Laurentaeglyphea neocaledonica ist eine Art der Zehnfußkrebse innerhalb der Glypheidea aus dem südwestlichen Pazifik. Sie ist die einzige Art der Gattung Laurentaeglyphea und neben Neoglyphea inopinata eine von nur zwei heute lebenden Arten der Glypheidea. Die Art ist bislang nur von ihrem 2005 im Korallenmeer südwestlich von Neukaledonien gefangenen Holotypus bekannt.

Merkmale Der Holotypus der Art ist ein vermutlich ausgewachsenes, adultes, Weibchen mit einer Gesamtlänge von etwa 62 Millimetern. Der Carapax ist 26,6 Millimeter lang und 9 Millimeter breit. Der Körper ist im Vergleich zu dem von Neoglyphea inopinata relativ kurz und gedrungen. Die Grundfärbung ist rosa-beige mit kräftig roten Flecken auf dem Pleon, der Oberseite des Cephalothorax und dem ersten Schreitbeinpaar.

mini|links|Holotypus von Laurentaeglyphea neocaledonica, Dorsalansicht Der Carapax ist mäßig langgestreckt, eine tiefe Cervicalfurche trennt seinen vorderen und hinteren Bereich. Auf dem vorderen Teil befinden sich sechs kräftige, glatte Längskiele, von denen die beiden mittleren im vorderen Bereich miteinander verschmelzen. Postcervical- und Branchiocardialfurche sind deutlich ausgebildet. Das Rostrum ist vergleichsweise kurz und besitzt glatte Ränder.

Die Augen sind groß und besitzen eine stark entwickelte Cornea. Die Ansätze von Augen- und Antennulenstielen liegen nahe beieinander. Der für Neoglyphea inopinata charakteristische langgestreckte vordere Kopfabschnitt fehlt. Das Epistom ist kurz und annähernd doppelt so breit wie lang. Die ersten Schreitbeine sind kräftig und wesentlich kürzer als bei N. inopinata. Ihr Dactylus lässt sich gegen den Propodus schlagen und bildet mit diesem eine unvollständige Schere (Pseudochela).

Fundort und Lebensraum Laurentaeglyphea neocaledonica ist bislang nur von der Capel Bank südlich des Chesterfield-Plateaus im Korallenmeer bekannt. Der Holotypus wurde während der gemeinsamen Tiefsee-Expedition EBISCO des Muséum national d’histoire naturelle und des französischen Institut de recherche pour le développement an Bord des Forschungsschiffs Alis an der Station CP 2498 bei 24° 45,70′ S und 159° 42,13′ O in einer Fangtiefe von 367 bis 536 Metern gesammelt. Der Holotypus befindet sich in der Sammlung des Muséum national d’histoire naturelle in Paris und trägt heute die Inventarnummer MNHN-IU-2008-14773, früher MNHN-Pa 1805.

Der Fundort liegt an einem steilen Hang eines untermeerischen Guyots mit hartem Untergrund. Da nur ein einziges Exemplar bekannt ist, lassen sich daraus keine sicheren Aussagen über den bevorzugten Lebensraum oder die Lebensweise der Art ableiten.

Systematik Bertrand Richer de Forges beschrieb die Art 2006 zunächst als Neoglyphea neocaledonica und stellte sie damit zur damals einzigen rezenten Glypheidea-Gattung Neoglyphea. Der Artname neocaledonica bezieht sich auf die geografische Herkunft des Holotypus aus dem Gebiet Neukaledoniens.

Noch im selben Jahr stellte Jacques Forest aufgrund deutlicher Unterschiede zu Neoglyphea inopinata die neue Gattung Laurentaeglyphea auf. Der Gattungsname erinnert an die französische Karzinologin Michèle de Saint Laurent, die an der Wiederentdeckung und wissenschaftlichen Bearbeitung der ersten rezenten Glypheidea-Art Neoglyphea inopinata maßgeblich beteiligt war. Forest verwendete Laurentaeglyphea zunächst in zwei früher erschienenen Arbeiten in Crustaceana, kennzeichnete den Namen dort jedoch nicht im Sinne des zoologischen Nomenklaturcodes eindeutig als neu. Der Name wurde deshalb erst mit der später im Jahr 2006 erschienenen formalen Beschreibung in den Comptes Rendus Biologies verfügbar, die vorherigen Verwendungen gelten als nomina nuda.

Molekulargenetische Untersuchungen bestätigten die enge Verwandtschaft von Laurentaeglyphea neocaledonica und Neoglyphea inopinata. Eine auf acht mitochondrialen und nukleären Genen beruhende Analyse von 2010 bestätigte die gemeinsame Zugehörigkeit beider Gattungen zu einer monophyletischen Gruppe der Glypheidea. 2018 wurde aus dem Holotypus zudem das vollständige mitochondriale Genom von L. neocaledonica sequenziert. In dieser Analyse bildeten die beiden rezenten Gattungen ebenfalls eine deutlich unterstützte gemeinsame Gruppe, die rezenten Glypheidea erschienen als Schwestergruppe der Polychelida und beide zusammen bildeten die Schwestergruppe der Großkrebse (Astacidea).

Die beiden rezenten Gattungen werden systematisch unterschiedlich eingeordnet. Eine aktuelle Bearbeitung der fossilen und rezenten Glypheidea stellt Laurentaeglyphea und Neoglyphea in die eigenständige Familie Neoglypheidae. DecaNet behandelt die Neoglypheidae dagegen als Synonym der Glypheidae und führt Laurentaeglyphea neocaledonica entsprechend in dieser Familie.

Einzelnachweise

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