I Rarely Wake Up Dreaming (Deutscher Titel: Selten wache ich träumend auf) ist ein Deutsch-Ukrainischer Film der Regisseurin Isabelle Stever, nach einem Drehbuch von Anna Melikova, aus dem Jahr 2026. Der Film hatte am 7. August 2026 seine Weltpremiere im Concorso Internazionale des 79. Locarno Film Festival im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden. Die nordamerikanische Premiere findet in der "Main Slate" des New York Film Festivals 2026 statt.

Handlung

Olya und Oleh feiern den Jahreswechsel 2021/2022 in Kiew. Oleh, ein trans Mann aus Odessa, lebt mit Olya in der Hauptstadt. Olha hat sich bisher als lesbisch gesehen. Kürzlich hat Oleh einen neuen Pass erhalten, in dem sein Name und Geschlecht nun als männlich eingetragen sind. Spontan macht Olya ihm einen Heiratsantrag. Dank des neuen Geschlechtseintrags können sie jetzt als Mann und Frau heiraten. Olyas Eltern freuen sich über die geplante Hochzeit und drängen das Paar auf Enkelkinder.

Mit dem russischen Großangriff und den ersten Luftschlägen ändert sich alles. Der Krieg bleibt im Film meist unsichtbar, er zeigt sich nur in Nachrichten, Explosionen und den Reaktionen der Figuren.

Olya, Oleh und Olyas Familie versuchen, die Ukraine zu verlassen. Doch an der Grenze dürfen Männer zwischen 18 und 60 Jahren wegen des Kriegsrechts nicht ausreisen. Da Oleh amtlich als Mann gilt, betrifft ihn diese Regel.

Olya drängt Oleh, bei den Behörden wieder seine frühere weibliche Identität anzugeben, um die Ausreise zu ermöglichen. An der Grenze kommt es zum Konflikt mit Beamtinnen. Oleh darf das Land nicht verlassen. Sie fahren zu Olyas Schwester, die in der Westukraine lebt, und dort spüren sie immer mehr den Druck: Oleh wird öffentlich vorgeworfen, nicht an der Front zu kämpfen. Gleichzeitig hadert Olya mit ihrer neuen Rolle in einer gesellschaftlich als heterosexuell wahrgenommenen Beziehung, da sie sich ihr Leben lang als lesbisch verstanden hat.

Produktion X Filme Creative Pool produzierte mit Tom Tykwer und Uwe Schott. Koproduzentinnen waren Natalia Libet und Olha Bregman von der ukrainischen 2Brave Productions. Gedreht wurde vom 11. Dezember 2024 bis 26. Mai 2025 in Kiew und Köln. X Verleih plant den deutschen Kinostart für 2027.

Anna Melikova plante zunächst, ein Drehbuch über ein befreundetes queeres Paar zu schreiben und zu zeigen, wie die Transition eines Partners ihre Beziehung verändert. Melikova sprach mit Freundinnen und Freunden über ihre Erlebnisse in den ersten Kriegswochen und verknüpfte diese mit der ursprünglichen Beziehungsgeschichte. Das Drehbuch entwickelte sie unter anderem bei Berlinale Talents, Sarajevo Talents und während einer Residenz in Košice.

Das Sounddesign übernahm der Kölner Filmtonmeister Andreas Hildebrandt.

Isabelle Stever besetzte zentrale Rollen mit Laiendarstellern. Sie begründet diese Arbeitsweise mit der Möglichkeit, Persönlichkeit und eigene Erfahrung der Darstellenden in den Film einfließen zu lassen. Auch die Entscheidung, tatsächlich in Kiew statt überwiegend in Deutschland zu drehen, hing für sie damit zusammen. Reale Orte sollten den Darstellenden ermöglichen, authentischer zu agieren.

Rezeption Peter Bradshaw schreibt in The Guardian über I Rarely Wake Up Dreaming als mutigen, provokanten Film und brillanten Bericht von der ukrainischen Front. Er arbeitet heraus, dass Isabelle Stever und Anna Melikova Glaubens- und Wertesysteme durch die Konfrontation mit einer Krise auf die Probe stellen. Besonders beeindruckt ihn die Wendung, dass Olehs Transition, einst in Friedenszeiten beschlossen, durch den Krieg eine völlig neue Bedeutung erhält.

Guy Lodge betont in Variety die ungewöhnliche Perspektive und kühne Gestaltung des Films über den russischen Angriffskrieg. Entscheidend ist für ihn, dass der Film den Blick auf Lebensrealitäten richtet, die in bisherigen filmischen Darstellungen des Krieges kaum sichtbar sind. Lodge erkennt zudem den Widerspruch, dass eine Gesellschaft selbst Opfer von Verfolgung sein und zugleich marginalisierte Gruppen in ihrer Mitte diskriminieren kann.

Der ukrainische Filmkritiker Dmytro Deshenyk nannte I Rarely Wake Up Dreaming in der Ukrainischen Prawda Kultura den bislang besten Film über den russischen Großangriff. Er lobte Stevers nuancierte und zurückhaltende Regie, die Wut, Zärtlichkeit, Verzweiflung und Freude spürbar macht, ohne ins Theatralische abzugleiten. Besonders hob er die authentische Darstellung des ukrainischen Alltags hervor, in der er keine falschen Töne oder Unstimmigkeiten fand und die er auch der Arbeit der ukrainischen Drehbuchautorin Anna Melikova zuschrieb.

Lida Bach kritisiert in Moviebreak, dass Olehs Transidentität innerhalb der innigen Liebe als destruktive Invasionskraft erscheint, die nur überwunden werden kann, wenn er ganz einem reaktionären Männlichkeitsideal entsprechen würde. Seine temporäre Distanzierung würde ein konformistisches Konzept der heteronormativen Kernfamilie unterstützen. Dabei beschreibt sie die darstellerischen Leistungen von Tania Myronyshena und Markus Bright als nuanciert, wobei sie das Nebeneinander von Stärke und Verletzlichkeit hervorhebt.

Auszeichnungen Die unabhängige Jugend-Jury des Filmfestival Locarno zeichnete I Rarely Wake Up Dreaming mit dem Preis "L'ambiente è qualità di vida" (Die Umwelt ist Lebensqualität) für besonderes Umweltbewusstsein aus.

Weblinks

I Rarely Wake Up Dreaming im Katholischen Filmdienst Selten wache ich träumend auf im filmportal Offizielle Seite zum Film

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Ukrainischer Film Kategorie:Transgeschlechtlichkeit im Film Kategorie:Filmdrama