Josef Weber (* 11. Oktober 1892 als Josef Wenzlitzke in Brünn; † 28. September 1969 in St. Gilgen am Wolfgangsee) war ein österreichischer Schriftsteller und Arzt.

Leben Weber entstammte einer wohlhabenden deutschsprachigen Brünner Familie. In seinen biografischen Angaben zur Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer beschrieb er sein Herkunftsmilieu als kunstbegeistert.Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/11835. Nach Absolvierung der Volks- und Mittelschule in Brünn wechselte er zum Studium nach Wien und inskribierte Medizin. Noch vor Beendigung seiner Studien trat Weber 1914 freiwillig dem k.u.k.-Militär bei und zog als Soldat in den Ersten Weltkrieg. 1915 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft und verbrachte insgesamt fast sechs Jahre als Sanitätssoldat hauptsächlich in sibirischen Lagern. Nach seiner Rückkehr nach Wien 1920 schloss er sein Medizinstudium ab und arbeitete ab 1922 als praktischer Arzt in Wilhelmsburg.

Webers allmähliches Erscheinen als Autor ging einher mit seiner politischen Radikalisierung. Laut eigener Auskunft trat er zu Beginn des Jahres 1933 in die NSDAP ein (Teilorganisation ‚Motor-SA‘).Vgl. ebda. Ab 1937 fungierte er als Bezirksstellenleiter der NSDAP in Wilhelmsburg. 1938 veröffentlichte Weber seinen ersten eigenständigen Gedichtband unter dem Titel Herzacker in dem von NSDAP-treuen Autoren zunehmend unterwanderten und schließlich vollständig übernommenen Paul Zsolnay Verlag. Zur selben Zeit intensivierte sich seine Einbindung in die organisationalen Strukturen des NS-Regimes: Laut seinem RSK-Ansuchen trat er im Februar 1938 der SS bei, nach vollzogenem ‚Anschluss‘ wurde er ab September 1938 als ‚Kreisführerstellvertreter‘ des vollständig ins NS-System integrierten Deutschen Roten Kreuzes eingesetzt.

Zeitungsberichte dokumentieren die doppelte öffentliche Präsenz von Josef Weber/Wenzlitzke zur Zeit der NS-Herrschaft: In einigen Berichten erschien er als militärisch-sanitärer Repräsentant des Systems, in anderen als Lyriker und Autor im Rahmen von Lesungen und Hörfunksendungen. So war Weber etwa in der repräsentativen ‚Anschluss'-Anthologie Ostmark-Lyrik (1939) des einflussreichen NS-Germanisten und -Herausgebers Adalbert Schmidt vertreten. Mit wenigen, aber programmatischen Beiträgen war Weber auch im Hörfunk und in Zeitungen präsent, so etwa mit einer Lesung Junge Dichtung der Ostmark auf dem Reichssender Wien oder mit dem mehrfach abgedruckten Gedicht Der Blick des Führers.Vgl. z. B. Weber, Josef: Der Blick des Führers. In: Wiener Neustädter Zeitung 16.04.1942, S. 1. Im April 1942 fand im Beisein lokaler Politprominenz im Stadttheater St. Pölten ein großer Dichterabend Josef Weber statt.Kiesl, Hermann: Dichterabend Josef Weber. In: St. Pöltner Zeitung 16.04.1942, S. 8. Die Kriegszeit brachte für den Autor Josef Weber in weiterer Folge zwei Publikationen: 1943 erschien der beinahe 700 Seiten starke Roman Die Verwandlung des Vesal, 1944 der Gedichtband Zeit dieses Lebens, der ausgeprägte Durchhaltepropaganda-Lyrik enthielt.

Nach Übersiedlung eines Lazaretts von St. Pölten nach Linz wurde er an der Westfront bei Braunau am Inn von amerikanischen Soldaten aufgegriffen und in das Internierungslager Glasenbach (Camp Marcus W. Orr) überstellt. Weber verbrachte insgesamt über zwei Jahre in dieser größten Entnazifizierungsanstalt auf österreichischem Boden, eine verglichen mit anderen Insassen lange Zeit. In dem Lager wurden jedoch kaum Maßnahmen zur Entnazifizierung gesetzt, vielmehr kam es zu einer Rekonstituierung des später sogenannten ‚Dritten Lagers‘ in einer Form, die merkbar in die frühe Phase der Zweiten Republik hineinwirkte.Vgl. Dohle, Oskar/Eigelsberger, Peter: Camp Marcus W. Orr: ‚Glasenbach‘ als Internierungslager nach 1945. Linz etc.: Oberösterr. Landesarchiv 2009.

Nach erfolgter Entlassung aus dem Lager durfte Weber/Wenzlitzke zunächst seinen Beruf als Autor nicht mehr ausüben, ordinierte allerdings nach dem per Dekret des Bundespräsidenten ausgestellten Dispens ab 1950 zunächst in Mautern, ab 1951 bis zu seinem Tod in Krems. Auch als Autor blieb er aktiv: In den 1960ern veröffentlichte er noch zwei Lyrikbände sowie einen Band mit Kurzprosa. Der Publizist Ernst Wurm gestaltete ebenso eine Radiosendung über den Autor wie der Bundesstaatliche Volksbildungsreferent für Niederösterreich, Richard Szerelmes. Angesichts dieser Unterstützer überrascht es nicht, dass Weber im Jahr 1962 für sein dichterisches Werk der Kulturpreis des Landes Niederösterreich zugesprochen wurde – Szerelmes saß in der Jury und Wurm wurde zeitgleich mit dem Würdigungspreis ausgezeichnet. Im Jahr darauf folgte zudem die Verleihung der Goldenen Ehrennadel durch die Stadt Krems. Webers Texte wurden in die niederösterreichische Großanthologie Geliebtes Land (1955) und in die vierbändige Anthologie Dichtung aus Niederösterreich (1969–74) aufgenommen.

Auszeichnungen

Kulturpreis des Landes Niederösterreich (1962) Goldene Ehrennadel der Stadt Krems (1963)

Literatur

Kulturreferat der NÖ Landesregierung (Hg.): Geliebtes Land. Niederösterreich im Spiegel des neueren Schrifttums. Wien: Jugend und Volk 1955. NÖ. Bildungs- und Heimatwerk (Hg.): Dichtung aus Niederösterreich. 4 Bde. Wien: Österreichische Verlagsanstalt 1969–74. Baur, Uwe/Gradwohl-Schlacher, Karin: Literatur in Österreich 1938–1945. Zensur und Förderung – Literarische Vereine – Anthologien. Bd. 5: Literarisches System in Österreich 1933/1938–1945. Wien etc.: Böhlau 2021. Neundlinger, Helmut: Anschlussfähig. Zeitgeschichte und Literatur im Nachlass des Autors Josef Weber. In: Lausseger, Armin/Sam, Sandra (Hg.): Tätigkeitsbericht der Landessammlungen Niederösterreich. St. Pölten 2021, S. 80–83. Neundlinger, Helmut: ‚Die Befreiungstat des Führers gab mir den gesunkenen Mut zu künstlerischem Schaffen wieder‘. Der Bestand des Autors Josef Weber im niederösterreichischen Literaturarchiv. In: Österreich – Geschichte – Literatur – Geographie (ÖGL), hg. vom Institut für Österreichkunde 3/2023, S. 66–79.

Einzelnachweise

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