Unstern ist ein Gedicht von Heinrich Heine das als sechstes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist. 1840 ist es bereits in Heines Sammelschrift Der Salon. Vierter Band erstmals abgedruckt worden.

Das Gedicht besteht aus 3 paargereimten Vierzeilern aus jambischen Vierhebern, wobei jeweils der 1. und 2. Vers hyperkatalektisch verlängert sind.

Text Der Stern erstrahlte so munter, Da fiel er vom Himmel herunter. Du fragst mich, Kind, was Liebe ist? Ein Stern in einem Haufen Mist.

Wie'n räudiger Hund, der verrecket, So liegt er mit Unrath bedecket. Es kräht der Hahn, die Sau sie grunzt, Im Kothe wälzt sich ihre Brunst.

O, fiel ich doch in den Garten, Wo die Blumen meiner harrten, Wo ich mir oft gewünschet hab' Ein reinliches Sterben, ein duftiges Grab!

Deutung und Hintergrund Den fallenden „Stern der Liebe“ hat Heine schon 1823 im Lyrischen Intermezzo Nr. 59 behandelt, dort zusammen mit dem Bild des sterbenden, im „Flutengrab“ versinkenden Schwans: Der Stern ist knisternd zerstoben, Verklungen das Schwanenlied.Heinrich Heine: Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo. Dümmler, Berlin 1823, S. 120.

Der Kontrast dazu hier könnte nicht größer sein. Keine Rede mehr vom schwanengleichen Versinken, ein „reinliches Sterben, ein duftiges Grab“ ist dem lyrischen Ich nicht gegönnt. Jeffrey L. Sammons schreibt dazu: „Dies ist das düsterste von Heines Gedichten vor dem Romanzero und seine gnadenlose Bitterkeit zersetzt das Gefüge der Neuen Gedichte teilweise.“Jeffrey L. Sammons: Heinrich Heine, the Elusive Poet. Yale University Press, New Haven und London 1969, S. 205: „This is the blackest of Heine’s poems before Romanzero, and its merciless acidity has the effect of dissolving some of the fabric of Neue Gedichte.“

Die erste Strophe von Anno 1829, dem folgenden Gedicht des Zyklus, schließt mit dem Wunsch nach einem geeigneten Ort für den Tod an die letzte Strophe hier an: Daß ich bequem verbluten kann, Gebt mir ein edles, weites Feld!

Rezeption Das Gedicht wurde vertont von Adriaan de Wit (op. 22, Sieben Heine-Lieder no. 7, Sopran oder Mezzosopran und Klavier, 1999) und Don Forsythe (Romanzen no. 6, Gesang und Klavier, ca. 2008).

Ausgaben Erstdruck: Unstern. In: Der Salon. Vierter Band. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 133. Erstausgabe: Unstern. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 175.

Werkausgaben: Unstern. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 79. Unstern. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 72. Unstern. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. 2. Auflage. Band 1. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, .

Literatur Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 328.

Weblinks

Unstern im LiederNet Archive

Einzelnachweise Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 72. Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 328. Unstern im LiederNet Archive, abgerufen am 17. August 2026.

Kategorie:Gedicht Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Heinrich Heine Kategorie:Literatur (Deutsch)