Die Bahnstrecke Plowdiw–Burgas ist eine 292,5 Kilometer lange normalspurige Bahnstrecke zwischen Plowdiw, der zweitgrößten Stadt Bulgariens und der Hafenstadt Burgas am Schwarzen Meer. Die Strecke ist heute durchgehend mit 25 kV / 50 Hz Wechselspannung elektrifiziert und auf langen Abschnitten zweigleisig. Plowdiw–Burgas wird von der Bulgarischen Eisenbahninfrastrukturgesellschaft als Hauptbahnstrecke 8 () geführt und ist die fünftlängste Hauptbahn.
Am Bahnhof Plowdiw besteht Anschluss an die Hauptstrecke 1 von Kalotina über Sofia nach Swilengrad und am Bahnhof Filipowo an die Zweigstrecke 81 nach Panagjurischte sowie die Verbindungsstrecke 82 nach Karlowo. Zwischen Michajlowo und Stara Sagora verläuft die Strecke gemeinsam mit der Hauptbahnstrecke 4 und zwischen Simniza und Karnobat gemeinsam mit der Hauptbahnstrecke 3. Am Bahnhof Nowa Sagora schließt die Verbindungsstrecke 83 nach Simeonowgrad an, in Jambol die Zweigstrecke 84 nach Elchowo (seit 2011 außer Betrieb), am Bahnhof Dolno Eserowo die Zweigstrecke 85 nach Debelt und weiter zum Metallverarbeitungsunternehmens „Promet Steel“ und am Bahnhof Burgas-Wladimir Pawlow die Zweigstrecke 86 nach Pomorie, wobei hier der Abschnitt Sarafowo–Pomorie zwischenzeitlich abgebaut wurde.
Geschichte Der erste Abschnitt der Strecke ist 1875 eröffnet worden, führt von Nowa Sagora nach Jambol und wurde als Teil der Strecke Tarnowo Seimen (heute Simeonowgrad)–Jambol erbaut. Als letzter der heutigen Hauptbahnstrecke wurde der Abschnitt von Plowdiw nach Tschirpan 1910 in Betrieb genommen.
Abschnitt Nowa Sagora–Jambol Dies ist der erste Abschnitt der heutigen Hauptbahnstrecke 8 und als Teil der Bahnstrecke zwischen Tarnowo Seimen, dem heutigen Simeonowgrad, und Nowa Sagora errichtet worden. Der Bau begann 1873 und wurde bereits Ende 1874 abgeschlossen, die offizielle Eröffnung fand am 22. Januar 1875 statt. Die Strecke wurde der Orientbahn des Baron Maurice de Hirsch zur Betriebsführung übergeben, die bereits die Strecken Konstantinopel (bulgarisch Zarigrad)–Belowo und Russe–Warna betrieb. Damit standen drei Bahnstrecken mit einer Gesamtlänge von rund 891 Kilometern unter der Verwaltung der Orientbahn, von denen 533 Kilometer auf dem heutigen Gebiet Bulgariens verlaufen.
Die Bahnstrecke Nowa Sagora–Jambol wurde mit einem minimalen Kurvenradius von 300 Metern und einer maximalen Steigung von 25 ‰ gebaut. Die Schienen waren vom Typ „CO“ mit 34 kg/m und einer Länge von 6,54 Metern.
Abschnitt Jambol–Burgas Ein Gesetz vom 21. Januar 1889 sah den Bau der Eisenbahnstrecken Jambol–Burgas und Kaspitschan–Sofia–Kjustendil sowie der Häfen Warna und Burgas vor. Zweck dieser beiden Hauptstrecken war nach der Vereinigung des Fürstentums Bulgarien und Ostrumelien im Jahr 1885 die Verbindung der Hauptstadt mit dem Norden und Süden des Landes sowie den wichtigen Schwarzmeerhäfen Warna und Burgas. Der Bau der Bahnstrecke Jambol–Burgas sollte zudem den Monopolbestrebungen der Orientbahn in Südbulgarien entgegenwirken und den Export und Import über den Hafen Dedeagasch (seit 1920 Alexandroupoli) am Weißen Meer lenken.
Die notwendigen Mittel für den Bau der beiden Bahnstrecken und der Häfen stammten aus einem 1888 in Wien mit der Lenderbank (Лендербанк) abgeschlossenen Staatsdarlehen in Höhe von 142,78 Milliarden Goldlewa zu 6 Prozent Zinsen.
Der erste Spatenstich für den Abschnitt erfolgte am 1. Mai 1889, bereits im darauffolgenden Jahr am 14. Mai wurde die Strecke fertiggestellt und in Betrieb genommen. Sie ist 110,8 Kilometer lang. Der Bau erfolgte in Rekordzeit durch die Arbeitspflicht der Bevölkerung und mit Unterstützung von Pioniertruppen. Der minimale Kurvenradius beträgt 400 Meter und die maximale Steigung 11 ‰.
