Hendra Gunawan (* 11. Juni 1918 in Bandung; † 17. Juli 1983 in Denpasar, Bali), vollständiger Name: Raden Hendra Gunawan, war ein bedeutender indonesischer Maler und Bildhauer. Sein umfangreiches Lebenswerk ist durch europäische Einflüsse und die politischen Ereignisse seit den 1940er Jahren, sein Spätwerk insbesondere durch die traditionelle balinesische Malerei geprägt. Seine Arbeiten gehören zum Kern der indonesischen Kunst seit der Unabhängigkeit und sind maßgeblich für die Entwicklung einer eigenständigen indonesischen Moderne.
Leben und Wirken Gunawan wuchs als Sohn einer Landbesitzerfamilie in Bandung auf, die er verließ, um zu malen. Zunächst arbeitete er als Bühnenbildmaler und Tänzer bei einer Theatertruppe. Dann orientierte er sich am naturalisch-romantischen Stil Abdullah Suriosubrotos, verfeinerte seine Technik unter dem Einfluss des Landschaftsmalers Wahdi Sumanta (1917–1996) und entwickelte eine stärker expressive Formensprache nach dem Vorbild seines Freundes Affendi, den er 1939 kennengelernt hatte. Gunawan und seine Freunde suchten sich die Sujets ihrer Zeichnungen und Gemälde in den Dörfern um Bandung; es warne oft Alltagsszenen mit Bauern, Volkstänzern und Prostituierten. 1940 heiratete er seine erste Frau Karmini, mit der er drei Kinder hatte.
Während der japanischen Besetzung Indonesiens trat Gunawan der 1943 von den Besatzungsbehörden gegründeten Poetera (Pusat Tenaga Rakyat, Zentrum der Volkskraft) bei. Diese Massenorganisation wurde von bekannten indonesischen Nationalisten wie Sukarno und Mohammad Hatta geführt, um die Bevölkerung für Kriegsanstrengungen im antikolonialen Kampf zu gewinnen, nutzte die Struktur jedoch insgeheim auch zur Vorbereitung der Unabhängigkeit. Nach Ausbruch der Revolution 1945 schloss er sich den Malern an der Front an, einem Künstlerkollektiv, zu dem auch Barli Asmoko, Arbedi, Tukandi, Sudjana Kerton und Affandi gehörten. Die Gruppe dokumentierte das Kriegsgeschehen an vorderster Front durch Skizzen und fertigte Revolutionsplakate an. Sie stellte in Yokyakarta aus, wo sich Gunawan niederließ.
1947 trat er nach einem Streit um die Regierungssubventionen und wegen seiner Kritik an dem von Abdullah Sudjono (1911–1993) geförderten fotorealistischen Stils aus dem von diesem 1946 gegründeten, sozialistisch beeinflussten SIM (Verband junger indonesischer Künstler) aus und gründete mit Affandi und anderen eine eigene Gruppe, die Peluki Rakyat („Volksmaler“). 1948 organisierten sie die erste Ausstellung moderner Skulpturen in Indonesien. Gunawana gehörte zu den Initiatoren der Akademi Seni Rupa Indonesia (ASRI), die im Dezember 1949 in Yogyakarta gegründet wurde (seit 1984: Institut Seni Indonesia Yogyakarta, ISI). 1950 hatte er seine erste Einzelausstellung zum Thema Revolution, die auch von Präsident Sukarno besucht wurde, woraufhin er rasch bekannt wurde und öffentliche Aufträge erhielt. Auch Sukarno sammelte Bilder von ihm. mini|hochkant|Hendra Gunawan (unten rechts) arbeitet an einer Skulptur des Volkshelden Sam Ratulangi (1957) 1962 ging er zurück nach Bandung und wurde zum Vorsitzenden der kommunistisch orientierten Künstlervereinigung LEKRA (Lembaga Kebudajaan Rakjat) in Westjava. Neben seiner Tätigkeit als Maler bemühte sich auch um den Erhalt des sundanesischen Tanzes und des Wayang. Im Juli 1962 gehörte er zu den Gründern der Universität der Kunst der Volkes, die sich als Kontrapunkt zur westlich orientierten Fakultät der Schönen Künste des Technischen Instituts Bandung verstand. Nach dem Putsch 1965 wurde Gunawan im Dezember 1965 verhaftet und war fast dreizehn Jahre lang im Kebon Waru-Gefängnis in Bandung gefangen. Dort malte er weiter – oft Frauenfiguren in einem aquarellartigen, teils postimpressionistischen Stil in schimmernden Farben. Er porträtierte diese Frauen nicht nur, sondern zeigte sie in aktiven Rollen z. B. als Straßenhändlerinnen. Die Materialien erhielt er von örtlichen Unterstützern, bevor er 1978 aus der Haft entlassen und nach Bali verbannt wurde. mini|hochkant|Gemälde Gunawans auf einer indonesischen Briefmarke (2002) Dann begannen seine produktivsten Jahre. Es gelang ihm trotz seiner öffentlichen Verfemung, immer mehr Bilder zu verkaufen. Sein Stil änderte sich unter dem Einfluss seiner zweiten Ehefrau Nuraeni Hendra und des Pädagogen Syafei Sumarja (1907–1999), der ihn neuen europäischen Stilen und Techniken wie etwa der Formverzerrung bei Francis Bacon vertraut machte. In seinen letzten Lebensjahren litt Gunawan an Magen- und Herzproblemen. Er verweigerte eine Hospitalisierung und starb 1983. Seine Bilder finden sich weltweit in vielen bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen, z. B. in der des Philanthropen Ciputra.Hendra Gunawan and us seeing Indonesia auf artsandculture.google.com, basierend auf dem Text von Agus Derawan T.: Hendra Guanwan: A Great Modern Indonesian Painter, 2017, Ciputra Artpreneur
2024 wurden Bilder von ihm posthum erstmals in der historischen Sektion Nucleo Storico im Themenbereich Portraits im Zentralen Pavillon auf der Biennale Venedig ausgestellt.
Werke (Auswahl) Pengantin Revolusi (Braut der Revolution, 1957)Hendra Gunawan auf universes.art My family (1968, Nationalgalerie Singapur), im Hintergrund eine Menschenmenge – vielleicht vor dem GefängnisHendra Gunawan auf labiennale.org, 2024 Bitten by a crab (1970) Two women havng meal (1971) Selling fish (1974) Me and my wife (ca. 1977)
Ausstellungen (Auswahl) Prisoner of Hope, Ciputra Art Gallery, Jakarta 2018Carla Bianpoen: Hendra Gunawan: Prisoner of Hope in Jakarta Post, 14. August 2018 Revolusi!, Rijksmuseum Amsterdam 2022 Museum MACAN, Jakarta 2023 Biennale Venedig 2024
Literatur Astri Wright: Soul, Spirit, and Mountain: Preoccupations of Contemporary Indonesian Painters. Oxford University Press, Kuala Lumpur 1994, S. 167–181.
Weblinks
Hendra Gunawan: A collection of 100 paintings auf youtube.com Hendra Gunawan auf wikiart.org Hendra Gunawan and us seeing Indonesia auf artsandculture.google.com</ref>
Einzelnachweise
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