mini|Übersichtskarte von Burano, im Westen die Insel San Mauro mini|Der unter Napoleon 1812 entstandene Kataster war mit Karten ausgestattet, hier die Inseln Buranos Die Kirche San Vito, auch San Vito e compagni genannt, befand sich auf der Insel Burano in der nördlichen Lagune von Venedig. Auf Burano erinnert der Name eines Innenhofes an die Kirche und das später hinzugekommene Kloster, nämlich der Corte S. Vio im Südosten der Insel, sowie der Campiello S. Vito weiter im Norden, wo sich die Scuola Primaria Statale Alfredo di Cocco befindet.

Geschichte Die Kirche San Vito entstand zu einem unbekannten Zeitpunkt als Pfarrkirche. Dies geht aus dem Text einer Indulgenz von Niccolò Franco (1425–1499), dem Bischof von Treviso und apostolischen Legaten, vom 6. Mai 1488 hervor. Flaminio Corner konnte nicht in Erfahrung bringen, seit wann San Vito nicht mehr Pfarrkirche war, nur, dass sie diesen Rang Anfang des 16. Jahrhunderts bereits nicht mehr innehatte.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 603.

Anfang des 16. Jahrhunderts flüchteten sich die Nonnen von Santa Maria della Misericordia di Noale vor den plündernden Truppen der Gegner Venedigs zu den dortigen Benediktinerinnen. Da sie nicht nach Noale zurückkehren konnten, nahmen sie das Angebot aus Burano an, neben der Kirche San Vito ein Gelände für den Bau eines neuen Klosters zu übernehmen. Am 15. Juni 1516 erhielten die Nonnen die entsprechende Erlaubnis. Girolamo Porzia, 1514–1563 Bischof von Torcello, unterzeichnete das entsprechende Dekret am 31. Januar 1518.

Geweiht wurde das fertiggestellte Kloster im Jahr 1564 durch den Bischof von Torcello Giovanni Delfino (Bischof 1563–1579). Im Kloster sollen sich neben den Reliquien der hl. Cyprianus und Cornelius auch Knochen der Kinder befunden haben, die in Bethlehem auf Befehl Herodes‘ getötet worden waren.

Die Zustände, wie sie in manchen Klöstern herrschten, in die viele Familien ihre zu zahlreichen Töchter abschoben, um sich die Kosten der Mitgift zu sparen, erregten in Regierungs- und Kirchenkreisen über lange Zeit Anstoß. Zur Beaufsichtigung wurde bereits 1521 ein eigenes Dauergremium eingerichtet, die Provveditori sopra i Monasteri, deren allgemein gehaltene Bezeichnung nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass sie ausschließlich für die Nonnenklöster verantwortlich waren. Dabei nahmen sie auch Anzeigen und Denunziationen entgegen. Am 14. März 1611 gelangte so der Fall des Priesters von San Marino di Burano Giuseppe Tagliapietra vor das Gremium, dem vorgeworfen wurde, Schwester Diodata, trotz ihrer längst abgelegten Profess, aus dem Kloster San Vito in Priesterkleidung geholt zu haben.Pompeo Molmenti: La storia di Venezia nella vita privata dalle origini alla caduta della repubblica, 3 Bände, 3., erweiterte Auflage, Turin 1885, S. 400. Auch wurde 1627 bekannt, dass ein Barbier eine Reihe von Prostituierten zu Tanzaufführungen in das Parlatorium des Klosters gebracht hatte.Jutta Gisela Sperling: Convents and the Body Politic in Late Renaissance Venice (1550-1650), Stanford University Press, 1995, S. 176 f. Bei einer Visitation des Bischofs von Torcello im Jahr 1682Zu dieser Zeit amtierte Jacopo Vianoli (1673–1692). stellte der abschließende Bericht fest, dass die Orgel wegen der zu großen Nähe des (männlichen) Organisten zum Chor der Nonnen, die sogar mit ihm sprechen konnten, an eine andere Stelle versetzt werden sollte, also nicht mehr im Chorraum oberhalb des Haupteingangs.Jonathan E. Glixon: Mirrors of Heaven or Worldly Theaters? Venetian Nunneries and Their Music, Oxford University Press, 2017, S. 85.

Wann die Kirche verschwand, ist unklar, bei seinem persönlichen Besuch im Jahr 1834 fand Emmanuele Antonio Cicogna keine Spur mehr von dem Gebäude. Im Jahr 1856 kannte Francesco Zanotto nur noch eine Kirche auf Burano, nämlich San Martino – obwohl die Insel zu dieser Zeit 4.500 Einwohner hatte.Francesco Zanotto: Nuovissima guida di Venezia e delle isole della sua laguna nella quale si sono corretti da oltre 200 errori che s’incontrano nelle altre guide, Brizeghel, 1856, S. 687–689 (Digitalisat).

Die nach Osten ausgerichtete Kirche hatte ein einziges Schiff. Sie verfügte über drei Altäre und zwei Portale, eines im Westen, über dem sich der Chor der Nonnen befand, das andere im Norden. Das Kloster macht den Eindruck, sehr bescheiden gewesen zu sein. Erwähnt werden das kleine Kapitel, das Parlatorium, das Noviziat und die Gärten.Maurizia Vecchi: Chiese e monasteri medioevali scomparsi della laguna superiore di Venezia. Ricerche storico-archeologiche, L'Erma di Bretschneider, Rom o. J., S. 33.

Literatur Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 603 f. (Digitalisat)

Anmerkungen

Vito Kategorie:Veitskirche Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien