Duo (Bologna) 2018 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton und Jacqueline Kerrod. Die am 27. Mai 2018 live im Centro di Ricerca Musicale des Teatro San Leonardo in Bologna entstandenen Aufnahmen erschienen am 28. August 2020 auf I Dischi di Angelica.

Hintergrund Anthony Braxton würde zwar für seine Orchesterwerke verehrt, doch seine Duette hätten über die Jahrzehnte viele Höhepunkte hervorgebracht, allen voran seine Zusammenarbeit mit dem Trompeter Wadada Leo Smith und dem Keyboarder und Klangkünstler Richard Teitelbaum.

Das Theater S. Leonardo in Bologna beherbergt seit 1991 das internationale Musikfestival AngelicA und dessen Plattenlabel I dischi di angelica. Für seinen Auftritt beim Festival AngelicA und das resultierende Album kam Braxton mit der südafrikanischen Harfenistin Jacqueline Kerrod zusammen, eine Musikerin, die sowohl für ihre Arbeit in der zeitgenössischen Musik als auch in der Popmusik bekannt ist. Die Harfenistin, die seit 2000 in New York lebt, hat einen Großteil ihrer Karriere der zeitgenössischen Musik gewidmet und gehörte unter anderem zum renommierten Metropolis Ensemble’s Chamber Orchestra und zum American Modern Ensemble. Zudem spielt sie seit Jahren an der Seite von Braxton im Orchester seiner Opernreihe „Trillium“.

Titelliste Anthony Braxton, Jacqueline Kerrod – Duo (Bologna) 2018 (I Dischi di Angelica IDA039) Composition 189: Primary 10:56 Composition 189: Secondary 1 29:01 Composition 189: Secondary 2 9:11 Composition 189: Secondary 3 6:54 Composition 189: Secondary 4 (Encore) 3:22

Die Komposition stammt von Anthony Braxton.

Rezeption mini|Paul Desmond. Fotografie von Carl Van Vechten Das Konzert, das die beiden Musiker beim AngelicA-Festival in Bologna spielten, würde große Momente von Schönheit enthalten, meint Kevin Le Gendre in Jazzwise. Vor allem aber erinnere es daran, wie gefühlvoll, wenn nicht gar romantisch, Braxton als Balladeninterpret sein könne, wenn es der Anlass erfordere. Es gebe Passagen „von Desmondesker Anmut, in denen seine Leichtigkeit und melodische Träumerei ihn wie sanfte Wolken um Kerrods fließende Glissandi schweben lassen“. Doch immer wieder würde er in eine deutlich kantigere Klangwelt abdriften, in der Kerrod eine ganze Bandbreite an Effekten erzeuge – von trockenen Saitenanschlägen über knappe, gitarrenartige Akkorde bis hin zu eisigen, hohen Tönen, die jeglichen Eindruck widerlegen, das Duo würde sich nur in ruhigen Gewässern bewegen. Kerrods vielfältige Klanggestaltung, insbesondere die bassbetonten Akkorde, bilde eine wirkungsvolle Brücke zu Braxtons anschwellenden Atemzügen und seinen lebhaften, akrobatischen Motiven. „Ein lebendiger Dialog zweier starker Persönlichkeiten, die Empathie und Virtuosität gekonnt in Einklang bringen“.

Als große Virtuosin ihres Instruments überrascht es kaum, Kerrod im Duo mit dem Holzbläser wiederzufinden, in einer Interpretation der „Composition 189“, einem unveröffentlichten Werk aus den 1990er Jahren und einem recht kurzen Stück, das Kerrod wie Braxton mit Nebendiskussionen und Exkursen bereichern, die mit allen Abstufungen der Spannung spielen, meint Franpi Barriaux (Citizen Jazz). Was in diesem „Pas de deux“ zunächst auffällt, seien die Ruhe und die Sanftheit: Braxton spielt die Altsaxophon, lasse seine Töne ausklingen und folge einer recht klaren, keineswegs unterbrochenen Linie. Um ihn herum würde die Harfe zwischen plötzlichen Bässen und einigen farbenfrohen, aber niemals steifen Verzierungen wechseln. Man könnte meinen, es handele sich um eine Abtastphase, um eine gemeinsame Entdeckung, doch es würde feststehen, dass sich die Musiker schon lange kennen und zusammen spielen. Als Braxton in der Mitte von „Primary“, dem ursprünglichen Satz, ohne abrupt zu wirken, das Tempo beschleunigt, passe sich die Harfe sofort ihrem Rhythmus an und habe sogar Spaß daran, mit einigen schnellen Schlägen, die wie ein Zungenschnalzen klingen, die Führung in diesem musikalischen Zusammentreffen zu übernehmen.

Zwischen den Musikern herrsche Eintracht, und selbst wenn sich der Austausch in „Secondary 1“ verdichte und in vielerlei Hinsicht komplexer werde, würde es zu keiner Konfrontation kommen, so Barriaux. Das Stück sei lang, fast eine halbe Stunde, aber es führe in alle Richtungen. Braxtons Saxophon beschleunige, verstärke die Klangfülle, versuche aber nicht, das Gleichgewicht zu kippen. Auch wenn die Harfe dominiere, würde sich Braxton auf einen rauen Atem beschränken. Selbst wenn Kerrod erweiterte Spieltechniken einsetzt, bleibe der Ausdruck von einer Sanftheit geprägt, die man bereits im Duo mit Miya Masaoka wiederfand. Die Funktion des Duos bleibt bei ihm stets dieselbe: sich miteinander zu messen und Meilensteine zu setzen.

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