Als EinglätttechnikVgl. www.antike-tischkultur.de, keltische Keramik, Einglättverzierung wird ein Verzierungsverfahren in der Keramikproduktion bezeichnet, dass auf glatten Keramikgefäßen glänzende, glatte Muster erzeugt. Bekannt ist die Technik vor allem aus der Archäologie. Die Technik taucht vorwiegend in der Latènezeit, in der Spätantike und im Frühmittelalter auf.

Beschreibung Diese Glättverzierungen – etwa Linien, Bänder, Rillen, Wellen oder Streifen, Rippen sowie Fischgrätenmuster, Zickzackverzierungen und Gittermuster – werden in die lederharte Keramik vor dem Brand auf der noch weichen Oberfläche mittels Druck mit einem Stein (glatter Kiesel), Knochen, Holz- oder Metallgerät erzeugt. Der Druck auf die Oberfläche bewirkt eine Verdichtung, Feuchtigkeit aus dem Innern gelangt an die Oberfläche und bildet mit feinen Tonbestandteilen einen Schlickerüberzug. Dadurch wirken die behandelten Stellen besonders glatt, und es zeigt sich ein glänzender, optisch abgesetzter Effekt im ansonsten matten Ton.Mathilde Grünewald: Die Gefässkeramik des Legionslagers von Carnuntum (Grabungen 1968–1974) (= Der römische Limes in Österreich 29). Wien 1979, ISBN 3-7001-0306-9, S. 74.

Archäologie Einglättverzierungen kamen bereits in der Latènezeit vor. In der römischen Kaiserzeit gerieten sie jedoch in Vergessenheit, erst während der Spätantike wurden sie wieder verwendet. Sie tauchten aus dem Schwarzmeergebiet, in dem diese Tradition erhalten blieb, erneut im pannonischen Raum auf.Vgl. Jan Tejral: Die donauländische Variante der Drehscheibenkeramik mit eingeglätteter Verzierung in Mähren und ihre Beziehung zur Tschernjachower Kultur. In: Joseph Poulík (Hrsg.): Vznik a počátky Slovanů, Sbornik pro studium slovanských starožitností 7. Prag 1972, S. 77–139, hier S. 99–100; Herwig Friesinger: Die archäologischen Funde der ersten zwei Drittel des 5. Jhs. in Niederösterreich. In: Germanen, Awaren, Slawen in Niederösterreich. Das erste Jahrtausend nach Christus, Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums N. F. 75. Wien 1977, S. 62–72, hier S. 62; vgl. Katalin Ottományi: Fragen der spätrömischen eingeglätteten Keramik in Pannonien (=Dissertationes Archaeologicae 11/10). Budapest 1981 (Dissertation), hier S. 193–226 (Digitalisat). Östliche Völkergruppen, die sich nach der Schlacht von Hadrianopolis im Jahr 378 n. Chr. in den römischen Provinzen als foederati ansiedelten, brachten ihn offenbar mit ihrer Einglättkeramik mit. Das Aufkommen der Einglätttechnik entlang des pannonischen Limes an der Donau wird daher mit Bezug auf die Schlacht in das letzte Viertel des 4. Jahrhunderts datiert. Der Einglättdekor wurde vermutlich schon während der valentinianischen Neuorganisation im pannonischen Limesgebiet aufgegriffen.Vgl. Sándor Soproni: Die letzten Jahrzehnte des pannonischen Limes In: Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 38. München 1984, S. 27–53, hier S. 49–50; Sedlmayer 2002, S. 314; Sedlmayer 2007, S. 247. Katalin Ottományi geht – im Gegensatz zu Sándor Soproni und Mathilde Grünewald – von römischen Gefäßen mit römischer Einglätttechnik aus, die von den foederati auf römischen Boden übernommen und verbreitet wurde.Vgl. Katalin Ottományi: Fragen der spätrömischen eingeglätteten Keramik in Pannonien (=Dissertationes Archaeologicae 11/10). Budapest 1981 (Dissertation), hier S. 193–226, hier S. 114–119 (Digitalisat). Wahrscheinlicher ist, dass der eingeglättete Dekor von den östlich von Pannonien siedelnden Sarmaten übernommen wurde, die seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. mit dem Römischen ReichVerena Gassner: Pannonische Glanztonware in Carnuntum. Ein Befund aus der 2. Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. In: Gabriele Koiner, Manfred Lehner, Thuri Lorenz, Gerda Schwarz (Hrsg.): Akten des 10. Österreichischen Archäologentages, Graz 7.–9.11.2003 (=Veröffentlichungen des Instituts für Archäologie der Karl-Franzens-Universität Graz 6). Wien 2006, S. 31–38 (Digitalisat), S. 34. in Verbindung standen.René Ployer: Das römerzeitliche Gräberfeld von Mannersdorf am Leithagebirge, Niederösterreich. Ein Beitrag zum Bestattungswesen und zur Demografie der Bevölkerung im Hinterland von Carnuntum während der Römischen Kaiserzeit. (=Römischer Limes in Österreich 51). Mattersburg 2023 (Online-Publikation), S. 151 (ausführliche Angaben zur Fachliteratur enthalten).

