alternativtext=Porträt von Zarah Sultana. Sie trägt ihre langen schwarzen Haare in einem Zopf und blickt leicht lächelnd in die Kamera. Sie trägt einen goldenen Ohrring im rechten Ohr, einen dunkelgrünen Blazer und darunter ein schwarzes Top.|mini|Zarah Sultana (2024) Zarah Sultana (geboren am 31. Oktober 1993 in Birmingham) ist eine britische Politikerin (Your Party, zuvor Labour) und seit 2019 Mitglied des House of Commons für den Wahlkreis Coventry South. Sie saß zunächst für die Labour Party im Parlament, bis 2024 aus deren Fraktion ausgeschlossen wurde. Ein Jahr später verließ sie Labour endgültig und gründete gemeinsam mit dem ehemaligen Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn die Your Party, die sich links ihrer ehemaligen Partei positioniert.
Frühes Leben Sultana wuchs mit drei Schwestern im Birminghamer Stadtteil Lozells auf. Ihre Mutter ist Hausfrau und ihr Vater arbeitet als Buchhalter, beide waren Labour-Mitglieder. Sie stammt aus einer britisch-pakistanischen Familie, ihr Großvater war in den 60er-Jahren aus Asad Kaschmir nach Birmingham gekommen. Sultana besuchte das Holte Visual and Performing Performing Arts College und machte ihren Abschluss an der Edward VI Handsworth Grammar School, bevor sie ab 2012 Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaft an der University of Birmingham studierte. 2011 wurde sie noch als Schülerin Labour-Mitglied, nachdem die Regierung Cameron eine Verdreifachung der Studiengebühren beschlossen hatte. Ihr Studium finanzierte sie unter anderem durch Jobs als Verkäuferin bei H&M und Primark. 2020 gab sie an, durch die hohen Studiengebühren noch immer fast 50.000 Pfund nicht abbezahlte Schulden zu haben. Ihre Studienzeit beschreibt sie als die Phase ihrer hauptsächlichen Politisierung. Gegen Anfang ihres Studiums reisten sie und ihr Vater mit einer Labour-Delegation nach Palästina, wo sie im Westjordanland unter anderem Hebron besuchte. Unter den Eindrücken dieser Reise, die sie nach eigener Aussage stark prägten, wurde sie zurück in England in Studierendengruppen politisch aktiv. 2014 reiste sie mit einer Delegation von Studierenden nach Bosnien und Herzegowina, um des Genozids im Bosnienkrieg und des Massakers von Srebrenica zu gedenken. Infolge ihrer zahlreichen politischen Aktivitäten im Studium litt sie unter Burnout und ließ sich ein Jahr vom Studium beurlauben, bevor sie es abschloss. Sie war zeitweise Vorstandsmitglied von Young Labour und der National Union of Students.
Nach ihrem Studium arbeitete sie im Bereich des Community Organizing. Sie beteiligte sich an Kampagnen gegen Islamophobie und arbeitete für den unter Jeremy Corbyn ins Leben gerufenen Community-Organizing-Sektor der Labour Party, der sie wiederum später als Kandidatin unterstützte. Außerdem arbeitete sie für die NGO Muslim Engagement and Development.
Parlamentsabgeordnete Wahljahr 2019 Im Vorfeld der Europawahl 2019 wurde Sultana auf Platz fünf der Labour-Liste in den West Midlands gewählt, was jedoch letztlich nicht ausreichte, um ins Europäische Parlament einzuziehen. Im Oktober wurde sie anschließend zur Labour-Kandidatin für den Wahlkreis Coventry South bei der Unterhauswahl 2019 gewählt. Der langjährige Wahlkreisabgeordnete der Labour-Hochburg, Jim Cunningham, hatte zuvor angekündigt, in den Ruhestand treten zu wollen. Verschiedene gewerkschaftliche Gruppierungen, unter anderem Unite the Union, unterstützten Sultana als Kandidatin. Im Wahlkampf berichteten die BBC und andere Medien über seither gelöschte Tweets Sultanas aus dem Jahr 2015, in denen sie unter anderem angab, sie würde sich über den Tod von Tony Blair, Benjamin Netanjahu oder George W. Bush freuen und unterstütze den palästinensischen Widerstand, auch, wenn dieser nicht friedlich sein sollte. Sultana entschuldigte sich und gab an, diese Kommentare seien nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Frustration über den "endlosen Kreislauf von globalem Leid, Gewalt und sinnlosem Töten" entstanden und sie würde sie heute nicht mehr tätigen. Sie wurde infolgedessen von einem Parteikommittee angehört und es stand im Raum, dass sie als Kandidatin ersetzt werden könnte, letztlich wurde sie jedoch beibehalten. Sultana konnte die eigentliche Wahl, die landesweit schlecht für Labour verlief, schließlich mit einem knappen Vorsprung von 401 Stimmen vor ihrem konservativen Mitbewerber gewinnen. Auch nach ihrer Wahl berichteten Medien weiter über Tweets auf Sultanas altem Account, in denen sie unter anderem Israel Apartheid vorgeworfen und den Zionismus als rassistische Ideologie bezeichnet hatte.
