Chat Noir („Schwarzer Kater“) ist ein privates norwegisches Unterhaltungs-Theater im Zentrum von Oslo, gelegen zwischen Rathaus, Nationaltheater und Schloss. Spielstätten, Eigentümer und Repertoire haben seit der Gründung 1912 mehrfach gewechselt. Seit etwa 2010 werden den maximal 588 Zuschauern vorwiegend One-Man-Shows, Konzerte, Musicals und Komödien geboten. Snacks und Getränke können an der Bar im Foyer bzw. auf dem Balkon gekauft und in den Saal mitgenommen werden. An den Tischen im Parkett bedienen Kellner.

In den ersten Jahren seines Bestehens, unter der Leitung von Bokken Lasson und Vilhelm Dybwad, war das Chat Noir, genau wie sein Vorbild Le Chat Noir auf dem Montmartre, ein literarisches Kabarett mit einem festen Ensemble, das Lesungen, Monologe und Lieder zum Besten gab. 1919 übernahm Victor Bernau die Intendanz und wandelte das Haus in eines der führenden Revuetheater Oslos um. 1937 bezog das Theater seinen heutigen Standort im neu erbauten Gebäude Klingenberggata 5. Das Theater brannte 1963 ab, aber bereits im Folgejahr wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Zahlreiche bekannte norwegische Künstler traten regelmäßig im Chat Noir auf, und in den 1980er Jahren war das Theater Schauplatz der erfolgreichen Revuen von Dag Frøland und der Musikshows von Dizzie Tunes.

Örtlichkeit und Gebäude mini|links|Chat Noir, Klingenberggata 5, Oslo: Lageplan Das Theater Chat Noir befindet sich in der Osloer Innenstadt an der Kreuzung Klingenberggata und Olav Vs gate, in unmittelbarer Nähe zu Rathaus, Nationaltheater und Schlosspark. Obwohl die Adresse Klingenberggata 5 lautet, befindet sich der Eingang ein paar Schritte weiter östlich in der Fußgängerzone Olav Vs gate, links neben dem Saga-Kino und schräg gegenüber dem Hotel Continental.

Die Theaterfassade ist zwischen zwei Gaststätten eingezwängt und mit etwa sechs Metern ziemlich schmal. Das Vordach mit dem Namenszug Chat Noir ist allerdings drei Mal so breit, da es auch das linke Nachbarlokal überdacht. Vor dem Eingang befindet sich seit 1996 die überlebensgroße Statue Gledessprederen; sie stellt den Schauspieler Leif Juster (1910–1995) dar und wurde von Nina Sundbye geschaffen.

Im (angesichts der Außenansicht überraschend geräumigen) Foyer sind zwischen Bartheke und Garderobenpult mit rotem Samt überzogene Polstersessel jeweils zu viert um runde Tischchen gruppiert, die durch kleine Tischlampen beleuchtet werden. Die freien Wände sind mit schwarz-weißen Fotografien von Schauspielern und ehemaligen Aufführungen bedeckt.

Über einige Stufen gelangt man zu den Parkettplätzen der Bühne. Im Oval mit stufenweise ansteigenden Reihen, durch einen Mittelgang getrennt, stehen die im selben Rot gehaltenen Sitze, diesmal jedoch Bänke, die Platz für zwei bis drei Zuschauer bieten. Zwischen ihnen befinden sich die diesmal dreieckigen lampenbestückten Tischchen. Einen Stock höher setzen die Plätze im Balkon den optischen Eindruck eines roten Amphitheaters mit dunklen Konturen und weißen Lichtpunkten ungebrochen fort. Im Vorraum zum Balkon ist eine kleine Bar mit fünf runden Stehtischen eingerichtet.

Nach Angaben des Oslo byleksikon verfügt das Chat Noir über 588 Sitzplätze.

Das Gebäude Klingenberggata 5, ein neunstöckiges Geschäftshaus, wurde 1937 vom Architekturbüro Nyquist og Norrgren errichtet. Es wurde in die kommunale Denkmalliste aufgenommen. Im landesweiten Kulturminne-Verzeichnis wird es unter der nicht denkmalgeschützten Kategorie Bebauung/Infrastruktur mit der Id 163151 angeführt.

Das Theater wurde 1963 „durch einen Brand vollständig zerstört“ bzw. es „erlitt erhebliche Schäden“. Nach sofort begonnener Sanierung wurde das Chat Noir im September 1964 wiedereröffnet, mit einer Revue „in einem fast neuen Theater“.

