Brigitte Krause (* 2. September 1949 in Augsburg) ist eine deutsche Filmregisseurin, Autorin und Filmproduzentin.

Leben Sie arbeitet vor allem im Bereich des Dokumentarfilms und beschäftigt sich in ihrem filmischen Werk mit gesellschaftlichen, historischen und kulturellen Themen. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden seit den 1980er Jahren der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Japan sowie die filmische Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur, Alltagsleben und gesellschaftlichem Wandel.

Sie legte ihr Abitur am Jakob-Fugger-Wirtschaftsgymnasium in Augsburg ab. Anschließend studierte sie Germanistik, Geschichte und Publizistik zunächst an der Ludwig-Maximilians-Universität München und später an der Freien Universität Berlin. Im Alter von 21 Jahren wechselte sie an die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB), wo sie ihre filmische Ausbildung aufnahm.

Nach ihrem Umzug nach Hamburg im Jahr 1975 setzte Krause ihr Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) im Studiengang Visuelle Kommunikation fort. Parallel studierte sie Geschichte und Pädagogik an der Universität Hamburg.

Bereits während ihrer Studienzeit setzte sie sich intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen auseinander. Die beginnende Frauenbewegung der 1970er Jahre prägte ihre Ausbildung ebenso wie die Auseinandersetzung mit dokumentarischen Erzählformen und politischen Filmprojekten. Zu ihren frühen Arbeiten gehörten unter anderem Gemeinschaftsproduktionen über gesellschaftliche Veränderungen, die den dokumentarischen Blick auf soziale Wirklichkeit zu einem bestimmenden Merkmal ihres späteren Schaffens werden ließen. Das DFFB-Archiv führt Krause unter anderem als Mitregisseurin von Women’s Camera sowie als Regisseurin von Analytische Arbeitsplatzbewertung, Pack an – Kinderschule Finkenstrasse und Wir wollen ja was lernen.

1984 erhielt Krause ein Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für die Filmabteilung der Nihon-Universität in Tokio. Daraus entwickelte sich eine jahrzehntelange Beschäftigung mit der japanischen Gesellschaft.

1980 gründete sie gemeinsam mit Michael Sombetzki in Hamburg die Produktionsfirma Trigon-Film, über die sie den Großteil ihrer eigenen Filmprojekte realisierte. Seit Mitte der 1990er Jahre war sie dort außerdem als dramaturgische Beraterin für Fernseh- und Filmproduktionen tätig.

1991 initiierte Krause gemeinsam mit dem japanischen Stadtplaner Toshiya Yamamoto den Japanisch-Deutschen Stadtteildialog zwischen den Stadtteilen Mukōjima in Tokio und Hamburg-Ottensen. Aus diesem zunächst lokal angelegten Austausch entwickelte sich ein langfristiges Kulturprojekt. Zur organisatorischen Unterstützung dieser Aktivitäten gründete sie 1993 den gemeinnützigen Verein East-West-Visions e. V., der bis 2020 bestand. Im Rahmen des Vereins organisierte Krause zahlreiche Ausstellungen, Filmveranstaltungen, Workshops und Begegnungsprogramme, die den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Japan förderten. Für dieses langjährige Engagement erhielt sie 2011 den Deutsch-Japanischen Freundschaftspreis der Robert-Bosch-Stiftung.

Werk

Brigitte Krauses Werk umfasst Dokumentarfilme, Fernsehproduktionen, Kurzfilme, essayistische Arbeiten sowie interdisziplinäre Kulturprojekte. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten stehen Menschen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld sowie die Wechselwirkungen zwischen Geschichte, Kultur und Alltagsleben.

Kennzeichnend für ihre Arbeitsweise ist eine beobachtende dokumentarische Form, die auf erklärende Kommentare weitgehend verzichtet und stattdessen Situationen, Begegnungen und Lebenswelten in ihrer Eigenständigkeit sichtbar macht. Viele ihrer Filme verbinden dokumentarische Recherche mit kulturgeschichtlichen Fragestellungen und beschäftigen sich mit Formen individueller und kollektiver Erinnerung.

Bereits ihre frühen Fernsehproduktionen für den Norddeutschen Rundfunk und den Westdeutschen Rundfunk widmeten sich gesellschaftlichen Randbereichen und kulturellen Begegnungen. Filme wie Bronski schuftet für den Rock – Mit einem Roadie auf Tour (1980), Leben aus zweiter Hand – Unterwegs auf dem Sperrmüll (1988) oder Die Rückkehr der Familie Arzik (1982) greifen unterschiedliche soziale Milieus auf und dokumentieren gesellschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive ihrer Protagonisten.

