mini|Ioachim Miloia Ioachim Miloia (* 3. Mai 1897 in Ferendia, Kreis Timiș; † 25. März 1940 in Cluj) war ein rumänischer Kunsthistoriker, Historiker, Maler, Restaurator, Museologe, Denkmalpfleger und Kulturorganisator. Von 1928 bis zu seinem Tod leitete er das Banater Museum (Muzeul Bănățean) in Timișoara. Daneben wirkte er in der Denkmalpflege, im Archivwesen und in zahlreichen kulturellen und wissenschaftlichen Organisationen des Banats. Seine kunsthistorischen Schriften gehören zur Pionierphase der wissenschaftlichen Kunstgeschichtsschreibung über das Banat.
Leben und Ausbildung Ioachim Miloia wurde am 3. Mai 1897 in Ferendia im Banat als Sohn des Lehrers Achim Miloia geboren. 1908 zog die Familie nach Caransebeș, wo sein Vater als Schulinspektor tätig wurde. Miloia besuchte dort das Gymnasium, das er 1916 abschloss, und anschließend das Theologisch-Pädagogische Institut. 1919 erwarb er die Qualifikation für das Priester- und Lehramt.
Im Studienjahr 1919/20 war Miloia an der Fakultät für Literatur der Universität Bukarest eingeschrieben und besuchte zugleich Lehrveranstaltungen an der dortigen Akademie der Schönen Künste. Ende 1920 ging er nach Italien. 1922 schloss er seine Ausbildung an der Akademie der Schönen Künste in Rom ab. Anschließend studierte er Kunstgeschichte an der Universität Rom. 1924 wurde er mit einer Arbeit über die internationale Gotik und die Brüder Lorenzo und Jacopo Salimbeni aus Sanseverino in Kunstgeschichte promoviert. 1927 erwarb er an derselben Universität einen weiteren Doktorgrad in Literatur und Philosophie mit einer Arbeit über die Legende des Kreuzes in der mittelalterlichen Literatur und Kunst.
Miloias erhaltene Korrespondenz aus seiner italienischen Studienzeit gibt Einblick in seine künstlerischen und kunsthistorischen Interessen.
Nach seiner Rückkehr ins Banat 1927 arbeitete Miloia zunächst als Lehrer an der Normalschule in Timișoara. Ab 1930 war er daneben als vertretender Assistent am Lehrstuhl für Darstellende Geometrie der Polytechnischen Schule Timișoara tätig.
Direktor des Banater Museums Im Januar 1928 wurde Miloia zum Direktor des Banater Museums in Timișoara ernannt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod 1940 inne. Unter seiner Leitung wurden die Sammlungen erweitert und zunehmend nach wissenschaftlichen Kriterien erschlossen. Er widmete sich insbesondere der Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Ethnografie und kirchlichen Kunst des Banats.
Miloia betrieb eine aktive Erwerbungspolitik und trug zum Aufbau und zur systematischen Erschließung verschiedener Sammlungsbereiche bei. Einen besonderen Schwerpunkt bildete die alte orthodoxe Kunst des Banats.
Seine Tätigkeit verband museale Sammlungspraxis mit eigener Feldforschung. Er untersuchte historische Kirchen, Klöster, Holzkirchen und andere Kunstdenkmäler der Region.
Analele Banatului und wissenschaftliches Werk 1928 begründete Miloia die wissenschaftliche Zeitschrift Analele Banatului, die als Publikationsorgan des Banater Museums Beiträge unter anderem zu Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte und Ethnografie veröffentlichte.
Miloia war Herausgeber der Zeitschrift und veröffentlichte darin zahlreiche eigene Studien, Forschungsberichte und kunstkritische Beiträge.
Seine wissenschaftlichen Interessen umfassten Kunstgeschichte, Archäologie, Geschichte, Volkskunst, kirchliche Kunst und Denkmalpflege. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kunstdenkmäler des Banats.
Zu seinen Forschungsgegenständen gehörten unter anderem die mittelalterliche Kirche von Căvăran, das Kloster Săraca, die rumänische Kirche in Lipova sowie historische Holzkirchen des Banats.
Das Banater Nationalmuseum bewertet Miloias kunsthistorische Publizistik als Pionierarbeit, durch die der Banater Kunstraum an die rumänische Kunstgeschichtsschreibung angeschlossen wurde.
Archäologie und Denkmalpflege Miloia beschäftigte sich intensiv mit der Erforschung und Erhaltung historischer Denkmäler des Banats. Gemeinsam mit anderen Forschern, darunter Constantin Daicoviciu, beteiligte er sich an archäologischen Untersuchungen.
Seine Arbeit verband historische und kunsthistorische Forschung mit praktischer Denkmalpflege. Neben der wissenschaftlichen Dokumentation setzte er sich für die Restaurierung und Erhaltung historischer Kirchen und Kunstwerke ein.
Idee des Banater Dorfmuseums Miloia formulierte bereits 1928 die Idee eines ethnografischen Freilichtmuseums für das Banat. Nachdem Miloia 1928 an der Eröffnung des Ethnografischen Museums von Transsilvanien in Cluj teilgenommen hatte, beantragte er bei der Stadt Timișoara die Einrichtung eines kleinen Dorfmuseums im Hof des Schlosses Hunyadi. Dort sollten unter anderem Holzkirchen, historisch und künstlerisch bedeutende Kreuze und Bauernhäuser gezeigt werden.
Das heutige Banater Dorfmuseum (Muzeul Satului Bănățean) führt die Entstehung dieser Museumsidee ausdrücklich auf Miloia zurück. Das Freilichtmuseum wurde schließlich 1971 eröffnet.
