Das Lutheran Theological Seminary Saskatoon (), kurz LTS, ist ein Theologisches Seminar der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada mit Sitz in Saskatoon in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Es geht zurück auf das Jahr 1913 und besteht in seiner jetzigen Form seit 1965. Seitdem es ist auch mit der Universität von Saskatchewan verbunden. Gemeinsam mit dem College of Emmanuel & St. Chad und dem St. Andrew’s College bildet es die Saskatoon Theological Union.

Geschichte Lutherisches College und Seminar

Die deutschsprachige Manitoba-Synode richtete 1913 ein Vorseminar für die theologische Ausbildung ihrer Geistlichen ein, das bis 1920 zu einem vollwertigen theologischen Seminar mit einer angeschlossenen Hochschule, dem Lutherischen College und Seminar in Saskatoon ausgebaut wurde. Die Hochschule wurde 1933 aufgrund der Weltwirtschaftskrise wieder geschlossen, das Seminar bestand jedoch mit Unterstützung durch die Vereinigte Lutherische Kirche in Amerika fort und wurde weiter ausgebaut. 1945 wurden Abkommen mit der Amerikanischen Lutherischen Kirche und der schwedischen Augustana-Synode geschlossen, die deren theologischem Nachwuchs die Ausbildung am Seminar ermöglichte.

Luther Seminary

Die Norwegische Lutherische Kirche von Kanada strebte ab den 1930er-Jahren eine schrittweise Unabhängigkeit von ihrer amerikanischen Mutterkirche an und beschloss zu diesem Zwecke auf ihrer Versammlung 1937 die Einrichtung eines eigenen Seminars. Man nahm Gespräche mit der Vereinigten Lutherischen Kirche und deren Manitoba-Synode auf und einigte sich 1939 auf eine Kooperation. Die Norweger würden ein organisatorisch eigenständiges Seminar, das Luther Seminary, einrichten, jedoch die Gebäude, Anstalten und Bibliotheken des bestehenden Seminars mitbenutzen können. Dieses Seminar begann im September 1939 mit dem Lehrbetrieb. Zehn Jahre später erhielt es den Status eines angeschlossenen theologischen Colleges der Universität von Saskatchewan. Ab 1943 kooperierte auch die Lutherische Freikirche mit dem Seminar und sandte ihre kanadischen Studenten dorthin. 1946 errichtete das Seminar ein eigenes Seminargebäude näher an der Universität, was die Kooperation mit dem Seminar der Manitoba-Synode kurzfristig schwer belastete.

Zusammenschluss beider Seminare mini|Das 1969 errichtete Hauptgebäude des LTS auf dem Campus der Universität von Saskatchewan Ein Streben nach Einheit erfasste in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur die lutherischen Kirchen in Nordamerika, sondern erstreckte sich auch auf deren Seminare. Bereits in den 1940er-Jahren hatte es freie Konferenzen zwischen sechs lutherischen Kirchen in West-Kanada gegeben, die sich mit der Frage einer gemeinsamen Lehranstalt befassten. 1960 waren die Norwegische Lutherische Kirche von Kanada und der Kanada-Distrikt der deutschamerikanischen ALC in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Kanada (ELCC) aufgegangen, die 1967 ihre Autonomie von der amerikanischen Mutterkirche erlangte. Bereits 1962 hatten sich die Vereinigte Lutherische Kirche mit ihrer Manitoba-Synode und die Augustana-Synode mit zwei weiteren Kirchen zur Lutherischen Kirche in Amerika (LCA) zusammengeschlossen. Vor diesem Hintergrund und begünstigt durch die Tatsache, dass die neue ELCC an beiden Seminaren die Mehrheit der Studenten stellte, kam es schließlich nach langwierigen Verhandlungen am 1. September 1965 zur Union beider Seminare zu einer neuen Hochschule, die den Namen Lutheran Theological Seminary Saskatoon tragen und von der ELCC und der LCA gemeinsam verwaltet werden sollte. Nachdem Professor Thomas Solem diese kommissarisch geleitet hatte, wurde mit William Hordern ein profilierter Theologe zum ersten Präsidenten des vereinigten Seminars gewählt. Man errichtete ab 1967 ein neues Seminargebäude auf dem Campus der Universität von Saskatchewan, das Anfang 1969 bezogen werden konnte. Die unmittelbare Nähe zum unierten St. Andrew’s College und dem anglikanischen College of Emmanuel & St. Chad führte noch im selben Jahr zur Gründung der Graduate School of Theology, der späteren Saskatoon Theological Union.

