Die koreanische Kampfkunst Taekwon-Do, die Choi Hong-hi 1955 entwickelt hatte, kam 1965 mit dem „National Taekwon-Do Goodwillteam“ nach Deutschland. Der erste Deutsche Taekwon-Do Verband wurde 1967 von Carl Wiedmeier gegründet. Nach der sogenannten Ostberliner Affäre wurde dieser aufgelöst und es entstanden daraus drei neue Verbände, die ITF-Deutschland (Dachverband: International Taekwon-Do Federation mit Sitz in Benidorm) der die Kampfkunst Taekwon-Do nach Choi Hong Hi weitergibt, die Deutsche Taekwondo Union (Dachverband: World Taekwondo), die den olympischen Wettkampfsport betreibt und der Deutsche TKD-Bund, der das traditionelle Taekwon-Do lehrt.

Anfänge Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau kamen viele Koreaner nach Deutschland, die in Laboren, Krankenhäusern oder im Kohlebergwerk arbeiteten. Einige davon lehrten das Koreanische Karate (Tang Soo Do) in kleineren Kreisen.

Kim Kwang-il kam Ende 1959 nach Deutschland und unterrichtete in seiner Freizeit in Freising Schüler im Tang Soo Do, später im Taekwon-Do.

Mike H. Anderson (US Militärpolizei) eröffnete 1964 zusammen mit seinem deutschen Kollegen Hans Vierthaler die allererste Taekwon-Do Abteilung in Garmisch-Partenkirchen. Mike H. Anderson hatte bei Rhee Jhoon-goo, dem sogenannten „Vater des amerikanischen Taekwon-Do“ gelernt.

Im Dezember 1964 besuchte der südkoreanische Präsident Park Chung-Hee Deutschland und war überrascht, dass dort schon koreanische Kampfkunst gelehrt wurde. Daraufhin sandte er im Oktober 1965 das „National Taekwon-Do Goodwillteam“ nach Deutschland, welches unter der Leitung von Choi Hong-hi stand. Im Team standen Han Cha-kyo, Park Jong-soo, Kwon Jae-hwa und Kim Joong-geun.https://www.kang-center.de/wp-content/uploads/2015/12/2015_2_KulturKorea_ShinGyuKang.pdf Die Anfänge des Taekwon-Do in Europa, abgerufen am 9. August 2026 Die Stationen des National Taekwon-Do Goodwillteams waren:

Frankfurt am Main Garmisch-Partenkirchen Kaufbeuren München, dort fand auch das erste Taekwon-Do Seminar in der Schule Oh DO Kwan von Carl Wiedmeier statt. Berlin

Kim Woo-Kang kam 1965 nach Recklinghausen. Er wurde später „Vater des Taekwon-Do in NRW“ genannt. Kim Woo-Kang begann 1951 sein Training zuerst im Chung Do Kwan, danach im Oh Do Kwan und gehörte 1960 zum Korean Taekwondo Association Team unter General Choi Hong-hi, welches auf der US Militärbasis in Texas das Taekwon-Do demonstrierte. Auch er arbeitete im Kohlebergwerk, musste 1966 nach Vertragsablauf nach Korea und kehrte anschließend wieder nach Deutschland zurück.

Gerd Gatzweiler aus Essen ein Schüler von Kim Woo-Kang erhielt 1968 seinen 1. Dan im Taekwon-Do.

Heinz Wiesemann aus Rüttenscheid soll laut Gatzweiler seinen 1. Dan schon vor ihm gehabt haben. Das genaue Datum ist nicht bekannt.

Max Geburt aus Dortmund war auch ein Schüler von Kim Woo-kang. Außerdem lernte er unter Kwon Mur-Gun, Kyoung Wong-Joon, Kwon Jae-hwa und Lee Suk-Hi (Ehemaliger Vizepräsident, ehemaliger stellvertretender Rechnungsprüfer, Mitglied des 4. und 7. ITF-Demonstrationsteams (1974 & 1980) in Europa). Max Geburt erhielt 1966 seinen 1. Dan im Taekwon-Do und gründete 1973 die Sportschule Bushido, sowie 1978 den Nordrhein-Westfälischen Taekwon-Do Verband (NWTV).

Lee Bum-I kam 1966 nach Hannover, eröffnete 1975 eine eigene Sportschule mit dem Namen Mun-Hwa (Kultur) und gründete1979 den Deutsch-Koranischen-Kulturbund (DKK).

Song Chae-Yong kam 1968 aufgrund eines Stipendiums am Goethe-Institut nach München und schloss sich dort Kwon Jae-hwa an, der an Wiedmeiers Schule unterrichtete.

Song Chan-Ho kam 1970 nach Nordrhein-Westfalen. Er war ein Schüler der berühmtesten Eliteschule Koreas, der Chung Do Kwan. Song Chan-Ho leitete später den Deutschen Taekwondo Bund (DTB).

Lee Ki-yung, einer der ersten und direkten Schüler von General Choi Hong Hi, kam 1970 nach Deutschland, ließ sich in Kassel nieder und eröffnete eine Schule, die später in Taekwon-Do Schule Lee umbenannt wurde.

