Die britischen Prägedruckmarken (englisch British embossed postage stamps) waren drei britische Freimarken zu 1 Shilling, 10 Pence und 6 Pence, die unter Königin Victoria in den Jahren 1847, 1848 und 1854 ausgegeben wurden. Anders als die seit 1840 ausgegebenen Penny- und Two-Pence-Marken, die im Stichtiefdruck hergestellt wurden, entstand das Markenbild im Prägedruck.C. F. Dendy Marshall: The British Post Office from its Beginnings to the End of 1925. Humphrey Milford, Oxford University Press, London 1926 (Volltext im Internet Archive, abgerufen am 16. August 2026).
Die Ausgabe bildet innerhalb der frühen britischen Briefmarkenproduktion eine technisch eigenständige Gruppe. Jedes Markenbild wurde einzeln in den Papierbogen geprägt, wodurch die Herstellung aufwendig war und unregelmäßige Abstände zwischen den Marken entstanden. Ab 1855 wurden die höheren britischen Wertstufen schrittweise durch von De La Rue im Hochdruck hergestellte Marken ersetzt.
Begriff und Abgrenzung Die Bezeichnung Prägedruckmarke bezieht sich auf das bei der Herstellung verwendete Druckverfahren und nicht auf eine besondere postalische Funktion. Bei den britischen Ausgaben von 1847 bis 1854 handelt es sich um selbständige, gummierte Briefmarken, die ausgeschnitten und auf eine Postsendung geklebt wurden. In der englischsprachigen Fachliteratur werden sie daher auch als embossed adhesive stamps beziehungsweise embossed adhesive postage stamps bezeichnet.
Davon zu unterscheiden sind Ganzsachen mit einem im Prägedruck hergestellten Wertzeicheneindruck. Die britische Post verwendete den Prägedruck bereits vor Einführung der Prägedruckbriefmarken für Ganzsachenumschläge. Bei einer Ganzsache ist das Wertzeichen unmittelbar Bestandteil des Umschlags, der Karte oder eines anderen postalischen Vordrucks; bei einer Prägedruckbriefmarke handelt es sich dagegen um ein eigenständiges aufzuklebendes Postwertzeichen.
Auch in der deutschsprachigen philatelistischen Literatur wird für die britischen Ausgaben die Bezeichnung Prägedruckmarken verwendet. So bezeichnet die Forschungsgemeinschaft Großbritannien die entsprechenden Marken als „Prägedruckmarken von GB“, und in der philatelistischen Fachpresse wird auf die Verwendung des Dickinson-Seidenfadenpapiers bei den englischen Prägedruckmarken von 1847 und 1848 verwiesen.
Entstehung und Ausgaben Mit der Einführung der Penny Black und der Two Penny Blue im Jahr 1840 standen zunächst nur niedrige Wertstufen als Klebemarken zur Verfügung. Bei Postsendungen ins Ausland konnten jedoch wesentlich höhere Gebühren anfallen, die weiterhin häufig bar bezahlt werden mussten. Mitte der 1840er Jahre wurden deshalb höhere Wertstufen zu 10 Pence und 1 Shilling vorbereitet.
Als erste Prägedruckbriefmarke erschien am 11. September 1847 der grüne Wert zu 1 Shilling. Der ursprünglich ebenfalls vorgesehene 10-Pence-Wert folgte am 6. November 1848. Am 1. März 1854 wurde die Ausgabe um eine violette 6-Pence-Marke ergänzt.
Die Ausgabe umfasste damit drei Wertstufen:
Abbildung Nennwert Erstausgabe Farbe Papier 120px|zentriert|alt=Grüne britische 1-Shilling-Prägedruckmarke von 1847 1 Shilling 11. September 1847 Grün Dickinson-Papier mit Seidenfäden 120px|zentriert|alt=Braune britische 10-Pence-Prägedruckmarke von 1848 10 Pence 6. November 1848 Braun Dickinson-Papier mit Seidenfäden 120px|zentriert|alt=Violette britische 6-Pence-Prägedruckmarke von 1854 6 Pence 1. März 1854 Violett Papier mit VR-Wasserzeichen
Die Werte zu 1 Shilling und 10 Pence waren insbesondere für die Vorauszahlung höherer Auslandsportos vorgesehen. Die 6-Pence-Marke wurde unter anderem im Zusammenhang mit der seit 1848 auf 6 Pence herabgesetzten Einschreibegebühr sowie für verschiedene Auslandsportostufen geschaffen.
Gestaltung Das Porträt Victorias geht auf den Medailleur und Chefgraveur der Royal Mint, William Wyon, zurück. Grundlage war Wyons Porträt der Königin auf einer Medaille anlässlich ihres Besuchs in der City of London. Dieses Porträt hatte bereits als Grundlage für die Darstellung Victorias auf den ersten britischen Briefmarken von 1840 gedient.