Fundorte und -zentren zur Keramik mit Einglätttechnik (Auswahl) In der späten Eisenzeit ist sie im westlichen Bereich der spätlatènezeitlichen Kelten zu finden. Dort war sie noch in der Kaiserzeit sehr beliebt.Vgl. Volker Pingel: Die glatte Drehscheibenkeramik von Manching (= Die Ausgrabungen in Manching 4 ). Wiesbaden 1971, ISBN 978-3-515-00388-9, (Dissertation, Marburg 1967; Digitalisat).

Die spätsarmatischen Krüge mit Gusshenkel und Gittermuster entstanden im 3. und 4. Jahrhundert auf der Halbinsel Krim. Seit dem 4. Jahrhundert wurden sie mit eingeglätteten Gittermustern versehen. Auch erhielten sie Ausgußhenkel, als teilweise Metallgefäße nachahmende Kannen. Kleinere 'sarmatische' Gusshenkelkrüge treten bereits im 4. Jahrhundert im Südteil der Ungarischen Tiefebene auf.István Bóna: Das Hunnenreich. Corvina, Budapest 1991, ISBN 963-13-3356-6, S. 263–264.

In der Spätantike kommt im pannonischen Raum eingeglättete römische Keramik vor. Eine genaue Datierung der spätrömischen eingeglätteten Tongefäße war jedoch bisher nicht möglich, da ihre frühe Produktion bereits in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts begann.Katalin Ottományi: Későrómai besimított kerámia Nagykanizsán. In: Zalai Gyűjtemény 18. 1982/1983, S. 45–58 (Digitalisat). Wenige in bekannten Schichten und Fundzusammenhängen ergrabene Funde ermöglichen auch eine genauere Datierung. Frühere Publikationen, etwa die von Herbert Mitscha-Märheim, die von einer sogenannten Foederatenkeramik ausgehen,Herbert Mitscha-Märheim: Dunkler Jahrhunderte goldene Spuren (Die Völkerwanderungszeit in Österreich). Wien 1963. gelten als überholt.

Die Einglättverzierung taucht in Mähren im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. während des Übergangs von der späten römischen Kaiserzeit zur Völkerwanderungszeit auf. Die Drehscheibengefäße lösten damals die traditionelle, von Hand geformte germanische Keramik im nördlichen Donaugebiet ab.Vgl. Jan Tejral: Spätrömische und völkerwanderungszeitliche Drehscheibenkeramik in Mähren. In: Archaeologia Austriaca 69. 1985, S. 105–145. (Digitalisat) Die südmährische Drehscheibenkeramik weist Verwandtschaft mit der Einglättkeramik der benachbarten Tschernjachow-Kultur auf.Vgl. Jan Tejral: Die donauländische Variante der Drehscheibenkeramik mit eingeglätteter Verzierung in Mähren und ihre Beziehung zur Tschernjachower Kultur. In: Joseph Poulík (Hrsg.): Vznik a počátky Slovanů, Sbornik pro studium slovanských starožitností 7. Prag 1972, S. 77–139.

