mini|hochkant|Paul Memmesheimer, 1993
Paul Artur Memmesheimer (* 12. August 1936 in Essen; † 14. Juli 2022 in Telgte) war ein deutscher Kunsthistoriker und Denkmalpfleger.Kaspar, S. 23–32; Mainzer; In: Denkmalpflege im Rheinland 4 (2022), S. 47f.; ders: in Denkmalpflege in Westfalen-Lippe 2 (2022), S. 50f.
Ausbildung Paul Artur Memmesheimer legte am Jesuitenkolleg in Büren (Westfalen) 1957 sein Abitur ab, um anschließend in Tübingen, Wien und Bonn Kunstgeschichte, Germanistik, Anglistik und Philosophie zu studieren. Nach seiner PromotionSiehe: Abschnitt Literatur – Werke. bei Herbert von Einem an der Universität Bonn war er wissenschaftlicher Assistent am dortigen Kunsthistorischen Institut.
Wirken 1971 wechselte er in das Rheinische Amt für Denkmalpflege und von dort 1974 – zunächst abgeordnet – in das damals für den Denkmalschutz und die Denkmalpflege zuständige Referat im Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, dessen Leitung er nach seiner Versetzung im Jahr 1975 übernahm. Seinerzeit entstand das erste nordrhein-westfälische Denkmalschutzgesetz, dessen Ausrichtung er mitgestaltete und in Kommentarwerken erläuterte.Siehe: Abschnitt Literatur – Werke.
Mit Inkrafttreten des Gesetzes 1980 wechselte Memmesheimer vom Kultusministerium in das neue geschaffene, nunmehr auch für Denkmalpflege und Denkmalschutz zuständige Ministerium für Landes- und Stadtentwicklung. In der Folgezeit änderte sich der Zuschnitt und der Name des Ministeriums mehrfach; Memmesheimer aber behielt seine Aufgaben in der Abteilung Stadtentwicklung, zuletzt als Leitender Ministerialrat in der Funktion eines Gruppenleiters, bis zum Ende seiner aktiven Dienstzeit 1995 bei.
Memmesheimer hat Theorie und Praxis von Denkmalschutz und Denkmalpflege, die Auslegung des nordrhein-westfälischen Denkmalrechts und den lange in Nordrhein-Westfalen geltenden politischen Leitsatz „Landesentwicklung verlangt Denkmalpflege“Zöpel, S. 8–19. entscheidend geprägt.
Stiftertätigkeit 2001 gründete Memmesheimer zusammen mit Fred Kaspar die „Stiftung Kleines Bürgerhaus“Kaspar u. Memmesheimer: Die Stiftung Kleines Bürgerhaus. Siehe Abschnitt Literatur – Werke. in der Treuhandschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Stiftungszweck ist der Erhalt der stiftungseigenen Baudenkmäler sowie die Bewusstseinsbildung für die architektonischen Zeugen der Alltagskultur vorangegangener Generationen.
Publikationen und Sammlerinteressen Neben der Kommentierung des nordrhein-westfälischen DenkmalrechtsSiehe: Abschnitt Literatur – Werke. war ein Schwerpunkt seines Forschungs- und Sammlerinteresses die romantische Landschaftsmalerei, die die „wilde Natur“ in den Alpen mit Wäldern, Wasserfällen und Gletschern zeigt. Auswahlkriterium beim Aufbau der Sammlung war nicht allein die künstlerische Qualität, sondern auch Fragen der Rezeption, weshalb sowohl eigenständige, großformatige Kompositionen als auch seriell erzeugte kleine Souvenirbilder zum Sammlungsbestand gehören. Zusammen dokumentieren sie Aspekte der Wohnvorstellungen und die Alpenbegeisterung bürgerlicher Schichten im 19. Jahrhundert. Seine Sammlung wurde der von ihm mitgegründeten „Stiftung Kleines Bürgerhaus“ übertragen und ist in Auswahl im stiftungseigenen Haus Poehlmahn in Vlotho an der Weser (Kreis Herford) öffentlich zugänglich. Die Sammlung ist zudem in einer durch ihn initiierten Publikation dokumentiert.Christoph Dautermann: Alpenbegeisterung im Spiegel der Malerei des 19. Jahrhunderts. Abbild oder Projektion? Hg. von der Stiftung „Kleines Bürgerhaus“. Imhof, Petersberg 2016. ISBN 978-3-7319-0341-3
Ehrungen und Auszeichnungen 1990 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. aufgrund seiner Verdienste um die kirchliche Denkmalpflege zum Ritter des Ordens vom Heiligen Silvester.