Kooperation mit der Missouri-Synode Das neue LTS war somit nicht nur das erste inter-synodale lutherische Seminar in Nordamerika, sondern auch das erste auf einem Universitätscampus. Das war auch für die westkanadischen Distrikte der konservativ-konfessionellen Missouri-Synode, der dritte große lutherische Kirche in Nordamerika, attraktiv. Die Synode beschloss nach langen Vorgesprächen auf ihrer Versammlung 1971, mit dem LTS zu kooperieren und einen theologischen Lehrstuhl dort einzurichten, der 1973 mit Walter Koehler besetzt wurde. In der Folge war das LTS das einzige Seminar, das von allen drei großen lutherischen Kirchen anerkannt und gemeinsam betrieben wurde. Nach der Seminex-Kontroverse in St. Louis strebten jedoch Hardliner in der Missouri-Synode nach umfassenderer Kontrolle über ihre Pfarrerausbildung. Entscheidend wurde dabei auch die Frage nach der Frauenordination, die von der ELCC und der LCA umgesetzt worden war, von der Missouri-Synode jedoch vehement abgelehnt wurde. So zog sich Missouri nach zehn Jahren aus dem Seminarbetrieb zurück, ihre letzten Studenten verließen das Seminar 1984 in Richtung des neuen Concordia Lutheran Seminary in Edmonton oder schlossen sich einer der anderen beiden Kirchen an.

Entwicklungen ab 1985 Die ELCC und die kanadische Sektion der LCA, die bereits seit vielen Jahren im Betrieb des Seminars zusammengewirkt hatten, schlossen sich 1985 zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada (ELCIC) zusammen. Das LTS wurde so neben dem Waterloo Lutheran Seminary eines von zwei theologischen Seminaren dieser Kirche und nur noch einer einzigen Denomination verpflichtet.

2012 erfolgte eine große Umstrukturierung im Lehrbetrieb des LTS, als diese das Semestermodell für ihre Lehre aufgab und zu Blockunterricht mit Intensivkursen überging und ihr Angebot für hybride Lehre ausbaute. Im Sommer 2020 bezog sie neue, kleinere Räume auf dem Gelände des St. Andrew’s College auf. Sechs Jahre später kündigte das LTS seine geplante Union mit dem College zu einem neuen theologischen Seminar an.

Lehre und Studium Das Lutheran Theological Seminary bietet heute keine grundständigen Studiengänge an, sondern erwartet von seinen Studierenden üblicherweise bereits einen Bachelorabschluss. Die meisten Studierenden erwerben einen Master of Divinity (M.Div.), der zur Ordination ins Pfarramt der ELCIC befähigt. Auch der weiterführende akademische Master of Theological Studies (M.T.S.) wird angeboten. Am LTS ist eine Promotion zum Doctor of Ministry (D.Min.) möglich. Daneben werden Diplom- und Zertifikatsstudiengänge angeboten.

Persönlichkeiten Hochschulpräsidenten 1965–1966 Thomas Solem (kommissarisch) 1966–1985 William Hordern 1985–1996 Roger Nostbakken 1996–2004 Faith Rohrbough 2004–2005 Erwin Buck 2006–2015 Kevin A. Ogilvie 2015–2017 Michael Nel seit 2017 William Harrison

Weitere Dozenten Lee Luetkehoelter, Bischof i. R.

Absolventen Das LTS brachte seit 1965 eine große Anzahl bedeutender lutherischer Geistlicher hervor. Es bildete fast alle Geistlichen der ELCC und einen beträchtlichen Teil der im Westen Kanadas tätigen Geistlichen der LCA und der heutigen ELCIC aus. Unter ihnen waren neben Autoren, Theologen und Hochschullehrern auch zahlreiche lutherische Bischöfe.

NameBeschreibungAbschlussJahrgang Bischof der British-Columbia-Synode M.Div. 1966 Bischöfin der Saskatchewan-Synode M.Div. 1982 Bischof der Saskatchewan-Synode M.Div. Bischof der Synode von Alberta und den Territorien, Nationalbischof der ELCIC M.Div. 1989 Bischöfin der British-Columbia-Synode M.Div. 2004 Bischof der British-Columbia-Synode M.Div. Bischof der British-Columbia-Synode M.Div. 1972 Bischof der Saskatchewan-Synode, Nationalbischof der ELCIC M.Div. Bischöfin der Manitoba/Nordwest-Ontario-Synode M.Div. 1998 Bischöfin der Synode von Alberta und den Territorien M.Div. 2002 Bischof der British-Columbia-Synode, Nationalbischof der ELCIC M.Div. Bischof der Manitoba/Nordwest-Ontario-Synode B.Div. 1966 Bischof der Saskatchewan-Synode M.Div. 2007 Bischof der Manitoba/Nordwest-Ontario-Synode M.Div. 2010

Ehrendoktoren NameBeschreibungGradJahr Bischof der Saskatchewan-Synode D.D. 2024 Kirchenhistorikerin, Präsidentin des LTS (1996–2004) D.D. 2021 Systematischer Theologe, erster Präsident des LTS (1965–1966) D.D. 1965

Literatur

Einzelnachweise

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