Für die Prägedruckmarken zu 1 Shilling und 10 Pence wurde das Porträt in einen achteckigen Rahmen gesetzt. Die Gestaltung sollte die neuen Klebemarken auch optisch von den bereits vorhandenen geprägten Wertzeicheneindrucken auf Ganzsachen unterscheiden. Thomas Moss ergänzte am Somerset House die ornamentale Umrahmung und die Wertangabe. Auf den Arbeitsstempeln befanden sich am unteren Rand des Porträts die Buchstaben W.W. für William Wyon sowie die jeweilige Stempelnummer.
Für den 1-Shilling-Wert wurden zwei, für den 10-Pence-Wert vier Prägestempel verwendet. Die 6-Pence-Marke erhielt eine abweichende Gestaltung mit einem ovalen Porträtfeld und den Inschriften POSTAGE, SIX und PENCE. Für diese Briefmarke wurde nur ein Prägestempel verwendet.
Herstellung Die Marken wurden vom Board of Stamps and Taxes im Somerset House in London hergestellt. Anders als bei einem Druckbogen, bei dem sämtliche Markenbilder gleichzeitig von einer vollständigen Druckplatte übertragen werden, wurde beim Prägedruck jede einzelne Marke nacheinander in den Papierbogen geprägt.
Dieses Verfahren war langsam und erschwerte eine gleichmäßige Anordnung. Die Abstände zwischen benachbarten Marken konnten deshalb stark variieren; teilweise lagen die Prägebilder sehr dicht beieinander oder überlappten sich. Da die Marken ungezähnt ausgegeben und mit der Schere voneinander getrennt wurden, sind Exemplare mit vollständig erhaltenen Rändern entsprechend schwieriger zu finden.
Die einzeln erfolgende Prägung war außerdem ein Grund dafür, dass sich das Verfahren schlecht mit der Mitte der 1850er Jahre eingeführten Zähnung verbinden ließ.
Papier und Gummierung Die Werte zu 1 Shilling und 10 Pence wurden auf sogenanntem Dickinson-Papier gedruckt. Das von John Dickinson entwickelte Sicherheitspapier enthielt paarweise in das Papier eingebettete Seiden- beziehungsweise Baumwollfäden. Es war zuvor bereits für britische Ganzsachen verwendet worden.
Bei der 6-Pence-Marke kam stattdessen kräftigeres handgeschöpftes Papier mit einem Wasserzeichen aus den Buchstaben VR für Victoria Regina zum Einsatz. Das Wasserzeichen kann bei erhaltenen Exemplaren auch kopfstehend oder spiegelverkehrt vorkommen.
Die 6-Pence-Marke wurde zunächst mit farbloser Gummierung hergestellt. Nachdem mehrere Bogen versehentlich auf der bereits gummierten Seite geprägt worden waren, erhielt die Gummierung eine grünliche Tönung, um Vorder- und Rückseite des Papiers bei der Herstellung leichter unterscheiden zu können.
Ablösung durch Hochdruckmarken Das Prägedruckverfahren erwies sich aufgrund der Einzelprägung als zeitaufwendig und vergleichsweise teuer. Als 1855 eine neue 4-Pence-Marke benötigt wurde, entschied sich die britische Postverwaltung deshalb für den typografischen Hochdruck. Mit der Herstellung wurde De La Rue beauftragt.
Die erste dieser als surface-printed stamps bezeichneten Marken erschien am 31. Juli 1855. Der 6-Pence-Prägedruckwert wurde im Oktober 1856 und der 1-Shilling-Wert im November 1856 durch entsprechende Hochdruckausgaben ersetzt.
Beim 10-Pence-Wert verlief die Ablösung anders. Nach einer Senkung des Briefportos nach Frankreich von 10 auf 4 Pence zum 1. Januar 1855 sank der Bedarf erheblich; die Marke wurde im August 1855 zunächst aus dem Verkauf genommen. Aufgrund späterer Änderungen von Auslandsportos wurden vorhandene Restbestände in den 1860er Jahren nochmals ausgegeben. Erst 1867 erschien auch ein 10-Pence-Wert im Hochdruck.
Damit blieb die Prägedruckausgabe mit ihren drei Wertstufen eine kurze, technisch eigenständige Phase zwischen den frühen britischen Stichtiefdruckmarken und den ab 1855 dominierenden Hochdruckausgaben.
Literatur C. F. Dendy Marshall: The British Post Office from its Beginnings to the End of 1925. Humphrey Milford, Oxford University Press, London 1926, 354 S. (Volltext im Internet Archive). Fred J. Melville: Great Britain: Embossed Adhesive Stamps. Melville Stamp Books, London 1910. Robert B. Galland: The First Low Value Surface Printed Postage Stamps of Great Britain 1855–1880. Sir Daniel Cooper Lecture, The Royal Philatelic Society London, 8. Mai 2014 (PDF).
Einzelnachweise
Kategorie:Briefmarke (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Ersterscheinen 1847 Kategorie:Victoria (Vereinigtes Königreich)