mini|Orazio Riminaldi: Selbstbildnis, um 1625, Galleria degli Uffizi, Florenz Orazio Riminaldi (* 1593, getauft am 5. September 1593 in Pisa; † 10. Dezember 1630 ebenda) war ein italienischer Maler des Barock.

Leben Orazio Riminaldi war der Sohn des aus Lucca stammenden Tuchfärbers Francesco Riminaldi, der sich mit seiner Familie in Pisa niedergelassen hatte. Von 1605 bis 1615 absolvierte er seine Ausbildung zunächst in der Werkstatt Ranieri Borghettis und anschließend bei Aurelio Lomi, einem dem Manierismus nahestehenden Maler. Zu Riminaldis früher Schaffensphase sind keine Werke überliefert. Die wichtigste Quelle zu seinem Leben ist eine in der Bibliothek der Uffizien in Florenz aufbewahrte Handschrift Vita e Opera del S.re Orazio Riminaldi Pittore Celebre e Eccellente, deren Verfasser Kardinal Pier Paolo Crescenzi (1572–1645) war.

Orazio Riminaldi hielt sich von 1620 bis 1627 in Rom auf. Dort wurde er zunächst durch den Eintritt in die Werkstatt des aus Pisa stammenden und dem Caravaggismus nahestehenden Malers Orazio Gentileschi geprägt. Später beeinflusste ihn die Auseinandersetzung mit dem Stil Bartolomeo Manfredis, wobei er den Caravaggismus stets durch klassizistische Elemente milderte. Ein Werk aus dieser Zeit ist Juno setzt die Augen des Argus auf den Pfauenschweif (Rom, Galleria Doria Pamphilj), das im Auftrag seines ersten römischen Mäzens Tiberio de’ Cavalieri entstand. Zu den am stärksten von Caravaggio geprägten Werken zählt das Martyrium der heiligen Cäcilia (Florenz, Galleria Palatina), das Riminaldi für die alljährlich unterhalb der Loggien des Pantheons stattfindenden Ausstellungen schuf. Während seines Romaufenthalts war Riminaldi Mitglied der Accademia di San Luca, in der er 1624 und 1626 das Amt des Censors innehatte. 1625 ist er zudem als Mitglied der Compagnia dei Virtuosi des Pantheons verzeichnet. mini|Orazio Riminaldi: Christuskopf (Testa di Cristo), um 1625, Galerie G. Sarti, Paris Das erste gesicherte Datum zu Orazio Riminaldis künstlerischem Werk ist das Jahr 1620, in dem er von Curzio Ceuli, dem Operaio der Dombauhütte von Pisa, den Auftrag für das Leinwandbild mit der Darstellung Simson als Sieger über die Philister für die Domapsis erhielt. Das Werk führte er in Rom aus und sandte es anschließend nach Pisa. 1623 erhielt er einen weiteren Auftrag der Dombauhütte für das 1625 angebrachte Leinwandbild Moses und die eherne Schlange, das großen Erfolg fand, wie Curzio Ceuli in seinen Ricordi bezeugt. Am 23. April 1627 übernahm Orazio Riminaldi gemeinsam mit der Pisaner Dombauhütte die Ausstattung des Inneren der Domkuppel mit Darstellungen der Himmelfahrt Mariens und von Heiligen. Dafür erhielt er eine erste Anzahlung und begann im Januar 1628 mit den Arbeiten. Orazio Riminaldi starb jedoch, bevor er den Auftrag vollenden konnte. Sein Bruder Girolamo vollendete die Malereien der Domkuppel schließlich im Jahr 1632.

Werk Zu Riminaldis letzter Schaffensperiode in Pisa zählt das als Meisterwerk seiner Reifezeit geltende Gemälde Die Einkleidung der heiligen Bona (Pisa, San Martino). Dessen Auftraggeberin konnte als Papiria Del Testa identifiziert werden. Sie war zu jener Zeit eine der Vorsteherinnen der Congregazione della Beata Vergine Maria. Historische Quellen bezeugen zahlreiche weitere, heute verlorene oder nicht mehr auffindbare Werke Riminaldis.

Werke Riminaldis befinden sich unter anderem im Museo diocesano e cripta di San Rufino in Assisi (ein vor 1626 entstandenes Bannerbild), in den Uffizien in Florenz (Selbstporträt, um 1615–1620), in der Galleria Palatina in Florenz (Amor als Sieger, um 1625), in der Fondazione Palazzo Blu in Pisa (Porträt des Curzio Ceuli, um 1627), im Schloss Weißenstein in Pommersfelden (Kain und Abel, um 1625), in den Gallerie Nazionali d’Arte Antica in Rom, Palazzo Corsini (Martyrium der Heiligen Nereus und Achilleus, um 1620) und Palazzo Barberini (Die Opferung Isaaks, um 1624/25) sowie im Musée des Beaux-Arts de Tours (Die Folter des Prometheus, um 1629/30).

Werke (Auswahl)

Literatur Mina Gregori: Note su Orazio Riminaldi e i suoi rapporti con l’ambiente romano, in: Paragone, Nr. 269, 1972, S. 35–66. Roberto Paolo Ciardi: Orazio Riminaldi e la cupola del Duomo di Pisa, in: Paragone, Nr. 449, 1987, S. 51–60. Roberto Paolo Ciardi, Roberto Contini, Gianni Papi (Hrsg.): Pittura a Pisa tra Manierismo e Barocco, Pisa 1992, insbesondere S. 257–293. Giovanni Romano (Hrsg.): Le collezioni di Carlo Emanuele I di Savoia, Turin 1995. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009. Pierluigi Carofano, Franco Paliaga: Orazio Riminaldi 1593–1630, Soncino 2013. (Catalogue raisonné)

Weblinks

Finestre sull'Arte

Einzelnachweise

Kategorie:Maler des Barock Kategorie:Maler (Italien) Kategorie:Person (Pisa) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1593 Kategorie:Gestorben 1630 Kategorie:Mann