Unterhausabgeordnete für Labour mini|Offizielles Porträt (2019)|alternativtext=Porträt von Zarah Sultana. Sie hat schulterlange schwarze Haare und blickt in die Kamera. Im linken Ohr trägt sie einen goldenen Kreolohrring. Sie trägt einen roten Anzug und darunter ein weißes Top.
In ihrer Antrittsrede kritisierte Sultana "40 Jahre Thatcherismus", womit sie New Labour implizit zu diesem zählte, und warf den Tory-Regierungen ab 2010 vor, "der Arbeiterklasse den Krieg erklärt" zu haben und die Zukunftsperspektiven der jungen Generationen zu ruinieren. Sie wurde Mitglied und 2020 auch Vorsitzende der Socialist Campaign Group, einer linken Gruppe innerhalb der Labour-Fraktion. 2020 unterstützte sie die linken Kandidierenden Rebecca Long-Bailey und Richard Burgon bei der Wahl zum Labour-Vorsitz bzw. Vize-Vorsitz, die jedoch der moderate Keir Starmer gewann.
In September 2020 stimmte Sultana mit sechs anderen Labour-Abgeordneten für ein Gesetz, das Abwahlanträge gegen Parlamentsabgeordnete, die die Partei wechseln, ermöglichen sollte; das Gesetz wurde jedoch nicht verabschiedet. Als der Leader of the House of Commons, Jacob Reese-Mogg, im Dezember 2020 eine 25.000-Pfund-Spende von UNICEF an Kinder aus prekären Verhältnissen als "politischen Stunt" kritisierte, schickte Sultana ihm als Antwort ein Exemplar von Charles Dickens' Eine Weihnachtsgeschichte.
Anfang 2021 trat Sultana als Rednerin bei der Zeremonie zum Start der von Jeremy Corbyn und Christine Blower gegründeten NGO Peace and Justice Project auf. Neben ihr sprachen dort unter anderem Noam Chomsky, Ronnie Kasrils, Yanis Varoufakis und Len McCluskey, der Vorsitzende von Unite the Union. Im Mai wurde sie gemeinsam mit Corbyn Beraterin bei der Progressiven Internationalen. Im September hielt sie im Parlament eine vielbeachtete Rede über Islamophobie, während der sie in Tränen ausbrach, als sie ihre eigenen Erfahrungen der letzten Jahre schilderte.
Kurz nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 unterzeichnete Sultana gemeinsam mit zehn weiteren Labour-Abgeordneten einen offenen Brief der Stop the War Coalition, in dem die NATO kritisiert und ihr eine Osterweiterung vorgeworfen wurde. Die Labour-Fraktion drohte diesen Mitgliedern anschließend mit einem Ausschluss, woraufhin alle Beteiligten ihre Unterschriften zurückzogen. Sultana stellte anschließend klar, dass sie den russischen Angriff uneingeschränkt verurteile. Gleichzeitig kritisierte sie die angeblich schlechte Berichterstattung der britischen Medienlandschaft, die beispielsweise Schuld daran sei, dass sie infolge ihrer Äußerungen Morddrohungen erhalten hatte, in denen sie unter anderem als "Putins Hure" bezeichnet worden war. Zudem reichte sie Beschwerde bei Labour-Generalsekretärin Anneliese Dodds ein, nachdem ein anonymes Labour-Mitglied sie und die anderen Unterzeichner des Briefes als "Sprecher des Kremls" bezeichnet hatte. Im März 2022 kündigte Sultana an, die anstehenden Diäterhöhungen in Höhe von 2212 Pfund in gleichen an die Coventry Foodbank sowie Organisationen, die Hilfe für ukrainische Geflüchtete bereitstellen, zu spenden. Zusätzlich rief sie eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben, die über 10.000 Pfund einbrachte, womit mehr als fünf Tonnen an Lebensmitteln gekauft werden konnten.
