Die Feldbahn der Casseler Basalt Industrie bei Helsa war eine 2 km lange elektrische Feldbahn mit einer Spurweite von 600 mm zwischen Kaufungen und Helsa.

Geschichte Am 3. Januar 1899 schlossen die Steinbruchsbesitzer Georg Reuhs aus Harmuthsachsen und Georg Berneburg zu Linden bei Hannover einen Pachtvertrag mit dem Ritterschaftlichem Stift in Oberkaufungen, um im Stiftswald Basaltgestein abzubauen. Die Leitung der Firma Reuhs & Berneburg übernahm der Schwiegersohn von Georg Berneburg, Johannes Becker mit Wohnsitz in Harmuthsachsen.

Um das gebrochene Basaltgestein vom Steinbruch am Michelskopf nach Helsa zur Bahnverladung zu transportieren, wurde am 23. Mai 1899 mit dem Bau einer 2 km langen Bahnanlage begonnen. Oberhalb des Brechers am Bahnhof gab es einen Bremsberg, auf dem die Loren auf Gleisen ins Tal gelassen wurden. Der Bremsberg war – abgesehen von der Ausweichstelle – mit Dreischienengleis ausgestattet. Über eine Seiltrommel zogen die zu Tal fahrenden beladenen Loren die leeren Loren wieder zur Bergstation. Es wurden jeweils drei gekuppelte Holzkastenkipper ans Seil gehängt. Am Bahnhof rangierte eine Ellok die Feldbahnwagen.

Am unteren Ende des Bremsbergs wurde am Waldrand ein von einer Dampfmaschine angetriebener Steinbrecher errichtet, in dem das Basaltgestein zu Schotter zerkleinert wurde, der vor allem zum Gleisbau benötigt wurde. Über einen weiteren Bremsberg gelangte der Schotter zu einem Silo am Bahnhof Helsa und wurde dort auf 6 bis 10 offene Güterwagen pro Tag verladen.

Im Steinbruch Michelskopf wurde spätestens um 1907 ein festes Backsteinhaus errichtet, um die im Steinbruch beschäftigen italienischen Arbeiter unterzubringen. Neben der Brecheranlage gab es eine Werkstätte, in der anfallende Reparaturen durchgeführt werden konnten. Zu den 100 Steinbrucharbeitern kamen noch 33 Steinrichter hinzu, die aus dem Säulenbasalt Pflasterstein geschlagen haben. Sie saßen sie auf kleinen Hockern auf dem Steinhaufen und schlugen mit einer Art Fäustel die Steine in die gewünschte Größe. Darüber hinaus gab es noch Schlosser, Schmiede und Stellmacher. Die Belegschaft muss somit um 1904 etwa 150 Mitarbeiter betragen haben.

Am 28. Juni 1920 brachte Georg Berneburg seine Anteile in das Unternehmen ein. Fortan hieß die Firma Casseler Basalt Industrie und betrieb auch den Basaltsteinbruch Hesselbühl bei Witzenhausen (heute Roter See). Die Betriebsleitung baute am Ortsausgang nach Wickenrode ein Wohnhaus für ihre Mitarbeiter. Aufgrund seines ungewöhnlichen Baustils, wurde es in Helsa nur der „Möbelwagen“ genannt. Ein weiteres Firmengebäude beherbergte Betriebsleiter Josef Rebstein, nachdem der bisherige Betriebsleiter Eggemann 1926 aus der Firma ausgeschieden war.

Der kompliziert und gefährlich zu bedienende Bremsberg wurde 1928–1930 durch eine Luftseilbahn zum Bielstein ersetzt, auf der das Gestein in Kipploren zum Steinbrecher transportiert wurde.Dominik Brück Helsa: Autoren geben unbekannte Einblicke den Basaltsteinabbau. HNA, 23. Mai 2016.Losse - Genese einer Industrielandschaft. Damit konnte das Gestein schneller und einfacher zu Tale gebracht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bei den Arbeiten im Bruch moderne Technik eingesetzt, was die Fördermengen von Gestein gewaltig vermehrte. Da nach dem Krieg eine sehr große Nachfrage nach Basaltstein einsetzte, wurde sogar der ehemalige, eigentlich schon ausgebeutete Steinbruch Bilsteinkirche wieder erschlossen.