Christa Winzer aus Dortmund, eine Schülerin von Max Geburt, war die erste Frau in Deutschland, die 1972 den 1. Dan im Taekwon-Do absolvierte.

Gründung des Deutschen Taekwon-Do Verbands (German Taekwon-Do Association) Nach dem Besuch Choi Hong-his 1965 wurden Kwon Jae-hwa von Carl Wiedmeier für seine Schule in München und Park Jong-soo von Georg Brückner für seine Schule in Westberlin verpflichtet. Kim Kwang-il eröffnete 1966 in Stuttgart seine eigene Schule mit dem Namen „Kims Taekwondo-Schule“, welche er 1979 an Park Soo-nam verkaufte.

1967 gründete Carl Wiedmeier den „Deutschen Taekwon-Do Verband“ (TKD). Er stellte Kwon Jae-hwa, Kim Kwang-il und Soo Park-jong als Trainer ein und richtete im September die 1. Deutschen Taekwon-Do-Meisterschaft der TKD in München aus. Es fanden nur Einzelwettkämpfe im Vollkontakt bzw. Freikampf statt.

Platzierung im Kampf ohne Gewichtsbeschränkung:https://www.sport-komplett.de/sport-komplett/sportarten/t/taekwondo/hst/21.htmlTaekwondo - Deutsche Meisterschaften (Herren), abgerufen am 10. August 2026https://www.taekwondodata.com/resultlist_display.html?tnid=169&cid=seniorResult of Tournament, abgerufen am 10. August 2026

Gerd Fries (Nürnberg) Alfred Geislinger (München) C. Cammacho (München)

Mitte 1967 nahm der südkoreanische Geheimdienst (KCIA) im Ausland lebende Koreaner – darunter Studenten, Intellektuelle und Künstler, vorwiegend in Europa – ins Visier. Viele der Betroffenen wurden durch Täuschung oder unter falschen Vorwänden in die Falle gelockt und festgenommen, während andere von in Taekwon-Do ausgebildeten Beamten physisch zur Unterwerfung gezwungen wurden (Ostberliner Affäre bekannt als „Dongbaekrim Incident“).

Daraufhin wurde General Choi Hong-hi als koreanischer Botschafter am 6. Juli 1967 ins Auswärtige Amt nach Bonn geladen und um Aufklärung sowie Zusammenarbeit gebeten.https://s-space.snu.ac.kr/bitstream/10371/71507/3/vol.14_1%5b1%5d.pdf An Archive-Based Analysis of the East-Berlin Affair (June 1967 to 1970), (PDF), englisch, abgerufen am 9. August 2026

Kim Kwang-il wurde neben Lee Gye-hoon beschuldigt, ein KCIA-Agent und an der Entführung mehrerer Koreaner in Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Er wurde festgenommen, aber wegen Kooperation mit den deutschen Behörden wieder freigelassen.

Als Wiedmeier feststellte, dass einige seiner Taekwondo-Lehrer Agenten des KCIA unter Kim Un-yong waren, entließ er diese. Dies bedeutete aber auch das vorübergehende Ende der Taekwon-Do Abteilung an seinen Schulen.

Taekwon-Do Sektion im DJB und Deutsche Taekwondo Union Im Februar 1968 gründete Wilhelm Weingarth, ein ehemaliger Schüler von Kwon Jae-hwa an Wiedmeiers Schule, den „Südwestdeutschen TKD Verband“ (SWTV) und übernahm Wiedemeiers Elite-Schüler, sowie die frisch entlassenen Taekwon-Do Lehrer, darunter Kim Kwang-il und Kwon Jae-hwa. Um auch die norddeutschen TKD-Vereine unter einem Dach zu bekommen, gab Weingarth den Namen SWTV auf und schloss sich im September 1968 dem Deutschen Judo Bund (DJB) an. Der Verband nannte sich anschließend „Taekwon-Do Sektion im DJB“. Kwon Jae-hwa reiste anschließend nach Korea, um die Zustimmung von Choi Hong-his ITF zu erhalten. Im November 1968 fand in München die erste offizielle Deutsche Taekwon-Do Meisterschaft der Sektion TKD im DJB statt.

Platzierung im Kampf ohne Gewichtsbeschränkung:

Ulrich Fingerhut (München) Gustav von Mengden (München) Gerd Fries (Nürnberg)

Am 29. Oktober 1971 wurde Heinz Marx, ebenfalls ein Schüler von Kwon Jae-hwa, zum Bundesvorsitzenden der Sektion TKD gewählt. Während einer Dan Prüfung wurde Kim Kwang-il seines Amtes als 1. Bundestrainer enthoben und Kwon Jae Hwa als Nachfolger eingesetzt. Der Grund war, dass Kim Kwang-il sich weigerte Dokumente zu unterzeichnen und erwähnte, dass die Taekwondo Prinzipien es nicht erlauben würden, dass Dan-Grad Prüfungen von Inhaber niedrigerer Dan-Grade durchgeführt und bewertet werden.

