mini|Emblem des Leningrader Militärbezirk mini|Militärbezirke Russlands seit 2024 Der Leningrader Militärbezirk des Leninordens () ist einer der fünf Militärbezirke der Streitkräfte Russlands. Sein Hauptquartier befindet sich in Sankt Petersburg. Der Militärbezirk umfasst große Teile Nordwest- und Nordrusslands, darunter Karelien, die Republik Komi, die Oblaste Archangelsk, Wologda, Kaliningrad, Leningrad, Murmansk, Nowgorod und Pskow sowie Sankt Petersburg und den Autonomen Kreis der Nenzen.
Der Bezirk geht auf den 1864 im Russischen Kaiserreich gegründeten Petersburger Militärbezirk zurück. In sowjetischer Zeit spielte er unter anderem bei der Verteidigung Leningrads während des Zweiten Weltkriegs eine bedeutende Rolle. 1968 wurde der Militärbezirk mit dem Leninorden ausgezeichnet. 2010 ging er gemeinsam mit dem Moskauer Militärbezirk im neu geschaffenen Westlichen Militärbezirk auf. Im Februar 2024 wurde der Leningrader Militärbezirk erneut eingerichtet. Von Mai 2024 bis September 2025 wurde der Militärbezirk von Generaloberst Alexander Lapin geführt. Im September 2025 übernahm Generaloberst Jewgeni Nikiforow das Kommando.
Geschichte
Entstehung und Zweiter Weltkrieg Der Militärbezirk wurde 1864 im Zuge einer Reform der militärischen Verwaltung des Russischen Kaiserreichs als Petersburger Militärbezirk gegründet. Nach der Umbenennung Sankt Petersburgs in Petrograd während des Ersten Weltkriegs erhielt auch der Militärbezirk einen entsprechenden Namen. Nach der Oktoberrevolution wurde er 1918 als Teil der neu geschaffenen Roten Armee reorganisiert und 1924 nach der Umbenennung Petrograds in Leningrad zum Leningrader Militärbezirk umbenannt.
Während des Winterkriegs gegen Finnland 1939/40 bildete der Stab des Militärbezirks zeitweise die Grundlage für die Nordwestfront. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde der Militärbezirk am 24. Juni 1941 in die Nordfront umgewandelt, die wenig später in die Leningrader Front und die Karelische Front geteilt wurde. Die Verbände der Leningrader Front spielten eine zentrale Rolle bei der Verteidigung der Stadt während der Leningrader Blockade.
Im Januar 1944 durchbrachen sowjetische Truppen im Rahmen der Leningrad-Nowgoroder Operation endgültig die deutsche Belagerung. Nach Kriegsende wurde die Leningrader Front im Juli 1945 wieder in den Leningrader Militärbezirk umgewandelt.
Kalter Krieg mini|Leningrader Militärbezirk während der Sowjetzeit Während des Kalten Kriegs gehörte der Leningrader Militärbezirk aufgrund seiner Lage gegenüber Finnland, Norwegen und der Ostsee zu den strategisch wichtigen Militärregionen der Sowjetunion. Ihm unterstanden unter anderem die 6. Armee, mehrere Armeekorps, motorisierte Schützendivisionen, Artillerie- und Raketeneinheiten sowie Luftlandetruppen.
1962 beteiligten sich Truppen des Bezirks an der sowjetischen Truppenverlegung nach Kuba im Rahmen der Operation Anadyr, die zur Kubakrise führte. Am 22. Februar 1968 wurde der Militärbezirk anlässlich des 50. Jahrestags der sowjetischen Streitkräfte für seine militärischen Leistungen mit dem Leninorden ausgezeichnet.
Gegen Ende der Sowjetunion gehörten rund 60.000 Soldaten zum Militärbezirk. 1990 verfügte dieser unter anderem über 822 Panzer, etwa 2000 gepanzerte Kampffahrzeuge und rund 1100 Geschütze, Mörser und Mehrfachraketenwerfer.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Militärbezirk aufgrund finanzieller Probleme und der allgemeinen Verkleinerung der russischen Streitkräfte stark reduziert. Zahlreiche Divisionen und Armeestäbe wurden aufgelöst oder in kleinere Brigaden beziehungsweise Materiallager umgewandelt. Der Name Leningrader Bezirk blieb trotz der Rückbenennung Leningrads in St. Petersburg bestehen. 1997 kündigte Präsident Boris Jelzin eine erhebliche Reduzierung der russischen Streitkräfte im Nordwesten des Landes an.Yeltsin Slashes Baltic Force, The Guardian, 4. Dezember 1997 2010 wurde der Leningrader Militärbezirk im Rahmen einer umfassenden Reform der russischen Streitkräfte aufgelöst. Gemeinsam mit dem Moskauer Militärbezirk und weiteren militärischen Strukturen ging er im neu gebildeten Westlichen Militärbezirk auf.
Wiedererrichtung 2024 Im Dezember 2022 schlug der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu die Wiedererrichtung des Leningrader und des Moskauer Militärbezirks vor. Präsident Wladimir Putin erklärte im Dezember 2023, die Wiedererrichtung des Leningrader Militärbezirks sei unter anderem eine Reaktion auf den Beitritt Finnlands zur NATO. Durch Präsidialerlass Nr. 141 vom 26. Februar 2024 wurde der Militärbezirk offiziell wiedererrichtet.
Im Zuge der Neuorganisation begann Russland mit der Aufstellung beziehungsweise Verstärkung zusätzlicher Großverbände im Nordwesten des Landes. Hierzu gehört insbesondere das 44. Armeekorps, dessen Verbände bereits 2024 im Raum Charkiw eingesetzt wurden.
Streitkräfte und militärische Bedeutung Zu den bedeutendsten Landstreitkräften des Militärbezirks gehören die 6. Armee, das 44. Armeekorps, das in der russischen Exklave Kaliningrad stationierte 11. Armeekorps sowie das für die arktischen Gebiete zuständige 14. Armeekorps. Hinzu kommen Spezialkräfte wie die 2. Garde-Spetsnaz-Brigade und bedeutende Luft- und Luftverteidigungsverbände.
Die 6. Armee umfasst unter anderem die 68. und 69. Garde-Mot-Schützendivision sowie Artillerie-, Raketen- und Luftverteidigungsverbände. Das neu aufgestellte 44. Armeekorps verfügt unter anderem über die 72. Mot-Schützendivision und die 128. Mot-Schützenbrigade. Das 11. Armeekorps bildet einen wesentlichen Bestandteil der russischen Streitkräfte in Kaliningrad und verfügt neben mechanisierten Truppen über Artillerie und Iskander-M-Raketen.
Literatur
W. I. Feskow, W. I. Golikow, K. A. Kalaschnikow, S. A. Slugin: Вооруженные силы СССР после Второй Мировой войны: от Красной Армии к Советской. Scientific and Technical Literature Publishing, Tomsk 2013, ISBN 978-5-89503-530-6.
Weblinks
Ehemalige offizielle Seite des Leningrader Militärbezirks (russisch)
Einzelnachweise
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