Maler und Restaurator Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Miloia akademisch ausgebildeter Maler und Restaurator. Einen bedeutenden Teil seines künstlerischen Werkes bildet die sakrale Malerei. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehört die Ausmalung der rumänisch-orthodoxen Kirche Nașterea Maicii Domnului im Timișoaraer Stadtteil Iosefin. Miloia schuf dort unter anderem die Malerei der zentralen Kuppel mit dem Pantokrator, das halbkreisförmige Gewölbe in Richtung Altar sowie Arbeiten an der Ikonostase. Zuvor hatte er auch die Ikonostase und die Kapelle der Gemeinde gestaltet.
Weitere kirchenmalerische beziehungsweise restauratorische Arbeiten Miloias sind unter anderem für Anina, Folea, Topolovățu Mare, Cuptoare-Secu, Bocșa Montană, Oravița und Jebel dokumentiert.
Archivwesen und kulturelle Tätigkeit Miloia setzte sich seit Anfang der 1930er Jahre für die Einrichtung einer eigenständigen regionalen Staatsarchivdirektion im Banat ein. 1937 wurde in Timișoara die Regionaldirektion der Staatsarchive gegründet und Miloia zu deren erstem Direktor ernannt. Dieses Amt übte er parallel zur Leitung des Banater Museums aus. Daneben übernahm er zahlreiche kulturelle und wissenschaftliche Funktionen. Er war unter anderem in der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte in Timișoara, in der regionalen Denkmalpflege und im Institutul Social Banat-Crișana tätig.
Seine Arbeit verband damit Museumswesen, Wissenschaft, Denkmalpflege, Archivwesen und Kulturorganisation.
Familie 1930 heiratete Ioachim Miloia Zina Maria Magdu. Aus der Ehe gingen die Söhne Virgil und Mircea Miloia hervor. Diese veröffentlichten die in Rom entstandene kunsthistorische Dissertation ihres Vaters. Mircea Miloia war Mitautor des 1997 erschienenen Gedenkbandes Un erudit cărturar. Ioachim Miloia (1897–1940).
Tod und Nachwirkung Ioachim Miloia starb am 25. März 1940 im Alter von 42 Jahren in Cluj nach längerer Krankheit.
Sein Grabmal auf dem Friedhof Elisabetin in Timișoara wurde 1942 von dem rumänischen Bildhauer Romul Ladea geschaffen.
Miloias wissenschaftliches, künstlerisches und museologisches Werk wurde nach seinem Tod weiter rezipiert. Seine Arbeiten über historische Kirchen, Klöster und Kunstdenkmäler gehören zur frühen systematischen Erforschung des kulturellen Erbes des Banats.
In Timișoara erinnern mehrere öffentliche Ehrungen an ihn. Eine von Aurel Gheorghe Ardeleanu geschaffene Büste befindet sich im Park der rumänisch-orthodoxen Kirche in Iosefin. Eine weitere, von Gheorghe Groza geschaffene Büste steht auf der Aleea Personalităților im Parcul Central „Anton von Scudier“.
Eine Straße in Timișoara trägt den Namen Strada Ioachim Miloia. 1998 wurde Miloia postum zum Ehrenbürger der Stadt Timișoara ernannt.
Auch seine Familie beteiligte sich an der Bewahrung seines Nachlasses und seines Andenkens. Nach seinem Tod übergab die Familie der orthodoxen Gemeinde Timișoara-Iosefin ein historisches Fotoalbum von Ioachim Miloias Beerdigung sowie eine Geldspende von 50.000 Lei. Die Gemeinde beschloss anschließend, die Geldspende dem Sonderkonto für die Restaurierung der Kirchenmalerei zuzuführen.
Schriften (Auswahl) Puncte de contact între arta populară la români și baltoslavi. 1927. Câteva relații între arta poporală la români și lituani. In: Analele Banatului, 1928. Patru icoane executate de zugravul Nedelcu. In: Analele Banatului, 1929. Constantin Daicoviciu, Ioachim Miloia: Cercetări arheologice în Banatul de Sud. In: Analele Banatului, 1930. Biserica medievală de la Căvăran. In: Analele Banatului, 1930. Căvăranul în evul mediu (o rectificare istorică). In: Analele Banatului, 1931. Mănăstirea Săraca – centru de cultură și artă bănățeană. In: Analele Banatului, 1931. Biserica de lemn din Cebza. Bisericile de lemn din Banat. Biserica de lemn din Povârgina. Arhivele Banatului. In: Revista Arhivelor, 1937. La marginea Banatului.
Literatur Mircea Miloia, Aurel Turcuș, Gheorghe Mudura, Nicolae Săcară: Un erudit cărturar. Ioachim Miloia (1897–1940). Editura Mirton, Timișoara 1997. Aurel Turcuș: Corespondența lui Ioachim Miloia cu Coriolan Petranu. In: Analele Banatului, 1984. Ioan Traia: Ioachim Miloia, cercetător și protector al monumentelor istorice din Banat. Mihai Deheleanu: Ioachim Miloia – personalitate marcantă a Banatului în perioada interbelică.
Weblinks Muzeul Național al Banatului Digitalisierte Publikationen von Ioachim Miloia
Einzelnachweise
Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Maler (Rumänien) Kategorie:Restaurator Kategorie:Museumsleiter Kategorie:Denkmalpfleger Kategorie:Person (Timișoara) Kategorie:Ehrenbürger von Timișoara Kategorie:Rumäne Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1940 Kategorie:Mann