mini|Stefano della Bella: Porträt der Marguerite Costa, Radierung, 1620–1664, 177 × 130 mm. Rijksmuseum, Amsterdam Margherita Costa (* um 1600 in Rom; † nach dem 4. Mai 1657) war eine italienische Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin des Barock. Sie gilt als eine der produktivsten italienischen Autorinnen des 17. Jahrhunderts und verfasste die erste überlieferte Komödie einer Frau.

Leben

Herkunft und Quellenlage

Margherita Costa wurde nach eigenen und fremden Angaben um das Jahr 1600 in Rom geboren. Ein Theateragent, der sie 1646 in einem Brief erwähnte, gab ihr Alter mit 47 Jahren an, was auf ein Geburtsjahr 1598 oder 1599 schließen lässt. Ein genaues Datum ist jedoch nicht überliefert. Laut ihrem eigenen, 1635 in Rom aufgesetzten Testament war sie die älteste Tochter eines Cristoforo Costa und seiner Frau Dorotea. Als Geschwister werden in dieser Quelle genannt: die Schwester Anna Francesca, genannt Checca, ebenfalls Sängerin, eine weitere Schwester namens Anna, die später ins Kloster eintrat, sowie der Bruder Paolo. Aus demselben Testament geht hervor, dass Margherita Costa zu diesem Zeitpunkt in Rom offiziell als Prostituierte registriert war und diesem Gewerbe bereits seit mindestens zehn, wahrscheinlich seit annähernd zwanzig Jahren nachging.

Rom und früher Werdegang

Margherita Costa begann ihre Laufbahn gemeinsam mit ihrer Schwester Anna Francesca als Sängerin in Rom, wo beide unter der Protektion römischer Adelsfamilien, darunter der Familie Aldobrandini, standen. Für den 12. Februar 1626 ist ihre Beteiligung an der Uraufführung der Oper La catena d’Adone im Palazzo Conti in Rom dokumentiert. Die ursprünglich für Margherita und Checca Costa vorgesehenen Partien wurden auf Einspruch Ippolita Ludovisis, der Ehefrau des Auftraggebers aus dem Hause Aldobrandini, kurzfristig mit Kastraten der päpstlichen Cappella Sistina besetzt.

Um 1628 zog Margherita Costa nach Florenz, wo sie unter der Protektion des Großherzogs Ferdinando II. de’ Medici, seiner Gemahlin Vittoria della Rovere sowie weiterer Mitglieder des Hauses Medici stand. In diese Zeit fällt der Beginn ihrer literarischen Laufbahn. Möglicherweise heiratete sie in Florenz den Hofnarren Bernardino Ricci, genannt Tedeschino und Cavaliere del Piacere, dem sie 1641 ihre Komödie Li buffoni widmete. Belastbare Belege für eine tatsächliche Eheschließung liegen jedoch nicht vor. Zwischen 1638 und 1641 veröffentlichte Costa in Florenz den überwiegenden Teil ihres Frühwerks. Unter ihrem Namen erschien zudem eine historische Darstellung der Reise des Großherzogs Ferdinando II. nach Deutschland (Istoria del viaggio d’Alemagna del Serenissimo Gran Duca di Toscana Ferdinando Secondo), deren genaues Erscheinungsjahr in der Forschung nicht abschließend geklärt ist. Da Margherita Costa angab, ihre Informationen von einem Mitglied des großherzoglichen Hofes erhalten zu haben, wurde ihr von Kritikern vorgeworfen, das Werk nicht eigenständig verfasst zu haben.

Rom, Turin und Paris (1644–1647)

1644 verließ Margherita Costa Florenz und kehrte nach Rom zurück, wo sie unter der Protektion von Kardinal Francesco Barberini stand. Ihr hagiographisches Versepos Cecilia martire über die heilige Cäcilia, die Patronin der Musik, widmete sie ihm. Im Folgejahr übernahm sie kurzzeitig eine Stelle als Sängerin am Hof der Herzogin Christine von Savoyen in Turin. Im selben Jahr wurde sie gemeinsam mit ihrer Schwester über den Marchese Bentivoglio im Auftrag Kardinal Mazarins für den französischen Hof angeworben. Am 2. März 1647 sang sie bei der Uraufführung von Luigi Rossis Oper Orfeo am Théâtre du Palais-Royal in Paris die Partie der Giunone, während ihre Schwester Anna Francesca die Euridice verkörperte. Ein zeitgenössischer Bericht an den Großherzog der Toskana lobte ihren Gesang und ihre Ausstrahlung gegenüber der Königin. Für Kardinal Mazarin verfasste sie zudem das Libretto zu einem nicht aufgeführten Reiterballett (Festa reale per balletto a cavallo), das nur handschriftlich überliefert ist.

In den frühen 1650er-Jahren war sie in Venedig tätig, wo sie weitere Werke veröffentlichte. Die letzte datierbare Spur ihres Lebens ist ein Brief mit einem beigefügten Gedicht an Mario Chigi vom 4. Mai 1657, der sich in der Biblioteca Apostolica Vaticana (Chigi I.VII.273) erhalten hat. In der wissenschaftlichen Literatur wird ihr Sterbedatum daher einheitlich mit nach 1657 angegeben.

