Die Tötung von Thomas Schulz war ein rechtsextremistisch motiviertes VerbrechenTod von Punker Thomas Schulz war rechte Gewalt. Ruhrnachrichten, 5. Oktober 2024 (abgerufen am 17. August 2026), bei dem am 28. März 2005 der 31-jährige Punker und Familienvater Thomas Schulz von dem jugendlichen Neonazi Sven K. am Dortmunder U-Bahnhof Kampstraße erstochen wurde.
Tathergang mini|U-Bahnhof Kampstraße, Dortmund Thomas Schulz war mit einer Gruppe von Freunden auf dem Weg zu einem Konzert, als die Punker am frühen Abend an der U-Bahn-Station Kampstraße auf den in szeneüblicher Kleidung auftretenden Neonazi Sven K. und dessen Freundin trafen. Nach dem Austausch gegenseitiger Beleidigungen wollte Schulz allein den Kontrahenten zur Rede stellen. Während dieser verbalen Auseinandersetzung zog Sven K. beim Einfahren der Bahn um 19.03 Uhr ein beidseitig geschliffenes Wurfmesser und stach seinem unbewaffneten Opfer in die Brust. Trotz sofortiger Erstversorgung durch Passanten verstarb Schulz kurze Zeit später im Krankenhaus nach einer Notoperation an den Folgen der Verletzungen.Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland. Eine Geschichte der Gewalt. C. H. Beck, 2012, S. 226ff Das Gericht stellte später fest, es habe keine Bedrohung vorgelegen, Schulz sei „in der konkreten Tatsituation arglos und damit wehrlos diesem Überraschungsangriff ausgesetzt“ gewesen.Warum starb Thomas Schulz, Störungsmelder, 26. März 2015 (abgerufen am 17. August 2026)
Der Täter versuchte, mit der U-Bahn zu fliehen, die die Station jedoch nicht verließ; die Fahrerin setzte einen Notruf ab. Nach kurzer Flucht zu Fuß wurde K. kurz darauf am Hauptbahnhof verhaftet.
Öffentliche Reaktion und Gedenken In den Tagen nach der Tat kam es in Dortmund zu Demonstrationen gegen rechte Gewalt mit mehreren Tausend Teilnehmern. In der Folge des Verbrechens gründete sich die Antifaschistische Union Dortmund, die über viele Jahre eine jährliche Demonstration im Gedenken an Thomas Schulz organisierte.„Der Mord war der traurige Anlass zur Gründung unserer Gruppe“. Lotta Magazin, 28. Juni 2025 So gab es anlässlich des 10. Jahrestages mehrere Gedenkveranstaltungen an verschiedenen Stellen Dortmunds, zum zentralen Gedenkmarsch versammelten sich 1.500 Menschen.Der Dortmunder Demo-Samstag in 422 Bildern. Westfälische Rundschau, 28. März 2015 Zum 20. Jahrestag der Tat versammelten sich noch 500 Menschen im Gedenken an Thomas Schulz.500 Antifas erinnern an Thomas »Schmuddel« Schulz. Neues Deutschland, 30. März 2025
Bereits einige Monate nach dem Tod von Thomas Schulz wollte die zuständige Dortmunder Bezirksvertretung an der Kampstraße eine Gedenktafel anbringen lassen. Die CDU-Fraktion des Stadtrates brachte dagegen einen Antrag ein und der Rat lehnte das Ansinnen ab, da eine solche Mahntafel das „subjektive Sicherheitsempfinden“ beeinträchtigen zu einer „Pilgerstätte für Extremisten“ werden könne. Wiederholte Versuche privater Initiativen, eine Gedenktafel anzubringen, wurden unterbunden.Dortmunder Zustände. Ox-Fanzine, #119, April/Mai 2015. 2015 bestätigte die Bezirksvertretung, dass durch den Fachausschuss die Anbringung einer Gedenktafel in Rahmen der laufenden Planung für den Boulevard Kampstraße berücksichtigt, entsprechend gestaltet und im Nahbereich der Haltestelle Kampstraße verortet werde.Gedenktafel Thomas Schulz. Stadt Dortmund, Drucksache Nr.: 00129-15-E1, 26. Mai 2015 Auf Wunsch der Familie von Thomas Schulz nahm die Bezirksvertretung jedoch später Abstand von der Maßnahme.Rechtsextremismus: 12. Jahrestag des Mordes an Thomas Schulz – Die Gedenktafel wird nicht mehr kommen. Nordstadtblogger, 28. März 2017
2008 entstand am Bochumer Hauptbahnhof das große Mural „Uno di Noi“, das sieben Opfer neonazistischer Gewalt aus ganz Europa zeigte, darunter als am prominentesten sichtbarer Kopf der von Thomas Schulz. Bei Umbauarbeiten am Bochumer Bahnhof wurde das Wandgemälde schon im Jahr darauf überbaut. Das Projekt wurde filmisch begleitet, wobei auch die Geschichte der Opfer erzählt wird.Uno di Noi. You Tube (abgerufen am 17. August 2026)
2022 erschien im Ventil Verlag die Graphic Novel Druckluft von Heiko Koch und Patrick MacAllister, die auf die Schicksale von Thomas Schulz und anderen Opfern rechter Gewalt in Dortmund Bezug nimmt und ihnen gewidmet ist.„Druckluft“ – Ein Comic im Kontext von Antifa, Punk und Subkultur. Rosa-Luxemburg-Stiftung (abgerufen am 17. August 2026)
