mini|Das Alte Rathaus Gelsenkirchen um 1900 mini|hochkant|Architekt Wiethase um 1880
Das Alte Rathaus Gelsenkirchen war ein ab 1891 am Machensplatz in Gelsenkirchen errichtetes Rathaus im Stil der Neugotik, das bis 1932 der Stadt als Rathaus diente und 1970 abgerissen wurde.
Planungs- und Baugeschichte Am 21. Februar 1891 beantragten Stadtverordnete den Bau eines neuen Rathauses in Gelsenkirchen. Zu einem Architektenwettbewerb wurden 53 Entwürfe für dieses Rathaus eingereicht. Obwohl ein erster, ein zweiter und ein dritter Preis in dem Wettbewerb vergeben wurden, erschien in Gelsenkirchen keiner der Entwürfe wirklich umsetzbar. Daher beauftragte die Stadt einen der Preisrichter mit der Erarbeitung eines neuen Bauplans, der letztlich sehr an den Entwurf der Gewinner des Architektenwettbewerbs erinnerte. Das Rathaus entstand nach den Plänen des Kölner Architekten Heinrich Wiethase als eines seiner letzten Werke. Nach seinem Tod 1893 übernahm anschließend der Kölner Architekt Eduard Endler die Bauleitung. Am 25. Mai 1892 erfolgte der erste Spatenstich, und am 20. September 1894 konnte das Gebäude eingeweiht werden.
Grundrisskonzept Die von zwei Straßen (der damaligen Dickampstraße und der Ahstraße) und einem freien Platz begrenzten Gebäudeflügel umschlossen einen nach Osten hin offenen, größeren Hofraum, an den sich ein durch eine hohe Mauer umfasster Gefängnishof reihte.
Der Haupteingang des Rathauses war der Lage entsprechend zum freien Platz ausgelegt und führte durch einen Eingangskorridor in eine geräumige Mittelhalle, in welcher die Achsen der Gänge ausliefen, und von wo aus sich das helle und luftige Haupttreppenhaus erschloss. An der Ahstraße lag der Eingang für das Publikum, während der Eingang zum Polizeiflügel und zum Leihamt mehr der Waisenhausgasse (Verlängerung der damaligen Klosterstraße in Richtung Aloysianum) angeordnet war. Zu den im zweiten Obergeschoss befindlichen Wohnungen des ersten Bürgermeisters Friedrich Wilhelm Vattmann und des Polizei-Inspektors führten besondere Ein- und Aufgänge. Die Eingangshalle und die Gänge des Erdgeschosses waren mit einem Kreuzgewölbe überdeckt, während das Sterngewölbe, von Granitsäulen getragen, die Treppenvorhallen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss zierten.
Außengestaltung Das Gebäude wurde im Stil der Neugotik errichtet. Mit Ziergiebeln, Erkern, Zinnen und einem hohen runden Turm wurden Anklänge an mittelalterliche Rathäuser aus der Mark Brandenburg und an Ordensritterburgen in Ostpreußen gesucht. Die Architektur lehnte sich so an die Formen der späten Gotik des nordischen Backsteinbaus an. Die Außenflächen des Gebäudes waren mit Verblendziegeln aus der Grube Theresia bei Hürth-Hermühlheim im Rhein-Erft-Kreis ausgeführt worden. Die Maurerarbeiten wurden von dem Bauunternehmer A. Traugott aus Düsseldorf durchgeführt. Sämtliche Dächer, mit Ausnahme der Kupferdeckung des Turmhelms, waren mit rheinischem Schiefer eingedeckt. Die bebaute Grundfläche betrug 1250 m². Die Überwachung der Bauarbeiten wurden Peter Labonte anvertraut.
Ausstattung Der Sitzungssaal, der an der Hauptecke mit der Front nach dem freien Platz ausgelegt war, enthielt um dem Sitz des Bürgermeisters und die Beigeordnetensitze noch 32 Klappsitze für die Stadtverordneten und einen durch Schranken abgetrennten Raum für Publikum und Presse. Der Raum hatte eine Holzkassettendecke, während der Erkerbau mit einem Kreuzgewölbe überdeckt war. Die Wände waren auf 160 cm mit Holztafelwerk versehen. Drei kunstvoll geschmiedete Kronleuchter stammten von dem Kölner Kunstschlosser Paffrath. Neben dem Sitzungssaal lagen die Räume des Bürgermeisters Friedrich Wilhelm Vattmann und des zweiten Bürgermeisters. Zu den Wohnungen des Polizeidieners und des Kastellans (Pförtner, Hausmeister) wurden besondere Zugänge geschaffen. Außer der Wendeltreppe, welche die Geschäftsräume des Leihamtes mit den in Dachgeschoss befindlichen Räumen zur Unterbringung der in Pfand gegebenen Gegenstände verband, gab es noch einen Aufzug.
Die Fußböden der Korridore waren mit gemusterten Fliesen ausgestattet. In der Eingangshalle, der Mittelhalle und im Haupttreppenhaus waren farbige Thonstift-Mosaikböden ausgelegt, die von der Firma Rud. Leistner aus Dortmund stammten. Die drei Glasfenster im Erker des Bürgermeisterzimmers entstammten nach Skizzen des Architekten Heinrich Wiethase und wurden von der Glasmalerei Reuter & Reichard aus Köln hergestellt, ebenso wie die Fenster im Sitzungssaal. Als Heizung diente eine Niederdruck-Dampfheizung von der Hannoverschen Maschinenbau AG, und die Beleuchtung erfolgte durch Gasglühlicht.
Nachnutzung durch die Polizei In den 1920er Jahren wurde das historistische Rathaus nach dem Zusammenschluss der Städte Buer in Westfalen und Gelsenkirchen als zu klein und nicht mehr zeitgemäß angesehen. 1928 zog die Verwaltungsspitze der Stadt daraufhin in das bereits 1912 erbaute Rathaus Buer um. Wiederum wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt, und schließlich wurde das Hans-Sachs-Haus als multifunktionales Gebäude, das auch als Rathaus dienen sollte, errichtet. 1932 wurde das Alte Rathaus der Polizei übergeben, die schon seit der Errichtung des Gebäudes ihre Gefängniszellen im Keller des Verwaltungsbaus hatte. Da das Haus im Zweiten Weltkrieg nur beschädigt, aber nicht zerstört wurde, diente es auch in der Nachkriegszeit bis 1969 als Polizeigebäude.
Abriss Bereits Ende der 60er Jahre wurde über einen Abbruch diskutiert. Im Januar 1970 fordert der Verein für Orts- und Heimatkunde Buer, das an der Stirnseite des Rathauses angebrachte Rathauswappen abzulösen und an einer anderen Stelle wieder aufzustellen. Daraufhin erklärte die Stadtverwaltung am 10. Januar 1970, dass sie diesem Wunsch nachkommen werde.
Am 14. März 1970 wurde der Turm des alten Rathauses mithilfe von 20 kg Ammongelit gesprengt, die der Sprengmeister Kurt Mai gegen 17.30 Uhr zündete. An der Stelle des alten Rathauses wurde das 1973 fertiggestellte Hamburg-Mannheimer-Hochhaus errichtet. Das Rathauswappen wurde 1973 im Innenhof des Hamburg-Mannheimer-Hochhauses angebracht.
Weblinks
https://www.gelsenkirchener-geschichten.de/wiki/Rathaus_am_Machensplatz
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