mini|Maskhuta-Stele im Ägyptischen Museum in Kairo, Inventarnummer 1182 bzw. JE48855 mini|hochkant|Der Verlauf des alten Pharaonenkanal, auch Bubastis-Kanal genannt mini|hochkant|Fundstellen der Stelen Kubri, Shaluf, Serapeum und Maskhuta (vom Rotem Meer Richtung Nil). Zeichnung von Joachim Ménant 1887 mini|hochkant|Fragment der Stele von Shaluf, Louvre AO 2251
Bei den Suez-Stelen des Dareios I. handelt es sich um vier fragmentarisch erhaltene Stelen des achämenidischen Königs Dareios I. aus dem späten 6. bzw. frühen 5. Jahrhundert v. Chr. in Ägypten. Sie dokumentieren den Bau eines Kanals, der das Rote Meer mit dem Nil verband. Die über 3 m hohen Stelen sind aus ägyptischem Rosengranit geformt und zeichnen sich durch ihre zweisprachigen Inschriften in Hieroglyphen und Keilschrift aus.
Beschreibung In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden am Suezkanal, am Verlauf des alten Pharaonenkanals, vier Stelen von Dareios I. entdeckt. Es handelt sich fragmentarisch erhaltene, langrechteckige, oben abgerundete Monumente aus Rosengranit mit ägyptischen und persischen Elementen, die sich in der Struktur und den Aufstellungsorten ähneln. Die bedeutendste ist die Stele von Shaluf (oder Kabret), die durch den Franzosen Charles Pascal de Lesseps 1866 im Rahmen des Baus des modernen Suezkanals gefunden wurde. Die drei weiteren sind als die Stelen von Kubri (oder Suez), Serapeum (oder Matroukah) und Maskhuta bekannt. Die Stelen standen in einem architektonischen Kontext, der aus mehreren weniger bekannten und überwiegend persischen Denkmälern bestand.Melanie Wasmuth: Political Memory in the Achaemenid Empire: The Integration of Egyptian Kingship into Persian Royal Display. In: Jason M Silverman, Caroline Waerzeggers: Political Memory in and After the Persian Empire (= Ancient Near East monographs. = Monografiás sobre el Antiguo Cercano Oriente. Band 13). SBL Press, Atlanta 2015. S. 203–238.Melanie Wasmuth: Ägypto-persische Herrscher- und Herrschaftspräsentation in der Achämenidenzeit (=Oriens et Occident. Band 27). F. Steiner, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11693-0.
Die Stelen waren an strategischen Punkten des Kanals zwischen dem Roten Meer und dem Wadi Tumilat aufgestellt. Die Kubri-Stele stand an der Golfküste von Suez, während die Stelen von Shaluf und Serapeum südlich beziehungsweise nördlich der Bitterseen platziert waren. Die Maskhuta-Stele befand sich bei der ersten wichtigen Stadt im Wadi Tumilat.
Das Charakteristikum der Stelen ist die ägyptischen und keilschriftlichen Inschriften, die entweder auf je einer Seite einer Stele oder auf zwei verschiedenen Stelen angebracht sind. Die ägyptische Sprachversion ist in Hieroglyphen geschrieben und folgt der ägyptischen Ikonografie, während die keilschriftlichen Schriftstücke einen kürzeren Text in altpersischer, elamischer und babylonischer Sprache enthalten und hauptsächlich der persischen Ikonografie folgen. Beide Ikonografien enthalten Elemente der jeweils anderen: Die persische Ikonografie wird durch die Kartusche durchbrochen, die die Inschrift DZa umrahmt; die ägyptische Ikonografie sprengt altägyptische Traditionen sowohl durch die Liste fremder geografischer Namen, die Haltung und Kleidung ihrer Vertreter als auch durch die persischen königlichen Titel. Für die ägyptische Seite werden sechs verschiedene Inschriften mit den Abkürzungen DZeg1–6 unterschieden. Für die persische bzw. keilschriftliche Seite sind sechs Inschriften mit den Siglen DZa–f in die Liste achämenidischer Königsinschriften aufgenommen.Rüdiger Schmitt: Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden. Editio minor mit deutscher Übersetzung. Reichert, Wiesbaden 2009, S. 17–18. (). 2. Auflage Wiesbaden 2023. ISBN 978-3-7520-0716-9.
Kubri-Stele Die Kubri-Stele – wegen der Nähe zur Hafenstadt Suez öfters auch Suez-Stele genannt – ist eine zweiseitig dekorierte Stele. Ihre Bruchstücke wurden 1866 ungefähr 50 m westlich des perserzeitlichen Kanals bei der modernen Siedlung Kubri gefunden. Diese liegt ungefähr 7 km nördlich von Suez.