Als die Steinbrüche im Abbaugebiet Stiftswald ausgebeutet waren, wurde der Betrieb am 31. Dezember 1973 eingestellt. Die Verladeanlagen im Bahnhofsgelände wurden abgebaut und auch der Brecher mit Ausnahme der massiven Betonfundamente abgerissen. Die einst gehauene Schneise für die Feldbahngleise ist noch im Stiftswald zu erkennen.Helmut Jordan: Industrialisierung in Helsa. Geschichtsverein Helsa.Eco-Pfad Hesla – Station 1.Klaus Horn: KLK_E_BG_3001: Bildergalerie zu Element 3001 – Industriekultur im Lossetal, Studentisches Projekt der Universität Kassel im Wintersemester 2007/2008.

Dampfmaschine Der Steinbrecher wurde mit einer um 1909 von der Heinrich Lanz AG in Mannheim gebauten Lokomobile angetrieben (Normalleistung: 112 PS; Maximalleistung: 141 PS; Ventilsteuerung; 2 Zylinder; 2 Expansionsstufen; mit Kondensation).Albert Gieseler: Basaltwerk Hesselbühl-Kaufungen GmbH, Steinbruch Helsa.Albert Gieseler: Heinrich Lanz Aktiengesellschaft: Lokomobile (112 PS).

Lokomotiven Hersteller Fabrik-Nr./Baujahr Bild Typ Bauart Spurweite LieferungJens Merte und Peter Klemt: Bahn-Express – Casseler Basalt Industrie, 34298 Helsa .Arthur Koppel 1899 150px 550 V B-el 600 mm Neu geliefert an Steinförderbahn der Herren Berneburg & Reuss, Helsa bei CasselSiemens & Halske / Freudenstein 1902 8,5 PS AA-el 600 mm Am 21. April 1902 geliefert an Basaltbruch Berneburg & Reuss, Helsa bei CasselAEG 488/1907 Bo-el 600 mm Neu geliefert an Casseler Basaltindustrie, Basaltwerke Hesselbühl-Kaufungen, HelsaAEG 511/1907 Bo 600 mm Neu geliefert an Casseler Basaltindustrie, Basaltwerke Hesselbühl-Kaufungen, HelsaAEG 1201/1911 37 PS, 220 V B-el 600 mm Neu geliefert an Basaltwerke Hesselbühl-KaufungenSiemens-Schuckertwerke 500/1912 Bo-e 600 mm Neu geliefert an Casseler Basalt, Werk HelsaDeutz 15532/1936Deutz OMZ 117 F, Nummer 15532, Baujahr 1936. B 600 mm Neu geliefert an MKM, für Allg. Bauges., Kassel, später Kasseler Basalt, Werk HelsaDiema 1289/1947 B-dm 600 mm Neu geliefert an Taunus Quarzit-Werke Köppern GmbH, Bad Homburg, später Kasseler Basalt Industrie, Werk HelsaGmeinder 3959/1944 B-dm 750 mm Neu geliefert an OKH, Eisenbahnpionierpark Hanau (Verlage­rung Schöma), später Casseler Basalt-Industrie, Werk HelsaO&K 25052/1950 B-dm 600 mm Neu geliefert von Schöma für Gewerkschaft Louise, Merlau/Hessen, später Casseler Basalt Industrie, Werk HelsaSchöma 1206/1950 B 600 mm Neu geliefert an O&K, Dortmund für Frankfurt, später Gew. Louise, Merlau, später Casseler Basalt-Ind., Werk Helsa

Literatur Andreas Roeder und Rainer Worbes: Basaltabbau im Stiftswald bei Helsa. Verlag Winfried Jenior, Kassel, ISBN 978-3-95978-046-9.

Einzelnachweise

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