Die Feldbahn des Basaltwerks Hesselbühl bei Witzenhausen war eine etwa 9,5 km lange elektrische Feldbahn mit 600 mm Spurweite vom Basaltsteinbruch Hesselbühl (heute Roter See) zum Bahnhof Witzenhausen.
Geschichte Der Steinbruch auf dem Langenberg, dessen hochwertiger Säulenbasalt im beginnenden 20. Jahrhundert weit über die Region hinaus für den Straßen- und Eisenbahnbau heiß begehrt war, wurde durch die Firma Casseler Basalt Industrie betrieben, die auch den Basaltsteinbruch bei Helsa betrieb.
Die elektrische Feldbahn transportierte das Gestein von den Brüchen Hesselbühl und Carmshausen – an der Straße nach Dohrenbach – durch Witzenhausen, dort über eine neue Brücke über den Fluss Werra und dann durch einen Lastenaufzug am sogenannten „Scheelen Esel“ zum Nordbahnhof. Obwohl die Stadtverordnetenversammlung am 9. Mai 1903 den Bau der Bahn mit großer Mehrheit abgelehnt hatte, wurde am 2. November 1904 die endgültige Baugenehmigung erteilt und daraufhin sofort mit dem Bau begonnen. Es gab an der Strecke auch Gleisanschlüsse für den Gelsterhof, der Papierfabrik Staffel sowie einer Haltestelle an der Ritz-Mühle. Nachdem die spektakuläre Werrabrücke errichtet worden war, konnte am 1. August 1905 der Betrieb beginnen.Silvia Kleps: Wie der Basaltbau den See bei Witzenhausen rot färbte. HNA, 28. Juli 2025.
Der Basaltabbau wurde 1912 eingestellt, nachdem das Vorkommen dort weitgehend erschöpft war und der benachbarte Basaltkegel des Bilsteins 1911 unter Naturschutz gestellt worden war, so dass ein Folgeabbau dort nicht zulässig war.
Lokomotiven
Die Lahmeyer-Elektrolokomotiven waren in erster Linie für die Beförderung von Güterwagen bestimmt. Der Kasten des Führerstands war aber so groß, dass auch noch einige Personen mitfahren konnten. Dafür waren an der Stirnseite des Wagenkastens Klappsitze für insgesamt 6 Fahrgäste angebracht.
Bei einer stetigen Steigung von 1:40 und einer größten Bruttolast von 9 t fuhren die ersten beiden Lokomotiven mit einer Geschwindigkeit von etwa 9,7 km/h. Die Zugkraft am Haken betrug normal etwa 1,6 kN und konnte bis etwa 3,20 kN gesteigert werden. Das Gewicht der Lokomotiven betrug jeweils etwa 4 t. Die Gleisanlage hatte 600 mm Spurweite und einen geringsten Krümmungsradius von rund 12 m. Der Radstand der Lokomotiven war 950 mm. Die Hebelbremse wirkte auf alle Räder. Der Rahmen und das Oberteil der Lokomotiven waren in Eisenblech ausgeführt. Die Gesamtlänge über Puffer betrug 3110 mm, die Höhe 2600 mm.
Für den Antrieb waren jeweils zwei Gleichstrommotoren für normal je 8 PS und maximal je 12 PS eingebaut, die bei 440 Volt mit 750 U/min durch einfaches Rädervorgelege auf die beiden Achsen der Lokomotive arbeiten, für die Stromzuführung wurden Bügelstromabnehmer eingesetzt. Der Fahrdraht lag 5 m über dem Gleis.M. Buhle: Elektrische Gruben- und Tages-Lokomotiven. In: Dingler's polytechnisches Journal, Band 319, Jahrgang 1904, S. 156.Jens Merte: Hesselbühler Basaltwerke, 37215 Witzenhausen-Carmshausen.
Hersteller Bild Leistung Bauart Spurweite LieferungLahmeyer 150px 16 PS Bo-el 600 mm Neu geliefert an Nordhäuser Elektrizitäts-Gesellschaft H. Unverzagt & Co., für Hesselbühler Basaltwerke, Carmshausen "I"Lahmeyer 16 PS Bo-el 600 mm Neu geliefert an Nordhäuser Elektrizitäts-Gesellschaft H. Unverzagt & Co., für Hesselbühler Basaltwerke, Carmshausen "II"Lahmeyer/Katharinahütte 34 PS Bo-el 600 mm Neu geliefert an Nordhäuser Elektrizitäts-Gesellschaft H. Unverzagt & Co., für Hesselbühler Basaltwerke, Carmshausen "III"
Dampfmaschinen Der Steinbrecher wurde mit zwei um 1909 von der Heinrich Lanz Aktiengesellschaft in Mannheim gelieferten Lokomobilen angetrieben (Normalleistung: 63 PS; Maximalleistung: 100 PS; 2 Zylinder; 2 Expansionsstufen; mit Kondensation).Albert Gieseler: Basaltwerk Hesselbühl-Kaufungen GmbH, Steinbruch Witzenhausen.Albert Gieseler: Heinrich Lanz Aktiengesellschaft: Lokomobile (63 PS).
Einzelnachweise
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