Die Stele war ursprünglich 0,80 m dick, 1,85 m breit und 3,12 m hoch. 1911 waren noch größere Teile der Stele vorhanden, wie ein Viertel der Stelenbreite am linken Rand der ägyptischen Seite in voller Höhe sowie die rechte untere Ecke mit hieroglyphischen Resten. In Anlehnung an die anderen Stelen kann die Struktur der Kubri-Stele weitgehend rekonstruiert werden. Zusätzlich wurde ein Fragment mit babylonischen Keilschriftzeichen gefunden, das der Inschrift DZf zugeordnet wird. Der Text des Fragments stellt den einzigen gesicherten Nachweis der babylonischen Übersetzung für die Inschrift DZc dar, da er hinreichende inhaltliche Parallelen zum altpersischen und elamischen Text der Shaluf-Stele bietet und eine gemeinsame Vorlage vermuten lässt. Ein zweites Fragment mit mehreren keilschriftlichen Zeichen, das die Bezeichnung DZd trägt, wird einer verschollenen zweiten Stele in Kubri zugeordnet. Die Zuweisung ist aber umstritten.
Shaluf-Stele Die Shaluf-Stele ist eine zweiseitig dekorierte Stele, die in der Literatur unter verschiedenen Namen aufgeführt wird: Kabret, Kabrit, Kebret, Qabret, Chal(o)uf, Shallûf(a), Shaluf. Die Bezeichnung als Stele von Shaluf rührt vom Bearbeitungsort der nördlich gelegenen Ortschaft Shallûf her, wo die gefundenen Fragmente vom Grabungsteam bearbeitet wurden. Die mit Kabret gebildeten Bezeichnungen gehen auf den Fundort in der Nähe der heutigen Siedlung Kabret zurück. Die Stele wurde 1866 in der Nähe der 61-km-Marke des modernen Süßwasserkanals westlich des Suezkanals gefunden: ungefähr 2 km östlich des Süßwasserkanals und 12 km von Shallûf und knapp 40 km von Suez entfernt.Gaston Maspero: Pièces relatives à la découverte du monument de Chalouf. In: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes: pour servir de bullletin à la Mission Française du Caire. Band 7, 1886, S. 1–8 (online Auf: digi.ub.uni-heidelberg.de).
Die Stele maß ursprünglich in der Dicke 78 cm, in der Breite 2,30 m und in der Höhe mindestens 3 m. Sie wurde bereits in der Antike zerstört und ist mit mindestens 30 Fragmenten überliefert. Die größeren Fragmente befinden sich im Museum in Ismailia, die kleineren Stücke verblieben in Shallûf und sind verschollen.
Die eine Seite der Stele ist weitgehend in ägyptischer und die andere hauptsächlich in persischer Ikonografie gehalten. Obwohl die Kubri-Stele ebenfalls zweiseitig dekoriert und der Shaluf-Stele ähnlich ist, beziehen sich die persischen Inschriften DZa, DZb und DZc primär auf die Shaluf-Stele, da bei dieser die persische Seite besser erhalten ist.
Serapeum-Stele Die Serapeum-Stele bzw. Stele von Matroukah, stand ungefähr 14 km südlich von Ismailia auf einem kleinen Hügel nördlich des Timsahsees. Aus dem 19. Jahrhundert sind verschiedene Hinweise auf keilschriftliche und hieroglyphische Fragmente aus Rosengranit bekannt, die aber keine Rekonstruktion erlauben. Vermutlich standen in der Umgebung von Serapeum wenigstens zwei Stelen, wovon mindestens eine eine Keilschriftaufschrift enthielt. Bei Ausgrabungen im Jahr 1884 wurden mindestens 23 Fragmente mit Hieroglyphen entdeckt, die 1886 in den Louvre gebracht wurden. Seit 1888 sind diese ebenso wie ihre Abklatsche verschwunden.
Maskhuta-Stele Die Maskhuta-Stele wurde in der Umgebung von Tell el-Maschuta – ungefähr 1 km südöstlich der Ruinenstätte – in mehreren Bruchstücken gefunden. Wladimir Semjonowitsch Golenischtschew legte sie 1889 frei und brachte sie ins Ägyptisches Museum in Kairo, wo sie zusammengesetzt mit der Inventarnummer 1182 bzw. JE48855 in der Dauerausstellung des Museums zu sehen ist.
