Das Wasserkraftwerk Chivilingo (span. Central Hidroeléctrica Chivilingo) ist ein ehemaliges Wasserkraftwerk in Chile. Es wurde 1897 in Betrieb genommen und war das erste Wasserkraftwerk des Landes sowie das zweite seiner Art in Südamerika. Die Anlage wurde zur Stromversorgung des Steinkohlebergwerks von Lota errichtet und ist heute außer Betrieb. 1990 wurde sie zum nationalen historischen Denkmal erklärt. 2004 wurde das Wasserkraftwerk vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) als „Milestone“ der Ingenieurgeschichte ausgezeichnet.
Lage Das Wasserkraftwerk Chivilingo liegt etwa 14 Kilometer südlich von Lota in der Región del Biobío. Es befindet sich in der Ortschaft Chivilingo, etwa zwei Kilometer von der Straße zwischen Concepción und Arauco entfernt, zwischen den Stränden von Colcura und Laraquete und in unmittelbarer Nähe des Pazifischen Ozeans. Die Anlage wurde am Fluss Chivilingo auf einem etwas mehr als fünf Hektar großen Gelände errichtet.
Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts erstreckte sich der unterirdische Abbau der Lotaer Steinkohlenmine bereits über rund zwölf Kilometer. Die Kohleförderung erfolgte zunächst mit von Pferden gezogenen Loren. Um die Produktivität des Bergwerks zu steigern und den Einsatz elektrischer Förderbahnen zu ermöglichen, wurde nach einer geeigneten Energiequelle gesucht.
Die Wasserkraft des Chivilingo-Flusses erwies sich dabei als eine günstige und an die Bedingungen des Bergwerks anpassbare Möglichkeit der Stromerzeugung. Die Errichtung des Kraftwerks wurde 1896 von Isidora Goyenechea, der Witwe von Luis Cousiño, im Rahmen der Compañía Minera del Carbón de Lota in Auftrag gegeben.
Die Finanzierung erfolgte vollständig durch die Compañía Explotadora de Lota y Coronel (später Empresa Nacional del Carbón), die sich im Besitz der Erben der Familie Cousiño befand. Für den Entwurf wird Thomas Alva Edison genannt, während die US-amerikanische Consolidated Co. mit der Umsetzung und dem Bau beauftragt wurde. Die elektrische Ausrüstung lieferte Schuckert & Co. aus Nürnberg. 1897 wurde das Kraftwerk fertiggestellt und nahm den Betrieb auf. Der erzeugte Strom diente der Stromversorgung des Bergwerks von Lota und wurde unter anderem für Fördermaschinen, Pumpen und die elektrische Grubenbahn genutzt. Auch die Stadt Lota und weitere Betriebe wurden mit Strom versorgt.
Das Wasserkraftwerk war bis 1974 in Betrieb und wurde anschließend außer Betrieb genommen. Die historische technische Ausstattung blieb jedoch weitgehend erhalten.
1990 wurde die Anlage durch das Dekret Nr. 721 des chilenischen Bildungsministeriums vom 25. Oktober 1990 zum Nationalen Historischen Denkmal (Monumento Histórico) erklärt.
UNESCO-Welterbe Das Wasserkraftwerk Chivilingo ist Bestandteil des seriellen Kulturguts „Lota Mining Complex“, das Chile am 11. Januar 2021 in die Tentativliste des UNESCO-Welterbes aufnahm. Zum vorgeschlagenen Ensemble gehören neben dem Wasserkraftwerk der Parque Isidora Cousiño, der Bereich Chambeque und die Mine Chiflón del Diablo.
Technik Das Kraftwerk wurde auf einem Gelände von etwas mehr als fünf Hektar errichtet und verfügte über zwei Pelton-Turbinen mit jeweils einem Wechselstromgenerator. Die Generatoren hatten jeweils eine Leistung von 215 Kilowatt bei 400 Volt, 360 Ampere und einer Frequenz von 50 Hertz.
Weblinks
Einzelnachweise
Chivilingo Chivilingo Kategorie:Lota Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren