mini|Elisabeth Rosenthal (2023) Elisabeth Rosenthal (* 28. Dezember 1981 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Künstlerin. Sie arbeitet genreübergreifend mit Skulptur, Installation, Zeichnung, Video und Performance. Ihre Arbeiten sind häufig Bühne für ihr Alter Ego „Sailor-Single“, eine alleinreisende Matrosin mit dem Look einer Diva.Die Kunsthistorikerin Catherine Nichols beschreibt das Erscheinungsbild von Sailor-Single als zwischen „Filmstar und Fetisch“ changierend. – Catherine Nichols: Rette sich, wer will. Überlegungen zum Werk von Elisabeth Rosenthal. In: Monika Brandmeier, Ostdeutsche Sparkassenstiftung (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal (= Signifikante Signaturen). Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6, S. 43. Zentrales Thema ihrer Werke sind unerreichbare Sehnsüchte und das Schaffen von Ersatz für Fehlendes.

Arbeiten Rosenthals waren im In- und Ausland zu sehen, unter anderem in Dresden, Hamburg, Wien, Karatschi und New York.

Biographie Elisabeth Rosenthal wuchs in Dresden auf. Sie ist die älteste von drei Töchtern der Musikwissenschaftlerin Carmen Rosenthal. Ein Porträt des DDR-Fotografen Christian Borchert zeigt sie als Kind mit ihren beiden jüngeren Schwestern und ihrem Stiefvater.

Nach der Wende 1989/90 wechselte Rosenthal an eine Dresdner Waldorfschule, an der sie ihre Schulbildung abschloss. 2001 ging sie nach London, um am Central Saint Martins College of Art and Design zu studieren. 2003 begann sie ein Studium der Malerei und Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK). Nach ihrem Diplom 2008 war sie dort bis 2010 Meisterschülerin bei Monika Brandmeier. Seit 2016 lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Berlin.

Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist Rosenthal jedes Frühjahr für einige Wochen freischaffend als Bühnenmalerin für die Störtebeker-Festspiele in Ralswiek tätig.

Werk Rosenthal arbeitet künstlerisch in den Bereichen Installation, Skulptur, Zeichnung, Performance und Video. Oft werden Werke verschiedener Bereiche zu Räumen, in denen sie als ihr Alter Ego Sailor-Single auftritt.

In den Arbeiten Rosenthals geht es hauptsächlich darum, sich temporär unerreichbaren Wünschen und Träumen mit Ersatzhandlungen oder Ersatzobjekten anzunähern. So etwa kann ein Stück weißes Papier – vor die Zähne gelegt – ein strahlendes Lächeln verleihen oder eine gemalte Klaviertastatur ein nicht vorhandenes Instrument ersetzen.

Die Kunsthistorikerin Catherine Nichols beschreibt Rosenthals Kunstschaffen als eine „Theatralisierung des Daseins“, die über Rollenspiel und Travestie hinausgehe und darauf ziele, die Welt nachahmend mit- und umzugestalten.Catherine Nichols: Rette sich, wer will. Überlegungen zum Werk von Elisabeth Rosenthal. In: Monika Brandmeier, Ostdeutsche Sparkassenstiftung (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal (= Signifikante Signaturen). Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6, S. 44–45 (Zitat: „In ihrer sich in allen Medien der Kunst artikulierenden Auseinandersetzung mit der Nachahmung geht es ums Ganze. Wesentlich sind dabei die Schöpfung neuer Formen, die Entstehung, das Werden. […] Wie Arthur Rimbaud (1854 – 1891) mit seinem Trunkenen Schiff hat Rosenthal mit ihrem Alleinreisenden ein besonderes Kreativitätsmodell im Visier. […] Rosenthals ‚Ich‘ ist auch ‚ein anderer‘, ein Sailor-Single, das nicht denkt, sondern gedacht wird, das sich und die Welt um sich herum weniger reflektiert als sich nachahmend, mit- und umgestaltend an ihren Prozessen zu beteiligen.“)

