Paul Dubois (* 4. Juni 1903 in Frankfurt am Main; † 6. September 1994) war ein deutscher Meteorologe. Er war von 1950 bis 1969 der Direktor des Aerologischen Observatoriums Lindenberg. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf dem Gebiet der experimentellen Aerologie.
Leben Paul Dubois wurde 1903 in Frankfurt am Main geboren, wo er 1922 das Realgymnasium abschloss. Er arbeitete als Praktikant in einer Eisengießerei und studierte gleichzeitig Physik an der Frankfurter Universität. Die Vorlesungen Franz Linkes weckten sein Interesse an der Meteorologie. Nach Abschluss seines Studiums im Jahr 1927 blieb er als Hilfsassistent am Institut für Meteorologie und Geophysik. Linke gab ihm die Möglichkeit, ihn auf seiner Expedition zur totalen Sonnenfinsternis am 29. Juni 1927 nach Nordnorwegen zu begleiten und 1929 an einer Strahlungsexpedition auf den Monte Rosa teilzunehmen. 1929 promovierte Paul Dubois mit einer Arbeit zur „nächtlichen effektiven Strahlung“.
Ab 1930 arbeitete Dubois als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Klimaforschung in Trier, wo er sich mit Fragen der Frostabwehr im Weinbau befasste. 1933 gewann Linke Dubois für den Aufbau der bioklimatischen Forschungsstation Braunlage. Anschließend holte Harald Koschmieder ihn an das staatliche Observatorium an der Technischen Hochschule Danzig. Koschmieder und Dubois kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in Frankfurt und insbesondere von den Segelflugwettbewerben in der Rhön im Jahr 1923, bei denen Dubois an einem Flugwettermessprogramm von Koschmieder mitgewirkt hatte. In Danzig arbeitete Dubois weiter auf dem Gebiet der Strahlungsforschung und erwarb 1934 den Führerschein für Motorflugzeuge. Als das Observatorium nach der Gründung des Reichsamts für Wetterdienst zu einer reinen Wetterstation wurde, verließ Koschmieder Danzig und übernahm die Leitung des Aeronautischen Observatoriums Lindenberg. Dubois folgte ihm am 1. April 1936. Als wissenschaftlicher Angestellter des Observatoriums entwickelte er eine aerologische Aufstiegsmethode (die Fixpunktmethode) und die dazu benötigten Registriergeräte für eine raumfeste Sondierung an einem gewählten Punkt in der Atmosphäre.
Dubois beantragte am 12. Juni 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.192.229).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/6960228 Er schloss sich auch dem NS-Fliegerkorps und dem Reichskolonialbund an. Ab 1939 war er Regierungsrat im Reichswetterdienst und stellvertretender Leiter des Observatoriums in Lindenberg.Paul Dubois (1903–1994). Virtuelle Ausstellung „Kontinuitäten, Brüche, Neuanfang. Umgang mit dem Nationalsozialismus in den beiden deutschen Innenministerien 1949–1970“. Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam 2004.
Der Zweite Weltkrieg unterbrach Dubois’ Arbeiten in Lindenberg. Er wurde als Meteorologe in Wien, Brüssel und Paris eingesetzt, unter anderem auch als Pilot einer Flugstaffel zur Wettererkundung. In den letzten Kriegstagen geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Januar 1946 entlassen wurde. Er nahm zunächst eine Tätigkeit bei Reinhard Süring am Zentralobservatorium Potsdam auf. Bei der Neustrukturierung des Lindenberger Observatoriums wurde 1946 eine Abteilung für aerologische Aufstiege geschaffen, deren Leitung Dubois übernahm. Zusätzlich wurde er 1948 mit der Leitung der Abteilung für experimentelle Meteorologie am Potsdamer Observatorium betraut.
Am 1. Januar 1950 wurde der Meteorologische Dienst der DDR gegründet. Die Forschung an den Observatorien in Potsdam und Lindenberg wurde nun von der Fachabteilung „Observatorien und Forschung“ koordiniert, als deren Leiter Paul Dubois eingesetzt wurde. Als Max Robitzsch an die Universität Leipzig berufen wurde, ersetzte Dubois ihn am 1. Mai 1950 als Direktor des Observatoriums in Lindenberg. Die neue Aufgabe nahm ihn so stark in Anspruch, dass er 1952 die Leitung der Fachabteilung „Observatorien und Forschung“ abgab. Dubois stand zunächst vor der Aufgabe, die kriegsbedingt verlorengegangenen Werkstatt- und Laborausrüstungen zu ersetzen. 1954 richtete er ein Hochfrequenzlabor ein, in dem Radiosonden und Messsysteme zur Funkortung entwickelt wurden.
In die 19 Jahre, die Dubois das Observatorium in Lindenberg leitete, fallen folgende Fortschritte auf dem Gebiet der Aerologie: die Entwicklung und der Bau von Fessel- und Drachenballons aus Polyethylen die Entwicklung von 6370 m³ großen Kunststoffballons für geplante stratosphärische Dauerflüge die Erforschung der atmosphärischen Grenzschicht bis zu einer Höhe von 100 m mittels eines ventilierten Präzisionsmeteorographen, der an einem zwischen den beiden 100-m-Funktürmen gespannten Seil hochgezogen werden konnte die Entwicklung einer Mehrkanal-Radiosonde mit elektrischen Sensoren wie Thermistor (Temperatur), Hypsometer (Druck) und Karbon-Hygristor (Feuchte) die Entwicklung des Lindenberger Radiotheodolits für Windmessungen in der freien Atmosphäre, der bei einer Wellenlänge von 70 cm arbeitete (Primärradarverfahren).
Als Dubois am 28. Februar 1969 die Leitung des Lindenberger Observatoriums altersbedingt aufgab, startete er ein anspruchsvolles Projekt auf dem Gebiet der Sondierung in der Hochatmosphäre. Er wurde Leiter der Arbeitsgruppe Ballonwerft und entwickelte unter anderem eine fallende Kugel für den Einsatz mit der sowjetischen Höhenforschungsrakete M-100. Mit ihrer Hilfe konnten Wind-, Temperatur- und Dichteprofile in großen Höhen gemessen werden.
1992 setzte Dubois sich endgültig zur Ruhe. Er veröffentlichte ein Jahr später sein bereits 1958 fertiggestelltes, in der DDR aber nicht publizierbares Manuskript Das Observatorium Lindenberg in seinen ersten 50 Jahren 1905–1955 als Band 1 der Reihe Geschichte der Meteorologie in Deutschland. Er starb am 6. September 1994.
Für seine Verdienste um die experimentelle Aerologie wurde Paul Dubois 1963 zum Professor ernannt. Die Meteorologische Gesellschaft der DDR verlieh ihm 1972 die Reinhard-Süring-Plakette in Gold und 1990 die Ehrenmitgliedschaft.
Paul Dubois war seit 1951 verheiratet und hatte mit seiner Frau Cara geb. Seyfert ein gemeinsames Kind.
Werke (Auswahl)
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Meteorologe Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:NSFK-Mitglied Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1994 Kategorie:Mann