Programm und Betrieb mini|Chat Noir. Foto Juni 2007, mit der Werbung für Showgirls. Links nach rechts: Guri Schanke, Marian Aas Hansen, Elisabeth Andreassen, Hilde Lyrån. Das Chat Noir war für Jahrzehnte eines der führenden Revuetheater in Oslo. Das hat sich seit ungefähr 2010 geändert: Das Repertoire wird nun mengenmäßig von Stand-up-Comedians dominiert, oft auch weiblichen. Zu den Alleinunterhaltern zu rechnen sind auch die Prominente imitierenden Komiker, intellektuellen Podiumsdiskutanten und aus eigenen Werken lesenden Schriftsteller. An musikalischen Darbietungen angekündigt sind für den Herbst 2026 mehrere Jazzkonzerte, ein A-capella-Chor, eine Musikshow, eine Comedy-Show (vier Comedians und eine Band) und eine nostalgische Aufführung von Revueliedern aus den 1920er Jahren. Dazu kommt noch eine nach einem Hitchcock-Film gestaltete Kriminalkomödie.

Die Ticketpreise sind für die einzelnen Programme sehr unterschiedlich. Sie liegen fast immer zwischen 400 und 700 NOK (37 bzw. 64 EUR), wobei Stand-up-Comedians öfters für weniger auftreten, während Konzerte und Komödien bis zu 900 NOK (82 EUR) kosten können. Oft gibt es mehrere Preiskategorien je nach Sichtbarkeit auf die Bühne. Die meisten Veranstaltungen beginnen um 19:30, vor allem am Wochenende auch um 18:00.

Das Theater hat eine Altersbeschränkung von 6 Jahren. Außer Kindern ist auch Haustieren der Zutritt verboten. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es im Parkett eine beschränkte Zahl von Rollstuhlplätzen, die vorab reserviert werden müssen. Der Balkon ist weder mit einem Aufzug noch einem Treppenlift erreichbar. Begleitpersonen müssen eine bezahlte Eintrittskarte vorweisen.

Der Verkauf von Imbissen und Getränken ist neben dem Ticketverkauf eine wesentliche Einnahmequelle des Chat Noir. Die Bars im Foyer und auf dem Balkon öffnen eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung und schließen 20 Minuten vor deren Ende. Das Publikum „darf Snacks und Getränke mit in den Saal nehmen“.

An den Tischen im Parkett wird bedient: „Sobald sich die Türen zum Saal öffnen, spätestens 20 Minuten vor Beginn der Vorstellung, gehen Kellner herum und nehmen an den Tischen Bestellungen entgegen, bis sich der Vorhang hebt. Die Bestellung wird kurz darauf am Tisch serviert, sobald die Vorstellung begonnen hat.“

Wirtschaftsbetrieb mini|Chat Noir. Foto 2022. Das Theater wird betrieben von der Aktiengesellschaft Chat Noir AS mit einem nominellen Aktienkapital von 875.000 NOK. Anteilseigner der am 6. Dezember 1995 gegründeten AG sind die Kalamaris Invest AS (42 %), die ABC Tekstproduksjon AS (42 %) und die Klingenberggaten 5 AS (16 %). Die Anteile der Kalamaris Invest AS wurden bis zum 6. Juli 2024 von der Thalia Holding AS gehalten, die bis zu diesem Zeitpunkt auch mit der Geschäftsführung des Theaters beauftragt gewesen war.

Der in der Satzung festgelegte Zweck der Chat Noir AS ist die „Anmietung der Theaterräume in der Klingenberggate 5 in Oslo (Chat Noir) sowie Betrieb und Untervermietung dieser Räume für Theaterproduktionen, Revuen und andere Zwecke.“ Da die Gesellschaft nicht im Besitz der Immobilie ist, besteht ihr Vermögen zu etwa 90 % aus Bankguthaben und Bargeld.

Die Aktiengesellschaft wird vom Aufsichtsrat und zwei Geschäftsführern geleitet. Der Theaterbetrieb liegt in der Verantwortung des Intendanten (teatersjef); seit 2015 ist dies Vegar Foss Andersen. Die AG beschäftigt 57 Mitarbeiter (Stand 10. Juli 2026) bzw. 12 Vollzeitäquivalente (Jahresbericht 2025). Da das Servicepersonal nur 3 bis 4 Stunden täglich während der Vorführungen benötigt wird, ist dieses Verhältnis auch plausibel. Die Personalkosten machen etwa ein Drittel der Gesamtkosten aus.

+ Betriebsergebnis (in Mill. NOK) Jahr Erlöse Kosten Ergebnisvor Steuer Steuer Jahresergebnis 2018 12,7 12,1 0,6 0,1 0,5 2019 21,7 18,4 3,2 0,7 2,5 2020 11,0 10,3 0,6 0,1 0,5 2021 18,1 15,1 3,0 0,7 2,3 2022 17,8 16,4 1,4 0,3 1,1 2023 20,6 19,2 1,4 0,3 1,1 2024 22,9 21,7 1,2 0,3 0,9 2025 34,2 29,7 4,4 1,0 3,4 + Bilanz 2025 (in Mill. NOK) Erlöse 34,2 Kosten 29,7 (davon Personal) 9,5 Jahresüberschuss 3,4 Eigenkapital 16,7 Fremdkapital 24,6 Vermögen 41,3 Gewinn/Eigenkapital ≈ 20 % Gewinn/Umsatz ≈ 10 %

