Die Desert Flower Foundation (DFF) ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die sich weltweit für ein Ende der weiblichen Genitalverstümmelung (englisch: Female Genital Mutilation, FGM) einsetzt. Die Organisation, von der Rechtsform als gemeinnütziger Verein geführt, wurde von der somalisch-österreichischen Menschenrechtsaktivistin und ehemaligen Model Waris Dirie 2002 in Wien gegründet. Zunächst als Waris Dirie Foundation, die Umbenennung in Desert Flower Foundation erfolgte im Jahr 2010. Die Organisation hat seit der Gründung 2002 den Sitz in Wien und finanziert sich durch private Spenden.
Gründungsgeschichte Das Thema weibliche Genitalverstümmelung wurde Ende der 1990er-Jahre durch Waris Dirie, die ihre persönlichen Erfahrungen mit FGM in Interviews öffentlich gemacht hatte, erstmals einem breiten Publikum bekannt. Im Jahr 1997 ernannte sie der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan zur UN-Sonderbotschafterin gegen weibliche Genitalverstümmelung. Durch Waris Diries Autobiografie Wüstenblume (Erstveröffentlichung 1998 mit Co-Autorin Cathleen Miller) und die namensgleiche filmische Adaptierung von Filmregisseurin und Drehbuchautorin Sherry Hormann 2009 erlangte FGM zusätzlich weltweite Aufmerksamkeit.
Im Jahr 2002 gründete Waris Dirie mit Unterstützern die Foundation in Wien. Die spätere Namensänderung von Waris Dirie Foundation zu Desert Flower Foundation hatte nach Angaben der Organisation zum Ziel, sich breiter aufzustellen. Der Kampf gegen FGM sollte nicht als rein persönliches Anliegen von Waris Dirie verstanden werden.
Schwerpunkte der Arbeit Die Desert Flower Foundation engagiert sich in den Bereichen Prävention, finanzielle Unterstützung FGM gefährdeter Mädchen und medizinische und psychosoziale Betreuung betroffener Frauen. Durch öffentlichkeitswirksame Projekte, Aktionen und Kampagnen soll die Gesellschaft für das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung sensibilisiert werden. Internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) oder der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) stufen weibliche Genitalverstümmelung als Menschenrechtsverletzung mit langfristigen schweren gesundheitlichen Problemen ein.
Patenschaftsprojekt „Rette eine kleine Wüstenblume“ Zu den wichtigsten Arbeitsfeldern der Foundation zählen ein Patenschaftsprogramm, die Bildungsprojekte mit dem Bau von Schulen in Afrika und die Desert Flower Center. Im Rahmen des Patenschaftsprogramms „Rette eine kleine Wüstenblume“ werden Verträge mit Familien von gefährdeten Mädchen abgeschlossen. Die Eltern verpflichten sich, ihre Töchter weder genital zu beschneiden noch in eine Kinderheirat zu drängen. Im Gegenzug erhält die Familie monatlich finanzielle Unterstützung, mit der auch der Schulbesuch der Mädchen ermöglicht wird.
Die Idee für ein Patenschaftsprojekt ist ursprünglich bei den Dreharbeiten zum Film Wüstenblume in Dschibuti entstanden. Safa, ein Mädchen aus dem Slum in Dschibuti, wird für die Verfilmung gecastet und verkörpert Foundation-Gründerin Waris Dirie als kleines Kind in der Genitalbeschneidungs-Szene. Doch auch im wirklichen Leben droht dem Mädchen dasselbe Schicksal. Die Foundation übernimmt die Patenschaft für Safa und bewahrt sie so vor dem Eingriff. Die Geschichte wird 2014 zum Buch Safa – Die Rettung der kleinen Wüstenblume.
Für die Desert Flower Foundation ist neben strengen Gesetzen die Bildung für Mädchen und Frauen das entscheidende Werkzeug, um FGM nachhaltig zu beenden. Diese Annahme deckt sich auch mit den Strategien von internationalen Organisationen wie UNICEF und UNFPA, die Bildung immer wieder als ein wirksames Mittel bei der langfristigen Bekämpfung von FGM anführen.
Bildungsprojekte in Afrika Um die Aufmerksamkeit für die Mission zu erhöhen und noch mehr Bewusstsein für die Bekämpfung von weiblicher Genitalverstümmelung zu schaffen, setzt die Desert Flower Foundation auf die Zusammenarbeit mit Testimonials, etwa beim Bau von Schulen in Afrika. So wurde Anfang 2020 im westafrikanischen Sierra Leone die Kiera Chaplin Desert Flower Schule eröffnet. Schirmherrin der Bildungseinrichtung ist Kiera Chaplin, eine Enkelin von Charlie Chaplin.
Zusätzlich unterstützen Mittel aus Nachlässen und Erbschaften die Umsetzung von weiteren Hilfsprojekten. Dazu zählen auch Programme zur Verteilung von Unterrichtsmaterialien an afrikanischen Schulen unter anderem in Sierra Leone und Tansania.
Desert Flower Center Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der Organisation ist die ganzheitliche Betreuung von Frauen, die bereits von FGM betroffen sind. In Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Waldfriede in Berlin wurde 2013 das erste Desert Flower Center eröffnet. Die Behandlung im Desert Flower Center in Berlin umfasst unter anderem rekonstruktive Operationen an den weiblichen Genitalien nach erfolgter Verstümmelung, gynäkologische Versorgung, psychologische Betreuung sowie psychosoziale Unterstützung. Die Berliner Einrichtung wurde in der öffentlichen Wahrnehmung als wichtiger Schritt in der Behandlung von Frauen eingestuft, die unter den langfristigen körperlichen und psychischen Folgen von FGM leiden.
Im Jahr 2016 wurde das Desert Flower Center Berlin für seine Arbeit mit der Louise-Schroeder-Medaille des Berliner Abgeordnetenhauses ausgezeichnet.
Nach dem Berliner Vorbild entstanden in Folge weitere Desert Flower Center in Kooperation mit medizinischen Einrichtungen in Europa. Dazu zählen Projekte mit Partnerinstitutionen in Paris, Stockholm und Amsterdam.
Weblinks
Offizielle Website Desert Flower Foundation
Offizielle Website Desert Flower Center Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Verein (Wien) Kategorie:Vereinsgründung 2002 Kategorie:Gewalt gegen Frauen Kategorie:Sexualität und Recht Kategorie:Beschneidung Kategorie:Gesundheitspolitik Kategorie:Gynäkologie und Geburtshilfe Kategorie:Körpermodifikation Kategorie:Menschenrechte Kategorie:Kinderrechte Kategorie:Frauenrechte Kategorie:Passageritus Kategorie:Vulva