Meinrad Nikolaus Filgis, vertraulich auch Meinrad Nik Filgis oder Nik Filgis (* 6. Dezember 1939 in Stadtbergen; † 28. September 2021 in Langenbrettach), war ein deutscher Architekt, Bauforscher und Archäologe mit Spezialisierung auf die Provinzialrömische Archäologie.
Jugend und Ausbildung Meinrad Filgis wurde als zweites von vier Kindern geboren. Bedingt durch die schwierigen Umstände der Nachkriegszeit absolvierte er nach dem Volksschulabschluss zunächst eine Lehre als Feinmechaniker und arbeitete eine Zeit lang bei einer Firma für Registrierkassen und Buchungsmaschinen. Auslandseinsätze für diese Firma bewegten ihn dazu, sich weiter zu qualifizieren. Zunächst erlangte er in Pforzheim die Mittlere Reife und anschließend am Hessenkolleg Frankfurt das Abitur. Im Jahr 1967 ließ er sich an der Universität Karlsruhe immatrikulieren, wo er bis 1974 Architektur mit dem Schwerpunkt Baugeschichte studierte. Von 1974 bis 1976 arbeitete er zunächst als Praktikant, dann als Angestellter bei einem Karlsruher Architekturbüro, was mit zahlreichen Auslandseinsätzen verbunden war, bei denen er verschiedene historische und kulturelle Bautraditionen kennenlernte. Von 1976 bis 1982 war Filgis als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe tätig und arbeitete in den Semesterferien auf archäologischen Ausgrabungen an der Sonnenuhr des Augustus in Rom sowie im antiken Pergamon mit, woraus seine Dissertation zum Heroon von Pergamon entstand,Meinrad N. Filgis: Die Stadtgrabung. Teil 1, Das Heroon (= Altertümer von Pergamon, Band 15, Teil 1). De Gruyter, Berlin 1986. mit der er 1983 promoviert wurde.Klaus Kortüm: Meinrad „Nik“ Filgis 6.12.1939 – 28.9.2021. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Band 41, 2021/2022. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Esslingen 2022, ISBN 978-3-942227-56-8, S. 531–533 (Digitalisat).
Wirken Nach seiner Promotion wechselte Meinrad Filgis 1983 zum Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, wo er bis zu seiner Pensionierung 2005 tätig blieb. Zunächst leitete er zusammen mit Martin Pietsch die umfangreichen Rettungsgrabungen im römischen Vicus von Bad Wimpfen.Meinrad N. Filgis, Martin Pietsch: Die römische Stadt von Wimpfen im Tal, Kr. Heilbronn. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 14. Jg. 1985, Heft 3, S. 168–177 (Digitalisat). Nach dem Ende der Feldaktivitäten in Wimpfen übernahm er 1987 am Landesdenkmalamt die neu geschaffene Stelle für archäologische Bauforschung, auf der er sich zunächst vor allem der Auswertung der Wimpfener Befunde widmete, die er in mehreren Schriften auch international publizierte.Beispielsweise: Römische Darre aus Bad Wimpfen im Vergleich mit rezenten Beispielen aus Altheim und Wackershofen. In: Archeologia. Rocznik Instytutu archeologii i etnologii Polskiej akademii nauk, Band 43, S. 53–62. In den folgenden Jahren machte er sich um die Erhaltung und Präsentation archäologischer Fundstätten, hauptsächlich aus der Römerzeit verdient. Dazu zählten unter anderem die Heidenheimer Thermen,Museum im Römerbad auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Heidenheim, abgerufen am 20. August 2026. die Latrine von Sumelocenna,Römische Latrine auf nat.museum-digital.de, abgerufen am 20. August 2026. das Römerhaus Walheim, die Villa rustica in Hirschberg-Großsachsen,Villa Rustica Hirschberg auf roemer-tour.de, abgerufen am 20. August 2026. die Thermen in BrigobannisRömische Badruine Hüfingen auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Hüfingen, abgerufen am 20. August 2026. und die Römischen Badruinen Baden-Baden.Römische Badruinen, Museum für antike Badekultur auf friedrichsbad.de, abgerufen am 20. August 2026.
