach. 10. und 11. November 2018: University of Arizona, Tucson – Dirigentin: Kristin Roach. 24. und 25. Mai 2019: Sala Miguel Covarrubias, Universidad Nacional Autónoma de México, Mexiko-Stadt – Dirigent: Michael Dauphinais, Regie: Cynthia Stokes. 1.–4. Oktober 2020: Teatro Colón, Buenos Aires, Argentinien – Dirigentin: Natalia Salinas. 24. April 2021 – Chicago Opera Theater. 21.–27. November 2021: Sinaloa, Mexiko (verschiedene Theater in Culiacán, Mazatlán und Los Mochis). 27. und 28. Mai 2022: Richard G. Fallon Theater, Tallahassee, Florida – Dirigent: Sebastian Jimenez. 21.–23. Oktober 2022: Boston University Opera Institute im Rahmen des Fringe Festivals – Kammerfassung; Dirigent: Fernando Gaggini, Regie: Rose Freeman, Bühne: Anna Vidergar, Kostüme: Lisa Victoria Coleman, Licht: Isaak Olson. 4.–6. April 2024: College-Conservatory of Music Cincinnati, Ohio – reduzierte Orchesterfassung von Mark Robson; Dirigent: Trevor Kroeger, Regie: Robin Guarino, Bühne: Taylor Helms. 19.–21. September 2025: Opera Columbus, Ohio – Dirigent: Rolando Salazar, Regie: Brandon Shaw McKnight.
Aufnahmen
Oktober 1991 – Eduardo Diazmuñoz (Dirigent), Orquesta Filarmónica de la Ciudad de México, Convivium Musicum Chorus. Encarnación Vázquez (Beatriz), Fernando de la Mora (Giovanni), Jesús Suaste (Dr. Rappaccini). Highlights; aufgenommen in Mexiko-Stadt; veröffentlicht 2002. Naxos 8.557034. Frühling 1997 – Eduardo Diazmuñoz (Dirigent), Manhattan School of Music Opera Chorus and Orchestra. Olivia Gorra (Beatriz), Natalie Levin (Isabela), Brandon Jovanovich (Giovanni), Julian Rebolledo (Dr. Baglioni), David Alan Marshall (Dr. Rappaccini). Live aus dem Operntheater der Manhattan School Of Music in New York. Newport Classic 85623 (2 CDs). Mai 2019 – Michael Dauphinais (Dirigent), Regie: Cynthia Stokes, Instrumentalensemble, Coro Universitario Staccato. Octavio Moreno, Jessika Arevalo, Andres Carillo, Kaitlin Bertenshaw, Evanivaldo Correa. Video; live vom Festival Cultura UNAM in Mexiko-Stadt. Fernsehübertragung auf TV UNAM. 23. Februar 2024 – Alejandro Miyaki (Dirigent), Rennier Piñero (Regie), Ranniely Piñero (Choreografie), Orquesta Sinfónica de la UANL, MOS Mexico Opera Studio. Kathia Alejandra (Beatriz), Mayela López (Isabela), Alejandro Yépez (Giovanni), Jaquez Reyes (Dr. Baglioni), Isaac Herrera (Dr. Rappaccini). Video; live aus dem Universitätstheater der Unidad Mederos in Monterrey, Mexiko. Videostream auf YouTube. Oktober 2025 – Eduardo Diazmuñoz (Dirigent), Lorena Maza (Regie), Eloise Kazan (Bühne und Kostüme). Andrea Carroll (Beatriz), Alejandra Gomez (Isabela), Joshua Guerrero (Giovanni), Evanivaldo Correa (Dr. Baglioni), Tomas Castellanos (Dr. Rappaccini), Jessika Odalis Arevalo, Angelica Alejandre und Itzeli Jauregui (Blumen). Opernfilm, aufgenommen im botanischen Garten von Culiacán in Sinaloa/Mexiko und in Mexiko-Stadt.
Weblinks
Partitur, erster Akt bei Issuu Partitur, zweiter Akt bei Issuu Partitur, Kammerfassung bei Issuu Klavierauszug bei Issuu
Einzelnachweise
Molly Tracy: Opera Naples Announces 2016–2017 Schedule. In: Broadway World. 13. September 2016, abgerufen am 25. August 2026. Informationen über die Produktion in Boston 2022, abgerufen am 25. August 2026. Rappaccini’s Daughter (englisch) auf der Website des Komponisten Daniel Catán, abgerufen am 25. August 2026. Operas (englisch) auf der Website des Komponisten Daniel Catán, abgerufen am 25. August 2026. Beilage zur CD Naxos 8.557034. Informationen über den Opernfilm von 2025 bei FilmFreeway, abgerufen am 25. August 2026. Informationen über die Produktion der Gotham Chamber Opera 2013, abgerufen am 25. August 2026. Margaret Ross Griffel: Operas in English. Revised Edition. Scarecrow Press, Plymouth 2013, ISBN 978-0-8108-8325-3.