In der Reihe Lokalzeit MordOrte erschien 2025 eine Dokumentation über die Tötung von Thomas Schulz, in der die Tat und ihre Auswirkungen auf die Stadt Dortmund thematisiert werden. Zudem erläutert Nils Oskamp die Person Thomas Schulz und wie eine angemessene Erinnerungskultur aussehen könnte.Neonazi ersticht Punk Schmuddel. MordOrte, Folge 167, Inhaltsbeschreibung von fernsehserien.de (abgerufen am 17. August 2026)
Rechte Szene In der rechten Szene Dortmunds wurde die Tat und der Täter glorifiziert. Tage nach der Tat waren in Dortmund Plakate mit der Aufschrift „Wer sich der Bewegung in der Weg stellt, muss mit Konsequenzen rechnen!“ zu sehen und es formierte sich eine gewaltbereite Anti-Antifa-Gruppierung in der Stadt. Noch Jahre später wurde die Tötung aus der Dortmunder Neonazi-Szene zur Provokation von politischen Gegnern genutzt, etwa durch Aufkleber in der Stadt, Bannern auf Demonstrationen und Sprechchören wie „Thomas Schulz, das war Sport“Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2014. Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, S. 62 oder „Schmuddel hat‘s erwischt!“ Die Gedenkdemonstration anlässlich des 10. Jahrestags der Tat versuchten rechte Gruppen durch eine Kundgebung und ein Rechtsrock-Konzert auf einem Parkplatz am Remydamm in der Nähe des Westfalenstadions zu stören, was durch behördliche Auflagen weitgehend verhindert wurde.Dortmund gedenkt Thomas Schulz. Störungsmelder, 29. März 2015
Gerichtliche Aufarbeitung Der bei der Tat 17-jährige Sven K. war laut Feststellungen des Gerichts "anerkanntes und respektiertes Mitglied" der neonazistischen Kameradschaftsszene in Dortmund. Punker, die er als Zecken bezeichnete, gehörten "zu seinen Feindbildern". Bereits einige Monate zuvor hatte er in einem Regionalzug einen Punker beleidigt und mehrfach ins Gesicht geschlagen, wofür er drei Wochen vor dem Angriff auf Thomas Schulz zu einer Woche Dauerarrest und Schmerzensgeld verurteilt worden war. Den Angriff auf Schulz wertete das Gericht als Totschlag und erkannte, obwohl Schulz „wehrlos diesem Überraschungsangriff ausgesetzt“ gewesen sei, kein Mordmerkmal der Heimtücke und schloss eine politische Motivation aus. K. wurde er zu 7 Jahren Haft veruteilt. Während der Haft hielt K. engen Kontakt zur rechtsextremen Szene und wurde durch die Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige unterstützt.
Dass das Gericht, trotz K.s bekanntem Rechtsextremismus und den offenen Solidaritätsbekundungen aus der Szene, eine politische Motivation der Tat ausschloss, sorgte für Unverständnis. Der Streit um die Einordnung als rechtsextreme Straftat dauert jahrelang.Führung der Statistik zu neofaschistischen Mord- und Totschlagsdelikten in NRW. Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 682 vom 4. April 2011 der Abgeordneten Anna Conrads, Drucksache 15/1866, 3. Mai 2011 Erst im September 2024 wurde das Verbrechen aufgrund der Erkenntnise einer Forschungsgruppe des Landeskriminalamts aufgrund „eindeutiger Hinweise auf eine rechtsmotivierte Tat“ als rechte Gewaltat anerkannt. mini|Hirsch-Q, Dortmund Brückstraße
K. wurde trotz ungebrochener rechtsextremer Haltung und Kontakten im Herbst 2010 mit einer positiven Sozialprognose vorzeitig aus der Haft entlassen. Er war anschließend weiterhin offen in der rechtsradikalen Szene aktiv und beging einschlägige Gewalttaten. Schon im Dezember 2010 war K. unter den Angreifern auf die linke Kneipe Hirsch-Q in der Dortmunder Brückstraße, wofür er im Mai 2014 zu 16 Monaten Haft verurteilt wurde. Im November 2011 schlug er einen Kneipenwirt ins Gesicht und wurde trotz laufender Bewährung zu einer erneuten Bewährungsstrafe verurteilt. Ende November 2011 griff er auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt zwei türkische Jugendliche tätlich an und erhielt erneut eine Haftstrafe von 21 Monaten ausgesprochen.Neonazis greifen Jugendliche an. Der Spiegel, 28. November 2011Der Fall Thomas Schulz. Westfälische Rundschau, 28. März 2015Neonazis in Dortmund: Der Osten reicht bis in den Westen., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. November 2011
Weblinks Neonazi ersticht Punk in U-Bahn. ARD Mediathek, 21. März 2025
Einzelnachweise
Schulz, Thomas Kategorie:Neonazistische Straftat Kategorie:Kriminalfall 2005 Kategorie:Kriminalfall in Deutschland Kategorie:Geschichte (Dortmund) Kategorie:Geschichte Nordrhein-Westfalens (21. Jahrhundert)