mini|Birdy Goes Hollywood, Installation, HfBK Dresden Installationen Rosenthals Installationen sind als dreidimensionale, szenografische Räume angelegt. In ihnen kombiniert sie Skulpturen, Zeichnungen, Videos und häufig auch „Treibgut“Catherine Nichols: Rette sich, wer will. Überlegungen zum Werk von Elisabeth Rosenthal. In: Monika Brandmeier (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal. Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6, S. 43. wie etwa Matratzen, Plastikeimer, Schaumstoffmatten oder Holzklötze zu veränderlichen Konstellationen, die sich mit Performances zu einem komplexen Ganzen verbinden lassen.

Für die Ausstellung Blue Moon – The Feeling of Light in der Kunsthalle HGN, Duderstadt (2015), ist beispielsweise die Installation Fruithat dokumentiert, in der die Performance Sailor-Single & TomSky stattfand.

Sailor-Single Sailor-Single, das Alter Ego Rosenthals, ist eine alleinreisende Matrosin, inspiriert vom einsamen Wanderer aus der Bildwelt von Caspar David Friedrich. Rosenthal präsentierte die Figur unter anderem in einer Performance anlässlich des 250. Geburtstags von Caspar David Friedrich im Jahr 2024.

Zum Kostüm der Figur gehören ein auffälliger weißer Gürtel und ein ebenfalls weißes Seil, das die Kunsthistorikerin Catherine Nichols als „Rettungsring“ beschreibt.Catherine Nichols: Rette sich, wer will. Überlegungen zum Werk von Elisabeth Rosenthal. In: Monika Brandmeier (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal. Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6, S. 40.

Nichols bezeichnet Rosenthals Figur als „schiffbrüchiges Showgirl“. Die von Rosenthal geschaffene Welt sei von einer „Ästhetik des Anders-und-besser-Scheiterns“ geprägt, die an Samuel Beckett denken ließe, wäre sie nicht so „herrlich Camp“.Catherine Nichols: Rette sich, wer will. Überlegungen zum Werk von Elisabeth Rosenthal. In: Monika Brandmeier (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal. Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6, S. 43.

Performances In ihren Performances arbeitet Rosenthal mit spielerischen und absurden Handlungssituationen. Nicht vorhandene Dinge oder Fähigkeiten werden dabei nachgeahmt oder durch Ersatzhandlungen dargestellt, etwa beim Spielen auf einer gemalten Klaviatur, dem Einsatz von Playback anstelle der eigenen StimmePlaybackshow, 2010, präsentiert von kikimikeoderduke, SPOT, Dresden. In: Monika Brandmeier (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal. Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6. oder dem Verfolgen eines blauen Lichtpunkts.

Häufig wird das Publikum in die Handlungen einbezogen wie etwa bei der Performance Birdywork (2012) im Rahmen einer Residency des VASL Artists' Collective in Karatschi, Pakistan. Das pakistanische Magazin Herald beschrieb Rosenthals Auftritt auf dem Khadda Market in Karachi wie folgt: „In einem weißen an den Film Clockwork Orange erinnernden Outfit […] pfiff sie kleine, vogelähnliche Melodien in ein Mikrofon an ihrem Kragen […] was andere dazu anregte, zurückzupfeifen und an einem surrealen, sprachlosen Dialog teilzunehmen.“ mini|Modell mini|Installation, Städtische Galerie Dresden mini|„Himmeldurchbruch“, Schleifbild

Skulpturen Skulptur bildet einen Ausgangspunkt von Rosenthals künstlerischer Praxis. Im Katalog zum Kunstpreis Junger Westen 2011 sind mehrere Arbeiten Rosenthals dokumentiert, darunter Arbeitsurlaub, Fakeklavier und Birdywork.Ferdinand Ullrich, Hans-Jürgen Schwalm (Hrsg.): Kunstpreis Junger Westen 2011: Plastik, Skulptur, Installation. Kunsthalle Recklinghausen, Recklinghausen 2011, ISBN 978-3-939753-36-0, S. 74–77. Ihre skulpturale Arbeit ist eng mit ihren Installationen und Performances verbunden.

