Purgleitner (auch Purgleutner, Purchleutner, Burgleitner) ist der Name einer alten bayerisch-österreichischen Familie, die aus Landshut stammt und sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts nach Oberösterreich, in die Steiermark und nach Niederösterreich verzweigte. Das Geschlecht brachte diverse Geistliche, Verwaltungsbeamte, sowie mehrere Bürgermeister hervor. Eine Linien wurde 1610 in den Adelsstand erhoben. Die Familie blüht bis in die Gegenwart in mehreren Linien fort.
Geschichte mini|Johann Purgleitner, Bürgermeister von Wr. Neustadt
Herkunft und geistliche Linie in Linz und Buchkirchen (16. Jahrhundert) Stammvater der gesicherten Überlieferung ist der aus Landshut gebürtige Martin Purgleitner (um 1527–1588), der von 1552 bis 1580 als Stadtpfarrer von Linz wirkte und Beichtvater der Erzherzogin Katharina von Österreich, der späteren Königin von Polen, war. Am 24. Oktober 1559 wurde ihm als Pfarrer zu Linz ein Wappen verliehen, am 30. November 1571 folgte eine Wappenbesserung mit Lehenartikel. 1580 wechselte er als Pfarrer nach Buchkirchen, wo er bis zu seinem Tod 1588 blieb, seine vom Kaiser legitimierten Kinder setzten die Familie in Oberösterreich fort.
Verwaltungsdienste in Ober- und Niederösterreich (17. Jahrhundert) Ein Sohn Martin Purgleitners, Erhard Purgleitner, studierte in Siena und wurde 1608 Sekretär des niederösterreichischen Klosterrats in Wien. In dessen Umfeld wurde am 1. Dezember 1610 Johann Purgleuttner, Pfleger der Herrschaft Starhemberg, in den Adelsstand erhoben und ihm sein Wappen erneut gebessert und mit dem seiner Mutter vereinigt.
Lederer- und Brauergeschlecht in Frohnleiten (17.–19. Jahrhundert) Von diesen Verwaltungslinien ausgehend, wurde die Familie im Lauf des 17./18. Jahrhunderts im obersteirischen Markt Frohnleiten ansässig, wo sie sich rasch zu einem der angesehensten Bürgergeschlechter entwickelte. 1740 ist der Lederer Matthias Purchleutner belegt, die Häuserzählung von 1754 nennt Simon Purgleitner, der 1771–1773 auch das Amt des Frohnleitner Marktrichters bekleidete, als einen der beiden letzten Lederermeister des Marktes. Im Braugewerbe trat Johann Georg Purgleitner hervor, der das Haus „Sonnwirt“ samt Braugerechtsame besaß, sie blieb bis weit ins 19. Jahrhundert im Familienbesitz.
Bürgermeister in Wiener Neustadt und Graz (18./19. Jahrhundert) Ein weiterer Zweig der Familie ließ sich in Wiener Neustadt nieder, wo der Lederermeister Michael Purgleitner der Ältere ansässig war. Von dessen Söhnen wurde Johann Purgleitner (1797–1875) 1850 zum ersten gewählten Bürgermeister der Stadt Wiener Neustadt gewählt und übte das Amt bis 1861 aus, nach ihm ist die Purgleitnergasse in der Innenstadt benannt. Sein Bruder Michael Purgleitner (1791–1866), Apotheker und Eigentümer der Hirschenapotheke in Graz, wurde 1850 im Zuge der ersten Grazer Gemeinderatswahlen zum ersten Stellvertreter des Bürgermeisters Johann Nepomuk Ulm gewählt. Die Schwester der beiden, Elisabeth Purgleitner, heiratete in die Familie Haberl ein; ihr Sohn Karl Haberl wurde ebenfalls Bürgermeister von Wiener Neustadt, und über diese Linie gilt Elisabeth Purgleitner als Urgroßmutter des Industriellen Anton Piëch.
Wappen mini|Wappen des Martin Purgleitner, 1571 Der Familie erhielt am 24. Oktober 1559 einen Wappenbrief. Am 30. November 1571 wurde Martin Purgleutner, Stadtpfarrer zu Linz dasselbige gebessert. Sein Sohn Johann (Hans) Purgleuttner, wurde am 1. Dezember 1610 nobilitiert und erhielt abermals eine Wappenbesserung. mini|mini|Gemehrtes Wappen des Johann von Purgleitner, 1610Stammwappen der Familie Purgleitner, 1559 und 1571 Das Stammwappen zeigt in Blau und Silber quadriert eine Lilie in verwechselter Tinktur. Auf dem gekrönten Helm steht eine silber-blau gespaltene Lilie zwischen zwei blau-silbern sowie silber-blau geteilten Büffelhörnern. Die Decken sind blau-silbern.
Persönlichkeiten
Martin Purgleitner (um 1527–1588), Stadtpfarrer von Linz, Pfarrer von Buchkirchen Erhard Purgleitner, Sekretär des niederösterreichischen Klosterrats in Wien (1608) Johann Purgleuttner, Pfleger der Herrschaft Starhemberg, 1610 nobilitiert Simon Purgleitner, Lederer und Marktrichter von Frohnleiten (1771–1773) Johann Georg Purgleitner, Bierbrauer und Hausbesitzer in Frohnleiten Michael Purgleitner (1791–1866), Apotheker, erster Vizebürgermeister-Stellvertreter von Graz Johann Purgleitner (1797–1875), erster gewählter Bürgermeister von Wiener Neustadt Elisabeth Purgleitner, verehelichte Haberl, Urgroßmutter Anton Piëchs
Literatur
Ludwig Rumpl: Die Linzer Stadtpfarrer in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1962, Linz 1963, S. 129–192. Niederösterreichisches Landesarchiv, Klosterakten Tulln, Kt. 336 und Kt. 309 (Dok. 62 f.), bearbeitet von Johannes Ramharter. Othmar Pickl: 700 Jahre Marktgemeinde Frohnleiten. Gertrud Buttlar: Wiener Neustadt: Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Braumüller, Wien 1993, ISBN 978-3-7003-1032-7. Armin Sippel: Der Grazer Gemeinderat und seine Bürgermeister von 1850 bis 1919. Diplomarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz, 2010. Bernd E. Mader: Kleine Kulturgeschichte der Grazer Apotheken. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz, Bd. 32, 2002.
Einzelnachweise
Kategorie:Individuelle Familie