Das Unternehmen zeigt eine stabile Entwicklung; in den dreißig Jahres seines Bestehens ist das Eigenkapital auf das 20-fache des Aktiennominals geklettert. Der Eigenkapitalanteil beträgt circa 40 Prozent. Nach eigener Aussage ist das Chat Noir „ein zu 100 % privat finanziertes Theater“ und erhält „keine öffentlichen Zuschüsse, weder von der Gemeinde noch vom Staat.“

Geschichte Literarisches Kabarett mini|Erstes Lokal des Chat Noir in der Stortingsgata 20 im Torgebäude des Tivoli Das Chat Noir wurde 1912 von der Sängerin Bokken Lasson und dem Schriftsteller Vilhelm Dybwad als literarisches Kabaretttheater gegründet. Lasson hatte diese Theaterform bei Besuchen in Paris kennengelernt und Le Chat Noir auf dem Montmartre war das inhaltliche und namensgebende Vorbild für die Neugründung. Die Idee dazu soll 1911 bei einer Weihnachtsfeier des Ehepaars Alexandra und Frits Thaulow entstanden sein, bei der auch Alexandras Schwester Bokken Lasson und Vilhelm Dybwad eingeladen waren. Alexandra Thaulow forderte ihre Gäste auf, „so etwas wie Le Chat Noir“ auf die Beine zu stellen.

Mit einem Startkapital von 300 Kronen mieteten Lasson und Dybwad, „tatkräftig unterstützt von ihren Geschwistern und Freunden“, einen großen Saal im zweiten Stock des Torgebäudes des Christiania Tivoli in der Stortingsgata gegenüber dem Nationaltheatret. (Hier befindet sich heute auf Nr. 20 das Høyres hus, die Parteizentrale der Høyre-Partei.) Der Saal, dessen Deckenhöhe acht Meter betrug, wurde von Ole Christoffer Thorkelsen und später von Lassons Neffen Per Krohg dekoriert, u. a. mit Katzen und Laternen und rot gestrichenen Tischen und Stühlen. Im Treppenhaus wurden große Plakate aufgehängt.

Am 1. März 1912 eröffnete das Chat Noir mit einem „Cabaret“, das hauptsächlich von Vilhelm Dybwad, Herman Wildenvey und Michael Flagstad verfasst worden war. Herman Wildenvey stellte als Conférencier die Darsteller vor, außer Bokken Lasson noch Hans Hedmark, Robert Sterling und Lilian Polychron Hansen, sowie die Pianistin Marie Flagstad.

mini|Bokken Lasson (Foto 1909) In seinen ersten Jahren blieb das Chat Noir ein literarisches Kabarett, in dem Lesungen, Monologe und Lieder zum Besten gegeben wurden. Es „entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt für viele der führenden Künstler, Darsteller und Bohemiens von Kristiania.“ Hier traten neben Bokken Lasson auch bekannte Schauspieler und Sänger auf, wie Lalla Carlsen, Ernst Rolf, Kirsten Flagstad (Tochter von Michael und Marie Flagstad), Per Kvist, Victor Bernau, Botten Soot, Jens Hetland und Hansy Petra. Per Kvist komponierte, Vilhelm Dybwad ebenfalls (vor allem für Bokken Lasson), Carsten Carlsen löste im Herbst 1914 Marie Flagstad am Piano ab, Per Krogh malte Bühnenbilder und Herman Wildenvey, Gabriel Scott, Arnulf Øverland und Olaf Bull trugen ihre eigenen Gedichte vor.

Am 2. Januar 1913 wurde ein Programm mit dem Namen 1913: ein Neujahrsscherz in einem Akt uraufgeführt, das von Dybwad verfasst worden war, und die einzige „Revue“ unter der Leitung von Lasson und Dybwad blieb. (Und es war der Kritiker des Dagbladet gewesen, der die Aufführung zuerst „Revue“ genannt hatte.) Das Chat Noir blieb Kabarett, dessen Stücke hauptsächlich von Dybwad geschrieben wurden, teilweise auch von Wildenvey, Per Kvist, Michael Flagstad und Karen Sofie Hanssen (Pseudonym Nicolette), ab 1917 auch von Victor Bernau. Wildenvey und Kvist standen als Moderatoren auf der Bühne und „zeichneten sich dadurch aus, dass sie improvisieren konnten.“

Bokken Lasson war der große Star ihres Theater, erhielt jedoch bald eine ernsthafte Konkurrentin um die Gunst des Publikums. Haralda Petrea Christensen, die Verlobte des Pianisten Carsten Carlsen, wurde als Sängerin engagiert und debütierte am 4. November 1915. Als Ehefrau unter dem Namen Lalla Carlsen wurde sie in Revue, Film und Volkskomödie eine erfolgreiche und beliebte Darstellerin. Sie war bis 1947 am Chat Noir engagiert.

Revuetheater mini|Lalla Carlsen. Foto 1920