In Niederösterreich kommt Einglättkeramik vorwiegend als in die Spätantike und frühe Völkerwanderungszeit zu datierende Keramik (ab dem späten vierten Jahrhundert n. Chr.) im Donauraum und im Hinterland des Limes vor (etwa im Raum Carnuntum/Mannersdorf).Vgl. René Ployer: Das römerzeitliche Gräberfeld von Mannersdorf am Leithagebirge, Niederösterreich. Ein Beitrag zum Bestattungswesen und zur Demografie der Bevölkerung im Hinterland von Carnuntum während der Römischen Kaiserzeit. (=Römischer Limes in Österreich 51). Mattersburg 2023, S. 151–153 (Online-Publikation).

Besonders typisch ist die Einglätttechnik im mitteleuropäischen Raum für die Völkerwanderungszeit und das Frühmittelalter, etwa bei der Drehscheibenkeramik der ThüringerVgl. Wolfgang Timpel: Thüringer. Ein bedeutendes Volk und Reich in Mitteleuropa. Hauswerk und Handwerk. In: Sigrid Dušek (Hrsg.): Ur- und Frühgeschichte Thüringens. Stuttgart 1999, ISBN 978-3-8062-1504-5, S. 143–166. oder der merowingerzeitlichen Drehscheiben- und Knickwandkeramik des 5. bis 7. Jahrhunderts.Uwe Gross: Einglättverzierte Knickwandgefäße des oberen Donau- und westlichen Bodenseeraumes. Zu einer Regionalgruppe der merowingerzeitlichen Keramik. In: Fundberichte Baden-Württemberg 25. 2001, S. 825–830 (Digitalisat).

Literatur István Bóna: Das Hunnenreich. Corvina, Budapest 1991, ISBN 963-13-3356-6. Uwe Gross: Das Gefäß aus Grab 65 von Heidelberg-Kirchheim und die einglättverzierte thüringische Drehscheibenkeramik in Südwestdeutschland. In: Archäologische Nachrichten aus Baden 64. 2001, S. 32–39. (Digitalisat). Friderika Horváth: Eine besondere Gruppe der spätrömischen Keramik mit polierter Oberfläche. In: Beiträgr zu den römisch-barbarischen Beziehungen (= Antaeus 34). 2016, S. 41–106. Friderika Horváth: Die handgeformte spätkeltische und römische Keramik in Esztergom und in ihrer Umgebung. In: Alba Regia 27. 1998, S. 65–81 (Digitalisat). Katalin Ottományi: Fragen der spätrömischen eingeglätteten Keramik in Pannonien (=Dissertationes Archaeologicae 11/10). Budapest 1981 (Dissertation), hier S. 193–226. (Digitalisat). Volker Pingel: Die glatte Drehscheibenkeramik von Manching (= Die Ausgrabungen in Manching 4 ). Wiesbaden 1971, ISBN 978-3-515-00388-9, (Dissertation, Marburg 1967; Digitalisat). Wolfgang Timpel: Thüringer. Ein bedeutendes Volk und Reich in Mitteleuropa. Hauswerk und Handwerk. In: Sigrid Dušek (Hrsg.): Ur- und Frühgeschichte Thüringens. Stuttgart 1999, ISBN 978-3-8062-1504-5, S. 143–166. Lyudmil F. Vagalinski: Der Zustand der Forschungen nach der spätrömischen und völkerwanderungszeitlichen Drehscheibenkeramik mit eingeglätteter Verzierung in Europa. In: Archaeologia Bulgarica 1/1. 1997, S. 38–46 (Digitalisat) Zsófia Masek: Die kulturellen Beziehungen der hunnenzeitlichen Eliten im östlichen Mitteldonaugebiet am Beispiel der einglättverzierten Drehscheibenkeramik. In: Matthias Hardt, Orsolya Heinrich-Tamáska (Hrsg.): Forschungen zu Spätantike und Mittelalter. Band 2: Macht des Goldes, Gold der Macht. Herrschafts- und Jenseitsrepräsentation zwischen Antike und Frühmittelalter im mittleren Donauraum. Weinstadt 2013. (Digitalisat)

Einzelnachweise

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