Max Bentele (* 15. Januar 1909 in Ulm; † 19. Mai 2006 in Fairfield, Connecticut) war ein deutscher Maschinenbauingenieur. Er war auf Schwingungen von Turbinenschaufeln spezialisiert und arbeitete während des Zweiten Weltkriegs bei der Hirth Motoren GmbH und deren Nachfolgerin Heinkel-Hirth an Abgasturboladern und Strahltriebwerken. Ende 1943 führte er die Turbinenschaufelbrüche des Jumo 004 B – des Triebwerks der Messerschmitt Me 262 – auf eine Resonanz zurück und schlug die Änderungen vor, mit denen die Serienfertigung aufgenommen werden konnte. Nach neun Jahren in der britischen Gasturbinenentwicklung ging er 1956 in die Vereinigten Staaten, wo er bei Curtiss-Wright das Entwicklungsprogramm für den Wankelmotor leitete.
Leben
Herkunft und Ausbildung Bentele wurde 1909 in Ulm geboren; seine Familie stammte aus dem heutigen Ulmer Stadtteil Jungingen. Er studierte Maschinenbau und Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Stuttgart und wurde dort 1937 zum Dr.-Ing. promoviert.Der Nachruf der Connecticut Post nennt 1937 als Jahr der Promotion, das Findbuch des American Heritage Center 1938.
Hirth Motoren und Heinkel-Hirth Bentele arbeitete bei der 1927 von Hellmuth Hirth gegründeten Hirth Motoren GmbH in Stuttgart-Zuffenhausen, die 1938 von den Ernst Heinkel Flugzeugwerken übernommen wurde. Seine Arbeitsgebiete waren Abgasturbolader und die Beschaufelung von Turbinen.Cyrus B. Meher-Homji, Erik Prisell: Dr. Max Bentele – Pioneer of the Jet Age. In: Journal of Engineering for Gas Turbines and Power. Band 127, Nr. 2, April 2005, S. 231–239.
Bei Heinkel-Hirth war Bentele für die Komponentenentwicklung zuständig und leitete die Arbeiten an Verdichter und Turbine des Strahltriebwerks Heinkel HeS 011, dessen Entwicklung Hans Joachim Pabst von Ohain verantwortete. Das HeS 011 kam bis Kriegsende über das Versuchsstadium nicht hinaus.
Schaufelbrüche am Jumo 004 B Am Jumo 004 B, dem ersten in Serie gefertigten Strahltriebwerk der Welt, traten 1943 wiederholt Brüche der Turbinenlaufschaufeln auf. Die Entwicklungsmannschaft von Junkers suchte die Ursache zunächst in Werkstofffehlern, Korngröße und Oberflächengüte.
Im Dezember 1943 wurde Bentele zu einer Besprechung im Reichsluftfahrtministerium hinzugezogen. Er wies nach, dass die sechs Brennkammern und die drei Streben des Schubdüsengehäuses hinter der Turbine das Laufrad zu erzwungenen Schwingungen anregten und dass es dabei im oberen Drehzahlbereich zu einer Resonanz sechster Ordnung mit der Biegeeigenfrequenz der Schaufeln kam. Beim Vorgängermuster Jumo 004 A hatte diese Resonanz noch oberhalb des Betriebsdrehzahlbereichs gelegen; beim 004 B rückte sie durch die etwas höhere Turbinendrehzahl und die höheren Turbinentemperaturen in diesen hinein. Bentele schlug vor, die Eigenfrequenz durch eine stärkere Verjüngung und eine um einen Millimeter verkürzte Schaufel anzuheben und die Höchstdrehzahl von 9000 auf 8700 min−1 zu senken. Mit diesen Änderungen konnte Anfang 1944 die Serienfertigung des Triebwerks aufgenommen werden, das die Messerschmitt Me 262 antrieb.Die Einzelheiten der Resonanzanalyse gehen auf Benteles eigene Darstellung zurück.
Nachkriegsjahre und Großbritannien Nach Kriegsende wurde Bentele von amerikanischer und britischer Seite herangezogen, um beschädigte deutsche Strahlflugzeuge zu untersuchen und instand zu setzen. Anschließend arbeitete er neun Jahre lang für britische Auftraggeber – für das Ministry of Supply und für die Turbinenfabrik C. A. Parsons & Co. in Newcastle upon Tyne – an hochtemperaturbelasteten Gasturbinen.
Curtiss-Wright und der Wankelmotor 1956 ging Bentele in die Vereinigten Staaten und trat in die Entwicklungsabteilung der Curtiss-Wright Corporation in Wood-Ridge (New Jersey) ein.
Nachdem der Konzern 1958 die Studebaker-Packard Corporation erworben hatte, wurde er auf den von Felix Wankel entwickelten und bei den NSU Motorenwerken erprobten Kreiskolbenmotor aufmerksam. Am 21. Oktober 1958 erwarb Curtiss-Wright als erstes Unternehmen überhaupt eine Lizenz an der Wankel-Technik; das Unternehmen hielt damit die alleinigen Rechte für die Vereinigten Staaten.John B. Hege: The Wankel Rotary Engine. A History. McFarland, Jefferson (North Carolina) 2001, ISBN 0-7864-1177-5.
Bentele leitete das Entwicklungsprogramm. Unter seiner Führung entstanden ein einscheibiger Versuchsmotor mit rund einem Liter Kammervolumen, ein überarbeitetes Kühlsystem, robustere Dichtleisten und mehrscheibige Ausführungen. Curtiss-Wright brachte selbst keinen Wankelmotor auf den Markt, vergab jedoch Unterlizenzen, unter anderem an John Deere.
Einbürgerung Am 15. Dezember 1961 erhielt Bentele in Newark (New Jersey) die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.Alien Case File for Max Bentele, Record Group 566: Records of U.S. Citizenship and Immigration Services, Series: Alien Case Files, NAID: 5397993, National Archives at Kansas City.
Lycoming und Ruhestand 1967 wechselte Bentele zu Avco Lycoming in Stratford, Connecticut, wo er in der Forschung und Entwicklung tätig war und 1974 in den Ruhestand trat.
Bentele veröffentlichte 1991 bei der Society of Automotive Engineers seine Autobiografie Engine Revolutions. Er starb 2006 im Alter von 97 Jahren in Fairfield, Connecticut. Der Nachruf der Connecticut Post bezeichnete ihn als „Vater des Wankelmotors in den Vereinigten Staaten“.
Sein Nachlass zur Luftfahrttechnik liegt im American Heritage Center der University of Wyoming.
Ehrungen Die Society of Automotive Engineers stiftete 2001 den Max Bentele Award for Engine Technology Innovation, der jährlich an ein jüngeres Mitglied für eine erprobte Neuerung in der Motorentechnik für Land-, Luft- oder Raumfahrzeuge vergeben wird.
Schriften Engine Revolutions. The Autobiography of Max Bentele. Society of Automotive Engineers, Warrendale (Pennsylvania) 1991, ISBN 978-1-56091-081-7.
Literatur Cyrus B. Meher-Homji, Erik Prisell: Dr. Max Bentele – Pioneer of the Jet Age. In: Journal of Engineering for Gas Turbines and Power. Band 127, Nr. 2, April 2005, S. 231–239. John B. Hege: The Wankel Rotary Engine. A History. McFarland, Jefferson (North Carolina) 2001, ISBN 0-7864-1177-5.
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
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