Die Stele ist zu drei Vierteln erhalten und misst ca. 2,10 m in der Breite, 1 m in der Dicke und war mindestens 3,15 m hoch. Sie ist einseitig im ägyptischen Stil dekoriert, wovon etwa die Hälfte erhalten ist. Der Name Dareios ist in ägyptischen Hieroglyphen zwischen den beiden Nilgottheiten auf der sm3-Hieroglyphe in einer Kartusche abgebildet.
Das keilschriftliche Fragment aus dem Umfeld der Maskhuta-Stele, das heute verschollen und nur noch über eine Zeichnung erhalten ist, wird meist einer zweiten Stele zugeordnet. Es handelt sich um die Inschrift DZe. Die Zuordnung zu einer zweiten Stele ist umstritten. Es könnte auch von persischen Monumenten aus der Umgebung stammen, womit der generell akzeptierten Forschungsmeinung von zwei Stelen – einer persischen und einer ägyptischen Stele in Tell el-Maschuta – die Grundlage fehlen würde.
Ägyptische Seite Die ägyptische Seite der Kanalstelen folgt weitgehend ägyptischer Ikonografie und hat mehrere hieroglyphische Inschriften. Die Bezeichnungen der Inschriften sind Abkürzungen und setzen sich aus dem Namen des Königs (D für Dareios), dem Fundort der Inschrift (Z für Suezkanal), der Sprache (eg für englisch egyptian) und einer fortlaufenden Nummer zusammen. Variationen einer Inschrift werden mit einem zusätzlichen Index unterschieden. Für die Kanalstelen sind insgesamt sechs Inschriften erfasst. Die Inschriften auf der Kabret- und der Kubri-Stele hatten eine gemeinsame Vorlage, während die Maskhuta-Stele eine eigenständige Textfassung aufweist. Insgesamt wurden die hieroglyphischen Texte nach einem von der persischen Seite unabhängigen Entwurf angefertigt.
Auf jeder Stele sind innerhalb eines Rahmens übereinander drei Register angeordnet. Das Giebelfeld im obersten Teil wird durch die zwei Nilgottheiten dominiert, die in ägyptischer Tradition die Vereinigung beider Länder vollziehen. In diesem Register sind die drei hieroglyphische Inschriften mit den Bezeichnungen DZeg1, DZeg2 und DZeg3 angeordnet. Die Inschrift der einzelnen Kartusche zwischen den Gottheiten trägt die Abkürzung DZeg1 und nennt den Namen des Königs (Dareios I.). Die beiden weiteren Inschriften sind Beischriften zu den Nilgottheiten.
Das mittlere Register enthält die Toponymenliste. Die Inschrift DZeg4 ist in der Mitte, deren Übersetzung Diskussionen unter den Forschern ausgelöst hat. Eine mögliche Übersetzung ist:
Links und rechts der Inschrift DZeg4 sind zweimal zwölf bildliche Darstellungen von Vertretern der Völkerschaften der verschiedenen Regionen des Achämenidenreichs dargestellt. Sie tragen zusammengefasst die Inschriftenbezeichnung DZeg5. Die Vertreter knien mit erhobenen Händen in einer Verehrungshaltung auf einem Umfassungsmaueroval, in das ihre Herkunftsangabe mit Hieroglyphen eingeschrieben ist. Diese wird auch „Länderkartusche“ genannt. Die Darstellungen unterscheiden sich durch Charakteristika der Tracht und manchmal der Physiognomie.
Die Wiedergabe der verschiedenen Völkerschaften als Toponymenliste in der Form von Länderkartuschen geht auf die ägyptische Tradition zurück. Allerdings unterscheidet sich diese von der Darstellungsform, wie sie auf den Stelen oder auch auf der Statue des Dareios I. aus Susa wiedergegeben wird. In rein ägyptischen Monumenten sind die unterworfenen Völker so dargestellt, dass die Umfassungsmauer den Unterkörper des jeweiligen Vertreters verdeckt bzw. der Vertreter aus ihr herauswächst; außerdem wird der Oberkörper als ein Gefangener mit hinter dem Rücken gefesselten Armen abgebildet. Ebenfalls in der ägyptischen Tradition kommt die Verehrungshaltung von Völkervertretern vor. Die Besonderheit der Darstellung auf den Stelen (und der Statue des Dareios I.) ist die Kombination der Verehrungshaltung mit den Länderkartuschen.
Das unterste Register der ägyptischen Seite der Stelen enthält das Textfeld der Inschrift DZe6, das aus 22 Zeilen besteht. Der Inhalt beschreibt das Königtum von Dareios I. und den Bau der Wasserverbindung vom Roten Meer zum Nil.
Persische Seite