Hydnora esculenta ist eine blattgrünlose Pflanzenart aus der Gattung Hydnora innerhalb der Familie der Hydnoraceae. Dieser Holoparasit auf Pflanzen ist die einzige Art der Familie Hydnoraceae auf Madagaskar.
Beschreibung und Phänologie mini|Habitus mini|Hydnora esculenta lockt kleine schwarze Käfer an Wie alle Arten der Gattung hat auch Hydnora esculenta die Photosynthese aufgegeben und bildet dementsprechend kein Chlorophyll mehr. Die Art ist ein unterirdisch wachsender, ausdauernder Wurzelparasit ohne Blätter oder Sprossachsen.
Das Rhizom ist im Querschnitt vier- bis siebeneckig und hat einen Durchmesser von 0,7 bis 5 cm. Die Oberfläche des Rhizoms ist ledrig, und dunkelbraun bis orange-braun, an der Wachstumsspitze ist es heller. Es wächst horizontal. Auf dem Rhizom sitzen zahlreiche seitliche Tuberkel in deutlichen Linien. Die Anzahl der Linien definiert die Anzahl der Ecken im Querschnitt. Aus den Tuberkeln können sich Blüten oder Haustorien entwickeln. Das Rhizom-Innere ist fleischig, die Farbe ist hell-rosafarben bis rot.
Die Blüten sind drei- bis sechszählig. Die Blüte wächst nur teilweise über die Bodenoberfläche hinaus. Die Blüte besitzt zwei Blütenkammern: eine andrözische Kammer und unter dieser die gynözische Kammer. Die innere Oberfläche der Kammern ist glatt. Die Blütenhülle (Perianth) ist außen ledrig, und braun bis purpur-braun. Die Gesamtlänge beträgt 11,6 bis 26,9 cm lang. Das Perianthgewebe ist fleischig. Die Blütenröhre ist innen weißlich und wird zu den Tepalen hin braun-schwarz.
Die Tepalen sind weißlich bis cremefarben und werden im Alter braun. Die Tepalen messen von der Spitze bis zum Punkt, wo sie mit den anderen Tepalen verwachsen, 4,3 bis 7,4 cm lang. An der Basis sind sie 1,2 bis 3,9 cm breit. Die Tepalen sind länglich bis lanzettlich, an der Spitze häufig stark zurückgebogen, an der Spitze jedenfalls nicht verwachsen. Die Ränder der Tepalen sind mit Setae besetzt. Diese haben einen Durchmesser von rund 3 mm. Pro Tepal gibt es einen, den apikalen Osmophor. Häufig ist der Osmophor entlang der Mitte tief gespalten, sodass er aus zwei Dreiecken besteht, die sich an der Spitze kaum mehr berühren. Der Osmophor ist schwammig und weiß, getrocknet gelb. Er gibt einen muffigen, übelriechenden Duft von sich, der jedoch nicht an verfaulendes Fleisch erinnert. Der Tepalrand ist gerippt.
Die Antherenlappen sind verwachsen und w-förmig, sie bilden einen Antherenring mit einer zentralen Öffnung. Der Ring ist gestreift und in zahlreiche horizontale Pollensäcke unterteilt. Der Pollen ist bisulcat. Der Fruchtknoten steht unterständig, ist unilokulär und mit zahlreichen Samenanlagen an der apikalen Plazenta. Der Fruchtknoten ist rund 2,1 bis 4,6 cm im Durchmesser. Die Narbe ist gelappt und polsterartig, sie sitzt am Grund der gynözealen Kammer und hat einen Durchmesser von 1 bis 3 cm. Bei manchen Blüten ist ein Blütenstiel vorhanden, der bis 5 cm lang werden kann.
Die Frucht ist eine teils unterirdische, gewundene Beere von 7 bis 15 cm Durchmesser. Die Samen sind kugelig, schwarzbraun und 0,7 bis 1,2 mm groß. Jede Frucht bringt tausende Samen hervor, die im weißen Fruchtfleisch eingebettet sind.
Die Blütezeit erfolgt meist von November bis Januar, die Fruchtreife im April und Mai.