In Dokumentarfilmen wie Einmal die Loreley besingen – Japanische Touristen in der BRD (1986) oder Bob sucht Yoshiko – In Tokio unterwegs (1987) untersuchte sie unterschiedliche Wahrnehmungen von Kultur und Identität sowie die Begegnung zweier Gesellschaften.

Einen wichtigen Abschnitt ihres filmischen Schaffens bildet das Tanz-Dokudrama Des Fächers Schneide – Featuring Hanayagi Genshu aus dem Jahr 1991. Der Film verbindet dokumentarische Beobachtung mit der Darstellung traditioneller japanischer Tanzkunst und wurde auf internationalen Filmfestivals gezeigt. Beim Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm erhielt der Film 1991 die Goldene Taube; weitere Festivalstationen waren unter anderem Los Angeles, Troia, São Paulo und St. Petersburg.

Seit den 1990er Jahren entstanden zahlreiche Filme, die sich mit deutsch-japanischen Städtepartnerschaften, kultureller Erinnerung und historischen Verbindungen zwischen beiden Ländern beschäftigen. Hierzu gehören unter anderem Tokyo – Back for the Future (1996), Hirano – Sehen. Hören. Fühlen (2001), Wassererinnerungen – 25 Jahre Städtepartnerschaft Osaka – Hamburg (2014), Ottensen – Mukojima – Hirano (2016) sowie Hamburg im Grün – Osaka im Licht (2019). Der Dokumentarfilm Feinde | Brüder – Deutsche Kriegsgefangene in Japan (2013) beschäftigt sich mit dem Schicksal deutscher Kriegsgefangener während des Ersten Weltkriegs in japanischen Lagern und untersucht anhand persönlicher Erinnerungen und historischer Quellen die Entwicklung deutsch-japanischer Beziehungen. Die Produktion wurde im Januar 2014 beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken gezeigt.

Neben ihren Dokumentarfilmen realisierte Krause internationale Kooperationsprojekte, in denen filmische und künstlerische Ausdrucksformen miteinander verbunden wurden. Dazu zählt der Spielfilm Trading Images (2000), eine internationale Gemeinschaftsproduktion mit Lynn Hershman (USA), Suma Josson (Indien), Wanjiru Kinyanjui (Kenia) und Casey Chan (Hongkong). Der Film war ein Projekt der Internationalen Frauenuniversität im Umfeld der Expo 2000 und wurde unter anderem auf der Feminale Köln, der Viper Basel sowie beim Internationalen Filmfestival Havanna präsentiert. Mit der Dokumentarsatire Schabenfreude (2003) wandte sich Krause einem ungewöhnlichen Thema zu. Für die Produktion erhielt sie den Prix Leonardo in Silber beim Internationalen Wissenschaftsfilmfestival Parma, einen Preis beim International Environmental Film and Video Festival FICA in Goiás sowie einen Sonderpreis der Kategorie Naturfilm beim Wettbewerb für Tier- und Naturfilme in Dortmund.

Auch spätere Arbeiten blieben durch die Verbindung dokumentarischer Recherche mit kulturhistorischen Fragestellungen geprägt. Kai des Aufbruchs – Steubenhöft. Überseebahnhof. Cuxhaven (2010) widmet sich der Geschichte des Auswandererbahnhofs und seiner Bedeutung für europäische Migrationsbewegungen. Der Film wurde unter anderem beim International Architecture and Urban Film Festival in Istanbul gezeigt.

In ihren Filmen verzichtet Krause weitgehend auf eine wertende Kommentierung. Stattdessen entwickelt sie ihre Themen aus Beobachtungen, Gesprächen und historischen Quellen. Wiederkehrende Motive ihres Werkes sind Erinnerung, kulturelle Identität, Migration und Urbanität.

Installationen und Ausstellungen

Parallel zu ihrer Filmarbeit bestritt Krause seit den frühen 1980er Jahren zahlreiche Ausstellungen, Fotoarbeiten und Installationen, die häufig in engem Zusammenhang mit ihren dokumentarischen Projekten entstanden. Zu ihren frühen Ausstellungen gehören Japanische Ausschnitte, Jemen und Sehabenteuer. Darüber hinaus beteiligte sie sich mit fotografischen Arbeiten an Gruppenausstellungen wie Stadt-Teil-Bild und Türkische Kinder im Rahmen des Kunstpreises Altona.

Spätere Ausstellungen knüpften unmittelbar an ihre Filmprojekte an. Dazu gehören eine Installation zu Trading Images im Rahmen der Expo 2000 sowie die gemeinsam mit Olaf Welling entwickelte Ausstellung Feinde | Brüder. 2014 war Krause außerdem an der Ausstellung10 Hamburger Filmemacher*innen: FILMKUNST-KABINETT beteiligt.