Abschnitt Tschirpan–Nowa Sagora Ein weiteres Gesetz vom 14. Januar 1895 sah den Bau einer Parallelstrecke zu den Eisenbahnen der Orientbahn von Saranbey (heute Septemwri) über Plowdiw, Tschirpan und Stara Sagora nach Nowa Sagora vor. Diese Strecke sollte letztendlich Sofia und Burgas direkt verbinden und ausschließlich vom bulgarischen Staat betrieben werden.
Der Bau der 195 Kilometer langen Strecke wurde im Oktober 1896 ausgeschrieben. Zur Finanzierung des Baus griff die bulgarische Regierung auf Mittel eines 1892 mit der Wiener Lenderbank abgeschlossenen Kredits zurück. Die Bank, an der auch einige Aktionäre der Orientbahn mit Eigenkapital beteiligt waren, setzte die letzten beiden Optionen des Kredits unter dem formalen Vorwand aus, eine Vertragsklausel sei verletzt worden. Vorgeblich hätte der Kredit ausschließlich für den Bau und die Ausstattung der im Gesetz von 1889 aufgeführten Strecken und Häfen verwendet werden gedurft. Die bulgarische Regierung hatte jedoch bereits den Bau mehrerer Eisenbahnstrecken sowie der Schwarzmeerhäfen Warna und Burgas im Rahmen einer Ausschreibung vergeben und befand sich daher in einer schweren Finanzkrise. Weil sie keinen weiteren Kredit zur Deckung der bereits begonnenen Baukosten aufnehmen konnte, war sie gezwungen, die Arbeiten an der Parallelstrecke einzustellen. Lediglich der 79,3 Kilometer lange Abschnitt Tschirpan–Nowa Sagora wurde fertiggestellt und 1897 in Betrieb genommen.
Die Regierung trat in Verhandlungen mit der Orientbahn ein und schloss im Oktober 1898 einen Vertrag über den Erwerb der Betriebsrechte der Eisenbahnstrecken innerhalb des Fürstentums für 24.250.863 Goldlewa ab. Das war für das Land vorteilhaft und wurde von der Nationalversammlung gebilligt, konnte jedoch aufgrund des Widerstands der türkischen Regierung, der die Eisenbahnstrecken gehörten, nicht umgesetzt werden. Die Regierung von Konstantin Stoilow gab diese Pläne auf. Die nachfolgende Regierung stellte die Rechte der Gesellschaft wieder her. Im Gegenzug verpflichtete sich die Lenderbank, das Darlehen von 1892 zu erfüllen und bei der Aufnahme eines neuen Umwandlungsdarlehens in Höhe von 260 Millionen Goldlewa zu helfen. Eine der Bedingungen für das im März 1899 abgeschlossene Umwandlungsdarlehen war die Verbesserung der Beziehungen zwischen der bulgarischen Regierung und der Orientbahn. Zur Erfüllung dieser Bedingung wurde im März 1899 ein Vertrag unterzeichnet, demzufolge der von Bulgarien erbaute Abschnitt der Parallelstrecke Tschirpan–Nowa Sagora für 25 Jahre, gerechnet ab Fertigstellung der Verbindungsstrecke zwischen den Bahnhöfen Tschirpan und Skobelewo, zu allerdings schlechten Bedingungen an das Unternehmen verpachtet wurde. Die anfängliche Jahrespacht betrug 500 Lewa pro Kilometer und konnte nach Bau der Verbindungsstrecke auf maximal 1500 Lewa pro Kilometer erhöht werden. Mit demselben Vertrag verpflichtete sich der bulgarische Staat, für 25 Jahre keine parallelen oder konkurrierenden Strecken zu dem von der Orientbahn betriebenen Strecken mit einer Länge von über 40 Kilometern zu errichten.
Abschnitt Plowdiw–Tschirpan Diese Situation dauerte bis zur Unabhängigkeit Bulgariens vom Osmanischen Reich am 22. September 1908 an. Anschließend wurden die Bahnhöfe beschlagnahmt und der Betrieb der Strecken der Gesellschaft der Hauptdirektion der Eisenbahnen übertragen. Die Regelungen zum Kauf und Betrieb der Strecken der Orientbahn auf bulgarischem Gebiet wurden durch bilaterale Protokolle zwischen Bulgarien, Russland und dem Osmanischen Reich aus dem Jahr 1909 festgelegt. Dies ermöglichte die Fertigstellung der Strecke Plowdiw–Tschirpan und die Schaffung einer direkten Verbindung Sofia–Plowdiw–Burgas. Der Bau des 59,6 Kilometer langen Abschnitts begann am 26. August 1909 und endete am 10. Juli 1910. Die Strecke wurde am 10. Oktober desselben Jahres in Betrieb genommen.
