Mutter Courage und ihre Kinder ist ein unvollendeter DEFA-Film von Wolfgang Staudte von 1955, der in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht nach dessen gleichnamigen Drama entstehen sollte. Zu den Darstellern gehörten Helene Weigel, Ekkehard Schall und Simone Signoret.

Handlung Die Marketenderin, die Mutter Courage genannt wird, zieht mit ihrem Wagen und ihren drei Kindern im Dreißigjährigen Krieg ab 1624 mit den schwedischen Truppen durch Finnland und Polen. Sie versucht dabei gute Geschäfte zu machen, verliert aber in der folgenden Zeit ihre beiden Söhne.

Hintergründe Vorgeschichte

Bertolt Brecht hatte seit 1948 Pläne, sein 1938/39 geschriebenes und 1941 uraufgeführtes Drama Mutter Courage und ihre Kinder zu verfilmen. Doch mehrere Versuche mit dem Regisseur Erich Engel scheiterten, was letztendlich zu dessen Rückzug Mitte 1954 führte. Daraufhin fragte die DEFA-Studioleitung den bekannten Regisseur Wolfgang Staudte, der mit seinen Filmen Die Mörder sind unter uns und Der Untertan internationale Aufmerksamkeit erhalten hatte. Dieser war überrascht, da er über die enge Beziehung von Engel zu Brecht wusste, sagte aber zu.

Im November 1954 wurden die Verträge mit der DEFA geschlossen, als deren zweite Koproduktion mit der schwedischen Produktionsgesellschaft Pandora Film.Bertolt Brecht. Prosa 5. Berliner und Frankfurter Ausgabe, Band 20, S. 591–593; mit einigen Details, Brecht erhielt 10.000 Dollar und 20.000 DM für die Weltfilmrechte, Mitspracherecht bei Besetzung und Inhalt und die Dialogtexte als Autor Die Produktionskosten wurden auf drei Millionen DM veranschlagt, es wurden die bekannten französischen Schauspieler Simone Signoret als Lagerhure Yvette und Bernard Blier in Nebenrollen engagiert, auch die Kostümentwürfe waren aus Frankreich. Die Hauptrollen spielten wie in der Brecht-Inszenierung im Theater am Schiffbauerdamm Helene Weigel, die Ehefrau von Brecht, als Mutter Courage und Ekkehard Schall als deren Sohn Eilif.

Dreharbeiten und Abbruch Am 18. August begannen die Dreharbeiten. Es kam bald zu stärkeren Konflikten zwischen dem Regisseur und dem Autor, da Staudte eine opulente publikumswirksame farbige Verfilmung wollte, Brecht aber auf seinem kargen Theaterkonzept in schwarzweiß beharrte.Brecht. Braun eingefärbt, in Der Spiegel vom 20. Januar 1960, S. 49–50, mit einigen Angaben Anfang September wurden die Dreharbeiten abgebrochen, am 8. September erklärte Staudte noch einmal schriftlich seine Sichtweise und zog sich am 21. September 1955 offiziell aus dem Projekt zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1,4 Millionen DM ausgegeben (darunter das Honorar von 120.000 DM für Simone Signoret und 80.000 DM für Bernard Blier) und 21 Minuten gedreht. Vermittlungsversuche auch aus dem Politbüro blieben ergebnislos.

Weitere Folgen Auch weitere Versuche einer Verfilmung waren bis zu Brechts Tod 1956 erfolglos. 1957 gab es eine Fernsehaufzeichnung der Inszenierung am Theater am Schiffbauerdamm und 1961 endlich eine DEFA-Verfilmung mit Manfred Wekwerth und Peter Palitzsch.

Die Filmaufnahmen von 1955 wurden bis in die 1960er Jahre an der Filmhochschule Babelsberg als Anschauungsmaterial gezeigt und verschwanden danach. In der Gegenwart sind nur noch einige Szenenfotos, die Drehbücher, sowie farbige Szenenbild- und Kostümentwürfe erhalten. Letztere wurden um 2020 im Filmmuseum Potsdam ausgestellt.Mutter Courage und ihre Kinder. Der Film von 1955 Filmmuseum Potsdam, mit Fotos

Literatur Ingrid Poss, Peter warnecke: Spur der Filme. Zeitzeugen über die DEFA. 2. Auflage. Ch. Links, Berlin 2006. S. 100–104, mit Einzelheiten Joachim Lang: Episches Theater als Film. Bühnenstücke Bertolt Brechts in den audiovisuellen Medien. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006. S. 232–234

Weblinks

Szenenfoto mit Simone Signoret 1985

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1956 Kategorie:Bertolt-Brecht-Verfilmung Kategorie:DDR-Film