Der Südfriedhof ist ein kommunaler Friedhof im Geraer Stadtteil Debschwitz. Der 1883 eröffnete und in seiner ursprünglichen Struktur zu großen Teilen erhaltene Friedhof ist geprägt von seinen vielen historischen Erbbegräbnissen aus der Zeit des Historismus sowie dem von Selmar Werner 1921 errichteten „Denkmal der Märzgefallenen“ für die Geraer Opfer des Kapp-Putsches.

Geschichte mini|Blick vom Haupteingang zur Friedhofskapelle (2013) Der Südfriedhof ersetzte den ehemaligen Friedhof an der Trinitatiskirche, den heutigen Park der Jugend, der im Zuge der Hochindustrialisierung und des damit verbundenen Stadtwachstums zu klein geworden war, und wurde südöstlich des Stadtkerns auf dem Gebiet der damals noch eigenständigen Gemeinde Debschwitz angelegt.

Am 3. Mai 1883 (Christi Himmelfahrt) wurde der Friedhof feierlich eröffnet, am 17. Mai 1883 die ersten Verstorbenen beigesetzt.Friedhöfe in Gera, Teil 2, S. 8. Am 14. Mai 1885 (ebenfalls Christi Himmelfahrt) wurde die Friedhofskapelle eingeweiht. Sie war gemeinsam mit einer Leichenhalle durch das Leipziger Architekturbüro Hartel und Lipsius geplant worden. Zwecks Kostenersparnis wurde die ursprünglich als eigenes Gebäude vorgesehene Leichenhalle in den Keller der Kapelle integriert. Die Bauleitung oblag dem Geraer Architekten und Maurermeister Carl Eduard Paul Nitzsche.Löffler (2007), S. 465f.

mini|links|Erbbegräbnisse auf dem Südfriedhof (2013) Die Friedhofsordnung der Stadt Gera vom 12. Februar 1886 sah vor, dass auf dem neuen Friedhof nur Personen aus der Stadt Gera sowie den Gemeinden Bieblach, Cuba, Debschwitz, Pforten und Untermhaus beigesetzt werden durften.Friedhöfe in Gera, Teil 2, S. 9. Ein Charakteristikum des Südfriedhofes sind die ursprünglich 256 Erbbegräbnisse des wohlhabenden Geraer Bürgertums an allen vier Einfriedungsmauern des Friedhofes, die zumeist von Architekten, Baumeistern oder Bildhauern geschaffen wurden.Löffler (2007), S. 465. Der Friedhof ist durchgehend ummauert und liegt mitten im Wohngebiet, so dass er seit seiner Eröffnung nie erweitert wurde und seine grundlegende geometrische Struktur nahezu unverändert erhalten geblieben ist.Friedhöfe in Gera, Teil 2, S. 11. Seine Kapazitätsgrenze war letztendlich schnell erreicht, weshalb 1899/1900 östlich der Stadt der Ostfriedhof errichtet wurde.

mini|Soldatengräber des Ersten Weltkrieges (2020) mini|Denkmal der Märzgefallenen für die Opfer des Kapp-Putsches (2009) Im Ersten Weltkrieg wurde 1915 ein Ehrenfriedhof für Gefallene angelegt, der 1917 erweitert werden musste.Friedhöfe in Gera, Teil 2, S. 15. Nach dem Kapp-Putsch von 1920 schuf Selmar Werner im folgenden Jahr im Auftrag des Volksstaates Reuß auf dem Südfriedhof eine Gedenkstätte, in der 14 von 15 in Gera ums Leben gekommenen Opfer des Putsches beigesetzt wurden. Aufgrund seines schlechten baulichen Zustandes wurde das „Denkmal der Märzgefallenen“ im Sommer 2025 abgesperrt und soll bis 2027 saniert werden.

Nach 1945 verfielen viele Erbbegräbnisse, da die Familien die Stadt verlassen hatten.Friedhöfe in Gera, Teil 2, S. 9. Eine neue Friedhofsordnung sah 1976 vor, den Friedhof mit dem Ablauf der letzten Grabstellen im Jahr 2006 aufzulösen, so dass zeitweise keine neuen Beisetzungen mehr möglich waren. Seit 1984 sind jedoch Urnenbeisetzungen, seit 2001 auch Erdbestattungen wieder gestattet.Friedhöfe in Gera, Teil 2, S. 9.

Bekannte Gräber Hermann Drechsler (1876–1951), Journalist und Politiker Susanne Engelmann (1905–1989), Grafikerin und Keramikerin Robert Fischer (1829–1905), Oberbürgermeister von Gera und freimaurerischer Schriftsteller Theodor Fischer (1824–1908), Maler und Fotograf Rudolf Hundt (1889–1961), Geologe und Heimatforscher Otto Jenssen (1883–1963), Pädagoge Heinrich Laber (1880–1950), Dirigent Rudolf Schmidt (1862–1945), Architekt Walther Stötzner (1882–1965), Forschungsreisender Hermann Weber (1851–1938), Unternehmer und Politiker Bruna Wendel-Plarre (1903–1939), Kanalschwimmerin Selmar Werner (1864–1953), Maler und Bildhauer Ernst Zimmermann (1860–1944), Geologe

Literatur Stadt Gera, Untere Denkmalschutzbehörde (Hrsg.): Friedhöfe in Gera, Teil 2. Gera 2004. Anja Löffler (Bearb.): Stadt Gera (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Thüringen, Bd. 3). Erfurt 2007, S. 465–467.

Weblinks

Stadt Gera: Südfriedhof

Einzelnachweise

Gera Kategorie:Kulturdenkmal in Gera Gera Kategorie:Erbaut 1883