Modernisierung Ausbau Um den Betrieb des Bahnknotenpunkts Plowdiw für Züge in Richtung Sofia sowie Burgas zu verbessern, wurde die Verbindungsbahn Plowdiw–Skutare gebaut und im Oktober 1959 in Betrieb genommen. Die Strecke ist 15,99 Kilometer lang, hat einen minimalen Radius von 600 Metern, eine maximale Steigung von 5,3 ‰ und eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometern je Stunde. Der gesamte Streckenabschnitt ist zweigleisig und für Personenverkehr freigegeben. Der einzige betriebsbereite Haltepunkt der Strecke ist die am 25. Mai 1989 als unbesetzter Halt eröffnete Station Plowdiw Ost (Пловдив изток), die seit dem 1. Juli 1990 bedient wird und seither Trakija (Тракия) heißt. Seit dem 11. April 1991 ist sie ein regulär besetzter Bahnhof.
Als weitere Ausbaumaßnahme wurde eine neue Streckenführung zwischen den Bahnhöfen Swoboda und Michajlowo gebaut. Die neue Trasse hat Kurven mit einem Radius von mindestens 1000 Metern, womit sieben Kurven mit einem Radius von 300 Metern und eine mit einem Radius von 400 Meter entfielen. Die Streckenvariante ermöglicht seither eine Geschwindigkeit von 140 Kilometern je Stunde und verkürzt den Abschnitt um etwa 900 Meter.
Der anschließende Abschnitt Michajlowo–Stara Sagora wurde zur Kapazitätserhöhung wegen der Mitnutzung durch die Hauptbahnstrecke 4 zweigleisig ausgebaut und Kurven begradigt. Der minimale Kurvenradius wurde auf 1200 Meter für eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern je Stunde erhöht. Später wurde auch der Abschnitt Simniza–Burgas ausgebaut. Der minimale Kurvenradius beträgt hier nunmehr 800 Meter für eine Geschwindigkeit von 120 Kilometern je Stunde.
Außerdem wurden im Laufe der Modernisierungen und Umbauten nach und nach auf der gesamten Strecke von Plovdiv nach Burgas Schienen mit einer Massenzahl von 49 kg/m eingebaut.
Zwischen 2021 und 2025 wurde der knapp 14 Kilometer lange Abschnitt Orisowo–Spassowo für eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern je Stunde begradigt und zweigleisig ausgebaut einschließlich der Beseitigung von Bahnübergängen und dem Bau von Über- oder Unterführungen. Der Haltepunkt Spassowo entstand dabei rund 180 Meter nördlich des bisherigen Standortes neu. Der direkt ostwärts anschließende Abschnitt mit 21 Kilometern Länge bis Michajlowo wird bis voraussichtlich 2027 ebenfalls begradigt und zweigleisig für eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde ausgebaut. Dabei entsteht eine eingleisige Umfahrung von Tschirpan mit einem 660 Meter langen Tunnel. Die Gesamtkosten für alle Maßnahmen zwischen Orisowo und Michajlowo einschließlich neuer Fahrleitungen und Signaltechnik belaufen sich auf 217,98 Millionen Lewa, umgerechnet rund 111,5 Millionen Euro.
Elektrifizierung 1969 wurde der Abschnitt Simniza–Karnobat–Burgas mit einer Länge von rund 95 Kilometern unter Fahrleitung in Betrieb genommen, es war die dritte zweigleisige und elektrifizierte Eisenbahnstrecke Bulgariens. 1975 folgte der Abschnitt von Jambol nach Simniza, 1977 Stara Sagora–Jambol, 1979 zwischen Tschirpan und Stara Sagora und 1981 war mit der Eröffnung des letzten unter Strom gestellten Abschnittes Plowdiw–Tschirpan die Hauptbahnstrecke 8 vollständig elektrifiziert.
Betrieb Für den Betrieb der Strecke wurden im Laufe der Zeit drei Bahnbetriebswerke und Lokomotivendepots in Burgas, Stara Sagora und Karnobat gebaut. Burgas war das erste und wurde 1890 eröffnet, 1930 kam ein Ringlokschuppen dazu, 1968 begann man mit der Reparatur von Rangier-Diesellokomotiven und ab 1970 auch von Elektrolokomotiven. 1980 wurde eine neue Halle für die Reparatur von Elektrotriebzügen gebaut. Das Werk in Stara Sagora ging 1912 in Betrieb, 1920 wurde eine mechanische Abteilung mit vier Drehmaschinen eingerichtet und 1945 folgte eine Radsatzdrehmaschine. 1960 wurde das Werk grundlegend modernisiert und nahm 1969 die Reparatur von Diesellokomotiven auf. Nach der Elektrifizierung der Strecke nach Simniza im Jahr 1979 wurden dem Werk Elektrolokomotiven zur technischen Inspektion zugeteilt. Das hohe Arbeitsaufkommen in Burgas und die Besonderheiten des Betriebs auf dem Abschnitt Karnobat–Warna machten 1941 die Einrichtung des Werks Karnobat erforderlich, wo Ausrüstungs- und kleinere Reparaturen an Dampflokomotiven durchgeführt wurden.
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