Vorkommen Hydnora esculenta ist endemisch im südlichen Madagaskar, genauer in den Regionen Atsimo-Andrefana, Anosy und Androy. Es gibt einen Nachweis der Art von der Insel Réunion, jedoch wird dies als Einschleppung zusammen mit der Wirtsart Pithecellobium dulce angesehen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass diese Art nach wie vor auf Réunion vorhanden ist. Hydnora esculenta ist die einzige Art der Gattung auf Madagaskar.
Über die Standortansprüche von Hydnora esculenta ist wenig bekannt. Das Verbreitungsgebiet ist semi-arid und von Dornbüschen dominiert, und teilweise mit Wald bedeckt. Das Areal reicht jedoch auch bis zu den Übergangs-Regenwäldern im Südosten Madagaskars.
Hydnora esculenta parasitiert auf Vertretern der Familie Fabaceae. Bestätigte Wirtsarten sind die in Madagaskar heimischen Albizia tulearensis und Alantsilodendron dacaryanum, sowie die nicht-heimische, eingeführte Pithecellobium dulce, die heute fast weltweit verbreitet ist. Berichte über die Wirtsarten Casuarina und Tamarindus indica konnten in den letzten Jahren nicht bestätigt werden.
Ökologie Die Blüten von Hydnora esculenta sind proterogyn. Der Geruch lockt Käfer der Familie Hybosoridae an.
Wenn die Käfer auf dem Osmophor landen, rutschen oder fallen viele nach unten in die Blüten-Kammer, eine Kesselfalle, wo sie aufgrund der glatten Wände nicht mehr hinaus gelangen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Tepalen noch fast geschlossen. Nach einiger Zeit öffnen sich die Pollensäcke und entleeren ihren Inhalt auf die Insekten, die Tepalen öffnen sich nach außen und die Käfer können, mit Pollen bedeckt, entkommen. Bislang sind zwei Insektenarten in den Blüten beobachtet worden: sehr selten eine unbekannte Diptere, und sehr häufig der Käfer Kuijtenous laviceps (Hybsoridae), bis zu 200 Exemplare in einer Blüte. Die Blüten sind im Morgengrauen wärmer als ihre Umgebung (bis 3,9 °C), diese Thermogenese könnte zum einen die Geruchsausbreitung befördern sowie auch den Insekten als Wärmequelle dienen.
Die Früchte werden von Lemuren und anderen kleinen Tieren gefressen.
Nutzung Die Früchte von Hydnora esculenta werden als Obst genutzt, der Geruch soll an Renette-Äpfel erinnern. Die Rhizome werden auf lokalen Märkten verkauft und wird in verschiedenen Zubereitungen eingesetzt, die gegen Rheumatismus verwendet werden.
Systematik Die Erstbeschreibung von Hydnora esculenta erfolgte 1912 durch Henri Lucien Jumelle und Joseph Marie Henry Alfred Perrier de la Bâthie in Revue Générale de Botanique, Band 24, Seite 327–328.
Innerhalb der Gattung Hydnora ist Hydnora esculenta Typusart und einzige Art der Untergattung Neohydnora .
Das Artepitheton esculenta bedeutet soviel wie „essbar“. Dies ist eine Übertragung aus der Bezeichnung für Hydnora in Malagasy, voantany, was soviel wie „Frucht der Erde“ bedeutet.
Literatur Jay F. Bolin, L. J. Musselman: Epitypification and ecological notes for the Malagasy holoparasite Hydnora esculenta (Hydnoraceae). In: Nordic Journal of Botany, Band 31, 2013, S. 286–290. Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin, Band 79, 2024, S. 459–514.
Einzelnachweise Jay F. Bolin, L. J. Musselman: Epitypification and ecological notes for the Malagasy holoparasite Hydnora esculenta (Hydnoraceae). In: Nordic Journal of Botany, Band 31, S. 286 – 290, 2013. Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin, Band 79, 2024, S. 459–514. Henri Lucien Jumelle, Joseph Marie Henry Alfred Perrier de la Bâthie: Quelques phanérogrames parasites de Madagascar. In: Revue Générale de Botanique, Band 24, S. 321–328, 1912. eigescannt.
Weblinks
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