Im Februar 1972 besuchte Choi Hong Hi die Sektion TKD und erinnerte an das Abkommen „über freundschaftliche Zusammenarbeit auf internationaler Ebene“ aus dem Jahre 1968. Heinz Marx ging aber keine weitere Verpflichtung gegenüber der ITF ein.

Am 28. Mai 1973 wurde in Seoul die World Taekwondo Federation (WTF) als Gegenpart zur ITF gegründet, da Choi Hong Hi nach Kanada ins Asyl geflüchtet war und seine ITF mitgenommen hatte. Am gleichen Tag wurde Heinz Marx „Executive Member“ der WTF und der „Bruch“ mit der ITF war perfekt.

Da Kwon Jae Hwa den Wandel der Taekwon–Do Philosophie von „Kampfkunst“ zum „Wettkampfsport“ nicht mitmachen wollte, verließ er Deutschland in Richtung USA.

1981 trennte sich die Taekwon–Do Sektion vom DJB und gründete die Deutsche Taekwondo Union, blieb aber Mitglied der WTF.

ITF-GER, ITF-Deutschland (ITF-D) und Deutscher Taekwon-Do Bund (DTB) Es gab in Deutschland neben der Taekwon-Do Sektion im DJB und dem Deutschen Taekwon-Do Verband noch viele weitere Schulen und Vereine, welche einen koreanischen Instruktor (ab. 4. Dan) hatten. Diese arbeiteten zwar mit der ITF zusammen, da sie von dort die internationalen Zertifikate bekamen, wollten sich aber aus persönlichen Gründen keiner ITF-Organisation in Deutschland anschließen.

Am 18. Juni 1978 gründete Max Geburt den NWTV, der ausschließlich aus Deutschen bestand. Es folgte ein Besuch von Choi Hong-hi am 31. Mai 1980 in der Sportschule Bushidohttps://www.bushido-dortmund.com/Bushido Dortmund, abgerufen am 11. August 2026 und beim VFL Kemminghausen in Dortmund-Evinghttps://www.itf-do.de/VfL Kemminghausen, abgerufen am 11. August 2026, wo dieser einen historischen Lehrgang leitete. Der Leiter des NWTV, Max Geburt, erhielt den 5. Dan, seine Organisation wurde offiziell der ITF angeschlossen und in „ITF-GER“ (auch ITF-Germany) umbenannt und Kim Woo-Kang, der später als „Vater des Taekwondo in Nordrhein-Westfalen“ bezeichnet wurde, wurde mit der Aufgabe betraut, die Organisation unter seinen koreanischen Landsleuten aufzubauen.

Im September 1980 tourte das 7. ITF-Demonstrationsteam unter Choi Hong-Hi durch Nordkorea und präsentierte damit erstmals Taekwon-Do den Koreanern im Norden der koreanischen Halbinsel. Mit dabei waren Park Jung Tae, Charles Sereff und Choi Jung Hwa. Die Folge war, dass die meisten koreanischen TKD Meister aus der ITF-GER die Verbindungen zu Choi abbrachen und den „Deutschen TKD-Bund“ (DTB) unter der Leitung von Song Chan-Ho gründeten. Sie nahmen die meisten Vereine und Schulen mit, darunter insgesamt etwa 5000 TKD-Praktizierende, was ein schwerer Schlag für die ITF-GER war.

Im August 1982 übernahm Lee Ki-yung aus Kassel in Hessen die ITF-GER. Als Generalsekretär der ITF war Lee maßgeblich an der organisatorischen Leitung des Verbandes und der globalen Verbreitung von Chois Taekwon-Do, insbesondere in Europa und Deutschland, beteiligt. Die Verbandspolitik wurde fortan von den Koreanern bestimmt und Lee bestimmte die Satzungen und die Aufnahme von Mitgliedern. Später wurde der Verband in „ITF-Deutschland“ umbenannt.

Als Paul Weiler am 16. April 1989 zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, war der Verband dermaßen heruntergewirtschaftet und stand kurz vor der Auflösung. Mit der Verlegung des Sitzes nach Köln und einer neuen Führungsmannschaft ging es dann wieder bergauf.

Taekwon-Do in Deutschland nach Chois Tod 2002 Nach dem Tod Choi Hong His verließen einige Mitglieder die ITF-D, weil der Nordkoreaner Chang Ung versuchte die ITF Wien zu übernehmen und bildeten eigene Verbände.

Taekwon-Do Federation Germany (TFG), Sitz in Stuttgart, Präsident war Dr. Björn Wolle (4. Dan) und Vizepräsident war Stefanos Gaidartzakis (8. Dan). Der Verband löste sich vor 2010 auf. National Association Germany (ITF-NAG), Sitz in Bochum, Leiter war Tarcisio Martella (6. Dan). 2008 folgte ihm Dario Fimiani (4. Dan). Dachverband war die ITF unter Choi Jung-Hwa. Auf einem Seminar in Dortmund (NRW) am 15. März 2009 fand mit Hilfe der NAG ein WTF und ITF Seminar statt. Für die WTF war Hwang Chae-Pok (9. Dan) anwesend.