Literatur Werke nach Erscheinungsjahr geordnet
Paul Memmesheimer: Das Musikleben im Kolleg von 1949–1954. In: Edel- und Freiherr Moritz von Büren S. J. Festschrift zum 350. Geburtstag. Büren 1954, S. 63–65. Das klassizistische Grabmal. Eine Typologie. Dissertation phil. (masch.-schriftlich), Bonn 1968.Nachweis im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek zusammen mit Hans-Georg Gahlen und Horst Dieter Schönstein: Denkmalrecht Nordrhein-Westfalen: Kommentar. Deutscher Gemeindeverlag, Köln, 1. Auflage 1981, ISBN 3-555-30190-X; 2. neubearbeitete und erweiterte Auflage unter Mitarbeit von Dieter Upmeier und Horst Dieter Schönstein, Köln 1989, ISBN 3-555-30269-8. zusammen mit Fred Kaspar: Die Stiftung Kleines Bürgerhaus: Ziele, Aktivitäten und Impulse. In: Fred Kaspar (Hg.): Zum Leben, Wohnen und Wirtschaften in historischen Bürgerhäusern (= Einblicke Bd. 2). Imhof, Petersberg 2012. ISBN 978-3-86568-825-5, S. 28–39. Fünf Jahre Denkmalschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen. In: Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland 1985 in Wuppertal. Köln / Bonn 1985, S. 9–10. Walter Bader 1901–1986. In: Deutsche Kunst- und Denkmalpflege 44 (1986), S. 236–238. Kirchliche Denkmalpflege – eine gemeinsame Aufgabe des Landes und der Kirchen. In: Denkschrift zur Feier der Grundsteinlegung am 7. Oktober 1987, St. Maria zur Wiese, Soest (= Veröffentlichungen der Bauhütte Heft 2 – 1987), S. 13/14. zusammen mit Christoph Zöpel: Denkmalschutz im Ruhrgebiet. In: Bruno J. Sobotka (Hg.): Haus Herbede in Witten. Witten 1988, S. 21–44. Von der Rettung eines wichtigen Baudenkmals. Laudatio anlässlich der erstmaligen Verleihung des Rheinischen Denkmalpreises an das Stadtbad in Viersen an der Burgstraße am 20. April 1997. In: Heimatbuch des Kreises Viersen 49 (1998), S. 271–275. Dr. Hannelore Scheller. Lebensbild einer Stifterin. In: Einblicke. Schriften der Stiftung Kleines Bürgerhaus, Band 2. Imhof, Petersberg 2012, S. 19–24. Zustiftung: Anneliese Korte, ihr kleines Haus und das Brand-Poehlmann-Haus in Vlotho. In: Einblicke. Schriften der Stiftung Kleines Bürgerhaus, Band 3. Imhof, Petersberg 2014, S. 17–20. Fast Alltägliches aus der Denkmalpflege, in: Reinhard Grätz / Helmut Lange / Hermann-Josef Beu (Hg.), Denkmalschutz und Denkmalpflege. 10 Jahre Denkmalschutzgesetz NRW. Köln, Bonn 1991, S. 55–63.
Sekundärliteratur Fred Kaspar: Der Denkmalpfleger und sein Haus. Paul Artur Memmesheimer und das Haus Königstraße 6 in Telgte. In: Gisbert Knopp (Hg.): Die Kunst der Denkmalpflege (= Festschrift für Paul Artur Memmesheimer zum 70. Geburtstag). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2006. ISBN 978-3-88462-238-4, S. 23–32. Ursula Linnenweber: Paul Artur Memmesheimer. In: Gisbert Knopp (Hg.): Die Kunst der Denkmalpflege (= Festschrift für Paul Artur Memmesheimer zum 70. Geburtstag). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2006. ISBN 978-3-88462-238-4, S. 20–23. Udo Mainzer: In Gedenken an Dr. Paul Artur Memmesheimer. In: Denkmalpflege im Rheinland 4 (2022), S. 47f. Udo Mainzer: In Gedenken an Dr. Paul Artur Memmesheimer. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe 2 (2022), S. 50f. Christoph Zöpel: Zehn Jahre als „Denkmalminister“ mit Paul Artur Memmesheimer. Denkmalschutz in der 1980er Jahren. In: Gisbert Knopp (Hg.): Die Kunst der Denkmalpflege (= Festschrift für Paul Artur Memmesheimer zum 70. Geburtstag). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2006. ISBN 978-3-88462-238-4, S. 8–19.
Weblinks Stiftung Kleines Bürgerhaus auf der Homepage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Einzelnachweise
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