Wilhelm Zimmermann (* 25. April 1936 in Koblenz) ist ein deutscher Grafikdesigner und politischer Plakatkünstler. Über mehrere Jahrzehnte gestaltete er Titelbilder und politische Plakate vor allem für die IG Metall und andere Gewerkschaften. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört das Motiv mit der aufgehenden Sonne und der Zahl „35“ für die gewerkschaftliche Kampagne zur Einführung der 35-Stunden-Woche sowie das für Amnesty International geschaffene Plakat Menschenrechte in Ketten, das eine weiße Taube mit einer Eisenkugel am Bein zeigt.

Ausbildung Zimmermann wurde am 25. April 1936 in Koblenz als Sohn eines Eisenbahners geboren. Seine Kindheit war durch den Zweiten Weltkrieg geprägt. Von 1950 bis 1953 absolvierte Zimmermann beim Rhenania-Verlag in Koblenz eine Ausbildung zum Schriftsetzer.

1957 wechselte er als Akzidenzsetzer zu DuMont Schauberg nach Köln. Parallel bildete er sich an einer Abendschule weiter und besuchte die Werkkunstschule Köln sowie die Kunstakademie Düsseldorf. Von 1961 bis 1963 studierte Zimmermann in Stuttgart Graphische Verfahrenstechnik. Während des Studiums legte er außerdem die Meisterprüfung als Schriftsetzer ab und schloss das Studium mit einem Diplom ab. Seine Diplomarbeit trug den Titel Die Linie – Ausdrucksmittel einer künstlerischen Bewegung der Jahrhundertwende.

Tätigkeit in der Werbung 1963 ging Zimmermann nach Frankfurt am Main und arbeitete für die internationale Werbeagentur McCann. Zunächst war er an der Schnittstelle zwischen Gestaltung und Druckproduktion tätig, später arbeitete er als Art Director und Creative Group Head.

In dieser Zeit war Zimmermann an Werbekampagnen für Unternehmen und Marken wie Ferrero, Lufthansa, Maggi, Nesquik und Tempo beteiligt. Besonders intensiv arbeitete er für Ferrero und dessen Unternehmenschef Michele Ferrero. Zu den von ihm betreuten Produkten gehörten unter anderem Mon Chéri, Tic Tac, Kinder Schokolade und Pocket Coffee. Für Kinder Schokolade gestaltete Zimmermann die Verpackung mit dem Kinderporträt, die über Jahrzehnte das Erscheinungsbild der Marke prägte.

1971 verließ Zimmermann McCann und machte sich als Grafikdesigner selbständig.

Politische Plakatkunst Nach seiner Tätigkeit in der kommerziellen Werbung verlagerte Zimmermann seinen Arbeitsschwerpunkt zunehmend auf gesellschaftspolitische und gewerkschaftliche Themen. Ab 1971 gestaltete er für die IG Metall zunächst die Zeitschrift Der Gewerkschafter und später auch die Mitgliederzeitung metall.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden Hunderte Titelbilder für Gewerkschaftszeitungen und politische Plakate, überwiegend für die IG Metall. Zimmermann beschäftigte sich darin unter anderem mit Arbeitszeitverkürzung, Sozialabbau, Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung, Krieg, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Menschenrechten. Daneben arbeitete er für weitere Gewerkschaften und für Amnesty International.

Besondere Bekanntheit erlangte sein Motiv für die Forderung der IG Metall nach der 35-Stunden-Woche. Es zeigt auf rotem Grund eine gelbe aufgehende Sonne über der Zahl „35“. Das zunächst als Transparent bei einer Demonstration eingesetzte Motiv wurde anschließend als Plakat und Aufkleber verbreitet und entwickelte sich zu einem weithin bekannten Symbol der gewerkschaftlichen Forderung nach Arbeitszeitverkürzung.

Zimmermann arbeitete häufig mit Fotomontagen. Dabei verdichtete er politische und gesellschaftliche Themen auf wenige Bildelemente und eine unmittelbar erkennbare Kernaussage. Seine Arbeiten wurden wiederholt mit den politischen Fotomontagen von John Heartfield verglichen.