Werk mini|Margherita Costas Li buffoni, comedia ridicola, Florenz 1641. Die Darstellung zeigt eine Theaterszene mit Schauspielern und Bühnenbild Margherita Costa gilt als eine der produktivsten Autorinnen des italienischen Seicento. Zwischen 1630 und 1654 veröffentlichte sie vierzehn eigenständige, im Druck erschienene Werke in einer für eine Frau ihrer Zeit ungewöhnlichen Bandbreite an Gattungen. In der Forschung wird ihr Gesamtwerk üblicherweise mit sechs Gedichtbänden, zwei Prosawerken, drei Dramen, zwei erzählenden Versdichtungen und einem allegorischen Reiterspektakel in Versen beziffert.

Zu ihren Werken zählen unter anderem:

Il violino (Gedichte, Florenz 1638), gewidmet dem Großherzog Ferdinando II. de’ Medici La chitarra (Gedichte, Florenz 1638) Lo stipo (Gedichte, Florenz/Venedig 1639) Lettere amorose (Prosabriefe, Venedig 1639), gewidmet der Contessa Isabella Malvezzi Flora feconda (mythologisches Epos, Florenz 1640), das Costa anschließend in einer dramatischen Fassung unter demselben Titel neu bearbeitete, die möglicherweise für eine musikalische Aufführung bestimmt war La selva di cipressi, opera lugubre (Florenz 1640) Li Buffoni, Commedia Ridicola (Florenz 1641), nach heutigem Kenntnisstand die erste in Italien im Druck erschienene Commedia Ridicola einer Autorin. Die an der Medici-Hofgesellschaft orientierte parodistische Komödie wurde 2018 in zweisprachiger kritischer Ausgabe erneut vorgelegt. Istoria del viaggio d’Alemagna del Serenissimo Gran Duca di Toscana Ferdinando Secondo (historische Prosaschrift, undatiert, nach 1628) Festa reale per balletto a cavallo (handschriftliches Libretto für ein Reiterballett, Kardinal Mazarin gewidmet) Cecilia martire (hagiographisches Versepos, gewidmet Kardinal Francesco Barberini) La tromba di Parnaso und La selva di Diana (spätere Gedichtbände) Gl'amori della luna (Schäferlibretto) Ein weiteres, nicht näher spezifiziertes Ballett aus der venezianischen Schaffensphase der frühen 1650er-Jahre

Rezeption

Margherita Costas Werk stieß bereits bei früheren Kommentatoren auf ein geteiltes Echo: Ihre außergewöhnliche literarische Produktivität und ihre Position an bedeutenden Höfen Europas wurden anerkannt, ihre Dichtung jedoch von Teilen der älteren Forschung – etwa von Martino Capucci im Dizionario Biografico degli Italiani (1984) – vorwiegend unter sozial- und sittengeschichtlichem Aspekt betrachtet und literarisch gering geschätzt.

Seit den 2000er-Jahren ist Costas Werk Gegenstand einer intensiveren literatur- und musikwissenschaftlichen Neubewertung, die insbesondere ihre Selbstinszenierung als virtuosa, ihre Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und ihre Stellung innerhalb der frühneuzeitlichen Frauenliteratur untersucht. Zu den zentralen Beiträgen dieser Neubewertung zählen die zweisprachige kritische Ausgabe ihrer Komödie Li buffoni (2018), die Monografie von Jessica Goethals (2023) sowie die Dissertation von Anna-Luise Wagner (Universität Cambridge). Im deutschsprachigen Raum wurde Costa 2023 durch Christine Wunnickes zweisprachige, kommentierte Werkauswahl einem breiteren Publikum bekannt.

Literatur

Christine Wunnicke: Margherita Costa: Die schöne Frau bedarf der Zügel nicht. Porträt, Werkauswahl und Übersetzung aus dem Italienischen. Berenberg Verlag, Berlin 2023.

Jessica Goethals: Margherita Costa, Diva of the Baroque Court. University of Toronto Press, Toronto 2023. Margherita Costa: The Buffoons, A Ridiculous Comedy: A Bilingual Edition. Hrsg. und übersetzt von Sara E. Díaz und Jessica Goethals. The Other Voice in Early Modern Europe: The Toronto Series. Iter Press, Toronto 2018. Courtney Quaintance: Performing Women: Opera, Sexuality, and the Female Voice in Seventeenth-Century Italy.Dissertation, Sapienza Università di Roma, 2022. Teresa Megale: Sorelle, cantanti, rivali. I teatri di Margherita e Anna Francesca Costa nel primo Seicento. In: altrelettere, 12, 2023, S. 65–89

Weblinks

Christine Wunnicke über die wilde Margherita Costa (1600-1647) Courtney Quaintance: Performing Women: Opera, Sexuality, and the Female Voice in Seventeenth-Century Italy.Dissertation, Sapienza Università di Roma, 2022

Einzelnachweise

Kategorie:Sänger klassischer Musik Kategorie:Opernsänger Kategorie:Literatur (Italienisch) Kategorie:Literatur (17. Jahrhundert) Kategorie:Person (Rom) Kategorie:Person (Florenz) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 17. Jahrhundert Kategorie:Frau