Von 1995 bis 2002 begleitete er den Rückbau des alten Schutzbaus und die Anlage einer neuen Überdachung der Thermen von Badenweiler, führte dort Sondierungsgrabungen zur Klärung offener Fragen durch und erarbeitete eine neue Rekonstruktion. Daneben erstellte er Rekonstruktionsvorschläge für die Befunde verschiedener Epochen, wie die Rekonstruktion eines spätkeltischen Gebäudes in der Viereckschanze von Bopfingen,Ipf-Museum Bopfingen, abgerufen am 20. August 2026. eines Brunnens im Ostkastell Welzheim und vor allem der 1:1-Rekonstruktion des Limestores Dalkingen zur Großen Landesausstellung „Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau“ 2005 in Stuttgart. Auch an den Vorbereitungen des Antrags zur Erhebung des Obergermanisch-Rätischen Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe war er beteiligt. Nach seiner Pensionierung 2005 engagierte ihn ein französisch-deutsches Grabungsteam für die Erforschung des keltischen Fürstensitzes der Hallstattzeit auf dem Mont Lassois in der Bourgogne, wo er einige Sommer mitarbeitete und die Rekonstruktion eines Hallenbaus im Zentrum der Anlage entwickelte.
Meinrad Filgis starb im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem Friedhof von Langenbeutingen bestattet.Traueranzeige Meinrad Nikolaus Filgis, abgerufen am 20. August 2026.
Ehrungen 2019: Verdienstmedaille Pro Wimpina des Vereins Alt WimpfenWebpräsenz des Vereins Alt Wimpfen, abgerufen am 20. August 2026.
Mitgliedschaften (Auswahl) Koldewey-Gesellschaft Heimatgeschichtlicher Verein LangenbrettachWebpräsenz des Heimatgeschichtlichen Vereins Langenbrettach, abgerufen am 20. August 2026.
Schriften (Auswahl) mit Martin Pietsch: Die römische Stadt von Wimpfen im Tal, Kr. Heilbronn. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 14. Jg. 1985, Heft 3, S. 168–177. (Digitalisat) Die Stadtgrabung. Teil 1, Das Heroon (= Altertümer von Pergamon, Band 15, Teil 1). De Gruyter, Berlin 1986. Römische Darre aus Bad Wimpfen im Vergleich mit rezenten Beispielen aus Altheim und Wackershofen. In: Archeologia. Rocznik Instytutu archeologii i etnologii Polskiej akademii nauk, Band 43, S. 53–62. Badenweiler. Römische Badruine mit neuem Schutzdach. Theiss, Stuttgart 2001. mit Gerhard Fingerlin: Das römische Badenweiler. Mit einem Beitrag zur Burg Baden (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 22). Theiss, Stuttgart 2002. Traditionelle Kalkbrennerei in Gökçebayir, Nordwesttürkei. In: Studia Troica, Band 15, Zabern, Mainz 2005, S. 221–245. Römische Badruine Badenweiler. Architektonische Qualität und Einsatz von High-Tech. In: Martin Müller, Thomas Otten, Ulrike Wulf-Rheidt (Hrsg.): Schutzbauten und Rekonstruktionen in der Archäologie (= Xantener Berichte, Band 19). Zabern, Mainz 2009, S. 289–304.
Literatur Klaus Kortüm: Meinrad „Nik“ Filgis 6.12.1939 – 28.9.2021. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Band 41, 2021/2022. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Esslingen 2022, ISBN 978-3-942227-56-8, S. 531–533 (Digitalisat).
Weblinks Filgis, Meinrad Nikolaus (1939-2021) auf Propylaeum Vitae der Universität Heidelberg
Einzelnachweise
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