Zu seinen weiteren Arbeiten gehören Plakate gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, gegen Umweltzerstörung und Krieg sowie Arbeiten zu gewerkschaftlichen Themen wie der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Für Amnesty International gestaltete er eine Plakatserie zu Menschenrechtsverletzungen. Das Amnesty-Plakat Menschenrechte in Ketten von 1979 zeigt eine weiße Taube, die an eine Eisenkugel gekettet vor einem vergitterten Fenster sitzt.

Der Frankfurter Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann würdigte Zimmermann wiederholt als politischen Plakatkünstler. In seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Koblenzer Kulturpreises 1990 beschrieb Hoffmann Zimmermanns Arbeiten als politische Aufklärung durch Zuspitzung und Übertreibung. Zwischen Hoffmann und Zimmermann bestand eine jahrzehntelange enge Freundschaft.

Lehrtätigkeit und kulturelles Engagement Von 1984 bis 1986 hatte Zimmermann einen Lehrauftrag an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. 1992 und 1993 war er als Gastprofessor an der Internationalen Akademie für Kunst und Gestaltung in Hamburg tätig.

Neben seiner gestalterischen Arbeit engagierte er sich in verschiedenen kulturellen Projekten und Institutionen. 1998 gründete er gemeinsam mit seinem Neffen Jörg Zimmermann eine Werbeagentur.

Zimmermann war 2012 Mitgründer der Frankfurter Kulturstätte Denkbar, in der unter anderem Ausstellungen stattfinden. Bei der Trauerfeier für den langjährigen Karikaturisten der Frankfurter Rundschau, Felix Mussil, würdigte Zimmermann dessen künstlerische Neugier und erinnerte an eine Ausstellung Mussils in der Denkbar.

Zimmermann lebt in Frankfurt am Main. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Ausstellungen Seit den 1980er Jahren wurden Zimmermanns Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Zu den Ausstellungsorten gehörten unter anderem:

1981: Galerie Grüner Panther und Club Voltaire, Frankfurt am Main, gemeinsam mit Klaus Staeck 1992: Karmeliterkloster, Frankfurt am Main 1992: Ludwig Museum Koblenz 2000: Willy-Brandt-Haus, Berlin 2001: IG-Metall-Haus, Berlin 2002: Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main 2002: Museum der Arbeit, Hamburg, Anschläge – 30 Jahre politische Plakate 2015: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Wilhelm Zimmermann – Politische Plakatkunst

Auszeichnungen 1990 erhielt Zimmermann den Kulturpreis der Stadt Koblenz für sein künstlerisches Schaffen.

Veröffentlichungen

Design und Sinn(e). Titel, Bilder, Plakate. Union-Druckerei und Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-922454-34-8. Design und Sinn(e). Chinesische Ausgabe, ISBN 7-222-02863-3. Anschläge. 30 Jahre politische Plakate. Anabas Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-87038-335-6.

Literatur und Presse

Rosemarie Bölts: In der ersten Reihe. 30 Jahre politische Plakate in der Hamburger Ausstellung „Anschläge“. In: Der Freitag, 22. November 2002. Imke Wietars: Mensch wird Strichcode. In: die tageszeitung, 14. November 2002. Wilhelm Zimmermann – Der Klassenkämpfer. In: Frankfurter Neue Presse, 7. November 2018. Michaela Böhm: Der Mann, von dem die Sonne stammt. In: DRUCK+PAPIER, ver.di, 15. November 2016. Etwas Süßes für den Jubilar. In: Frankfurter Neue Presse, 16. November 2018. Renate Feyerbacher: Hilmar Hoffmann zum 90. Geburtstag. In: FeuilletonFrankfurt, 25. August 2015. Claudia Michels: Immer ein Lächeln im Blick. In: Frankfurter Rundschau, 17. Januar 2019.

Einzelnachweise

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