mini|Sultana spricht bei einer Streik-Kundgebung in London, Januar 2023|alternativtext=Ein von unten aufgenommenes Foto von Zarah Sultana, sie blickt leicht nach links. Sie hat schulterlange schwarze Haare, trägt eine runde Brille mit dünnem Rahmen und einen schwarzen Wintermantel. In der rechten Hand hält sie ihr Handy, in der linken ein Mikrofon. Links vorne im Bild ist das obere Ende eines Mikrofonständers zu sehen, sie steht vermutlich auf einer kleinen Bühne. Im Hintergrund einige kahle Bäume, der Himmel ist grau und bewölkt. Obwohl sie als Hinterbänklerin im Parlament saß und keine anderen Positionen bekleidete, wurde Sultana zu dieser Zeit eine der bekanntesten Parlamentsabgeordneten des Vereinigten Königreichs. 2022 hatte sie von allen Abgeordneten die meisten Follower auf TikTok und Twitter sowie die drittmeisten auf Instagram. Sie bezeichnete soziale Medien als wichtiges Werkzeug, ein "neues, jüngeres Publikum" zu erreichen. Im Oktober musste sich Sultana einer Labour-internen Wahl in ihrem Wahlkreis stellen, da genügend Beschwerden gegen sie eingereicht worden waren, um diese zu initiieren. Einige Medien hatten zuvor berichtet, die Mitglieder in Sultanas Lokalverband würden sich einen moderateren Abgeordneten wünschen und sie könne die Wahl verlieren, sie wurde jedoch mit über 90 % der Stimmen im Amit bestätigt. Im selben Monat reiste sie mit einer Delegation der Progressiven Internationalen nach Brasilien, um bei den dortigen Stichwahlen um die Präsidentschaft als Wahlbeobachterin zu wirken.
Seit Beginn der israelischen Invasion im Gazakrieg äußert sie sich häufig öffentlich zu diesem. Sie kritisierte die israelische Regierung und forderte unter anderem einen Stopp von Waffenexporten aus dem Vereinigten Königreich, wodurch sie auch in Konflikt mit großen Teilen ihrer eigenen Partei geriet. Infolge ihrer Äußerungen sah und sieht sie sich online starken Beleidigungen inklusive zahlreicher Morddrohungen ausgesetzt.
Bei der Unterhauswahl 2024 kandidierte Sultana erneut in ihrem Wahlkreis und konnte ihn diesmal deutlich gewinnen: Aus 401 Stimmen Vorsprung wurden über 10.000. Gleichzeitig bedeutete die Wahl Labours ersten Wahlsieg seit 2005 und der Parteivorsitzende Starmer wurde neuer Premierminister.
Unabhängige Abgeordnete und Your Party Am 23. Juli 2024, kurz nach der Wahl, wurden Sultana und fünf weitere Abgeordnete aus der Labour-Fraktion ausgeschlossen, da sie entgegen der Vorgabe der Regierung Starmer für einen Vorschlag der Scottish National Party gestimmt hatten, der das Ziel hatte, die Sozialleistungs-Obergrenze für Familien mit zwei Kindern abzuschaffen. Sie sagte danach, sie habe eine schwierige Entscheidung treffen müssen, um für ihre Werte einzustehen, die ihrer Ansicht nach auch die eigentlichen Werte der Labour Party seien. Während der folgenden Zeit als unabhängige Abgeordnete stellte sie sich weiterhin oft gegen Vorhaben der Labour-Regierung, besonders gegen deren Austeritätspolitik; so stimmte sie im September gegen ein Gesetz, das den Heizkostenzuschuss für Rentner kürzen sollte. Im Juni 2025 stimmte sie dann gegen die Einführung der Sterbehilfe und sprach sich im Juli gegen die Einstufung von Palestine Action als terroristische Vereinigung aus.