Lehrtätigkeit

Neben ihrer Arbeit als Regisseurin war Brigitte Krause über viele Jahre in der filmischen Aus- und Weiterbildung tätig. Von 1979 bis 1990 war sie Lehrbeauftragte für Film an der Universität Dortmund. 1995 leitete sie Filmworkshops in Sankt Petersburg und Kirgisistan. Zwischen 2003 und 2020 übernahm sie Lehraufträge für Projekt- und Drehbuchentwicklung in Bremerhaven und Münster.

Filmografie (Auswahl)

1971: Women’s Camera (30 Min., Frauengrundkurs DFFB, Internationales Filmfestival Mannheim) 1973: Warum Barbara ins Heim kommt (Spielfilm, 30 Min.; mit Tamara Wyss und Charles Völsen) 1973: Analytische Arbeitsplatzbewertung (25 Min.; mit Tamara Wyss und Michael Wolf) 1974: Pack an – Kinderschule Finkenstrasse (28 Min.) 1975: Wir wollen ja was lernen (56 Min.; mit der Rockgruppe Oktober) 1977: Kann Shoreh zuende studieren? – Ausländische Studenten in Deutschland (NDR, 30 Min.) 1980: Bronski schuftet für den Rock – Mit einem Roadie auf Tour (NDR, 45 Min.) 1982: Die Rückkehr der Familie Arzik (Das kleine Fernsehspiel, 61 Min.) 1985: Diese Sonne hier im Winter / Rechtschaffende Ansichten (Kurzfilmessays, 8 Min./7 Min.) 1986: Einmal die Loreley besingen – Japanische Touristen in der BRD (NDR, 45 Min.) 1987: Bob sucht Yoshiko – In Tokio unterwegs (WDR, 24 Min.) 1988: Leben aus zweiter Hand – Unterwegs auf dem Sperrmüll (WDR, 45 Min.) 1989: Joghurtbecher machen Müll (FWU) 1991: Des Fächers Schneide – Featuring Hanayagi Genshu (Tanz-Dokudrama, 84 Min.) 1996: Tokyo – Back for the Future oder: Mukojima – Die Insel dort drüben (88 Min.) 2000: Trading Images (Spielfilm und Videoinstallation; mit Lynn Hershman, Suma Josson, Wanjiru Kinyanjui und Casey Chan; 45 Min.) 2001: Hirano – Sehen. Hören. Fühlen – Ein Stadtteil im Museumsfieber (45 Min.) 2003: Schadenfreude (Dokusatire, 67 Min.) 2010: Kai des Aufbruchs – Steubenhöft. Überseebahnhof. Cuxhaven (80 Min.) 2013: Feinde | Brüder – Deutsche Kriegsgefangene in Japan (78 Min.) 2014: Wassererinnerungen – 25 Jahre Städtepartnerschaft Osaka – Hamburg (mit Emiko Okumura, 26 Min.) 2016: Ottensen – Mukojima – Hirano – Japanisch-Deutscher Stadtteildialog (72 Min.) 2019: Hamburg im Grün – Osaka im Licht – 30 Jahre Städtepartnerschaft Osaka – Hamburg (mit Ritsuko Toyoura, 26 Min.)

Auszeichnungen

1991: Goldene Taube beim Internationalen Dokumentarfilmfestival Leipzig für Des Fächers Schneide Sonderpreis in der Kategorie Naturfilm beim Wettbewerb für Tier- und Naturfilme für Schabenfreude Prix Leonardo in Silber beim Internationalen Wissenschaftsfilmfestival Parma für Schabenfreude Preis beim International Environmental Film and Video Festival FICA in Goiás, Brasilien, für Schabenfreude 2014: Intermedia Globe Silber, Kategorie Public Relations: Culture, WorldMediaFestival Hamburg, fürWassererinnerungen

Publikationen

Neben ihrer filmischen Arbeit veröffentlichte Brigitte Krause Fotobücher, die sich mit interkulturellem Austausch und dokumentarischer Arbeit beschäftigen.

Fremde Schwester Liu – Frauenbilder aus der VR China (mit Stefanie Ritter) Japanisch-Deutscher Stadtteildialog, Ottensen-Mukojima: Dokumentation 1991–1997 (Redaktion Brigitte Krause; Fotos Stefanie Ritter), East-West-Visions, Hamburg 1997, ISBN 3-00-001907-3.

Literatur

Ann Kimminich, Anja Ellenberger, Marianne von Deutsch, Claudia Willke: Hamburger Filmemacherinnen im Gespräch. Werkinterview mit Brigitte Krause, S. 33–46. ISBN 978-3-86938-074-2.