Zeichnungen und Schleifbilder Zeichnung bildet neben der Skulptur einen Ausgangspunkt von Rosenthals künstlerischer Praxis. Sie zeigt Zeichnungen sowohl im Kontext von Installationen und Performances als auch als eigenständige Arbeiten. Ihre Zeichnungen waren u. a. in der Gruppenausstellung Geradewohl (Berlin, 2017) und in der Einzelausstellung Ostinato (Hamburg, 2022) zu sehen.

Kunst am Bau Für die Kita „Pieschner Kinderinsel“ in Dresden realisierte Rosenthal 2022 eine künstlerisch gestaltete Mauerscheibe im Eingangsbereich. Im Jahr 2026 entwickelte sie für das Kinder- und Jugendkulturzentrum MAXIM in Berlin-Pankow den Wettbewerbsentwurf „Flügge“, eine serielle Komposition aus 82 geometrischen Holzformen.

Ausstellungen

Einzelausstellungen 2022: Ostinato, Galerie Oel-Früh, Hamburg. 2024: Ostinato, ZF Projektraum, Berlin.

Gruppenausstellungen (Auswahl) 2009: Bundeswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2010: Open Studios, Dumbo-Brooklyn-Art-Festival, Triangle Gallery, New York 2010: Hegenbarth-Stipendiaten stellen aus, Stadtmuseum Dresden 2011: Kunstpreis Junger Westen 2011: Plastik, Skulptur, Installation, Kunsthalle Recklinghausen.Ferdinand Ullrich, Hans-Jürgen Schwalm (Hrsg.): Kunstpreis Junger Westen 2011: Plastik, Skulptur, Installation. Kunsthalle Recklinghausen, Recklinghausen 2011, ISBN 978-3-939753-36-0. 2012: Ersatzmonument, C. Rockefeller Center for the Contemporary Arts, Dresden 2014: Bulgarische Arbeit, geh8 Kunstraum und Ateliers, Dresden 2015–2016: Blue Moon – The Feeling of Light, Kunsthalle HGN, Duderstadt 2017: Geradewohl, Toolbox, Berlin 2017: MULTIPOLIS – Images of the City, GEH8, Dresden 2019: Gipfeltreffen – Aus Rücksicht auf die Zukunft, GEH8, Dresden 2022: raumohneraum #7, KUNSTPUNKT Berlin, Berlin. 2023: Strange Forward, GE59, Berlin 2024: Weit weg und doch so nah – Eine Annäherung zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich, WIL16, Dresden 2025: ECHO ECHO – Ein Parcours durch den Stadtraum, Skulpturverein, Berlin.

Kunst am Bau 2022: Kunst-am-Bau-Arbeit für die Pieschner Kinderinsel, Dresden 2025/26: Flügge, Wettbewerbsbeitrag für das MAXIM Kinder- und Jugendkulturzentrum, Berlin-Pankow; nicht realisiert

Performances (Auswahl) seit 2008: Sailor-Single, wiederkehrende Performancefigur und Alter Ego. 2010: Birdywork, Performance im Albertinum, Dresden.Monika Brandmeier (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal. Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6, hintere Umschlagseite. 2010: Playbackshow, Performance, präsentiert von kikimikeoderduke, SPOT, Dresden.Monika Brandmeier (Hrsg.): Elisabeth Rosenthal. Sandstein Verlag, Dresden 2016, ISBN 978-3-95498-251-6, Abschnitt „Ausstellungen (Auswahl)“. 2012: Birdywork, Karatschi, Pakistan 2015: Sailor-Single & TomSky, GEH8 Kunstraum und Ateliers, Dresden. 2024: Sailor-Single, Performance zur Eröffnung der Ausstellung Domus Square Dance, Meinblau Projektraum, Berlin.

Weblinks Website von Elisabeth Rosenthal Instagram

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Berlin) Kategorie:Bildhauer (Berlin) Kategorie:Bühnenmaler Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1981 Kategorie:Frau