mini|Emblem des Moskauer Militärbezirks Der Moskauer Militärbezirk des Leninordens () ist einer der fünf Militärbezirke der Streitkräfte Russlands. Er geht auf einen 1864 im Russischen Kaiserreich gegründeten Militärbezirk zurück und bestand später als Teil der sowjetischen und russischen Streitkräfte. 1968 wurde der Militärbezirk mit dem Leninorden ausgezeichnet. 2010 wurde er gemeinsam mit dem Leningrader Militärbezirk zum neu geschaffenen Westlichen Militärbezirk zusammengelegt. Durch Präsidialerlass Nr. 141 vom 26. Februar 2024 wurde der Moskauer Militärbezirk nach der Aufteilung des Westlichen Militärbezirks wiedererrichtet. Seit Mai 2024 wird der Militärbezirk von Generaloberst Sergei Kusowlew geführt.

Zum Zuständigkeitsbereich gehören 20 Föderationssubjekte im westlichen und zentralen Teil des europäischen Russlands, darunter Moskau, die Oblast Moskau sowie die an die Ukraine grenzenden Oblaste Belgorod, Brjansk und Kursk. Weitere Bestandteile sind die Oblaste Kaluga, Kostroma, Lipezk, Nischni Nowgorod, Orjol, Rjasan, Smolensk, Tambow, Twer, Tula, Wladimir, Woronesch und Jaroslawl. Aufgrund des Status als Hauptstadt besitzt die Verteidigung der Region Moskau eine besondere

Geschichte

Russisches Kaiserreich mini|Karte des Moskauer Militärbezirks von 1914 Der Moskauer Militärbezirk wurde im Zuge der umfassenden Reform der russischen Armee unter Kriegsminister Dmitri Miljutin eingerichtet. Mit einem Erlass von Zar Alexander II. vom 6. August 1864 entstanden mehrere Militärbezirke, darunter der Moskauer Militärbezirk. Er umfasste zunächst zwölf Gouvernements in Zentralrussland. Während des Russisch-Osmanischen Krieges von 1877/78 entsandte der Militärbezirk mehrere Infanterie- und Kavalleriedivisionen an die Front. Im Ersten Weltkrieg waren zeitweise mehr als eine Million Soldaten in seinem Gebiet stationiert.

Sowjetzeit

Nach der Oktoberrevolution wurde der Militärbezirk in die Strukturen der Roten Armee übernommen. Während des Russischen Bürgerkriegs entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Mobilisierungs- und Ausbildungszentren der sowjetischen Streitkräfte. Während des Deutsch-Sowjetischen Kriegs stellte der Bezirk umfangreiche Verbände und Reserven für die Front auf. Insgesamt wurden dort nach Angaben des Ausgangsartikels drei Frontstäbe, 23 Armeen, 128 Divisionen und 197 Brigaden mit insgesamt rund 4,5 Millionen Soldaten aufgestellt beziehungsweise mobilisiert. Allein 1944 und 1945 wurden etwa 1,2 Millionen Soldaten an die Front entsandt.

Während des Kalten Kriegs gehörte der Bezirk aufgrund der Lage der sowjetischen Hauptstadt und der Konzentration bedeutender militärischer Führungs-, Ausbildungs- und Gardeverbände zu den wichtigsten Militärregionen der Sowjetunion. Zu den bekanntesten Verbänden gehörten die 2. Garde-Mot-Schützendivision, die 4. Garde-Panzerdivision und die 106. Garde-Luftlandedivision.

Am 22. Februar 1968 wurde der Moskauer Militärbezirk anlässlich des 50-jährigen Bestehens der sowjetischen Streitkräfte für seine Leistungen im Zweiten Weltkrieg sowie in der militärischen Ausbildung mit dem Leninorden ausgezeichnet.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion Mit dem Zerfall der Sowjetunion veränderte sich die strategische Rolle des Militärbezirks erheblich. In den frühen 1990er Jahren wurden zahlreiche aus Deutschland abgezogene Verbände in den Militärbezirk verlegt. Dazu gehörten Teile der 1. Gardepanzerarmee sowie weitere motorisierte Schützen- und Panzerverbände. Gleichzeitig wurden infolge der Verkleinerung der russischen Streitkräfte zahlreiche sowjetische Einheiten aufgelöst oder reorganisiert.

Seit 1998 unterstand auch die Operative Gruppe der russischen Streitkräfte in Transnistrien dem Moskauer Militärbezirk. Ihre Vorgängerverbände hatten Anfang der 1990er Jahre eine bedeutende Rolle bei der Etablierung und Sicherung des international nicht anerkannten Transnistrien gespielt.

2010 wurde der Moskauer Militärbezirk im Zuge einer größeren Reform der russischen Streitkräfte aufgelöst und gemeinsam mit dem Leningrader Militärbezirk in den neu geschaffenen Westlichen Militärbezirk eingegliedert.

Wiedererrichtung ab 2024 mini|Russische Militärbezirke seit 2024 Im Dezember 2022 kündigte Verteidigungsminister Sergei Schoigu vor dem Hintergrund des russischen Krieges gegen die Ukraine und der Mobilmachung von 2022 die Wiedererrichtung des Moskauer und des Leningrader Militärbezirks an. Die formelle Wiedererrichtung erfolgte zum 1. März 2024 auf Grundlage eines Präsidialerlasses vom 26. Februar.

Im Zuge des erneuten Aufbaus des Militärbezirks kündigte Schoigu im März 2024 unter anderem die Aufstellung einer neuen 69. Mot-Schützendivision sowie die Wiederaufstellung der 34. Garde-Artilleriedivision an.

Streitkräfte

Zu den wichtigsten Landstreitkräften des Militärbezirks zählen die 1. Gardepanzerarmee und die 20. Gardearmee.

Der 1. Gardepanzerarmee unterstehen unter anderem die 2. Garde-Mot-Schützendivision, die 4. Garde-Panzerdivision, die 47. Panzerdivision und die 27. Garde-Mot-Schützenbrigade. Die Armee stellt damit einen der bedeutendsten gepanzerten Großverbände der russischen Landstreitkräfte dar.

Zur 20. Gardearmee gehören insbesondere die 3. Mot-Schützendivision und die 144. Garde-Mot-Schützendivision sowie Artillerie-, Raketen- und Flugabwehrverbände. Teile dieser Formationen sind in westlichen Regionen Russlands nahe der Grenze zur Ukraine stationiert.

Dem Militärbezirk sind darüber hinaus zahlreiche übergeordnete Artillerie-, Raketen-, Pionier-, Aufklärungs- und elektronische Kampfführungsverbände zugeordnet. Die in Transnistrien stationierte Operative Gruppe der russischen Streitkräfte sind ebenfalls hier beheimatet.

Einzelnachweise

Literatur

W. I. Feskow, W. I. Golikow, K. A. Kalaschnikow, S. A. Slugin: Вооруженные Силы СССР после Второй мировой войны: от Красной Армии к Советской. Часть 1: Сухопутные войска. Scientific and Technical Literature Publishing House, Tomsk 2013, ISBN 978-5-89503-530-6. Mark Galeotti: The Modern Russian Army 1992–2016. Osprey, Oxford 2017, ISBN 978-1-47281-908-6. Konrad Muzyka: Russian Forces in the Western Military District. CNA Corporation, Dezember 2020.

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