mini|rechts|Ehemalige Altöttinger Kapelle in Horn Die Altöttinger Kapelle ist ein ehemaliges Sakralgebäude in der Stadt Horn im niederösterreichischen Waldviertel. Sie befindet sich in der Raabser Straße 32 und steht unter Denkmalschutz.Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Niederösterreich, Objekt „Altöttinger Kapelle“, HERIS-ID 59154, Objekt-ID 70171, Raabser Straße 32, Horn. Die Kapelle wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Tuchmachern in Horn errichtet. Ihr achteckiger Zentralbau orientiert sich an der Gnadenkapelle im bayerischen Altötting und sollte insbesondere den aus Bayern stammenden Tuchmachern eine religiöse Andachtsstätte bieten.Land Niederösterreich: Gedächtnis des Landes – Horn. Die Altöttinger Kapelle wird als Nachbildung der Wallfahrtskapelle von Altötting und als Bestandteil der Tuchmachersiedlung beschrieben.

Geschichte Die Errichtung der Kapelle steht in engem Zusammenhang mit der von Graf Ferdinand Sigismund Kurtz von Senftenau geförderten Ansiedlung von Tuchmachern und Färbern in Horn. Die neue Siedlung entstand vor der Stadt und umfasste ursprünglich rund 30 Häuser.Österreichische Akademie der Wissenschaften: Historisches Ortslexikon Niederösterreich, Teil 2. Die Vorstadt vor Horn wird als ab der Mitte des 17. Jahrhunderts angelegte Siedlung für Tuchmacher beschrieben. Die Grundsteinlegung der Kapelle erfolgte am 15. Mai 1656. Bereits 1657 wurde eine Kopie des Gnadenbildes von Altötting in die Kapelle übertragen. Die Betreuung des Gotteshauses lag bei den Piaristen. Die feierliche Konsekration erfolgte erst 1675.Kunsttopographie des Bezirkes Horn. Abschnitt „Ehemalige Altöttinger Kapelle“, Horn, Raabser Straße. Die Quelle nennt die Grundsteinlegung am 15. Mai 1656, die Übertragung der Kopie des Altöttinger Gnadenbildes 1657 und die Konsekration 1675.

Die Kapelle wurde als Wallfahrtsstätte konzipiert und entwickelte sich zu einem Ort der Verehrung des Altöttinger Gnadenbildes.Sobotta: Wallfahrtsorte in Österreich – Horn. Abschnitt „ehem. Altöttinger Kapelle (profaniert)“. Die Quelle nennt die Übertragung einer Kopie der Muttergottes von Altötting am 5. August 1657. Im Zuge der josephinischen Reformen wurde die Kapelle 1787 profaniert. Das Gebäude wurde anschließend verkauft und für profane Zwecke, insbesondere als Wohnhaus, genutzt. Die ursprüngliche kirchliche Ausstattung wurde dabei weitgehend entfernt. Im 20. Jahrhundert wurde das Gebäude wieder für religiöse Zwecke genutzt. 1936 wurde es als Dollfuß-Gedächtniskapelle wiedereröffnet. Von 1954 bis 1971 fanden in der ehemaligen Kapelle evangelische Gottesdienste der evangelischen Pfarrgemeinde Horn-Zwettl statt.Evangelische Pfarrgemeinde Horn-Zwettl: Horn, Altöttinger Kapelle. Die Pfarrgemeinde nennt den Bauzeitraum 1656–1675 und die Nutzung für evangelische Gottesdienste zwischen 1954 und 1971.

Architektur Bei der Altöttinger Kapelle handelt es sich um einen kleinen achteckigen Zentralbau. Der zentrale Raum wird von einem entsprechend polygonalen Dach abgeschlossen. Die Gestaltung lehnt sich in ihrer Grundform an das Vorbild in Altötting an. Die Architektur orientiert sich unmittelbar an der Gnadenkapelle in Altötting. Die Kapelle wurde am Ende der Horner Tuchmachersiedlung errichtet und bildete deren religiösen und baulichen Abschluss. Durch die Profanierung im späten 18. Jahrhundert und die anschließende Nutzung als Wohnhaus wurde der Innenraum baulich verändert. Die ursprüngliche Ausstattung ist daher nur noch teilweise erhalten.

Bedeutung Die Altöttinger Kapelle steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Geschichte der Horner Tuchmachersiedlung. Die Ansiedlung von Tuchmachern und Färbern sollte das Gewerbe in Horn fördern und führte zur Entstehung einer eigenen Siedlung vor der Stadt.

Die bewusste Nachbildung der Gnadenkapelle von Altötting stellt eine Besonderheit des Bauwerks dar. Sie verweist auf die religiösen Traditionen der angesiedelten Tuchmacher und auf die Bedeutung des Altöttinger Gnadenbildes im katholischen Frömmigkeitsleben der frühen Neuzeit. Die Altöttinger Kapelle gehört damit zu den Beispielen einer Nachbildung der berühmten Wallfahrtskapelle von Altötting außerhalb Bayerns.Reinhard Litschauer: Die Radetzkykaserne in Horn. Sanierung und Neunutzung. Technische Universität Wien, 2010. Die Arbeit dokumentiert die Altöttinger Kapelle in Horn und ihr architektonisches Vorbild in Altötting.

Denkmalstatus Die Altöttinger Kapelle ist als unbewegliches Denkmal in der österreichischen Denkmalliste eingetragen. Das Bundesdenkmalamt führt das Objekt unter der Objekt-ID 70171. Als Standort wird die Raabser Straße 32 in der Katastralgemeinde Horn angegeben.

Siehe auch Horn (Niederösterreich) Gnadenkapelle (Altötting) Altötting Tuchmacher Liste der denkmalgeschützten Objekte in Horn (Niederösterreich)

Literatur

Einzelnachweise

Weblinks

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