Lutz Hans Eckensberger (* 24. November 1938 in Berlin) ist ein deutscher Psychologe und ehemaliger Direktor des DIPF Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation.Lutz Eckensberger, Dr. Professor Emeritus at DIPF auf Research Gate, abgerufen am 17. August 2026.
Leben Er wurde als Sohn von Hans und Ursula Eckensberger geboren. Sein Diplom in Psychologie erwarb er 1964 an der Universität des Saarlandes. 1969 promovierte und 1972 habilitierte er ebenfalls an der Universität des Saarlandes; sein Mentor dabei war Ernst Boesch.
1972 wurde er zum Professor für Sozialpsychologie an der Universität des Saarlandes ernannt und er leitete hier die Forschungsstelle für Kindesentwicklung und Erziehungshilfe. 1996 wechselte er an die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1996 wurde er Leiter der Abteilung Kultur und Bildung am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und seit 1996 war er dessen Direktor. 2004 verabschiedete er sich in den Ruhestand.
Werk Seine Arbeitsschwerpunkte bezogen sich auf Sozialpsychologie, moralische Urteilsforschung, kulturvergleichende Psychologie und Entwicklungspsychologie; er hat systematische und methodologische Beiträge zur Kulturpsychologie und zu indigenen Psychologien geliefert.
Seine Forschungsarbeiten konzentrieren sich beispielsweise auf die Entwicklung normativer Bezugssysteme (Moral, Recht etc.) in der Ontogenese sowie deren Kontextualisierung in größeren Problemfeldern wie Umwelt, Gesundheit und Demokratie. Nach ihm sind moralische Urteile weder rein kognitiv noch rein kulturell, sondern sie sind hybride Handlungsprodukte, die Fakten, Normen und kulturelle Lebenswelten gleichzeitig verarbeiten und sie enthalten immer sowohl normative (Soll‑Aussagen) als auch deskriptive (Faktenwissen, Situationsverständnis) Komponenten. Seine kulturpsychologische Theorie beschreibt die Voraussetzungen für demokratische Gesellschaften, diese sieht er in Selbstverantwortung, Toleranz, Vertrauen und Solidarität; diese Normen müssen kulturell gelernt werden.
Ehrungen/Positionen 2017: Ernst Boesch-Preises für Kulturpsychologie 1997: Nehru Chair an der Maharaja Sayajirao University of Baroda 1985: Fellowship am Wissenschaftskolleg zu Berlin
Privates Er ist verheiratet mit Uta S. Dewald; aus der Ehe gingen die Kinder Jessica und David hervor.
Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Stefan Weyers; Monika Sujbert: Recht und Unrecht aus kindlicher Sicht: die Entwicklung rechtsanaloger Strukturen im kindlichen Denken und Handeln. Waxmann, Münster 2007, ISBN 978-3830918684. Mit Alexander Thomas: Kulturvergleichende Psychologie: eine Einführung. Verl. für Psychologie Hogrefe, Göttingen, 1993, ISBN 978-3-801-70408-7. Ethische Norm und empirische Hypothese. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 978-3-518-28688-3. Mit Margret Maria Baltes: Emotion und Reflexivität. Urban und Schwarzenberg, München 1985, ISBN 978-3-541-14251-4. Entwicklung sozialer Kognitionen: Modelle, Theorien, Methoden, Anwendung. Klett-Cotta, Stuttgart 1980, ISBN 978-3-129-22111-2. Unterrichtsprobleme an technisch-gewerblichen Ausbildungsstätten in Entwicklungsländern. Klett, Stuttgart 1968.
Herausgeberschaften Mit Beate Tröger; Hermann Zayer (Hrsg.): Erinnerungen – Perspektiven. 50 Jahre Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt am Main 2002. Bericht über den 37. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Kiel 1990. Band 1: Kurzfassungen. Hogrefe Verlag, Göttingen 1990, ISBN 978-3-8017-0416-2. Bericht über den 31. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Mannheim 1978. Bd. 1: Grundlagen u. Methoden der Psychologie. Bd. 2: Praxisfelder Hogrefe Verlag, Göttingen 1979, ISBN 978-3801701529. Mit Uta S. Eckensberger: Bericht über den 28. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Saarbrücken. Band 3: Gruppendynamik und soziale Kognitionen. Hogrefe Verlag, Göttingen 1974, ISBN 978-3801700898. Mit Uta S. Eckensberger: Bericht über den 28. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Psychologie in Saarbrücken 1972. Band 1; Wissenschaftstheorie und Psycholinguistik. Verlag für Psychologie Dr. C.J. Hogrefe, Göttingen, 1974.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Szu-Chia Chang: Education for Becoming a Good Citizen in the West and in Asia: An Action Theory Approach. In: U. Kim; Y.-S. Park (Hrsg.): Asia's Educational Miracle: Psychological, Social, and Cultural Perspectives. LLC Publisher, New York 2017, ISBN 978-0367664190. Culture-Inclusive Action Theory: Action Theory in Dialectics and Dialectics in Action Theory. In: Jaan Valsiner (Hrsg.): The Oxford Handbook of Culture and Psychology (S. 357–402). Oxford University Press, Oxford 2012, ISBN 978-019-5-39643-0. Kulturvergleichende Psychologie, indigene Psychologien und Kulturpsychologie: Eine harmonische oder disharmonische Familienbeziehung? Bemerkungen aus Sicht der Entwicklungspsychologie. In: B. Mayer; Hans-Joachim Kornadt (Hrsg.): Psychologie – Kultur – Gesellschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16696-4. Mit R. Maslowski; H. Breit; J. Scheerens: A Conceptual Framework on Informal Learning of Active Citizenship Competencies. In: J. Scheerens (Hrsg.): Informal Learning of Active Citizenship at School. Lifelong Learning Book Series, vol 14. Springer, Dordrecht 2009, ISBN 978-1-4020-9620-4. Mit T. Döring; A. Huppert; H. Breit: Risk management and morality in agriculture: Conventional and organic farming in a German region. In: Michael J. Casimir (Hrsg.): Culture and the Changing Environment. Berghahn Books, New York 2008, ISBN 978-1-57181-478-4. Zur Dialektik von Form und Inhalt moralischer Urteile. In: Jahrbuch / Wissenschaftskolleg zu Berlin (S. 255–265). Berlin 1983.
Weblinks
Lutz H. Eckensberger auf Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 17. August 2026.
Literatur Ingrid Plath; Ines Graudenz; Heiko Breit: Kultur – Handlung – Demokratie: Dreiklang des Humanen (Festschrift anlässlich der Emeritierung von Lutz H. Eckensberger, gewidmet vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung). VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15889-1.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Hochschullehrer (Universität des Saarlandes, Saarbrücken) Kategorie:Hochschullehrer (Goethe-Universität Frankfurt am Main) Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann