Die Baronie Saint-Castin war ein französisches Lehen im Béarn, das 1654 unter König Ludwig XIV. zur Baronie erhoben wurde. Sie befand sich im Besitz der Familie d’Abbadie und gab dem später in Neufrankreich tätigen Jean-Vincent d’Abbadie de Saint-Castin seinen Adelstitel. Das namensgebende Lehen lag in der Umgebung des heutigen Saint-Castin im Béarn, unweit von Pau. Von der Baronie zu unterscheiden ist die von Jean-Vincent d’Abbadie de Saint-Castin in Nordamerika beanspruchte und ausgeübte Seigneurie von Pentagouët am Penobscot River im heutigen Maine.

Lage und Ausdehnung Die Baronie Saint-Castin lag im Béarn im Südwesten des Königreichs Frankreich, in der Umgebung des heutigen Ortes Saint-Castin im Département Pyrénées-Atlantiques. Sie war ein Lehen der Vizegrafschaft Béarn und unterstand hinsichtlich der Rechtsprechung und der Rechtsstreitigkeiten dem Parlement de Navarre in Pau. Im Juli 1654 erhob Ludwig XIV. das bereits im Besitz der Familie d’Abbadie befindliche Lehen Saint-Castin zur Baronie.

Die räumliche Ausdehnung der Baronie lässt sich insbesondere anhand eines am 16. November 1675 eingereichten Dénombrement, einer lehensrechtlichen Bestandsaufnahme der Besitzungen, nachvollziehen. Danach umfasste der persönliche Grundbesitz des Barons mehrere voneinander getrennte Grundstückskomplexe. Das Gebiet um den Ort Saint-Castin grenzte im Osten an die Seigneurie Maucor, im Süden an die Seigneurie Buros, im Westen an den Ort Serres und im Norden an Bernadets. Zum Besitz gehörten unter anderem die Stelle der ehemaligen Burg von Saint-Castin mit ihren Gräben, ein an der Grenze zu Maucor gelegener Wald namens Tauzia sowie ein Weinberg westlich des Ortes.

Die Quellen beschreiben die Baronie damit nicht als ein geschlossenes, großflächiges Territorium, sondern als ein aus mehreren Grundstücks- und Rechtskomplexen bestehendes adeliges Lehen. Das Dénombrement nennt keine Gesamtfläche in modernen Flächeneinheiten wie Hektar.

Die bearnaische Baronie Saint-Castin ist von der späteren Seigneurie von Pentagouët in Akadien zu unterscheiden. Jean-Vincent d’Abbadie de Saint-Castin, der seit 1674 dritte Baron von Saint-Castin war, besaß beziehungsweise beanspruchte in Nordamerika eine Stellung im Gebiet von Pentagouët am Penobscot River im heutigen Maine. Diese nordamerikanische Herrschaft war nicht identisch mit der namensgebenden Baronie im Béarn, jedoch mit ihr über die Person ihres Inhabers verbunden.

Liste der Barone Jean-Jacques d’Abbadie (1620–1666) – 1. Baron de Saint-Castin. Er erhielt 1654 von Ludwig XIV. die Erhebung der Seigneurie Saint-Castin zur Baronie. Jean-Jacques II d’Abbadie († 1674) – 2. Baron de Saint-Castin. Er war der ältere Sohn des ersten Barons und starb ohne Nachkommen. Jean-Vincent d’Abbadie de Saint-Castin (1652–1707) – 3. Baron de Saint-Castin, französischer Offizier in Neufrankreich und Führungsfigur der Penobscot. Bernard-Anselme d’Abbadie de Saint-Castin (1689–1720) – 4. Baron de Saint-Castin. Er war ein Sohn Jean-Vincents und dessen Penobscot-Frau Pidianske, auch Marie-Mathilde genannt, und trat als französischer Offizier in Akadien hervor. Joseph d’Abbadie de Saint-Castin († nach 1746) – 5. Baron de Saint-Castin. Nach dem Tod seines Bruders Bernard-Anselme 1720 erbte er den Titel. Er lebte weiterhin unter den Abenaki in Akadien und reiste offenbar nicht nach Frankreich, um seine erbrechtlichen Ansprüche auf die Baronie geltend zu machen.

Literatur Armand de Dufau de Maluquer: Notice généalogique sur la maison d’Abbadie de Maslacq. In: Mémoires de la Société royale du Canada, 2. Serie, Band 1, 1895, S. 73–113 (Digitalisat). Marjolaine Saint-Pierre: Saint-Castin. Baron français, chef amérindien, 1652–1707. Éditions du Septentrion/Atlantica, Sillery (Québec) 2000.

Einzelnachweise

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